25.04.2019

Feminismus und Frauenrechte unter Druck!

Feministinnen aus aller Welt diskutierten über Ungleichheit, Sexismus und Machtmissbrauch – unser Podcast fängt das Wichtigste ein.

- English version below -

Trotz einiger Fortschritte Richtung Geschlechtergleichstellung sind feministische Kämpfe weit davon entfernt ein Relikt der Vergangenheit zu sein. In Europa und den USA haben rechtspopulistische Positionen an Zugkraft gewonnen und ihre Verfechter wollen mit Blick auf die Geschlechterverhältnisse die Uhren zurückdrehen. In anderen Regionen der Welt nehmen konservative Angriffe auf Frauen- und LGBTIQ-Rechte ebenfalls zu. Oft scheinen Themen wie körperliche Integrität und Abtreibung, der vermeintliche Schutz der öffentlichen Sittlichkeit und ein Kampf gegen sogenannte „Geschlechterideologien“ im Zentrum dieser Auseinandersetzungen zu stehen. Allerdings verbirgt sich dahinter ein Kampf um Macht.

Feminist_innen weltweit stehen in vorderster Reihe im Kampf gegen den konservativen Backlash der letzten Jahre. Sie haben die Proteste auf die Straßen getragen und organisierten im Netz Widerstand gegen Antifeminismus und Hasstiraden.

Auf der Veranstaltung „Feminism and women’s rights under attack! International perspectives and counter strategies” am 18. März teilten Frauen von fünf Kontinenten ihre jeweiligen Erfahrungen und diskutierten Strategien, um antifeministischen Backlashes entgegenzuwirken.

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In ihrer Eröffnungsrede betonte Christiane Kesper, Leiterin der Abteilung Internationale Entwicklungszusammenarbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung, dass der Kampf für soziale Gerechtigkeit ein gemeinsames Anliegen der Sozialdemokratie, der Arbeiterbewegung und von Feminist_innen weltweit sei. Insbesondere in der aktuellen politischen Situation sei es wichtig sich über Erfahrungen und strategische Ansätze auszutauschen.

Moderiert von Kristina Lunz (Centre for Feminist Foreign Policy) diskutierten die Panelistinnen, wie Kämpfe für Frauenrechte sich verändern und wie erfolgreiche Strategien gegen Antifeminismus aussehen. Sahar Aloul (SADAQA - Organization for the Promotion of Women's Labour Rights) aus Jordanien beschrieb, wie Frauen trotz ihrer guten Ausbildung noch immer weitgehend vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden. Strukturelle Barrieren beinhalten den Mangel an Kindertagesstätten, das Fehlen von einem zugänglichen und sicheren öffentlichen Verkehrssystem sowie Niedriglöhnen. Es handelt sich um die Verschwendung von ökonomischem Potential, aber Aloul ist zuversichtlich, dass durch die Unterstützung der richtigen Arbeitspolitik etwas bewegt werden kann. Genauso wichtig ist eine faire Verteilung von Pflegearbeit zwischen Männern und Frauen, und somit sich verändernden Geschlechterrollen.

Scheaffer Okore (Aktivistin und stellvertretende Vorsitzende der Ukweli Partei) teilte ihre Erfahrung als Frau in Kenia von vielen Bereichen der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein. Nicht Willens sich für einen Wandel auf andere zu verlassen, hat sie entschieden – gemeinsam mit anderen – die Ukwele (Kisuaheli für Wahrheit) Partei zu gründen. Sie sieht Feminismus als den Schlüssel zur Lösung vieler Probleme in Kenia, auch wenn der Feminismus als solcher oft als „nicht-afrikanisch“ bezeichnet wird, um Feminist_innen zu diskreditieren. Für Okore ist diese Behauptung absurd: „Ich finde es immer sehr amüsant, da die gesamte Idee des Feminismus darin besteht, Macht zu dekonstruieren.“

Anita Gurumurthy (Mitbegründerin und Leiterin von IT for Change) aus Indien hat einen anderen Weg eingeschlagen. Sie hat sich in den technischen Bereich begeben und hat Informationstechnologie und das Internet in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt, da sie sieht, wie strukturelle Diskriminierung im digitalen Bereich reproduziert wird. Sie betonte die Rolle von Technik und dem Internet als einen neuen öffentlichen Bereich, der unsere Leben beeinflusst und dass es notwendig ist gegen die allgegenwärtige Frauenfeindlichkeit und den Sexismus im Netz vorzugehen.

