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22. FES-Sommeruniversität: Zeitenwende(n).

Zurück am See statt in Zoom - Wir laden euch herzlich zur 22. FES-Sommeruniversität ein!

Vom 3. 8. Juli wollen wir mit euch in der Nähe Berlins wieder von Angesicht zu Angesicht diskutieren und nachdenken:

  • Über die Situation in der Ukraine;
  • Über die richtigen Antworten auf den russischen Angriffskrieg und die Zeitenwende in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik;
  • Über die Frage, welche anderen Zeitenwenden wir angesichts von Klimawandel, Ungleichheit und überhaupt brauchen;
  • Darüber, was der Krieg in anderen Teilen der Welt und anderen Politikfeldern bedeutet;
  • Über eure Ideen und Projekte.

Wir bringen euch miteinander und mit Spitzen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft ins Gespräch. Pandemiebedingt erfolgt die Unterbringung in diesem Jahr in Einzelzimmern. Gleichzeitig ist die Teilnehmer_innenzahl auf 60 Personen beschränkt. Das Angebot richtet sich vor allem an jüngere politisch interessierte und engagierte Menschen zwischen 18 und 35 Jahren. Die Friedrich-Ebert-Stiftung trägt die Kosten für Unterkunft und Verpflegung.


Montag - Rückblick

Zur Lage und Perspektiven in der Ukraine und Russland

Der erste Tag der Sommeruniversität beginnt mit einem Gespräch über die Lage in der Ukraine und in Russland mit den Leitern der FES-Büros dieser beiden Länder.

Marcel Röthig leitet seit Juli 2017 das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung für die Ukraine mit Sitz in Kiew. Nach einer ersten Schockphase zu Beginn des Krieges, nachdem Mitarbeiter:innen zwischenzeitlich fliehen mussten, gewöhne sich das Team gerade langsam an die neue Realität. Der FES-Vorstandsbeschluss weiter vor Ort zu bleiben, das Büro nicht zu schließen habe Sicherheit und Selbstbewusstsein gegeben. Aber wie arbeitet man in einer Kriegssituation? „Wir haben umgesteuert.“ Jetzt habe Priorität, die Partner im Land dabei zu unterstützen, Botschaften aus der Ukraine in die Welt zu tragen. Marcel Röthig und sein Team informieren Bundestag und Ministerien über die Situation in der Ukraine und beraten auf der anderen Seite ukrainische Akteure bei Fragen zum Wiederaufbau des Landes.

Ganz andere Fragen beschäftigen Peer Teschendorf, der seit 2018 die Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Russischen Föderation leitete. Seit Kriegsausbruch sind es vor allem die Repressionen nach innen, die die Arbeit des Büros erschweren. Im April wurde dem Auslandsbüro von Seiten Russlands die Rechtsgrundlage entzogen, das Büro musste geschlossen werden. Auch wenn gerade nicht in, müsse unbedingt weiter zu Russland gearbeitet werden, über NGO oder die Exil-Community. Aktuell lautet das Ziel, „so viel wie möglich mit der Zivilgesellschaft in Austausch zu bleiben.“


"Es ist nicht die Zeit, die agiert, sondern wir agieren."

Grundwerte in Zeiten der Zeitenwende

Gesine Schwan beginnt ihren Vortrag mit einem historischen Abriss über die Entstehung und Bedeutung der Grundwerte der SPD - Gerechtigkeit, Freiheit, Solidarität. „Gerechtigkeit bedarf Solidarität, um hergestellt zu werden, wer Freiheiten fordert, muss sie für alle garantieren“ Die Grundwerte gehören unbedingt zusammen und können nicht isoliert voneinander gefordert werden, so die erste These der Vorsitzenden der Grundwertekommission. Wie sich diese Werte ergänzen, gleichzeitig aber auch in einem komplexen Spannungsverhältnis zueinander stehen, habe die Zeitenwende gezeigt:

„Wir haben vor Augen geführt bekommen, wie labil und abhängig wir sind.“

Die eigentliche Lektion der Zeitenwende sei, dass der Westen auf internationale Solidarität angewiesen ist. Der SPD als internationalistische Partei, müsse diesen Fokus wieder mehr schärfen. Aber wie mit dieser Verwundbarkeit umgehen? Schwan erhofft sich von dieser Einsicht eine „heilsame Wirkung auf westliche Arroganz“. Natürlich müssten Energieabhängigkeiten überwunden werden, gleichzeitig müsse die EU-Asylpolitik genauso wie die Klimapolitik neu ausgerichtet werden. Als Mitglied der Grundwertekommission wünscht sich Schwan eine Rückbesinnung auf Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität als realpolitische Faktoren. „Demokratie fordert uns auch etwas ab“ – nach innen und nach außen. Der Westen, die EU müsse verstärkt in globale Beziehungen und Kooperationen investieren. Stattdessen sei die EU aktuell an vielen Stellen strukturell unsolidarisch, wie die Fischereipolitik oder die Migrationspolitik zeigten.

Gesine Schwan legt mit ihren Analysen den Finger in die Wunde, referiert über die Spannung zwischen nationalen (Wähler:innen-)Interessen und internationaler Solidarität, über die Entpolitisierung der Merkeljahre, die Problematik der Sanktionspolitik, regt aber auch konkrete Lösungsvorschläge an: „Wir müssen die Unternehmen in die Pflicht nehmen“ – diese müssten Verantwortung übernehmen, von dem Umfeld, von dem sie wirtschaftlich profitieren. Schwan wirbt dafür, auch die großen globalen Probleme kommunal anzugehen, wie anhand von kommunalen Entwicklungsbeiräten. „Ich bin so sehr für kommunale Politik, weil sich hier globale Probleme offenbaren, von der Migrations- bis zur Klimapolitik.“

Zur Person: Gesine Schwan ist Politikwissenschaftlerin und Vorsitzende der Grundwertekommission. Sie war Dekanin des Otto-Suhr-Instituts, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina und zweimal SPD-Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin.


Sommeruniversität 2022 - Zeitenwende heißt für mich...

...dass es morgen besser sein kann als heute.

