Friedrichs Bildungsblog

11.11.2019

Gedanken über Lehrermangel

Es braucht eine Verabredung auf Landes- und Bundesebene, welche Mindeststandards für die Gewinnung, Qualifizierung und Beschäftigung von Seiten- und Quereinsteiger_innen gelten. Denn Seiten- und Quereinsteiger_innen gab es schon immer und wird es immer geben. Es ist sinnlos und unverantwortlich, den Blick davor zu verschließen.

Bild: Ewald Terhart von Ewald Terhart

Von Ewald Terhart

Es gibt wieder zu wenig ausgebildete Grundschullehrer_innen. Die Schulverwaltungen haben große Mühe, die freien Stellen zu besetzen. Zugleich gibt es wieder zu viele frisch ausgebildete Lehrkräfte für Gymnasien – aber nur in den sprachlich-kulturwissenschaftlichen Fächern. Schon immer fehlen in allen Schulformen Lehrkräfte für den MINT-Bereich. Es gab und gibt schon immer zu wenig ausgebildete Förderschullehrkräfte und ebenso herrscht ständiger Mangel an Lehrkräften für die beruflichen Schulen. Vor 20 Jahren bekamen neu ausgebildete Grundschullehrer_innen kaum eine Stelle. Und während der 1980er-Jahre bekamen fast alle neu ausgebildeten Lehrkräfte keine Stelle.

Die aktuelle Lage am Lehrer-Arbeitsmarkt stellt sich in Ostdeutschland anders dar als in Westdeutschland, in den Metropolen anders als auf dem Lande etc., etc. Zugleich hat die historische Bildungsforschung schon vor Jahrzehnten gezeigt, dass die Zyklen von Überfüllung und Mangel seit der Entstehung des staatlichen Lehrerberufs im 19. Jahrhundert bestehen; solche Zyklen existieren übrigens auch in anderen akademischen Berufsfeldern. Das Phänomen ist lange bekannt und wurde vielfach durchleuchtet. Es ist aber wohl immer noch nicht beherrschbar – und Expert_innen können genau erklären, warum. Nun also ist es wieder soweit: Weil urplötzlich frisch geborene Sechsjährige in unerwarteten Mengen vor den Grundschulen auftauchen, und es zugleich zu wenige neu ausgebildete Grundschullehrkräfte gibt, ist er wieder da: der Mangel.

Keine Sorge: Es sollen jetzt keine weiteren Witze gerissen werden. Ebenso werden nicht erneut die Zahlen und Trends ausgebreitet. Das alles ist in den einschlägigen Publikationen nachzulesen.[1] Ich möchte mich mit eher grundlegenden, vielleicht etwas zeitenthoben wirkenden Fragen befassen.

Wird es je eine perfekte Welt geben – und kann man die wollen?

Es wird niemals eine Situation eintreten, in der Jahr für Jahr die Zahl der ausgebildeten Lehrkräfte genau dem schulisch definierten Bedarf entspricht. Dies wäre nur in einem allwissenden und allmächtigen Staat möglich: Der wüsste dann genau, was er wann in welchen Mengen auf dem Lehrerarbeitsmarkt brauchen wird, und durch rechtzeitige Informationen sowie am Ende: durch Zwang könnte er erreichen, dass Menschen zum richtigen Zeitpunkt in der genau richtigen Anzahl, natürlich nach Lehrämtern differenziert, die richtige Studien- und Berufswahl treffen: Lehrer_in. Zweitens müsste unter diesen Voraussetzungen jede_r neu ausgebildete Lehrer_in auch tatsächlich eingestellt werden. Einzelne Schulen könnten, sofern sie eine attraktive Lage haben oder die besten Arbeitsbedingungen versprechen, die Absolvent_innen mit den besseren Noten erhalten. Der hier zurechtphantasierte allmächtige und allwissende Staat müsste dies im Prinzip jedoch eigentlich zu verhindern wissen und die neuen Lehrer_innen zentral und nach Leistung gleichverteilt den Schulen zuweisen. Er könnte auch immer gezielt eine gewisse Überzahl produzieren – und die laut Abschlussnote ‚schlechtesten‘ Absolvent_innen in anderen Berufen einsetzen. In einem solchen perfekten Lehrerproduktions- und -verteilungsstaat will niemand leben, weil man sich nur zu genau vorstellen kann, zu was dieser Staat darüber hinaus und ganz generell willens und fähig wäre.

