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Johannes Pantel (2022): Der Kalte Krieg der Generationen. Wie wir die Solidarität zwischen Jung und Alt erhalten.

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Kurzgefasst und eingeordnet von Hans Peter Schunk 
Hans Peter Schunk ist Doktorand am Seminar für Neueste Geschichte der Philipps-Universität Marburg.


buch|essenz

Kernaussagen

Derdemografische Wandel spitzt sich fortwährend zu. Insbesondereder unmittelbar bevorstehende Renteneintritt der Babyboomer-Generationwird erhebliche Finanzierungsprobleme für Folgegenerationen zeitigen.Darüber hinaus sinddas Hinterlassen horrender Staatsschuldenund die Klimakrise weitere Probleme, die ausSicht vieler junger Menschen zugleich Zeugnisse dafür sind, dass die Älteren über ihre Verhältnisse gelebt haben.  

Das Ergebnis ist ein bevorstehender Ressourcenkampf, derdie Solidarität zwischen Jung und Altaufzubrechen droht sowie die Überlebenschancen und die Lebensqualität alter Menschen immens mindern könnte. Dazu trägt vor allem auch die verbale Aufrüstung im Generationenkonflikt durch populistische Parolen bei. Abhilfe kann das Korrigieren falscher Altersbilder und die Bereitschaft zu neuen Dialogen zwischen den Generationen schaffen.

Einordnung aus Sicht der Sozialen Demokratie

Ein in den Grundwerten der Partei verankertes Anliegen der Sozialen Demokratie ist Gerechtigkeit. Es bedarf einer klugen undweitsichtigen Politik, um Gerechtigkeit zwischen den Generationen aufrechtzuerhalten und wiederherzustellen. Weder darf es auf der einen Seite zu Altersarmut noch zu einer extremen Überbelastung von Renteneinzahlern auf der anderen Seite kommen. Weiterhin wirft der Klimawandel Gerechtigkeitsfragen in Bezug auf Verteilungsprobleme auf.  

Verlag: Herder
Erschienen: 2022
Seiten: 272
ISBN: 978-3-451-39082-1


buch|autor

Johannes Pantel, 1963 in Ahlen geboren, bekleidet eine Professur für Altersmedizin mit Schwerpunkt Psychogeriatrie und klinische Gerontologie an der Goethe-Universität Frankfurt.

Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Sach- und Fachbücher. Als medizinischer Experte tritt er zuweilen in Talkshows und Dokumentationen auf, schreibt Artikel in Zeitungen oder ist beratend für Institutionen und Ministerien tätig. 


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buch|inhalt

Teil 1: Nicht mehr beste Freunde? 

Der kommende Generationenkonflikt ist weniger ein Kulturkonflikt wie in den 1960er-Jahren als ein Verteilungskonflikt. Unter jungen Befragten fürchten 48% einen „Zusammenbruch des Rentensystems“ direkt hinter dem Thema Klimawandel mit 56%. Laut statistischen Berechnungen aus dem Jahr 2019 wird sich das Verhältnis von derzeit 100 erwerbstätigen Personen, die 60 Junge und Alte versorgen müssen, in den 2030er-Jahren auf 100 zu 80 erhöhen. Dies wird die sozialen Sicherungssysteme belasten und schließlich zu Verteilungskämpfen führen. Die derzeit noch geltende Solidarität zwischen den Generationen stellt keine Selbstverständlichkeit dar und könnte fortan ins Wanken geraten. Sie sollte daher weniger statisch, sondern vielmehr als ein durch Einstellungen, Werte, Normen und Wertschätzungen bedingtes und jederzeit aufrechtzuerhaltendes Projekt verstanden werden. 

Zentral ist die emotionale Stimmungslage in der Beziehung der Generationen zueinander, die nicht unbeeinflusst durch vorherrschende Bilder und Vorurteile über die jeweils opponierende Generation bleibt 

Im größten Kontrast zu älteren Menschen steht derzeit die Generation der „Zoomer“ (19972012), die auf die Straße geht, um für das Klima zu protestieren. „Zoomer“ sind von klein auf mit digitalen Medien aufgewachsen, gelten als weltoffen, materialistisch orientiert, hedonistisch, mit einem Streben nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance und kehren sich zunehmend von Religion sowie von ideologisch geprägten Gesellschaftsentwürfen ab. Zudem sind sie von Verunsicherungen und Angst vor der Zukunft geprägt, die sich auf Krisen wie die Finanzkrise 2008 oder die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 zurückführen lassen.  

