Integrationspolitik

Miteinander in Vielfalt

Wie gelingt ein Miteinander in Vielfalt? Dies ist die Leitfrage von Integrationspolitik. Denn moderne Gesellschaften sind – auch unabhängig von Einwanderung – religiös, politisch oder auch sozial vielfältig und geben Raum für ganz unterschiedliche Lebensentwürfe.

Diese Vielfalt birgt viele positive Potenziale, kann aber gleichzeitig auch zu Konflikten führen, die gelöst werden müssen. Integration verstehen wir als Prozess, der diese Konflikte konstruktiv löst und Potenziale zur Entfaltung bringt. In diesem Sinne setzt sich die Friedrich-Ebert-Stiftung für eine Integrationspolitik ein, die allen Menschen in Deutschland Teilhabe an dieser Gesellschaft ermöglicht.


Beiträge zu Integrationspolitik

21.05.2019 | Integrationspolitik | Integration | News

Von Freiheit und Widersprüchen

Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes reflektiert Seminarleiter Chadi Bahouth, was die deutsche Verfassung geflüchteten Menschen bedeutet.


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14.05.2019 | Integrationspolitik | News | Interview

„Wir haben alle viel mehr gemeinsam als uns trennt“

Wir sprachen mit Sebastian Schipper (Victoria) über seinen neuen Film „Roads“.


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29.03.2019 | Flucht, Migration, Integration | Integrationspolitik | Integration | Einwanderungsgesellschaft | News | Rückblicke | Interview

"Es ist wichtig, einander zuzuhören und voneinander lernen zu wollen"

Wie diskutieren Vertreter_innen der Zivilgesellschaft das Thema Migration und Integration? Darüber spachen wir mit Lars Castellucci.


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21.03.2019 | Flucht, Migration, Integration | Integrationspolitik | Integration | Interview

"Rassismus ist ein fundamentaler Angriff auf unser demokratisches Miteinander"

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Rassismus am 21. März sprachen wir mit Farhad Dilmaghani, dem Gründer von DeutschPlus.


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| Flucht, Migration, Integration | Integrationspolitik | Integration | Interview

"Geflüchtete Frauen werden auf dem Arbeitsmarkt kaum als Zielgruppe erkannt"

Wir sprachen mit Ildikó Pallmann von der „Fachstelle Einwanderung“ im IQ-Netzwerk über die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen.


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Weitere Beiträge finden Sie hier.

#angekommen

#angekommen – der Integrationskongress‎ der Friedrich-Ebert-Stiftung – fand am 6. und 7. März 2017 in Berlin statt.

Rund 1.000 Teilnehmende aus Kommunen, Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der Politik diskutierten mit den rund 100 Referent_innen über Integrations- und Migrationspolitik.

Wo stehen wir also bei der Integration Geflüchteter in Deutschland?

Was ist bereits gelungen, was noch auf dem Weg im Interesse von Integration und Teilhabe?

Und was können wir angesichts fortlaufender weltweiter Fluchtbewegungen von internationalen Erfahrungen lernen?

Die Kongress-Dokumentation finden Sie hier.

Integrationspolitik im Fokus

Warum und was für ein Miteinander in Vielfalt?

Eine moderne Gesellschaft wie Deutschland ist vielfältig. Historisch betrachtet könnte man ergänzen, das war sie schon immer. Unterschiedliche Konfessionen, regionale Kulturen, Bräuche und Sprache prägen das Land seit jeher. Diese Vielfalt wird seit langem erweitert und Deutschland ist mittlerweile eine wirkliche plurale Gesellschaft. Auch durch Einwanderung aus anderen Ländern wird die Vielfältigkeit Deutschlands ergänzt. Nachdem beispielsweise eine Generation von „Gastarbeiter_innen“ noch rein temporär willkommen war, sind ihre Kinder und Enkelkinder mittlerweile fester Bestandteil dieser Gesellschaft. Auch mit der Einwanderung von Spätaussiedler_innen aus den ehemaligen Gebieten der Sowjetunion hat die Bundesrepublik viel Erfahrung. In jüngster Zeit kommen vermehrt auch Einwanderer_innen aus der Europäischen Union, die ihr Recht auf Freizügigkeit wahrnehmen oder Menschen aus arabischen und afrikanischen Staaten, die vor Not und Gewalt fliehen und hier ein sicheres und besseres Leben suchen.

All diese Menschen leben in Deutschland zusammen. Manchmal haben sie verschiedene Bedürfnisse. Während manche Kenntnisse der deutschen Sprache bereits mitbringen oder sie im Alltag ganz leicht lernen, brauchen einige spezielle Angebote zum Erlernen der Sprache. Auch haben viele bereits berufliche Qualifikationen, die in einer entwickelten Ökonomie wie in Deutschland dringend gebraucht werden. Andere wiederum benötigen Angebote für Weiterbildung und berufliche Qualifizierung.

Viele Bedürfnisse, Wünsche und Lebensziele haben jedoch alle gemeinsam. Auch Integration bedeutet deshalb keine einseitige Anpassungsleistung von Eingewanderten oder anderen Angehörigen von Minderheiten, sondern muss als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und ein wechselseitiger Prozess verstanden werden. Auf den Punkt gebracht: Wir brauchen keine Sonderprogramme für Migrant_innen oder Geflüchtete, sondern funktionierende Strukturen für alle.