Aber diese Situation wird nicht eintreten, weil dieser Staat zum Glück nicht existiert, sondern umgekehrt in unserer Gesellschaft Menschen selbst Entscheidungen über die eigene Berufswahl treffen. Eine besondere Komplikation bei der Entscheidung zum Lehrberuf besteht darin, dass man verschiedene Lehrämter und innerhalb eines Lehramtes unterschiedliche Fächerkombinationen studieren kann. Der konkrete Lehrerbedarf an Schulen und dessen schulform-, lehramtsspezifische und regionale Entwicklung in der Zeit ist das Ergebnis von übergreifenden, nur bedingt beeinflussbaren demographischen Prozessen auf verschiedenen Ebenen und andererseits schwankenden politischen Entscheidungen (z.B. darüber, wie groß Klassen maximal sein dürfen oder wie aufwendig Ausbildung und Zulassung von Lehrkräften gestaltet sein sollen). Nicht alle Hintergrundbewegungen sind rechtzeitig erkennbar, nicht alle Faktoren staatlich zu beeinflussen, nicht alle Situationen und Verläufe planbar. Deshalb wird es immer Situationen geben, in denen zugleich teils ein Überfluss, teils ein Mangel an Bewerber_innen herrscht – je nach Fachgruppe, Schulform, Region. In fünf, zehn oder zwanzig Jahren kann sich das Bild hier und da schon wieder gewandelt haben. Siehe oben.

Natürlich können und müssen die prognostischen Daten und Rechnungen endlich verbessert werden – keine Frage! Wohl aber muss man fragen, wie es möglich ist, dass Bildungsforscher wie Klaus Klemm seit Jahrzehnten bei diesem Thema die zuständigen staatlich-administrativen Stellen erfolgreich vor sich hertreiben?

Der Staat ist schulpflichtig!

Schulpflicht besteht nicht nur für die Schüler_innen, sondern auch für den Staat: Er ist verpflichtet, Unterricht durchzuführen, die Unterrichtsversorgung sicherzustellen. Eltern und andere zählen darauf. Der Staat kann also nicht sagen: Sorry, wir haben im Moment nicht genug ausgebildete, oder gar, ganz raffiniert, nicht genug mit gutem Ergebnis ausgebildete Lehrkräfte. Im nächsten halben Jahr schließen also in diesen und jenen Gemeinden und Regionen folgende Schulen. Es muss ein Ausweg gefunden werden. Die im System befindlichen Lehrkräfte zu mehr Arbeit anzuhalten ist richtig (höhere Stundenverpflichtung, Zurückfahren bzw. Erschweren von Stundenreduktionen, Beibehaltung und Rückgewinnung von Pensionierten) und bringt sicherlich etwas – aber nicht genug. Man muss auf Seiten- und Quereinsteiger_innen zurückgreifen, die keine oder keine passende formelle Lehrerausbildung durchlaufen haben, aber geeignet und interessiert sind, nun Lehrer_innen zu werden.

Aber wie gewinnen, schnell (!) hinreichend (!!) qualifizieren und im System behalten? Dies ist die entscheidende Frage. Aufgrund der historischen Konstanz des Problems muss man den Quer- und Seiteneinstig zum festen Bestandteil der Debatte um Lehrerberuf und Lehrerbildung machen. Der Seiten- und Quereinstieg ist keine Anomalität, kein Skandal – er muss als Normalität verstanden werden, schon deshalb, weil er immer eine Realität war.