- Amarjot, 23 Jahre, studiert Jura in Berlin

Meine Erkenntnis des Tages:

Besonders spannend war das Gespräch mit den Leitern der Büros in der Ukraine und Russland - ein Ereignis, zwei Perspektiven. Wie unterschiedlich der Krieg die Gesellschaften beeinflusst. Das Gespräch verging, die Fragen blieben, hier hat man gemerkt, wie Idealismus auf die Realität prallen kann.

Zeitenwende heißt für mich:

Für mich bedeutet Zeitenwende vor allem Hoffnung. Als Teil des Ideals, dass es morgen besser sein kann als heute. Natürlich sind Hoffnungen auch immer durch das eigene Weltbild, die individuelle Brille gefärbt.

Hier wünsche ich mir eine Zeitenwende:

Eine neue Herangehensweise an das Konzept Staat: Ein Staat ist kein Selbstzweck, wir vereinigen uns, weil wir glauben, dass wir davon profitieren können. In welchem Verhältnis steht das Individuum zum Staat? Was will ich geben für das, was ich bekomme? Gemeinwohl, persönliche Freiheiten, all das muss neu diskutiert werden.

Darauf freue ich mich:

Schönes Wetter, anregende Gespräche, die offene, einladende Atmosphäre.


"I´m a left socialist, I want much more than universal rights."

Perspektiven auf die Zeitenwende beim Gespräch auf der Seeterrasse mit Paul Mason

Paul Mason verknüpft seinen historischen Rekurs „From pacifism to anti-fascism: How Britain´s Labour Party made ist Zeitenwende, then and now“ mit den aktuellen Herausforderungen an die Soziale Demokratie. Im Gespräch mit Katharina Hofmann De Moura, Referentin im Referat für Globale und Europäische Politik der FES, fordert der britische Publizist: „We have to embrace the fact, that the security of western democracies is threatened.“ Zeitenwende bedeute in seinen Augen, dass der größte Feind der Arbeiterklasse nicht länger der Neoliberalismus sei, sondern die existenzielle Bedrohung der westlichen Demokratien und die Systemkonkurrenz mit Ländern wie China. Es sei die Aufgabe der Stunde, Wähler:innen zu mobilisieren und ihnen aufzuzeigen, welche Freiheiten, welche sozialpolitischen Errungenschaften verteidigt werden müssen. Mason appelliert, die sozial-ökologische Transformation anzugehen und so die Resilienz unserer Demokratien zu stärken.

Zur Person: Paul Mason ist mehrfach ausgezeichneter Journalist und Publizist. Seit 2016 ist er freiberuflich tätig und veröffentlichte Bücher wie „PostCapitalism: A Guide to our Future“ und zuletzt „How To Stop Fascism: History, Ideology, Resistance“.


Sommeruniversität 2022 - Zeitenwende heißt für mich...

...grundlegendes Umdenken in Politik und Gesellschaft.

- Shirin, 22 Jahre, studiert Jura in Berlin

Meine Erkenntnis des Tages:

Während hier vor allem Waffenlieferungen diskutiert werden, geht es in der Ukraine paralell auch schon um den Wiederaufbau, das war mir neu und hat mir Hoffnung gegeben.

Zeitenwende heißt für mich:

Ein grundlegendes Umdenken, in Politik und Gesellschaft.

Hier wünsche ich mir eine Zeitenwende:

In der Sozialpolitik und in der Klimakrise.

Darauf freue ich mich:

Auf neue Perspektiven und Austausch mit den anderen Teilnehmer:innen.

Dienstag - Rückblick

Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in die Shopping Mall?!

Der Dienstag startete mit Impulsvorträgen der Teilnehmer:innen. Den Anfang machte Leo, der die „Mall Anders“ vorstellt, ein offenes Lernlabor für Wirtschaft und Gesellschaft. Im letzten Jahr wurde in Berlin-Charlottenburg die Idee geboren: Die Zukunft der Uni in einer Shopping Mall suchen – und finden? Seitdem fanden über 270 Veranstaltungen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wettbewerb, Einzelhandel und Politik oder Jugend und Wissenschaft statt. Leos Bilanz nach sieben Monaten „Mall Anders“: Es hat funktioniert - Wissenschaft zum Anfassen und Ausprobieren! Mehr Infos hier: https://mall-anders.berlin/


Friedensfähig in Kriegszeiten

Am Morgen stellte Julian Junk das Friedensgutachten 2022 der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung vor, das den Titel „Friedensfähig in Konfliktzeiten“ trägt. Angesichts des Kriegs in der Ukraine, der auch im Friedensgutachten im Fokus steht, warb Junk für eine Zeitenwende als „Prüfstand“ bisheriger außenpolitischer Strategien, aber nicht als Anlass, alle Überzeugungen über Bord zu werfen.

Junk verwies aber auch auf die anhaltenden Konflikte in Äthiopien, Afghanistan, Bergkarabach und im Jemen, denen aktuell wenig mediale Aufmerksamkeit zu Teil wird. Weiterhin virulent sei die Situation von Frauen, die – auch in der Ukraine - sexualisierter Gewalt als Kriegsstrategie ausgesetzt sind und in Friedensverhandlungen stark unterrepräsentiert sind. Ein Beitrag zur Friedensfähigkeit sei die Anerkennung dessen, dass Frauen, aber auch LGBTQI+-Personen in allen Konflikten besonders betroffen seien.

Geleitet von einem Friedensbegriff, der mehr als die Abwesenheit von Gewalt, sondern auch Perspektiven, Entwicklung und Freiheit beinhaltet, empfiehlt Junk, Sicherheitsstrategien verstärkt europäisch zu denken - ein Mittel könnten qualifizierte Mehrheitsabstimmungen in der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU sein.

Zur Person: Julian Junk ist Leiter der Forschungsgruppe „Radikalisierung“ am Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung.


Wie die Welt auf die Zeitenwende blickt

In digitalen Gesprächsrunden mit den FES-Büroleiter:innen aus Polen, USA, Ungarn, China, Schweiz, Argentinien und Südafrika wurde diskutiert, welche politischen Umbrüche und Debatten der Krieg in anderen Teilen der Welt ausgelöst hat. Zwei Perspektiven werden nun herausgegriffen: Beda Baumgartner und Sebastian Sperling waren selbst im Schmöckwitz zu Gast und berichteten von ihren Erfahrungen der letzten Monate.