Auf der anderen Seite stehen die „Boomer“ (19551969), welche noch den ältesten und größten Teil der arbeitenden Bevölkerung darstellen, aber nun sukzessive in Rente gehen. Sie sind vor allem von der Erfahrung geprägt, Teil einer großen Masse zu sein. Sie mussten sich aufgrund ihrer Kohortengröße stets flexibel in ihrer Lebensplanung zeigen und sich insbesondere Führungsplätze, die sie derzeit bekleiden, hart erkämpfen. 

Im Generationenkonflikt ist das Vorherrschen kollektiver Deutungsmuster über Altersbilder, die im öffentlichen Diskurs entstehen, wesentlich. Diskriminierung von Alten beginnt dabei in den Köpfen durch pauschale Urteile und vorherrschende Vorurteile. Eine internationale Studie der WHO zeigt, dass die Hälfte aller befragten Teilnehmer_innen aus 57 Ländern voreingenommen gegenüber älteren Menschen ist. Eine übertriebene Furcht vor dem Alter oder auch Diskriminierung respektive Vorurteile gegenüber alten Menschen werden hierbei von der WHO-Studie unter „Gerontophobie“ subsummiert. Ursachen der Gerontophobie können eine mehr oder weniger unterbewusste Abwehr oder Angst vor dem eigenen körperlichen Verfall und dem Tod sein, der auf alte Menschen projiziert wird.  

Weiterhin kann durch Abwertung anderer Gruppen – in diesem Fall der Boomer ein Zugehörigkeitsgefühl zur eigenen Gruppe erzeugt werden, dass auf Überlegenheit gegenüber anderen beruht. In einem Gutachten der Sachverständigenkommission der Bundesregierung zur Lage der älteren Generation werden drei Vorurteile benannt. Erstens: die Alten als Ausbeuter und „Betrüger“ der Jungen und als „Profiteure“ des Sozialsystems. Zweitens: die Alterung der Gesellschaft als ökonomische „Innovations-, Wachstums- und Fortschrittsbremse“. Und drittens: der Weg der Gesellschaft in die Gerontokratie, bei der sich die Interessen jüngerer Menschen politisch nicht mehr durchsetzen lassen.  

Bei einer Studie aus dem Jahr 2018 bejahten 42% Prozent der befragten 16-25-jährigen Deutschen die Aussage: „Die früheren Generationen sind verantwortlich für die Schwierigkeiten der jungen Menschen heute“ und 53% stimmten der Aussage zu, es gebe zu viele alte Menschen. In der Corona-Krise wurde durch das Narrativ, jüngere Menschen hätten für das Wohlergehen der Alten Opfer mit ökonomischen, sozialen und psychologischen Folgen in Kauf nehmen müssen, das angespannte Generationenverhältnis weiter belastet.  

Der Begriff „Boomer“ findet zunehmend Benutzung in der alltäglichen Sprache und referiert auf ältere Menschen, die als rückständig, peinlich oder selbstgefällig gelten. Als regelrechtes Abkanzeln von Meinungen alter Menschen gilt mittlerweile der Spruch „OK Boomer“. Obwohl der Ausspruch häufig ironisch und humorvoll gemeint ist, beinhaltet er altersdiskriminierende Züge und trägt performativ zu einer pauschalen Abwertung einer ganzen Generation bei. Die Polemik erfolgt insgesamt von beiden Seiten und vergiftet die Atmosphäre.  