Gegen den Einsatz von Seiteneinsteiger_innen spricht, dass es einen Beruf herunterwirtschaftet, wenn man plötzlich – in Zeiten des Mangels – die Zulassungsstandards absenkt und am Ende gar jede und jeden nimmt. Dieses Problem wäre kleiner, wenn man die aus der Not heraus Eingestellten, die sich nicht bewähren, wieder entlassen könnte, um dann, wenn sie wieder zur Verfügung stehen, regulär Ausgebildete einzustellen. Allerdings: Eine solche Strategie müsste fairerweise implizieren, dass man auch jene regulär Ausgebildeten, die sich nicht bewähren, anderswo als im Schuldienst einsetzt oder ‚freisetzt‘.

Berufe dienen bestimmten Zwecken in der Welt der Nicht-Berufsmitglieder. Berufe können sich selbst definieren, ihre Form selbst beeinflussen, die Voraussetzungen hochdefinieren, Ansehen und Verdienst steigern. Sie gefährden aber ihre Akzeptanz, wenn sie sich in einer Weise konstruieren, die am Ende zwar den Eigeninteressen auf Statuserhalt dient, nicht aber der Öffentlichkeit, für die der Beruf da ist. Insofern muss in Mangelsituationen ein Ausweg gefunden werden. In dieser Lage müssen auch Berufe flexibel sein. Jedenfalls können sie sich nicht in Notsituationen aus Eigeninteresse neuen Lösungen verweigern und etwa die Absicherung des erreichten äußeren Berufsniveaus über die eigentliche Versorgungspflicht gegenüber der Öffentlichkeit stellen („Standesegoismus“). Das ist bei Staats-Professionellen und also auch im Lehrerberuf illusorisch und unmöglich – wegen der erwähnten Schulpflicht des Staates.

Den Seiteinsteiger, die Seiteneinsteigerin als Normalfall begreifen[2] – das bedeutet auch, bestimmte Mindestvoraussetzungen zu definieren: Für diejenigen, die sich interessieren, sowie vor allem aber für die Art der Einbringung der Seiteneinsteiger_innen in den Beruf. Das heißt konkreter: Es sollte eine Verabredung auf Landes- und Bundesebene zu der Frage geben, was die Mindest-Zugangsvoraussetzungen für Seiteneinsteiger_innen zum Lehrberuf sind und zweitens wie die Qualifizierung gestaltet sein sollte. Es ist davon auszugehen, dass sehr viele Seiteinsteiger_innen unabhängig vom Berufserfolg im Beruf verbleiben werden und damit die Einstellungschancen für diejenigen, die sich in Zeiten des Mangels und also zu spät für den Lehrerberuf entschieden haben, die Einstellung nach erfolgreichem Abschluss erschweren.[3] Natürlich kann man in solchen Zeiten des Überflusses an Bewerber_innen viele gute Dinge tun: Nur die besten aufnehmen, bei entsprechenden finanziellen Möglichkeiten und Prioritätensetzungen die Zahl der Lehrerstellen erhöhen, die Richtgrößen für Schulklassen verkleinern, die Pflicht-Stundenzahl der Lehrkräfte verringern, damit die Zeit für verpflichtende Lehrerfortbildung schaffen.

Aber die Botschaft ist: Die Akteure in der Lehrerbildung und am Ende die KMK sollten Mindeststandards für die Gewinnung, Qualifizierung und Beschäftigung von Seiten- und Quereinsteiger_innen erarbeiten. Denn Seiten- und Quereinsteiger_innen gab es schon immer und wird es immer geben. Es ist sinnlos und unverantwortlich, den Blick davor zu verschließen.

Was bedeutet das alles?