Obwohl die politischen Entwicklungen in Lateinamerika weit davon entfernt sind auf dem Weg in eine bessere feministische Zukunft zu sein, sieht Ailynn Torres Santana (FLACSO Ecuador, Kuba) Hoffnung in der Tatsache, dass die feministische Bewegung den reaktionären Rechtsruck sehr offen kritisiert. Sie haben, trotz aller Unterschiede, ihr Mobilisierungspotential unter Beweis gestellt.

Yasmina Banaszczuk (Journalistin und Autorin) reflektierte die Situation in Deutschland und sieht sowohl viele ähnliche Herausforderungen als auch Raum, um von den Erfahrungen aus den anderen Regionen der Welt zu lernen. Allerdings bleibt keine Zeit sich auf dem Erreichten auszuruhen. Banaszczuk betonte die Notwendigkeit auch bei den anstehenden Europawahlen für Frauenrechte zu wählen.

Es wurde deutlich, dass Allianzen gebildet und neue Brücken gebaut werden müssen, um dem Backlash gegen Feminismus entgegenzutreten. Außerdem ist es wichtig, weitere progressive soziale Bewegungen mit einzubeziehen. Ein erster Schritt ist der grenzüberschreitende Austausch von Erfahrungen.

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- English version -

Despite some progress towards gender equality, feminist struggles are far from being a relic of the past. In Europe and the US right-wing populist positions gained traction and their advocates want to turn the clocks back in regard to gender roles. In other regions of the world, conservative attacks on women’s and LGBTIQ-rights are also increasing. Often issues of bodily integrity and abortion, the alleged protection of public morals and a fight against so-called “gender-ideology“ seem to be at the center of the struggles. Though, what lies under the surface is a struggle over power.

Feminists around the world are at the forefront in the battle against the conservative backlash in recent years. They took the protest to the streets and organized resistance against antifeminism and hate speech online. Women from five continents shared their respective experiences and discussed strategies to counter anti-feminist backlashes at the public event “Feminism and women’s rights under attack! International perspectives and counter strategies” on 18 March 2019.

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In her opening words Christiane Kesper, Head of Division for International Development Cooperation of the Friedrich-Ebert-Stiftung, emphasized that the fight for social justice is a common cause of social democracy, the labor movement and feminists worldwide. Especially in a political situation like today, it is important to exchange experiences and strategic approaches.

Moderated by Kristina Lunz (Centre for Feminist Foreign Policy) the panelists discussed how struggles for women's rights are changing and what successful strategies against anti-feminism look like. Sahar Aloul (SADAQA – Organization for the Promotion of Women's Labour Rights) from Jordan described how women are still widely excluded from the labour market, even despite their good education. Structural barriers include the lack of day-care, the lack of an accessible and safe public transportation system, and low pay.It is a waste of economic potential, but Aloul is confident that lobbying for the right labor policies will make a difference. Equally important is a fair distribution of care work between men and women, therefore changing gender roles.

Scheaffer Okore (activist and vice-chairperson Ukweli Party) shared her experience of being excluded from many areas of society as a woman in Kenya. Reluctant to rely on others for change, she decided – together with others – to found the Ukwele (Kiswahili for truth) party. She sees feminism as a key to solve many of Kenya’s problems, even though feminism itself is frequently labeled as “un-African” to discredit feminists. To Okore, this allegation is absurd: “I always find it very amusing because the whole idea of feminism is to deconstruct the power”.

Anita Gurumurthy (co-founder and director of IT for Change) form India took a different path. She entered the technical domain, and put information technology and the internet at the center of her work, because she sees how structural discrimination is being reproduced in the digital sphere. She emphasizes the role of technology and the internet as a new public sphere in shaping our lives and that it is vital to step up against the pervasive misogyny and sexism online.

Though political developments in Latin America are far from being on track to a better feminist future, Ailynn Torres Santana (FLACSO Ecuador, Cuba) sees hope in the fact that the feminist movement is very outspoken against the reactionary shift to the right. They have proven their mobilization potential despite all diversity.

Reflecting on the situation in Germany, Yasmina Banaszczuk (journalist and author) sees many challenges mirrored and sees room to learn from the experience in other parts of the world. There is no time to rest in regard to what has been accomplished. Banaszczuk emphasized the need to also vote for women’s rights in the European elections.

It becomes clear that to counter the backlash against feminism, building alliances and new bridges as well as reaching out to other progressive social movements will be important. A first step is the cross-border exchange of experiences.

 

Länder / Regionen: Jordanien | Indien | Afrika | Demokratie- und Medienförderung | Kenia | Kuba

Arbeitseinheit: Internationale Entwicklungszusammenarbeit | Referat Afrika


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