Einerseits werden Klimaaktivisten häufig als „verwöhnte Gören“ tituliert oder vor einem Jahr warf Elke Heidenreich in einer Talkshow den jungen Menschen vor, eine Generation gänzlich ohne Sprache zu sein.Auf der anderen Seite gelten alte Menschen als „gierige Greise“, Greta Thunberg proklamierte: „You are failing us, but the young people are starting to understand your betrayal. Auf dem Twitteraccount von Fridays for Future Deutschland war ferner im Dezember 2019 zu lesen: Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei.“ Polemische Reaktionen warfen die Frage auf, ob es sich um eine Generation handelt, die das Klima schützen will, aber nicht alte Menschen. 

In Umfragen unter jungen Menschen wird überdies ersichtlich, dass nur ein geringer Anteil der Jungen tatsächlich bereit ist, auf Fleischkonsum oder billige Kleidung für den Klimawandel zu verzichten. Die „Generation Greta“ ist folglich ihren Eltern beim entschlossenen Klimaschutz nicht viel voraus. Ferner zeigt sich, dass das Klima die Generationen nicht spaltet, sondern rund 80%-90% der Befragten aller Altersgruppen in repräsentativen Umfragen den Klimawandel als „ernstes Problem“ identifizieren und es für wichtig halten, sich ehrgeizige Ziele für die Steigerung der erneuerbaren Energien zusetzen. 

Immer wieder kommt es zu Rationierungen von Versorgungsleistungen bei Krankheiten und Pflegebedürftigkeit im Alter. Einige Leistungen werden älteren Personen zur Schonung des Budgets verweigert, wie etwaPsychotherapien. In den kommenden Jahren werden sich die Probleme im Bereich der Pflege zunehmend verschärfen. Nach Jahrzehnten des Rationalisierungsdrucks und nach den Belastungen der Corona-Krise ist die Situation äußerst angespannt. Gespart wird vor allem beim Personal. Eine hohe Arbeitsverdichtung, bei hoher körperlicher Belastung, geringe Aufstiegschancen und ein generell schlechter Verdienst führen fortwährend dazu, dass viele qualifizierte Mitarbeiter fehlen.  

Eine Altersdiskriminierung lässt sich somit durch die implizit chronische Unterfinanzierung des Sektors ausmachen. Gemäß der wissenschaftlich gut belegten „Kompressionsthese“ verursachen alte Menschen jedoch nicht durchweg höhere medizinische und pflegerische Kosten, sondern lediglich in der kurzen Zeitphase unmittelbar vor dem Tod. 

Teil 2 Schleichend entsorgt – was den Boomern blühen könnte

In der Geschichte lassen sich viele Beispiele unterschiedlichster Kulturen finden, bei denen es zur Entledigung der Alten durch Herbeiführung des Todes kommt. Diese Maßnahme der Bevölkerungsregulation dient dazu, Kosten zu sparen oder das Überleben des Volkes zu sichern. Die Altentötung wird als Gerontozid oder Senizid bezeichnet. Der Unterschied besteht darin, dass im Falle eines Gerontozids bei der Tötung individuell-persönliche Motive und im Falle des Senizids sozial-gesellschaftliche Motive im Vordergrund stehen.  

In der modernen Gesellschaft werden vier Arten des Senizids unterschieden. Der aktive Opfer-Tod ist Suizid im hohen Alter, um keine Belastung für andere darzustellen und um die Kosten für Familie und Angehörige zu vermindern. Auch beim passiven Opfer-Tod will man nicht mehr anderen zur Last fallen und verzichtet daher freiwillig auf Nahrung und Flüssigkeit. Bei der passiven Senio-Euthanasie erfolgt der Tod durch das Unterlassen oder Hinauszögern lebenserhaltender Maßnahmen durch Fremdeinwirkung, ohnedass ein Sterbewunsch vorliegt. Weiterhin zu unterscheiden ist die aktive Senio-Euthanasie, hierbei liegt ebenfalls kein Sterbewunsch vor, sondern der Tod wird durch fremde Einwirkung von außen herbeigeführt, um sich eines alten Menschen zu entledigen.  