Perspektiven aus der Schweiz im Gespräch mit Beda Baumgartner, Co-Geschäftsführer von der Anny-Klawa-Morf-Stiftung.

Eine Zeitenwende in der Schweiz? Nach tagelangen Protesten entschied sich die Regierung der Schweiz nach Kriegsausbruch schließlich doch für die komplette Übernehme der EU-Sanktionen – und rückte damit ein Stück weit von der langen Tradition der Schweizer Neutralität ab. „Das kann man als Zeitenwende interpretieren“, so Beda Baumgartner. Seitdem wird in der Schweiz viel debattiert, über die Zusammenarbeit mit der Nato oder den Umgang mit russischen Milliardären in der Schweiz. Im Rückblick auf die letzten Monate seit Beginn des Kriegs bilanziert Beda Baumgartner: „Das Geschäftsmodell der Schweiz wird breiter hinterfragt, die Wirtschaftssanktionen werden konsequenter umgesetzt. Auf der einen Seite haben die rechten Parteien haben den Moment genutzt, um Militäraufrüstung umzusetzen, die liberalen Kräfte auf der anderen Seite setzen auf eine aktive und kooperative Neutralität und die konsequente Umsetzung der Sanktionen.“

Perspektiven aus Südafrika im Gespräch mit Sebastian Sperling, Leiter des FES-Büros in Johannesburg.

Zeitenwende? Welche Zeitenwende? In Südafrika werden der Ukrainekrieg und die daraus entstandenen Debatten nicht als disruptiv, sondern eher als Kontinuität wahrgenommen: Der Eurozentrismus, der in Pandemie und Krieg noch verstärkt wurde, die Missachtung anderer Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent im Angesicht des Kriegs in der Ukraine, bis hin zu rassistischen Zurückweisungen südafrikanischer Studierender, die aus der Ukraine flohen.

Südafrikanische Akteure kritisieren die Doppelstandards, wie Europa einerseits mit Blick auf die Ukraine die Solidarität Südafrikas einfordert, diese aber selbst an anderen Stellen nicht lebt - und verweisen auf die Coronakrise.

Gleichzeitig werden schon jetzt die Folgen des Kriegs auch in Südafrika spürbar – die Bedrohung für die Nahrungssicherheit oder das Wegbrechen der Düngerimporte für die Landwirtschaft sind ganz reale Sorgen der Südafrikaner:innen.

Sebastian Sperling plädiert dafür, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und die Partnerschaften in den Globalen Süden zu vertiefen: „Südafrika ist ein extrem wichtiger Partner und steht für werte- und regelbasierten Multilateralismus, was wir wollen unterscheidet sich nicht so sehr.“


Sommeruniversität 2022 - Zeitenwende heißt für mich...

Lukas, 22 Jahre, arbeitet im Bundestagsbüro von Adis Ahmetovic und studiert bald Public Economics an der FU Berlin und Katharina, 21 Jahre, studiert Lehramt in Flensburg

Meine Erkenntnis des Tages:

Lukas: Die Gespräche mit den Auslandsbüros waren ein Grund für mich, hier dabei zu sein. Das waren extrem spannende Perspektiven aus China, Südafrika und den USA. Vorurteile oder Spekulationen, die wir hier schnell anstellen, wurden auf den Prüfstand gestellt. Im Gespräch mit Sebastian Sperling wurde mir bewusst, dass die Zeitenwende, von der wir hier so viel reden, in Südafrika nicht so eine große Rolle spielt.

Katharina: Die Einschätzungen zum Krieg aus den verschiedenen Blickwinkeln der Länder fand ich auch interessant. Besonders die neuen Perspektiven auf „die Neutralität der Schweiz“, die Debatten innerhalb der Schweiz darüber. Genauso spannend war der Austausch über Meinungsfreiheit in China mit dem Leiter des FES-Büros in Peking.

Zeitenwende heißt für mich:

Lukas: Uns allen ist wichtig, dass die Zeitenwende nicht nur außenpolitisch gedacht wird. Wir haben in der Corona-Krise und im Ukrainekrieg gemerkt, dass Politik dazu fähig ist, schnell aktiv zu werden. Nach den Merkeljahren wünsche ich mir, jetzt endlich auch in anderen Politikbereichen vom Reagieren zum Agieren überzugehen. Zeitenwende heißt für mich, innen- und außenpolitisch wieder mehr zu gestalten und als EU geschlossen aufzutreten.

Katharina: Beim Begriff der Zeitenwende steht für mich vor allem die außen- und sicherheitspolitische Zeitenwende im Vordergrund. Nach dem Ausbruch des Kriegs im Februar sind wir „in einer neuen Welt aufgewacht“. Alles, was man für sicher hielt, war plötzlich anders, besonders für unsere Generation, die den zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg nicht miterlebt hat. Gleichzeitig braucht es unbedingt auch eine Zeitenwende in anderen Politikbereichen, z.B. Klimawandel und Gender. Wir müssen Gesellschaftsstrukturen offener und anerkennender gestalten, gerade in unserer Generation tut sich da viel, die Themen beschäftigen uns und ich glaube es ist jetzt an uns, etwas zu bewegen.


Martin Schulz über europäische Antworten auf die Zeitenwende

"Die Solidarität die wir jetzt in Europa erleben, dürfen wir nicht begrenzen auf eine militärische Solidarität."

Martin Schulz plädiert angesichts des Kriegs in der Ukraine für ein Europa, dass nicht nur in der Solidarität mit der Ukraine geschlossen auftritt. Europa müsse mit europäischer Souveränität ernst machen. „Wir brauchen eine europäische Regierung, das Parlament muss in die Lage versetzt werden, die Kommission ein- und abzusetzen.“ Ein gemeinsames, verbindliches, legales Einwanderungsrecht bezeichnete er als „Akt der Vernunft“. Neben der Vertiefung spricht Schulz auch die Erweiterung der EU an: „Ich rate dringend dazu, dass wir dem westlichen Balkan eine Beitrittsperspektive geben.“

Zur Person: Martin Schulz ist seit 2020 Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung. Der ausgebildete Buchhändler ist ehemaliger Bürgermeister seiner Heimatstadt Würselen, Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender der S&D-Fraktion im Europaparlament sowie Parlamentspräsident. Er war Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat der SPD und bis 2021 Bundestagsabgeordneter.


