SPRACHE
Leichte
Sprache
Menü
Mirko Herberg

Gewerkschaften im Wandel 4.0 – Wie sich Gewerkschaften weltweit der neuen Welt der Arbeit stellen

Unser Projekt „Trade Unions in Transformation 4.0“ hat untersucht, wie Gewerkschaften weltweit der neuen digitalen Arbeitswelt begegnen. Der Abschlussbericht zeigt, dass Gewerkschaften und Basisinitiativen ihre Machtressourcen bündeln müssen, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen aushandeln zu können.

Überall auf der Welt verändert Technologie die Arbeitswelt. In der neuen Welt der digitalen Arbeit strukturieren mächtige transnationale (digitale) Konzerne das Machtverhältnis zwischen Kapital und Arbeit neu – oftmals zu Ungunsten der Beschäftigten. Der Trend zu informeller, prekärer und ausgelagerter Arbeit verstärkt sich. Damit wird die Macht von Arbeitnehmer_innen, menschenwürdige Arbeitsbedingungen auszuhandeln, angegriffen.

Die FES interessiert sich dafür, welche strategischen Antworten die organisierte Arbeitnehmerschaft auf diese Herausforderungen gibt. Das Projekt „Gewerkschaften im Wandel 4.0“ hat untersucht, wie Gewerkschaften und neue Organisationen von Beschäftigten ihre Machtressourcen mobilisieren, um der neuen Arbeitswelt zu begegnen.

12 Fallstudien aus der Plattformökonomie und der „konventionellen“ Wirtschaft (Automobilindustrie, Bankensektor, Tech-Industrie) aus zwölf Ländern im Globalen Norden und Süden ermöglichen eine Reihe zentraler Aussagen des nun vorliegenden Abschlussberichts.

Unsere Hypothese, dass Beschäftigte und ihre Gewerkschaften sehr wohl Handlungsmacht haben und diese auch nutzen, ist bestätigt. In etablierten Sektoren und Unternehmen, in denen die Gewerkschaften traditionell die Beschäftigten organisieren, wird diese kollektive Stärke (Organisationsmacht) genutzt, um die Einführung neuer Technologien und deren Auswirkungen auszuhandeln. Dazu werden bestehende Verhandlungsarenen und Mitbestimmungsrechte mit innovativen Ansätzen (z.B. Lernfabrik in Bochum, Robotersteuer in Uruguay, Umschulungen in Rumänien) kombiniert, um Lösungen auf Unternehmens- und Branchenebene zu verhandeln.

In der Informations- und Kommunikationstechnik wurden erkannt, dass auch Tech-Beschäftigte kollektive Interessenvertretung benötigen und, mit smarten gewerkschaftlichen Ansätzen unterstützt, bereit sind, sich zu organisieren. Das hat beispielsweise auch YouTube zu spüren bekommen. Selbstorganisation plus Kooperation mit der IG Metall hat eine Ausweitung des Arbeitskonflikts und den Einstieg in Verhandlungen ermöglicht.

In ähnlicher Weise sind im plattformvermittelten Transport- und Lieferdienstsektor wie bei Uber oder Deliveroo kollektive Proteste und neue Arten von Basisorganisationen entstanden. Diese gehen verschiedene Arten der Zusammenarbeit mit traditionellen Gewerkschaften ein, um für Anerkennung, bessere Regulierung und Arbeits-, Gesundheits- und Sozialschutz zu kämpfen. Das innovative Potenzial dieser neuen Allianzen zeigt sich, wenn traditionelle Gewerkschaften ihr Aktionsrepertoire erweitern und die Interessenvertretung informeller, Schein-Selbstständiger oder prekär Beschäftigter in ihre Agenda zu integrieren. Dann wird auch die Kluft zwischen formeller und informeller Wirtschaft überwunden.

Das Projekt „Gewerkschaften im Wandel 4.0“ zeigt eindrucksvoll, dass die organisierte Arbeitnehmerschaft sehr lebendig ist. Gewerkschaften nutzen etablierte Arenen, um neue Themen zu verhandeln. In der häufig unregulierten Plattformwirtschaft entstehen neue Formen kollektiver Interessenvertretung.  Wenn neue und etablierte Organisationen ihre jeweiligen Machtressourcen kombinieren, können Beschäftigte auch in der neuen Welt der Arbeit menschenwürdige Arbeitsbedingungen erkämpfen.

 

Das Abschlusspapier in weiteren Sprachversionen sowie Short Story Booklet und viele weitere Informationen finden Sie auf der Projektseite "Trade Unions in Transformation 4.0".

Weltweit

Kollektive Interessenvertretung im digitalen Kapitalismus

Alte und neue Arbeitskämpfe
Bonn, 2021

Publikation herunterladen (310 KB, PDF-File)

Ansprechpartner_innen

National:
Stefanie Moser

030 26935-8308
stefanie.moser(at)fes.de

International:
Mirko Herberg

+49 (0)30 26935-7458
Mirko.Herberg(at)fes.de

Julia Schultz

+49 (0)30 26935-7506
Julia.Schultz(at)fes.de

weitere Ansprechpartner_innen
national
international

Veranstaltungen, Projekte, Analysen und Hintergrundinformationen:

  • Gewerkschaften national
  • Gewerkschaften international

 

weitere Informationen

Ansprechpartnerin

Mirko Herberg
Mirko Herberg
+49 30 26935-7458
nach oben