In diesem Sinne braucht Deutschland eine Politik,

  • Die unsere Gesellschaft zusammenhält und gegen Spaltungsversuche wirkt,
  • die dafür sorgt, dass jeder junge Mensch im Bildungssystem eine Chance hat – unabhängig vom Hintergrund der Eltern,
  • die den demografisch bedingten Arbeitskräftebedarf anerkennt und Lösungsstrategien (auch) in der Einwanderungsgesellschaft sieht
  • die die neue soziale Frage nach bezahlbarem Wohnraum in Großstädten löst – ohne Konkurrenz zwischen Alteingesessenen und Hinzukommenden zu verursachen,
  • die integrationspolitische Angebote vor Ort, in Städten, Dörfern und Landkreisen fördert.

Integration und Soziale Demokratie

Für die Soziale Demokratie entstehen somit im Bereich Integration einige Herausforderungen und Aufgaben, die speziell mit der Integration von Neubürger_innen in der Einwanderungsgesellschaft zu tun haben, aber auch solche, die unabhängig davon wirken. Die Soziale Demokratie basiert auf den Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Diese Grundwerte prägen dabei auch die integrationspolitischen Ansätze. Aus den Grundwerten ergibt sich für den Umgang mit kultureller Vielfalt ein klarer Kompass: Anerkennung und Teilhabe für alle, das gilt es zu sichern.

Teilhabe bedeutet, dass allen Menschen die Möglichkeiten und Chancen ihrer Gesellschaft tatsächlich offenstehen. Anerkennung bedeutet, dass Menschen in einem religiös und kulturell vielfältigen Gemeinwesen als Gleiche akzeptiert und behandelt werden. Fundament des Zusammenlebens ist das Grundgesetz. Es setzt Grenzen und bietet Raum für kulturelle Vielfalt. Die Soziale Demokratie widersetzt sich dabei Verständnissen einer ethnisch homogenen Abstammungsgemeinschaft, denn deutsch ist man nicht nur, deutsch kann man auch werden. Gleichzeitig erweitert und verändert sich der Inhalt dessen, was Deutschsein bedeutet. Das Ziel muss es sein, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Chancengleichheit und politische Teilhabe für alle zu gewährleisten und gesellschaftliche Ausgrenzung zu verhindern.

Integration vor Ort

Die Bausteine einer gelingenden Integrationspolitik müssen auf verschiedenen Ebenen ineinander greifen. Auf der kommunalen Ebene stehen dabei oft ganz praktische Fragen im Fokus: Wie gelingt Integration vor Ort und was gilt es mit speziellem Fokus auf Geflüchtete dabei zu beachten? Aber auch: welche Chancen liegen darin? Denn von guter Integrationspolitik auf der kommunalen Ebene können alle profitieren und auch die alteingesessenen Bürger_innen können so gestärkt werden.

Integration in den Arbeitsmarkt

Die meisten Einwanderinnen und Einwanderer erhoffen sich in Deutschland ein besseres Leben, als es ihnen in ihren Herkunftsländern möglich ist. Die Teilhabe an existenzsichernder Erwerbsarbeit ist dafür eine zentrale Voraussetzung. Sie ist nicht nur wichtig für finanzielle Unabhängigkeit, sondern insbesondere auch für das psychische Wohlergehen der meisten Menschen. Im Industriezeitalter war es der Arbeitsplatz, der die stärkste integrative Wirkung auf Einwandernde ausübte. Hier kamen sie in Kontakt mit (u.a. deutschen) Kolleg_innen, wurden nicht selten Gewerkschaftsmitglieder und politisierten sich mitunter im deutschen Parteiensystem. Das hat sich parallel zum Wandel Deutschlands in Richtung Dienstleistungsgesellschaft verändert. Nichtsdestotrotz: Der Zugang zu existenzsichernder Erwerbsarbeit bleibt ein zentraler Faktor für gelingende Integration insgesamt. Eine gelingende Integration in Erwerbsarbeit ist nicht auch zuletzt ein Faktor, der die Stimmung in der Aufnahmegesellschaft den Neueinwandernden gegenüber, beeinflusst.

Je nach Qualifikationsprofil der Einwandernden gelingt es manchen besser als anderen, sich in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren. EU-Binnenmigrant_innen haben freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt, kennen das Land oft bereits und haben damit erleichterte Startchancen. So leben mittlerweile fast 5 Millionen EU-Bürger_innen in Deutschland.

Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, haben es da im Durchschnitt schwerer. Oft bringen sie nicht ausreichend nachweisbare formale Qualifikationen für den deutschen Arbeitsmarkt mit. Dazu kommt bei vielen mit nur subsidiärem Schutz oder lediglich einer Duldung der unsichere Aufenthaltsstatus. Die Entwicklung einer längerfristigen Perspektive in formale und qualifizierte  Beschäftigung zu kommen, wird hierdurch natürlich negativ beeinflusst.

Am einfachsten haben es sicherlich die Menschen, die – trotz eines bisher stark fragmentierten deutschen Einwanderungsrechts – direkt in den Arbeitsmarkt einwandern. Diese klassischen Arbeitsmigrant_innen sind heute oft hochqualifiziert und werden meist direkt von Arbeitgebern in Deutschland angeworben. Um diesen Zugang auszuweiten und in manchen Branchen dringend benötigte Fachkräfte verstärkt anzuwerben, plant die Bundesregierung für 2019 die Umsetzung eines Fachkräfteeinwanderungsgesetzes.

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