Lesung mit Robert Misik

Den Ausklang des Abends lieferte Robert Misik, österreichischer Journalist und Sachbuchautor mit einer Lesung aus seinem Buch "Putin. Ein Verhängnis: Wie Wladimir Putin Russland in eine Despotie verwandelte und jetzt Europa bedroht", das in der nächsten Woche erscheint.

 

Mittwoch - Rückblick

Mehr Fortschritt wagen?

Was heißt Fortschritt heute, angesichts von Pandemie, Kriegen und Klimakrise? Können wir überhaupt noch Fortschritt fordern oder geht es aktuell eher um Krisenmanagement? Bedeutet mehr Digitalisierung auch immer mehr Fortschritt? Wie bringen wir Geschwindigkeit in eine progressive Transformation und gestalten den Prozess trotzdem demokratisch? Und wo kann sich die Soziale Demokratie in diesem Diskurs verorten?

Diese und viele andere Fragen stößt Christian Krell in seinem Vortrag über Fortschritt in Zeiten der Zeitenwende. Mit einem historischen Abriss über Definitionen von Fortschritt in der Soziologie und der Sozialen Demokratie zeigt er auf, wie sich die Definition dessen verändert hat, was „fortschrittlich“ ist und wie man es realisieren kann. Von der Debatte ob Revolution oder Reformen das Mittel der Wahl seien, über das Erfurter Programm 1891, das schon damals ein Frauenwahlrecht forderte, bis zur Einsicht am Ende des 20. Jahrhunderts, dass Wachstum nicht zwangsläufig Fortschritt bedeuten muss. Vielmehr muss Fortschritt heute als ein Zugewinn an Lebensqualität und an Freiheitsrechten für den Einzelnen oder die Einzelne verstanden werden, der nicht mehr an ein „Höher, schneller, weiter“ geknüpft ist.

Im Angesicht der multiplen Krisen und der Bedrohungen gesellschaftlicher Freiheiten konstatiert Krell: „Viele Errungenschaften, die schon mal Fortschritt waren, sind jetzt gefährdet - das müssen wir verteidigen.“  Aber das allein reiche nicht aus. Das Potential der Sozialen Demokratie liege laut Krell darin, sozialen Fortschritt voranzutreiben, um so eine gemeinsame Basis für alle zu schaffen - damit nicht manche von gesellschaftlichem und technischen Fortschritt profitieren und manche nicht. Krells Fazit – Fortschritt bleibt möglich und wichtig als Maßstab zur Gestaltung der Krisen - und sichert gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Zur Person: Christian Krell ist Professor für Politikwissenschaft und Soziologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung und Honorarprofessor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Zuvor leitete er das nordische Büro der FES mit Sitz in Stockholm. Er ist Mitglied der Grundwertekommission der SPD.


Nach den Krisen zurück zum Aufbruch

Als Juso-Vorsitzende in den Bundestag – Diskussion mit Jessica Rosenthal, MdB

Um Fortschritt ging es auch im Gespräch mit Jessica Rosenthal, die Juso-Bundesvorsitzende wurde bei der vergangenen Wahl in den Bundestag gewählt. In der Bilanz der Ampelregierung ist für sie der gesellschaftliche Fortschritt zentral. Dazu gehört die Abschaffung von §219A, die in der letzten Woche beschlossen wurde. Der soziale Fortschritt, Maßnahmen der Umverteilung wie eine Vermögenssteuer oder eine Kindergrundsicherung, geht ihr in der aktuellen Koalition aber nicht weit genug. Auf die Frage nach ihrem Umgang mit der Doppelrolle als parteilinke Jungsozialistin und Mitglied der Bundestagsfraktion antwortet sie: „Meine Perspektive hat sich erweitert, nicht verändert. Aber wir (Jusos) müssen weiter laut und stark für unsere Perspektiven eintreten.“

Zu diesen Perspektiven gehört für sie als junge Lehrerin die Bildungspolitik, die in ihren Augen gerade in der Zeitenwende ein zentrales Thema sein sollte.  Rosenthal wünscht sich Schulen, die als demokratische Orte wahrgenommen werden, in denen Kinder erleben, was Partizipation bedeutet und dass sie eine Stimme haben. Eine entsprechende Reform des Bildungssystems sei im Zuge der Verteidigung der Demokratie nach innen zentral.

In der anschließenden Diskussion werden Anschlusslösungen für das 9€-Ticket diskutiert, das Gesundheitssystem, die Schuldenbremse und feministische Außenpolitik in den Blick genommen und Jessica Rosenthal plädiert für eine intensive innerparteiliche Debatte rund um die aktuellen Fragen der Zeitenwende.

Zur Person: Jessica Rosenthal ist Bundestagsabgeordnete aus Bonn und Bundesvorsitzende der Jusos. Die Lehrerin für Geschichte und Deutsch setzt sich im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung für eine echte Chancengleichheit ein. Als Abgeordnete stimmte sie dem Gesetz zum Sondervermögen der Bundeswehr nicht zu.


Sommeruniversität 2022 - "Zeitenwende heißt für mich...

...eine Veränderung, die passieren muss, vor der wir keine Angst haben müssen, aber dennoch Respekt haben sollten."

- Sabine, 26 Jahre, studiert Soziologie.

Meine Erkenntnis des Tages:

Ich habe mich der Workshop-Gruppe zum Thema Ungleichheit zugeordnet. Nachdem heutigen Tag habe ich mehr Respekt vor Entscheidungsfinder:innen. Wenn man bei in die Tiefe geht, spürt man erst die Komplexität dieses Themas. Es ist sehr schwer sich auf einen Aspekt zu konzentrieren, auch im Hinblick auf die Rede, die wir noch schreiben. Ich denke konrekte und lösungsorientierte Maßnahmen sind besonders wichtig, auch die kleinen Erfolge müssen gefeiert werden. Wir stehen vor vielen Krisen, aber wir dürfen nicht den Kopf hängen lassen. Vielleicht ist gerade jetzt der Zeitpunkt mutig zu sein und neue Wege zu beschreiten.