Bei beiden Varianten des Opfer-Todes wird der Todeswunsch von außen herangetragen, auch wenn die Betroffenen sich dessen nicht immer bewusst sind. Es wird hierbei von einem „introjizierten Todeswunsch“ gesprochen. Gerontophobe Äußerungen einzelner Personen und eine generelle gesellschaftliche Stimmungslage gegen alte Menschen evozieren einen sozialen Druck, der selbstzerstörerische Neigungen erzeugt und verstärkt. Wie chronisch Kranke und Pflegebedürftige neigen alte Menschen zu der Ansicht, sie würden anderen Menschen zur Last fallen. Die Absicht zur Selbsttötung weist nicht zwangsläufig auf eine psychische Störung hin. Alte Menschen, die ernsthaft einen Suizid erwägen, benötigen keine erzwungene Pflichtberatung, sondern brauchen vielmehr niedrigschwellig zugängliche und verlässliche psychotherapeutische Beziehungsangebote. 

Fatal wäre es jedoch, alten Menschen zu vermitteln, sie seien in dieser Gesellschaft nicht mehr willkommen, um gleichzeitig die praktischen und rechtlichen Hürden für assistierten Suizid und aktive Sterbehilfe aus dem Weg räumen. 

Wenn der Mensch in einer Gesellschaft vorwiegend nach Nützlichkeitsaspekten in ökonomischer Hinsicht bewertet wird, ist dort der geistig-moralische Boden für die Akzeptanz des Senizids bereitet. Dieser ist ein geeignetes Mittel, um in prekären Zeiten die sozialen Sicherungssysteme ökonomisch zu entlasten, um eine erwachsende Bedrohung daraus abzuwehren. Nach Hochrechnungen offizieller Sterbefallstatistiken scheiden in Deutschland jährlich etwa 105.000 alte Menschen mit einem der genannten „Stillen Tode“ aus dem Leben, wovon rund ein Fünftel den Krankentötungen zugerechnet werden können.  

Wenn das Leben nicht mehr „lebenswert“ erscheint, dann soll es möglichst rasch vorbei sein. Das klingt in einer Gesellschaft, die nach Selbstverwirklichung, Genuss, Fitness und ewiger Jugend strebt, plausibel. Der amerikanische Onkologe und Bioethiker Ezekiel Emanuel veröffentlichte einen Artikel im Monatsmagazin The Atlantic „Why I hope to die at 75“, wobei er die Frage aufwarf, ob es nicht sogar eine Pflicht gebe, der Gesellschaft ab einem bestimmten Alter nicht mehr zur Last zu fallen. 

Sollen wir also sterben wollen, um den nachfolgenden Generationen im Alter nicht allzu sehr auf der Tasche zu liegen?  

Nach Ansicht von Cassandra Devine, einer jungen PR-Beraterin aus Washington, sollten aufgrund der drohenden „Boomer“-Rentnerschwemme Anreize etwa in Form von kostenlosem Botox oder das Erlassen der Erbschaftssteuer geschaffen werden, damit sich Menschen nach dem 75. Lebensjahr das Leben nehmen. Ein weiterer bekannter Euthanasie-Befürworter ist der australische Philosoph und Bioethiker Peter Singer. 

Aber nicht nur gesellschaftliche Diskurse bergen Gefahrenpotenzial für den Generationenkonflikt, auch das ethische Bollwerk bröckelt. Gemäß dem Utilitarismus ist es nicht nur das Ziel, möglichst viele Leben retten, sondern auch möglichst viele gesunde Lebensjahre. Dem individuellen Leben kommt dem Utilitaristen kein Wert an sich zu. Die Thesen erscheinen einstweilen logisch, stehen aber im Widerspruch mit gängigen moralischen Intuitionen. Bei Entscheidungsfällen wie der Triage würden die Überlebenswahrscheinlichkeiten und die jeweilige Anzahl der verbliebenen Lebensjahre aufmultipliziert und dann entschieden, wer zu retten ist. 

Der Kontraktualismussetzt ein Gedankenexperiment an, bei dem begrenzte Mittel für die Herstellung von Gesundheit verteilt würden. Dies würde konsensfähig dazu führen, dass der Jugend und dem Erwachsenenalter, also der individuellen, familiären sowie der beruflichen Entwicklung und Selbstverwirklichung ein hoher Stellenwert bei der Verteilung zukommt, während das hohe Alter, das von Stillstand, sozialem Rückzug und Vorbereitung auf den nahen Tod gekennzeichnet ist, ausgespart werden würde. Eine solche Theorie beinhaltete ein dezidiert negatives Bild vom Alter.  