Irgendwo habe ich die Geschichte gehört, dass der US-Army im Zweiten Weltkrieg in den Lazaretten die Chirurg_innen ausgingen. Man fand eine typisch amerikanische Lösung: In Vierwochenkursen wurden die fehlenden Chirurg_innen ausgebildet und dann eingesetzt. Nach dem Krieg verschwanden diese Kurse natürlich sofort wieder.

Natürlich passt das Beispiel nicht. Bei Chirurg_innen geht es um Leben und Tod, bei Lehrer_innen um das Schreiben- und Lesenlernen, um Verstehen oder Nichtverstehen des Beweises zur Winkelsumme im Quadrat, um die angepasste oder unangepasste Interpretation eines Gedichtes. Das ist schon etwas ganz anderes als die Sache mit den Chirurg_innen[4] – viele Pädagog_innen werden das wohl anders sehen. Aber unabhängig davon: Es verwundert nicht, dass das Schulsystem bisher mit den Zyklen der Lehrerversorgung irgendwie immer zurechtgekommen ist – der tatsächliche Schaden, das Ungenügen, die entgangenen besseren individuellen und gesellschaftlichen Möglichkeiten etc. bleiben strukturell unsichtbar, sind nicht zu quantifizieren. Dies alles erzeugt zahllose weitere Fragen zum Zusammenwirken der Prozesse im ganzen Schulsystem. Ich greife hier nur eine heraus: Ist es im Grunde systemisch und in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit nur wichtig, dass überhaupt Schule ist – und die Qualität der inneren Prozesse dagegen gar nicht so entscheidend, auch nicht die Qualität der Arbeit der Lehrkräfte sowie damit verbunden die Qualität der Ausbildung der Lehrkräfte?

Schlimme Fragen

Seiteneinsteiger_innen mit ihren von der Standard-Berufsbiographie abweichenden Mustern können auch neue, innovative, belebende Elemente in die Schulwelt bringen. Möglicherweise haben sie informell Fähigkeiten erworben, mit denen sie sehr gut in den Klassenzimmern und auch im Lehrerzimmer zurechtkommen. Umgekehrt muss man ja auch zur Kenntnis nehmen: Nicht jede_r regulär Ausgebildete bietet automatisch eine Garantie für guten Unterricht und kollegiale Kooperationsfähigkeit. Es bleiben Unsicherheiten – bei den regulär Qualifizierten und den Seiteneinsteiger_innen. Bei beiden Gruppen kann die hohe Verbleibedauer im Lehrerberuf zu Problemen führen; das Arbeits- und Beamtenrecht erlaubt es nicht, erwiesenermaßen erfolglose, unfähige, ungeeignete, schädliche Berufsinhaber_innen auszuschließen, um dadurch zugleich die Chance auf neue, hoffentlich erfolgreiche, fähige und wirklich geeignete zu bekommen. Dies ist allerdings eine Situation, die in der öffentlichen Verwaltung (und Schule ist Teil davon) überall gilt …

Eine bestimmte, milde Form des Seiteneinstiegs gab es schon immer – er wird nur nicht so benannt und skandalisiert: es ist der fachfremde Unterricht. Bekanntlich studieren Lehrer_innen in Deutschland zwei (als Grundschullehrer_innen drei) Fächer und erwerben ein spezielles Lehramt. Jede einzelne ausgebildete Lehrkraft ist also hoch spezialisiert – kann im Prinzip keine_n andere_n Spezialist_in ersetzen. Diese Spezialisierung führt bei der Einstellung zu einer Nadelöhr-Situation. Hat man das Nadelöhr jedoch passiert, wird man womöglich gänzlich unspezialisiert eingesetzt, muss also auch fachfremd unterrichten. In diesem ‚fremden‘ Fach ist man auch eine Art Seiteneinsteiger_in. Immerhin jedoch hat man eine Lehrerausbildung hinter sich. Dieses Phänomen ist übrigens weit verbreitet: 27 % des Mathematikunterrichts an Grundschulen wird von Personen erteilt, die im Rahmen ihres Grundschulstudiums nicht das Fach Mathematik studiert haben.[5] Das erklärt womöglich manches über die Situation des Mathematikunterrichts und der mathematischen Kompetenzen der Schüler_innen. (In sprachlich-sozialwissenschaftlichen Fächern kann der Anteil fachfremden Unterrichts auch sehr hoch sein – je nach Schulform/-stufe). Im Gymnasium und dort vor allem in der Oberstufe wird am wenigsten häufig fachfremd unterrichtet.