Darauf habe ich mich besonders gefreut:

Ich habe mich besonders gefreut andere engagierte, junge Menschen kennenzulernen, tiefere Einblicke in die sozialdemokratische Politik zu bekommen. Ich bin kein SPD-Mitglied, es ist für mich noch eine neue Sache und ich möchte viel darüber erfahren. Austausch und Vernetzung.

Zeitenwende bedeutet für mich:

Einen Schritt, den wir nicht umgehen können. Eine Veränderung, die passieren musss, vor der wir keine Angst haben müssen, aber dennoch Respekt haben sollten. Auch in unserem Alltag Veränderungen verspüren werden und diese in Kauf nehmen müssen. Wir können nicht immer wieder Ressourcen verschwenden, z.B. einfach das Licht anlassen, ewig lange heiß duschen. Auch jede:r Einzelne muss die Kosten im Kleinen mittragen, die aber im Vergleich zu Menschen in anderen Lebensräumen fast nichtig sind. Wir sind total in der Verantwortung. 

Hier wünsche ich mir eine Zeitenwende: 

Was mir sehr aufgefallen ist, auch in den Geprächen hier vor Ort mit den anderen Teilnehmer:innen, dass es eine Zeitenwende im Miteinander, vor allem im sozialen Miteinander, braucht. Aufeinander achten, nicht nur auf den eigenen Vorteil zu schauen. Das sind Idealvorstellungen, aber wenn es jede:r machen würde, wären bereits einige kleinere Probleme gelöst. Der soziale Frieden war bereits vor dem Angriffskrieg bedroht, dieser hat diese Lage nur noch verschärft. Wenn unsere Gesellschaft immer stärker die Ellenbogen ausfährt und egoistischer wird, dann sehe ich keine Chance, dass wir z.B. die Klimakrise lösen. 


Progressive Zeitenwenden

In acht verschiedenen Workshops hatten die Teilnehmenden am Nachmittag die Gelegenheit, sich mit progressiven Ideen in unterschiedlichen Politik- und Lebensbereichen auseinanderzusetzen. Die Kleingruppen befassten sich mit der ökologischen Transformation des Kapitalismus, mit Ungleichheit, Geschlechtergerechtigkeit, der Arbeit der Zukunft, Digitalpolitik, Ostdeutschland, der Zukunft der Demokratie und von Europa. Die Aufgabe der acht Teams war es, bis zum morgigen Tag eine Zeitenwende-Rede zu verfassen. Auf der Terrasse, am See, in Seminarräumen und auf der Wiese wurde zusammen mit Expert:innen der jeweiligen Themengebiete diskutiert, nachgedacht und formuliert.


Progressive Zeitenwenden - Impressionen aus den Workshops

Feministische Innenpolitik in Kamerun und Deutschland

Dolly Afoumba, 30 Jahre, ist Promotions-Stipendiatin der FES. Sie hat sich für den Workshop zum Thema Geschlechtergerechtigkeit entschieden. Im gemeinsamen Austausch ging es besonders stark um feministische Innenpolitik. Durch ihren kamerunischen Hintergrund vergleicht sie gerne Kamerun mit Deutschland. Dort muss eine feministische Innenpolitik ihrer Ansicht nach viel früher ansetzen als in Deutschland. Wichtige Weichen für die Geschlechtergerechtigkeit müssen schon in der Familien- und Bildungspolitik gestellt werden. Frauen müssen Zugang zu Bildung und bessere gesundheitliche Versorgung erhalten um unabhängiger zu werden und somit auch Zugang zu politischen Ämtern und allgemein besser bezahlten Arbeitsplätzen zu erhalten. In Deutschland sieht sie die Regierung vor allem in puncto Gehalt in der Pflicht. Private Unternehmen müssen stärker dazu bewegt werden Frauen und Männer für die gleiche Arbeit das gleiche Gehalt zu zahlen. Dazu sollte der Staat klare Richtlinien vorgeben.

Soziale Gerechtigkeit auf europäischer Ebene

Elvis studiert im Master European Studies in Fulda und hat sich dem Europa-Workshop angeschlossen. Er sei Pazifist, aber auch Realist. In der Sicherheitspolitik müssen auf europäischer Ebene gemeinsame Interessen gefunden werden, denn durch den Ausbruch des Krieges in der Ukraine seien erst viele Probleme zum Vorschein getreten. Die Zeitenwende bedeutet für ihn vor allem auch soziale Gerechtigkeit und die müsse ganzheitlich auf europäischer Ebene in Bewegung gesetzt werden. Neben dem Sondervermögen für die Bundeswehr, brauche es weitere 100 Milliarden für sozialpolitische Maßnahmen, etwa die bessere Bezahlung von medizinischem Personal. Besonders wichtig sind für ihn dabei auch das Migrations- und das Arbeitsrecht. "Wenn in Deutschland der Mindestlohn bei 12 Euro, in Italien aber nur bei 7 Euro  liegt, funktioniert es nicht.“ Neben der Diplomatie als wichtigem Instrument, müsse die EU vor allem Richtlinien erlassen und stärker durchgreifen. Er wünscht sich eine Stärkung der Supranationalität in der EU. 


6 x 7 Minuten

Im Format „6 x 7 Minuten“ konnten die Teilnehmenden je sieben Minuten mit einem Vortrag ihrer Wahl füllen. Los ging es mit Gesine. Ihr Vortrag zum Thema „Zeitenwende im Elektroniksektor“ problematisierte die Herstellung, den Gebrauch sowie die Entsorgung von Smartphones. „Wer von euch trägt das Handy gern in der Hosentasche?“ und „Wer hat noch ein altes Handy in der Schublade liegen?“ lauteten Fragen, die sie an das Publikum stellte. Eine Zeitenwende brauche es vor allem im sogenannten „end of life“ der elektronischen Geräte. Eine Reparatur der mobilen Endgeräte müsse möglich sein. Heute sei es oft nichtmals möglich den Akku auszutauschen. Auch sollten keine Materialmixe mehr verwendet werden, die ein späteres Recycling erschweren oder sogar verhindern. Dazu brauche es ein „right to repair“ - ein Recht der Verbraucher:innen ihre Geräte reparieren zu lassen. Unternehmen müssten dafür in die Pflicht genommen werden. Aber auch alle Nutzer:innen sollten im Umgang mit dem Handy sorgsamer werden, um die Lebensdauer zu verlängern.