Die politische Philosophie des Kommunitarismus rechtfertigt die Verteilung begrenzter Ressourcen mit der Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gemeinschaft. Für ein „gutes“ respektive erfülltes Leben reicht es vollkommen aus, eine Lebensspanne von 75-80 Jahren zu durchleben, wobei es danach nicht erstrebenswert ist, den körperlichen Verfall mit allen medizinischen Möglichkeiten zu bekämpfen, denn Altern und Sterben ist wesentlicher Bestandteil des Lebens.

Teil 3 Was zu tun ist – noch ist der Zug nicht abgefahren

Zentral ist die Bereitschaft zum verbalen Abrüsten auf beiden Seiten. Man muss ferner die Voraussetzungen für einen wertschätzenden Dialog schaffen, der Differenzierung anstelle von Polarisierung setzt. Dies erfordert die Kompetenz der „cross generational intelligence, die bereits in der Schule gefördert werden müsste. In einem „reverse Coaching“ könnten dann am Arbeitsplatz in einer Art umgekehrtem Schüler-Lehrer-Verhältnis junge Menschen, die direkt von der Universität kommen, ihr frisches Wissen mit Älteren teilen oder im Bereich digitaler Anwendungen Hilfestellung geben; unterdessen könnten sie etwas über den Arbeitsalltag und von den langjährigen Erfahrungen der älteren Kollegen_innen lernen. 

Gleichzeitig muss die Altersrente gerechter gestaltet werden, eine vollkommene Gleichbehandlung der Generationen ist jedoch eine Illusion. Das eigentliche Problem besteht indessen in der ungleichen Verteilung des Vermögens und Einkommens. Neben dem Abbau der Arbeitslosigkeit und einer forcierten Investition in Bildung liegt jedoch auch in der zukünftig zu erwartenden Steigerung der Arbeitsproduktivität ein entscheidender Faktor. Es gilt: „Produktivität schlägt Demografie“. Eine familienfreundlichere Politik würde die Bereitschaft junger Menschen, Nachwuchs zu bekommen, erhöhen und damit überdies dem demografischen Problem entgegenwirken. Ferner bedarf es einer aufrichtigen Willkommens- und Anerkennungskultur für Fachkräfte aus dem Ausland. 

Private Pflegearrangements müssen weiter gestärkt werden. Gesetzliche Schutzmechanismen in der institutionellen Pflege und Schutzmöglichkeiten für privat gepflegte Personen müssen verbessert werden.  

Weiterhin müssen auch rechtliche Schutzlücken für Altersdiskriminierung geschlossen werden. Im Grundgesetz Artikel 3 ist etwa beim allgemeinen Gleichheitsgrundsatz kein Diskriminierungsverbot aufgrund des Alters aufgeführt. Auch im Ethikkodex des Deutschen Presserats fehlt bei den Diskriminierungen die Altersdiskriminierung. 

Im Rahmen des neuen Dialogs der Generationen wird es also entscheidend darauf ankommen, weniger die vermeintlichen Interessengegensätze, sondern vielmehr gemeinsame Interessenlagen verstärkt in den Blick zu nehmen. Der Generationengerechtigkeit gilt erst dann als verwirklicht, wenn die Chancen der Nachfolgegeneration mindestens genauso groß sind wie die der vorausgehenden. Grundstein dafür ist das verbale Abrüsten auf beiden Seiten. 


buch|votum

Das Buch bietet einenguten Überblick über das Thema des Generationenkonflikts. Es klärt umfangreichüber gefährliche Altersbilder und latent vorherrschende Vorurteile auf und bietet konkrete Lösungsvorschläge an.Durchweg sind alle Passagen gut recherchiert und unterfüttert mit Nachweisen sowie vielen Statistiken und dabei zugleich gut lesbar. Das Buch könnte dennoch prägnanter sein, auch sind viele Lösungsvorschläge bereitsintuitiv klar oder bekannt. 

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