A majority working in the shadows

Umfrageprojekt

Banner "A majority working in the shadows". Übersetzung: "Eine Mehrheit arbeitet im Verborgenen" mit Symbolen zu Geld, Sozialer Sicherheit, Gesundheitsversorgung, Bevölkerungswachstum, Gerechtigkeit
Urheber: FES / Werbestudio zum Weißen Roessl

Informal Employment, Social Security and Political Trust in sub-Saharan Africa

Informelle Arbeit spielt in afrikanischen Volkswirtschaften und Gesellschaften eine zentrale Rolle. In den meisten afrikanischen Ländern verdienen zwischen 80 und 95 Prozent der arbeitenden Bevölkerung ihren Lebensunterunterhalt in der informellen Ökonomie. Informalität ist also prägend für das Leben der Menschen und ihre Interaktion mit dem Staat. Menschen, die in der Informalität leben und arbeiten, haben weniger Zugang zu öffentlichen Leistungen als Menschen, die ihr Einkommen im formellen Sektor generieren. Sie profitieren selten von staatlicher Daseinsvorsorge und werden nicht durch Arbeits- und Sozialgesetzgebung geschützt. Zudem hat die Covid-19-Pandemie die Lebensbedingungen vieler der in Informalität Beschäftigten verschlechtert. Trotz der zentralen Rolle, die informelle Arbeit für afrikanische Volkswirtschaften und Gesellschaften spielt, existieren zu diesem Thema nur wenige empirische Daten. 2017 beschlossen Vertreter der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), das German Institute of Development and Sustainability (IDOS) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), diese Lücke gemeinsam zu schließen, und starteten das mehrjährige, umfassende Forschungsprojekt Informal Employment, Social Security and Political Trust in sub-Saharan Africa.
 

5 Jahre – 6 Länder – 8 Umfragen – über 10 000 befragte Haushalte

Zusammen mit Expert_innen des AfroBarometers wurden die Planung und der Fragenkatalog der Meinungsumfrage erarbeitet. Die gesamte Untersuchung profitierte in hohem Maße von AfroBarometer, deren Forschungsprotokoll sie in der Planung der Stichprobenerhebung und der Auswahl der Haushalte folgte. Von 2018 an wurden im Rahmen des das gemeinsamen Forschungsprojekts in Benin, der Elfenbeinküste, Äthiopien, Kenia, Senegal und Sambia Tausende von Haushalten, die ihr Einkommen durch informelle Arbeit generieren, befragt. Um den Einfluss von Covid-19 und von im Zusammenhang mit der Pandemie ergriffenen politischen Maßnahmen auf informelle Arbeitnehmer_innen und ihre Familien zu erfassen, wurde in Kenia und Senegal eine zweite Umfragerunde durchgeführt. “A Majority Working in the Shadows”, sowie weitere auf diesen Daten basierende Publikationen stehen zum Download zur Verfügung (siehe unten). Die FES lädt Wissenschaftler_innen und Forscher_innen dazu ein, den großen Datenschatz zu nutzen, um mit ihrer Forschung zu einem besseren Verständnis von informeller Arbeit in Subsahara-Afrika beizutragen. Das schafft die Grundlage, um die Aufmerksamkeit der Politik auf diese spezifische, in hohem Maße relevante Gruppe von Menschen in informeller Beschäftigung zu lenken.


Download der englischen Studie

A majority working in the shadows

Traub-Merz, Rudolf (Hrsg.) ; Öhm, Manfred (Hrsg.) ; Leininger, Julia (Hrsg.) ; Bonnet, Florence (Hrsg.) ; Maihack, Henrik (Hrsg.) | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung, September 2022

a six-country opinion survey on informal labour in sub-Saharan Africa


Zentrale Ergebnisse

Informell Beschäftigte sind von Sicherheit und Schutz, die der Staat dem formellen Arbeitsmarkt bietet, weitgehend ausgeschlossen. Die Gründung von Verbänden, Kooperativen und Selbsthilfegruppen ist für informell Beschäftigte der vielversprechendste Weg, um soziale Sicherheit, politisches Gewicht, ökonomische Chancen und eine gemeinsame Identität zu erlangen. In den sechs Ländern der Umfrage ist etwa die Hälfte der informell Beschäftigten organisiert. Im Schnitt sind in diesen sechs Ländern Sparvereine am beliebtesten, gefolgt von religiösen Gruppierungen, Nachbarschaftsgruppen und Kooperativen. Politische Parteien, Kulturgruppen und Gewerkschaften hinken weit hinterher.

Aufgrund ihres ungenügenden Zugangs zu Sozialleistungen und Gesundheitsfürsorge sind informell Beschäftigte anfälliger für externe Schocks wie etwa die Pandemie. Während die meisten sozialen Hilfspakete nur auf den formellen Sektor ausgerichtet waren, führten die ökonomischen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie  in den meisten Ländern unter den informell Beschäftigten zu einem starken Anwachsen der Einkommensarmut. Ein Vergleich zweier unterschiedlicher sozialer Hilfsprogramme (Kenia und Senegal) deutet darauf hin, dass umfassendere Maßnahmen Armut und Ungleichheit trotz der ökonomischen Auswirkungen der Pandemie sogar verringern konnten.

Gemäß dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP 2020) haben circa 408 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung. Arbeitnehmer_innen in informellen Beschäftigungsverhältnissen und ihre Familienmitglieder sind selbst in Relation zu nationalen Gesundheitssystemen, die kostenlosen Zugang zur Gesundheitsfürsorge bieten, in überproportionalem Maße von unzureichendem Versicherungsschutz betroffen. Gefragt nach ihren Erwartungen von besserer staatlicher Versorgung, überrascht es wenig, dass ein Großteil der im informellen Sektor beschäftigten Personen sagt, dass sie sich Zugang zu Gesundheitsversorgung wünschen. Auch herrscht bei den informell Beschäftigten eine große Bereitschaft, für Gesundheitsversorgung einen Beitrag zu leisten – sogar bei den ärmsten unter ihnen.

Das Vertrauen in Institutionen ist für den Erfolg politischer Maßnahmen von zentraler Bedeutung. So führt etwa ein hohes Vertrauen der Gesellschaft in Institutionen zu einer größeren Zustimmung bei politischen Entscheidungen im Gesundheitswesen, bei Verordnungen und etwa bei Anpassungen des Steuersystems. Die Umfragen zeigen, dass unter den informell Beschäftigten eine hohe Nachfrage nach Umverteilung besteht. Wenn die Regierung Grundbedürfnisse wie die Gesundheitsfürsorge erfüllt, zeigen informell Beschäftigte sogar eine hohe Bereitschaft, Beiträge und Steuern zu entrichten. Leider ist das Vertrauen in staatliche Einrichtungen und politische Parteien gering. Die Menschen vertrauen tendenziell lieber auf traditionelle und religiöse Führungspersonen.


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Download Datensatz
 

Datensatz zu Informal Employment, Social Security and Political Trust in six sub-Saharan African Countries / Friedrich-Ebert-Stiftung, German Institute of Development and Sustainability, International Labour Organisation. - (Version 1.0) : Friedrich-Ebert-Stiftung. - 2023. - Dataset. 

Die Daten können unter den Bedingungen der Creative Commons BY 4.0-Lizenz weiterverwendet werden:
https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ 

 

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