Anschließend folgten sechs weitere Vorträge. So ging es unter anderem um Mythen über die Ukraine und die Frage warum dort überhaupt russisch gesprochen wird sowie um neue Möglichkeiten wie internationale Organisationen in Krisengebieten besser miteinander kooperieren können.

Auch das Gewinner-Projekt der Sommeruniversität 2021 wurde vorgestellt. "Sharing Remembrance" tritt für eine gemeinsame Erinnerungskultur ein. Ziel ist auf historische Ereignisse nicht nur durch die nationale Brille blicken. Das Projektteam erarbeitet derzeit Antworten auf die Frage, wie man eine transnationale Erinnerungskultur schaffen kann. Dazu wollen sie besonders auf den Austaucsh durch digitale Medien setzen. In einem bereits geplanten Camp geht es bald in die intensive Arbeitsphase. Zudem wird auch weiterhin Verstärkung gesucht.

Donnerstag - Rückblick

Gute Reden schreiben

Der Donnerstag startet mit einem Vortrag zum Thema „Gute Reden schreiben“ von Claudia Zentgraf und Frederik Beck. Jede:r kennt Merkels „Wir schaffen das.“, Lindners „Besser nicht regieren als falsch regieren.“ und die Rede von Olaf Scholz zur „Zeitenwende“ - im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg prägt der Begriff seit 2022 die öffentlichen Debatten. Aber was macht eine gute politische Rede aus und wie schreibt man sie?

„Eine Gute politische Rede sollte eine Botschaft haben, sie sollte die Menschen auf Augenhöhe ansprechen, es sollte eine Rede von Menschen, über Menschen, für Menschen sein, das heißt man erzählt persönliche Geschichten, man redet von Themen, die die Menschen beschäftigen, man redet zum Publikum. Wichtig ist aber immer auch ein guter Redner oder eine gute Rednerin, die von sich und ihren Themen überzeugt, die von ihren Botschaften überzeugt ist. Das ist viel mehr wert als eine gut aufgeschriebene Rede, denn die beste Rede hilft nichts, wenn da dann eine Person steht, die sie nur vorliest. Es braucht die persönliche Betroffenheit und den persönlichen Zugang, damit man eine gute Rede halten kann.“ - Claudia Zentgraf

Zur Person: Claudia Zentgraf ist Redenschreiberin im BMAS. Zuvor war sie als Redenschreiberin im Auswärtigen Amt aktiv, arbeitete sie als Referentin für den SPD-Parteivorstand und in verschiedenen Abgeordnetenbüros im Deutschen Bundestag. Sie studierte Politikwissenschaft in Leipzig.

Zur Person: Frederik Beck ist Referent für Politik und Programmentwicklung beim SPD-Parteivorstand. Zuvor arbeitete er bei der Hertie-Stiftung, beim WZB sowie im Büro der SPD-Generalsekretärinnen. Er studierte Politikwissenschaft und Politische Ökonomie in Berlin und London.


Wie gelingt ein Jahrzehnt der Sozialen Demokratie?

Diskussion mit Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlands - über Gestaltungsmacht, Strukturwandel und glaubwürdige Politik.


Zwei Fragen an Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlandes

Die SPD regiert im Saarland mit absoluter Mehrheit, das ist Chance und Verantwortung zugleich – wie gehen Sie damit um?

Anke Rehlinger: Die Zeiten erfordern maximalen Gestaltungswillen und insofern ist es natürlich gut, wenn man das entlang seiner Vorstellung machen darf, ohne sich immer mit einem Koalitionspartner abstimmen zu müssen. Ich sehe darin eine große Chance. Man kann eine Linie definieren und dann verfolgen.

Gäbe es ein weiteres Sondervermögen – wofür würden Sie es einsetzen?

Anke Rehlinger: Ich würde daraus eine Doppelstrategie entwickeln. Zum einen die Transformation unseres Wirtschaftsstandorts, also Investitionen, und zum anderen begleitend ein Sondervermögen für Bildung. Denn alles, was neu entsteht, muss auch von jemandem bedient und verstanden werden und das geht nur, wenn wir auch in die Zukunft investieren und damit in die Bildung.

Zur Person: Anke Rehlinger ist Rechtsanwältin und seit diesem Jahr Ministerpräsidentin des Saarlandes. Zuvor war sie bereits zehn Jahre Wirtschaftsministerin des zweitkleinsten Bundeslandes. Seit 2018 ist sie zudem Vorsitzende der SPD-Saar, seit Ende 2019 stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD.


Acht Reden für die Zeitenwende(n)

Kevin Kühnert zu Gast im Sommeruni-Plenarsaal

Katharinas Rede für ein besseres Europa

„Ungleichheit und Rivalitäten der Länder stehen in der EU auf der Tagesordnung. Der politische Diskurs kreist um sich selbst und einzelne blockieren wichtige Entscheidungen. Die EU sieht sich als Vertreterin freiheitlicher und demokratischer Werte, gleichzeitig fehlt eine wirklich Mitbestimmung der Bürger:innen. Keine Wahl der Kommission, fehlende Befugnisse des Parlaments und zähe, undurchsichtige Entscheidungsprozesse."

Lukas Rede über den Kampf gegen Ungleichheit

„Wir brauchen eine wirksame Erbschaftssteuer. Das Vermögen liegt in Erbschaften, es liegt im Gestern. Lasst uns dieses Vermögen ins Heute und ins Morgen holen, damit wir so eine bessere Zukunft haben.“

Nicoles Rede über die Zukunft der Arbeit

"Ein menschliches Bild von Arbeit kann heute nicht mehr bedeuten, dass jemand 40 Stunden pro Woche ableisten muss. Wir brauchen eine 4-Tage-Woche, die Arbeitnehmenden sollten ihre Arbeitszeit selbstbestimmt und flexibel gestalten können. Hier brauchen wir starke Gewerkschaften an unserer Seite.“

Luisas Rede über Mut-Deutschland

"In Mut-Deutschland gibt es so viel Potential. Menschen mit Ideen und Wünschen, mit Erfahrungen und dem Willen, etwas zu bewirken. Dieser Wille hat schon einmal dazu geführt, dass auf eine Idee Taten und auf einen drastischen Umbruch ein großer Aufbruch folgte. Das war das Werk der Menschen in Mut-Deutschland."

