Ehegattensplitting

Was bedeutet Ehegattensplitting?

Das Ehegattensplitting ist ein Verfahren der Steuerberechnung, das Ehepaaren wie auch eingetragenen Lebenspartnerschaften zu Gute kommt. Dabei werden die Einkommen der beiden zusammengezählt und anschließend durch zwei geteilt. Auf das so errechnete Einkommen wird die Steuer erhoben. Das Verfahren stammt von 1958, als in der Bundesrepublik Deutschland das Modell der Hausfrauenehe das Ideal war.

 

Das Ehegattensplitting ist von Vorteil, wenn es große Verdienstunterschiede gibt: wenn, wie auch heute noch oft, der Mann der Hauptverdiener ist und die Frau „nur“ dazu verdient hat, weil sie in Teilzeit arbeitet oder einen Minijob hat. Je größer der Einkommensunterschied ist, desto größer ist die Steuerersparnis. Die negative Auswirkung ist, dass es für verheiratete Frauen weniger Anreize gibt, selbst voll erwerbstätig zu sein. Erst wenn beide nahezu gleich viel verdienen, wirkt sich das Splitting nicht als Steuerersparnis aus.

 

Seit Jahren wird eine Reform des Ehegattensplittings gefordert, weil es die stereotype Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen zementiert. Die Aufteilung der Erwerbsarbeit bei Paaren — er Vollzeit, sie Teilzeit — ist ursächlich für viele geschlechtsspezifische Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt. Sie wirken sich beim Gender Pay Gap aus, der Verdienstlücke zwischen Mann und Frau, und konsequent dann auch bei der Rentenlücke, dem Gender Pension Gap.

 

Da das Ehegattensplitting auch bei gleichgeschlechtlichen Ehepaaren zur Anwendung kommt, steht die Frage im Raum, wieweit die hier kritisierten Effekte auch sie betreffen.

 


Quellen



Weitere Beiträge zum Thema Gender und Geschlechtergerechtigkeit:

gemaltes Bild von vier nebeneinander schwebendes, sich an den Händen haltenden Frauen in bunten Kleidern

Geschlechtergerechte Machtverhältnisse, Land und Pflege neu denken

14.01.2026 News, Internationale Gemeinschaft und Zivilgesellschaft, Gender Weltweit
 
Eine pakistanische Heimarbeiterin in traditioneller Kleidung sitzt auf der Erde und flechtet Körbe

Der Weg einer Heimarbeiterin in Pakistan

26.11.2025 Gender Weltweit, Gewerkschaften international
 
Das Bild zeigt einen jungen Mann und eine junge Frau

Der Gender Gap unter Europas junger Generation: Macht, Werte und Beziehungen im Wandel

16.10.2025 Gender Weltweit
 
Grafik einer Weltkugel mit diversen menschlichen Icons

Ein Schritt vor, zwei zurück?

30.10.2025 Gender Weltweit
 
Abstraktes Bild in Rottönen: Feine helle Linien verlaufen gleichmäßig von links unten nach rechts oben, darüber verzweigen sich netzartige Strukturen

Security Radar 2025: Geschlechtsspezifische Perspektiven auf Sicherheit

15.09.2025 Gender Weltweit
 

Wir erwarten mehr: Zeit für eine entschlossene Gleichstellungspolitik!

03.09.2025 Publikation, Gender, Soziales
 
Porträt von Natascha Sagorski auf dunkelgrünem Hintergrund mit der Überschrift des Podcasts "Zukunft gerecht Talk"

Gestaffelter Mutterschutz: Wie Natascha Sagorski ein Gesetz geändert hat

20.08.2025 Podcast, Gender
 
Banner mit den Worten "1325 - Frauen, Frieden und Sicherheit" bei einer Fotoausstellung zu Frauen, Frieden und Sicherheit in der Ukraine anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Verabschiedung der Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates.

Grundnüchtern: 25 Jahre UN-Sicherheitsratsresolution 1325 und die Agenda „Frauen, Frieden und Sicherheit“

08.09.2025 Gender Weltweit, Frieden und Sicherheit
 
Gemälde mit einem Mann zu Pferd und einem darunter stehenden Dienstmädchen auf der Straße

„Nicht viel dabei“ – Die Verharmlosung von Gewalt am Arbeitsplatz Privathaushalt im 19. und 20. Jahrhundert

13.08.2025 Arbeit, Gender, Denkanstoß Geschichte
 

Die Polarisierung der Geschlechter: Der moderne Gender-Gap im Wahlverhalten bis 2025

25.04.2025 Publikation, Gender, Parteien und Wahlen, Soziales, Sozial- und Trendforschung
 
nach oben