Die Tradition des fachfremden Unterrichts, vor allem aber die in Wellen immer wieder notwendige Einstellung von Seiten- und Quereinsteiger_innen führen de facto zu einer schulischen Realität, in der Ausbildung, Art der Berufslizenz und Arbeitsplatz (auf kurze oder längere Dauer) nicht zusammenpassen. Das ist nun allerdings, gesamtgesellschaftlich gesehen, Normalität und keine Katastrophe. In zunehmend mehr Berufsfeldern ist das traditionelle Muster – eine Ausbildung führt zu einem Beruf und trägt ein Leben lang – auf dem Rückzug. Lebensläufe und Berufsbiographien haben sich ent-standardisiert; lebenslanges berufliches Lernen ist Realität für alle. Der öffentliche Dienst und auch die Lehrerberufe in Deutschland sind demgegenüber noch in einem vergleichsweise starren Ausbildungs-, Berechtigungs- und Laufbahnsystem, welches eher Sicherheit und Enge, Stabilität, Unabhängigkeit, Schutz und Inflexibilität zugleich gewährt oder nahelegt – aber Flexibilität nicht belohnt.

Allerdings hängt dies vom angelegten Bewertungskriterium ab: Ab wann beurteilt man ein System als unzureichend, mangelhaft, wann sind Seiteneinsteiger_innen eine Katastrophe, wann eine Bereicherung? Es ergeben sich angesichts der aktuellen Notlage durchaus grundsätzliche, über die unmittelbare Situation hinausgehende Feststellungen: Die zyklischen Wellen von Mangel und Überfüllung haben das System nicht ruiniert; es gab und gibt flexible Anpassungen bei der Rekrutierung und während der Berufsbiographie. Und umgekehrt würde auch eine Lage, in der alle Lehrkräfte sehr passgenau produziert werden – siehe oben –, nicht automatisch dazu führen, dass das System einen Qualitätssprung macht. Denn auch dann noch kommen und / oder verbleiben wenig erfolgreiche Berufsinhaber_innen im System. Die Anschlussüberlegung lautet: Wie hoch ist durchschnittlich der Anteil des Faktors Lehrer am Zustandekommen der Lernergebnisse bzw. der breiteren Schul- und Bildungserfahrungen der Schüler_innen? Wie hoch und zeitlich stabil ist er bei den einzelnen Lehrkräften? Wie hoch ist die Determinationskraft, oder vorsichtiger: der Einfluss der Ausbildung bzw. bestimmter Teile oder Phasen der Aus- und -fortbildung für die Entfaltung von hohen oder niedrigen Fähigkeiten innerhalb der Berufslaufbahn von Lehrkräften? Schlimme Fragen.[6]

Kurzer Schluss: Gedanken über Mangel

Lehrermangel – ein Mangel an Lehrkräften, der durch mangelndes Wissen, mangelnde Voraussicht, durch mangelnde Beherrschbarkeit komplexer Ablaufe und durch eine Kombination von allem zustande kommt. Die Idee, dass man es schaffen könnte, solche Mängel abzustellen, ist selbst mangelhaft: Die Voraussetzungen sind nicht gegeben. Zum Glück – siehe oben den Super-Staat. Insofern wird wohl der Mangel an Lehrkräften, der Mangel an Erkenntnis, der Mangel an Gestaltungsfähigkeit, vielleicht auch: von Gestaltungswille bestehen bleiben. Man könnte darüber philosophisch werden: Der Mensch als „Mängelwesen“ (Gehlen) und alle seine „Gestelle“ (Heidegger) mängelbehaftet. Eine solche spirituelle Tieferlegung will und kann ich hier nicht leisten – und falls doch, dann allenfalls mangelhaft.