Julianas Rede über die sozial-ökologische Transformation

"Verzicht ist zu einem politischen Kampfbegriff geworden, der jede Debatte um eine Anpassung unseres Konsumverhaltens von Vornherein abwehrt. Das Dogma vom ewigen Wachstum, von immer mehr produzieren, immer mehr konsumieren verhindert, dass wir überhaupt darüber nachdenken, worum es eigentlich dabei geht. Der durchschnittliche Energie- und Ressorcenverbrauch einer Deutschen ist so hoch, dass wir eigentlich drei Erden bräuchten."

Jonas Rede über die Relevanz von Digitalpolitik

„Wir haben lange darüber geredet, ob Digitalpolitik und Digitales eigentlich eine Zeitenwende ist. Eigentlich ist es eher ein Mittel, um Transformation zu gestalten. Natürlich ist es auch eine Transformation an sich, aber es ist eben auch ein großes Mittel, was wir bei vielen Krisen nutzen können, um voranzukommen.“

Henrys Rede über Demokratie und Demokrat:innen

„Zu einer wehrhaften Demokratie gehören auch wehrhafte Institutionen, die geltendes Recht zuverlässig umsetzten, dazu gehören auch kritische Medien welche Informationen und Aufklärung dazu nutzen, um Falschinformationen auflaufen zu lassen, dazu gehört aber auch eine wachsame Zivilgesellschaft - ich meine euch. Lasst uns alle Teil dieser Lösung werden.“ 

Sophias Rede über eine neue feministische Innenpolitik

„Feministische Innenpolitik erkennt Geschlechtergerechtigkeit als zentrale Voraussetzung für unser gesellschaftliches Zusammenleben an. Sie steht für den Abbau von patriarchalen Strukturen, d.h. für die Überwindung von Gewaltverhältnissen.“

Freitag - Rückblick

Bis zum nächsten Mal!

21. Sommeruniversität der Friedrich-Ebert-Stiftung (2021, digital)

„Wieder normal oder besser, anders? Perspektiven für eine Welt nach der Pandemie“

Masken, Kontaktbeschränkungen, geschlossene Geschäfte - viele wünschen sich Normalität zurück. Aber wollen wir wirklich zurück zum „Normal“ Anfang 2020? Die Pandemie hat Schwächen und Ungerechtigkeiten in unserer alten Welt schonungslos offen gelegt - und verstärkt. Wollen wir diese Ungerechtigkeiten wieder zementieren? Einige wenige positive Aspekte hat die Pandemie mit sich gebracht - weniger Verkehr, besseres Klima, mehr Möglichkeiten digital zu arbeiten. Wollen wir das aufgeben?

Oder können wir uns eine bessere Zukunft vorstellen? Zum Beispiel weniger ungleich, solidarischer, global gerechter, ohne Rassismus, mit mehr sozialer Absicherung und Gesundheitsschutz für alle, nachhaltigerem Verkehr, geschlechtergerecht, klimaneutral und digital auf der Höhe der Zeit?

Diese Fragen stehen im Fokus der 2. Digitalen FES-Sommeruniversität.

Die FES-Sommeruniversität bringt jährlich junge, engagierte Menschen miteinander und mit Spitzen aus Wissenschaft und Politik ins Gespräch. Sie findet in diesem Jahr zum 21. Mal in Folge statt, aufgrund der Umstände zum zweiten Mal digital.

Format:

Digital wird die Sommeruniversität in diesem Jahr wieder in Form eines „Hackathons“ durchgeführt. Dabei entwickeln die Teilnehmer_innen ihr politisches Projekt, dass sie am Ende einer Jury vorstellen. Die Sieger_innen werden von der FES über die Sommeruniversität hinaus gefördert.

Teilnehmer_innen:

Das Angebot richtet sich vor allem an jüngere politisch interessierte und engagierte Menschen zwischen 18 und 35 Jahren.

20. Sommeruniversität der Friedrich-Ebert-Stiftung (2020, digital)

Klima, Kapital, Arbeit - nur Utopien sind realistisch!

"Klima, Arbeit, Kapital - Nur Utopien sind realistisch"

Man kann die Zukunft nicht voraussagen. Aber man kann darüber nachdenken, wie sie sein sollte - und was für die Sommeruniversität gilt, gilt auch für die Politik.

Denn: Utopien sind normativer Kompass und strategische Ressource. Mit einer Vision für das bessere Morgen kann man Menschen begeistern und gewinnt Klarheit für das Handeln im hier und jetzt. Jede Utopie ist eine Darstellung dessen, was sein sollte und damit Kritik dessen, was ist.

Die Sommeruniversität wird die Frage nach progressiven Utopien der Gegenwart für ein besseres Morgen in den Fokus rücken:

  • Welche Utopien lassen sich aus der Perspektive der Sozialen Demokratie in den Bereichen Klima, Arbeit, Kapital, auch in anderen zentralen Fragen formulieren?
  • Wo fehlen gute Utopien?
  • Wer und was stehen diesen Utopien entgegen?
  • Mit welchen gesellschafttlichen Bündnissen können wir sie realisieren?

Das sind nur einige der Fragen, die wir in Vorträgen und Workshops, im Open Space und anderen interaktiven Formaten und Diskussionen gemeinsam mit Euch und anderen jungen, engagierten Nachwuchskräften und Vertreter_innen aus Wissenschaft, Politik, Medien und Zivilgesellschaft online diskutieren wollen.

Gewinner_innen der 1. Digitalen Sommeruniversität

Mit dem Zukunftsbüro zukunftsgerecht fördern!

Unsere Vision: Zeit für Wandel!

Wir wollen den krisenbedingten Wirtschaftswandel im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen des Planeten gestalten und wir wollen, dass notleidende Unternehmen anhand sozialer und ökologischer Kriterien evaluiert werden, bevor sie staatliche Unterstützung erhalten bzw. bevor der Staat (Teil-)Beteiligungen erwirbt.

