Diese Webseite verwendet Cookies
Diese Cookies sind notwendig
Daten zur Verbesserung der Webseite durch Tracking (Matomo).
Das sind Cookies die von externen Seiten und Diensten kommen z.B. von Youtube oder Vimeo.
Geben Sie hier Ihren Nutzernamen oder Ihre E-Mail-Adresse sowie Ihr Passwort ein, um sich auf der Website anzumelden.
Von Petra Keller, Sarah Gräf und Sara Schat
Non-Profit-Organisationen (NPOs) arbeiten werteorientiert. Doch wie sozial und ökologisch ist die eigene Organisation beim näheren Hinsehen tatsächlich aufgestellt und wie kann eine sozial-ökologische Nachhaltigkeit gestärkt werden?
Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine weltweite basisdemokratische Bewegung, die 2010 in Wien startete. Sie umfasst ein Modell für die Organisationsentwicklung und Bewertung des ethischen Handelns, das auch auf NPOs angewendet werden kann. Nach diesem Modell wird die eigene Organisationskultur, - struktur und -strategie basierend auf den Werten Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, sowie Transparenz und Mitbestimmung – reflektiert.
Wo werden beispielsweise Büromaterialien bestellt? Welches Essen wird bei Veranstaltungen angeboten? Wie werden Verträge mit Mitarbeitenden oder Externen gestaltet? In unserem Thema im Fokus zeigen wir, was NPOs von der Gemeinwohl-Ökonomie lernen können, um ethischer und nachhaltiger zu werden.
Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist eine internationale Bewegung von Menschen, Unternehmen und Gemeinden, die sich für ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem und eine gerechtere Welt einsetzen. Im Fokus hierbei stehen die Menschen und die Umwelt – nicht der Profit. Die Gemeinwohl-Bilanz soll Anreize für Unternehmen und Organisationen schaffen, sich nachhaltig, kooperativ, transparent und umfassend ethisch zu verhalten. Eine Forderung der GWÖ ist, dass Unternehmen mit einer besseren Gemeinwohl-Bilanz Vorteile bekommen, bspw. bei Steuern, Krediten oder bei öffentlichem Einkauf. Um ihre Ziele zu erreichen, arbeitet die GWÖ-Bewegung zusammen mit Politik, Unternehmen, Organisationen und der Gesellschaft in einem demokratischen Prozess.
Die Gemeinwohl-Ökonomie basiert auf den Werten Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit sowie Mitbestimmung und Transparenz.
Die Gemeinwohl-Ökonomie setzt sich gegen die Ausbeutung von Angestellten ein. Menschenwürde bedeutet, dass jeder Mensch wertvoll, einzigartig und schützenswert ist, unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion, Sprache, Nationalität, sozialer Herkunft oder politischer oder sonstiger Überzeugung. Menschen stehen dabei über jeder Sache,Vermögenswerten und der Verwertbarkeit ihrer menschlichen Arbeitskraft.
Die Werte Solidarität und soziale Gerechtigkeit zielen darauf ab, Ungerechtigkeiten und Diskriminierung abzubauen, Verantwortung und Macht zu teilen und Verteilungsgerechtigkeit global herzustellen.
Die Gemeinwohl-Ökonomie unterstützt Einzelpersonen, Unternehmen, Gemeinden und Organisationen dabei, zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen und die Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ein gutes Leben zu führen. Wir alle müssen die menschengemachte Klimakrise in Angriff nehmen!
Transparenz bedeutet die Offenlegung aller Informationen, die für die Gemeinwohlorientierung und Entscheidungsprozesse relevant sind. Mitbestimmung fördert die Beteiligung aller Interessengruppen. Mitarbeitende, Lieferant*innen und Geschäftspartner*innen können sich auf verschiedenen Ebenen einbringen, vom Vetorecht bis zur kollektiven und einvernehmlichen Entscheidungsfindung.
Die Gemeinwohl-Matrix ist ein Instrument für die Organisationsentwicklung und Bewertung von unternehmerischen und gemeinwohl-orientierten Aktivitäten. Sie umfasst 20 Themen, die eine Orientierungshilfe darstellen, um den Beitrag einer Organisation zum Wohl der Menschen und des Planeten zu bewerten. Das Tool steht als Open-Source frei zur Verfügung. Im Bewertungsprozess positioniert sich die Organisation auf einer Skala, die abbildet, wie weit entwickelt die einzelnen Werte in verschiedenen Dimensionen ethischen Verhaltens sind. Auf diese Weise wird die Entwicklung der Organisation werteorientiert und ganzheitlich gefördert.
Martina Dietrich ist systemische Organisationsentwicklerin. Mit ihr sprechen wir über das Besondere der Gemeinwohl-Ökonomie und deren Umsetzbarkeit in NPOs.
Die GWÖ kann Transparenz schaffen, Bedarfe offenlegen und so NPOs dabei helfen, knappe Ressourcen bestmöglich einzusetzen.
Für sozial-ökologischen Wandel können und müssen zivilgesellschaftliche Organisationen ihre Arbeit nachhaltig, werteorientiert und zukunftsfähig gestalten. Oftmals besteht allerdings eine Diskrepanz zwischen den nach außen vermittelten Werten und der tatsächlichen Umsetzung.
Denn gerade in NPOs führt Ressourcenmangel sowie ökonomischer und zeitlicher Druck oftmals zu Abstrichen in Fragen sozial-ökologischer Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Dann macht sich eine Non-Profit-Organisation schnell unglaubwürdig, wenn sie sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt, Mitarbeitende allerdings schlecht entlohnt und Überlastung an der Tagesordnung steht.
Auch wenn beim Einkauf nicht auf sozial-ökologische Aspekte geachtet wird, betriebliche Mitbestimmung begrenzt ist und es ein Machtgefälle zu externen Dienstleister*innen gibt, kann das zu großen Frustrationen bei Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen führen. Die Gemeinwohl-Ökonomie versucht dieser Problematik entgegenzuwirken und unterstützt dabei, Entwicklungsfelder zu identifizieren und Veränderungen in Organisationen anzustoßen.
ecogood - Übersichtsseite der Gemeinwohl-Ökonomie in Deutschland
Gemeinwohl-Matrix von Gemeinwohl-Ökonomie
Arbeitsbuch zur Gemeinwohl-Bilanz 5.0 Kompakt von Gemeinwohl-Ökonomie
Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber
Nationale Strategie für Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte Unternehmen von BMWK
2025 | Der 4. Engagementbericht der Bundesregierung beleuchtet Schwellen im freiwilligen Engagement. In diesem Fokus-Thema bieten wir eine Übersicht und erarbeiten erste Schritte für NPOs, die ihre eigenen Zugangshürden beseitigen wollen.
2025 | Besonders in NPOs spielt der Aufbau von Netzwerken, Allianzen und Bündnissen eine immer größere Rolle. Wie kann eine Zusammenarbeit strategisch geplant werden, so dass sie aufkommenden Schwierigkeiten standhält?
2024 | Auch in Deutschland schränken staatliche und nicht-staatliche Akteur*innen den Raum für zivilgesellschaftliches Engagement zunehmend ein. Wie können sich NPOs strategisch aufstellen und sich gegen Angriffe schützen?