Prof. i. E. Dr. Ewald Terhart war von 2002 bis zu seiner Pensionierung 2018 Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik an der Universität Münster. In den letzten zwei Jahrzehnten war er Mitglied zahlreicher Expertenkommissionen zur Reform der Lehrerbildung in mehreren Bundesländern und auf Bundesebene. Derzeit ist er Mitglied in wissenschaftlichen Beiräten und Kuratorien, z.B. des Instituts für die Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund sowie des Interdisziplinären Zentrums für Bildungsforschung (IZBF) an der Humboldt Universität zu Berlin.

 

[1] Vgl. zuletzt das Themenheft „Seiten- und Quereinsteiger in den Lehrerberuf“ der PÄDAGOGIK, 2019, Heft 6. Zur Quereinsteigern in anderen Berufsfeldern vgl. St. Rippler & B. Woischwill: Erfolgreich als Quereinsteiger. Wiesbaden: Springer Gabler 2014

[2] So schon Klaus-Jürgen Tillmann in dem in Anmerkung 1 erwähnten Heft der PÄDAGOGIK.

[3] Angesichts folgender Entwicklung könnten sich deren Einstellungschancen zusätzlich verschlechtern: Der von 2012 bis 2016 zu verzeichnende Anstieg der jährlichen Geburtenzahlen war in den beiden Jahren 2017 und 2018 nicht mehr zu verzeichnen.  

[4] Vgl. dazu das Kapitel „Vom Metzger zum Chirurgen? – Geschützte Berufe sind ohne Qualifizierung tabu!“ in dem Buch von Rippler & Woischwil, Anm. 2. 

[5] Vgl. dazu z.B. R. Porsch: Fachfremd unterrichten in Deutschland. Definition – Verbreitung – Auswirkungen. In: Die deutsche Schule 108 (2016) Heft 1, S. 9-32 sowie das von Frau Porsch gestaltete Themenheft „Fachfremd Unterrichten“ der Zeitschrift LERNENDE SCHULE (2019), Heft 85.

[6] Vgl. dazu vom Verfasser: Wie wirkt Lehrerbildung: Forschungsprobleme und Gestaltungsfragen. In: Zeitschrift für Bildungsforschung 3 (2012) 1, S. 3–21. (DOI 10.1007/s35834-012-0027-3) und: „Auf den Lehrer kommt es an!“ Rückfragen an einen pädagogischen Allgemeinplatz. In H.-U. Grunder (Hrsg.). Mythen – Irrtümer – Unwahrheiten. Essays über „das Valsche“ in der Pädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2017, S. 227–234.


  • Kontakt

    Bildungs- und Hochschulpolitik
    Martin Pfafferott
    martin.pfafferott(at)fes.de

    Bildungspolitik
    Marion Stichler
    marion.stichler(at)fes.de

    Hochschulpolitik
    Theresia Müller vom Berge
    theresia.mueller-vom-berge(at)fes.de

    Studienförderung
    Bildungs- und Hochschulpolitik
    Hiroshimastr. 17
    10785 Berlin
    Tel.: 030 26935 7057

  • Info

    Die Friedrich-Ebert-Stiftung lädt Bildungsexpert_innen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Gewerkschaft und Zivilgesellschaft ein.

    • Bundes- und landespolitische Themen werden in Veranstaltungen miteinander diskutiert.
    • thematisch-analytische Publikationen folgen hieraus.
    • übergeordnete Fragestellungen werden als Studien bei Experten in Auftrag gegeben.

Kommentare (0)

Keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar verfassen

nach oben