Unser Instrument:Der Kriterienkatalog

Unsere Gruppe: Wer wir sind

Unser Anlass: Wie die Vergabe von Staatshilfen jetzt läuft.

Und jetzt du: Wie du mitmachen kannst!

19. Sommeruniversität der Friedrich-Ebert-Stiftung (2019)

"Erkämpft, verteidigt - gefährdet? Demokratie braucht Rückenwind!"

100 Jahre Wahl Friedrich Eberts zum ersten demokratisch gewählten deutschen Staatsoberhaupt, 70 Jahre Grundgesetz und 30 Jahre friedliche Revolution. Aber auch: Vor 100 Jahren hält Marie Juchacz als erste Frau eine Rede vor einem demokratisch gewählten deutschen Parlament. Wir blicken 2019 auf wichtige Wegmarken der deutschen Demokratie zurück und schauen zugleich nach vorn:

  • Wie sieht eine Bestandsaufnahme, wie die Demokratie der Zukunft aus?
  • Welche Rolle spielen Grundwerte für unser demokratisches Zusammenleben?
  • Wie steht es um das Verhältnis von Demokratie und Kapitalismus?
  • Welche Bedeutung haben Parteien für die Demokratie der Zukunft?
  • Wie steht es um die Demokratie in Europa und weltweit?

Das sind nur einige der Fragen, die wir in Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Workshops und anderen interaktiven Formaten gemeinsam mit jungen engagierten Nachwuchskräften und Vertrer_innen aus Wissenschaft, Politik, Medien und Zivilgesellschaft diskutieren wollen. In den letzten Jahren waren bereits Gesine Schwan, Kevin Kühnert, Colin Crouch, Katarina Barley, Wolfgang Merkel, Olaf Scholz u.v.m. zu Gast.

Die Fotos in der Galerie wurden von unserem Journalisten-Team Barbara Zaraveli und Jan Alexander Casper erstellt. 

Sommeruniversität auch auf Facebook

https://www.facebook.com/Sommeruni/

 


Galerie

18. Sommeruniversität der Friedrich-Ebert-Stiftung (2018)

"Was ist links? Impulse für ein besseres Morgen"

Deutschland ist ein reiches Land mit Wohlstand und Chancen für viele – aber nicht für alle. Unsere Gesellschaft wird zunehmend ungleicher im Einkommen, im Vermögen, in den Chancen und regional. Unserer Wirtschaft schadet diese Ungleichheit ebenso wie unserer Demokratie. Für eine Kursumkehr braucht es Kraft und politische Kraft wird von starken politischen Ideen, von einer Vision für die Zukunft erzeugt.

Politische Visionen sind wie ein Kompass. Sie erlauben es zu überprüfen, ob konkrete Politik in die richtige Richtung zielt. Dabei geht es nicht darum, dass sich die Gesellschaft irgendwie weiterentwickelt, sondern, dass sie für alle besser wird. Darüber hinaus sind politische Visionen auch eine strategische Ressource. Nur wer weiß, wo er hin will, wird auch andere von seinem Weg überzeugen können und politische Mehrheiten mobilisieren.

Wie muss die Vision der Sozialen Demokratie im Jahr 2018 und darüber hinaus lauten? Wie muss das Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie definiert werden? Muss der Kapitalismus gebogen oder gebrochen werden? Wie müssen wir Arbeit, Globalisierung und Digitalisierung im Sinne unserer Grundwerte gestalten? Oder einfacher: was ist heute links?

Zur Dokumentation der Sommeruniversität 2018

17. Sommeruniversität der Friedrich-Ebert-Stiftung (2017)

"Mehr Zusammenhalt durch mehr Gerechtigkeit"

Verliert unser Gesellschaft den Kitt? Leben wir immer mehr neben- statt miteinander? Droht aus dem Nebeneinander ein Gegeneinander zu werden oder ist es bereits geworden? Wir haben uns angeschaut, wie es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt bestellt ist und was getan werden muss, um ihn zu stärken. Drei Megatrends standen dabei an verschiedenen Tagen besonders im Fokus: Die zunehmende soziökonomische Ungleichheit in Deutschland und der Welt, die Gefahren des Rechtspopulismus und die Folgen der Digitalisierung für unser Wirtschaften, unser Leben und unsere Demokratie; schließlich auch die Frage der Globalen Gerechtigkeit.

Zur Dokumentation der Sommeruniversität 2017

16. Sommeruniversität der Friedrich-Ebert-Stiftung (2016)

"Ohne Angst und Träumereien: Integration und Zuwanderung gestalten"

Integration und Zuwanderung sind zentrale Themen unserer Zeit. Wie können wir Menschen, die vor Krieg, Hunger und Hoffnungslosigkeit zu uns geflüchtet sind, Schutz und eine bessere Lebensperspektive bieten? Welcher Kompass ergibt sich aus den Grundwerten der Sozialen Demokratie für die Gestaltung eines modernen Einwanderungslandes, aber auch für eine bessere und sicherere Welt? Und erleben wir angesichts ungeahnt tiefer gesellschaftlicher Gräben einen Wandel der politischen Kultur? Wo gibt es praktischen, programmatischen und politischen Handlungsbedarf? Das sind einige der Fragen, die wir in spannenden Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops mit rund hundert Teilnehmenden und mehr als fünfzig Referentinnen und Referenten diskutierten.

Zur Dokumentation der Sommeruni 2016

15. Sommeruniversität der Friedrich-Ebert-Stiftung (2015)

"Deutschland, Europa und die Welt: Stresstest für die offene Gesellschaft!“

Die neue Qualität weltumspannender Probleme wie die Wirtschafts-, Finanz- und Schuldenkrise, wachsende soziale Ungleichheit, religiöser Fundamentalismus sowie Krieg und Flucht stellen das demokratische Selbstverständnis der offenen Gesellschaft zunehmend auf die Probe. Wie lässt sich eine nationale, europäische und globale Politik unter den Vorzeichen der Sozialen Demokratie gestalten? Und wie müssen sich ihre Akteure positionieren, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie das Vertrauen in die Demokratie zu stärken? Diese Fragen wurden in spannenden Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops zusammen mit renommierten Wissenschaftlern_innen und Politikern_innen näher beleuchtet.

Zur Dokumentation der Sommeruniversität 2015

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