"Uns reicht's!" Hass und Hetze gegen Journalismus und Kommunalpolitik

Fachtagung // 12.-13. Mai 2023 // Bonn

Speaker_innen

Sawsan Chebli ist ehemalige Staatssekretärin, Sozialdemokratin, Autorin. Die gebürtige Berlinerin ist das zwölfte Kind einer palästinensischen Flüchtlingsfamilie und hat ihr Leben lang Politik gemacht. Für ihren leidenschaftlicher Einsatz für eine diverse, inklusive Gesellschaft erntet sie seit Jahren nicht nur digitalen Hass sondern auch körperliche Bedrohungen. In Ihrem im März 2023 veröffentlichen Buch „Laut: Warum Hate Speech echte Gewalt ist und wie wir sie stoppen können“ erzählt Chebli nicht nur von den sexistischen, rassistischen und islamfeindlichen Abgründen unserer Gesellschaft, in die sie während etlicher Shitstorms blicken musste, sondern auch von positiver Energie, Empathie und echter Unterstützung im digitalen Ungewitter.

Dr. Sabine Fandrych studierte Politikwissenschaft, Völkerkunde und portugiesische Linguistik an der LMU in München (Magister 1996). Nach Beratertätigkeiten und Forschungsaufenthalten in Mosambik und Angola promovierte sie 2000 am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Zwischen 2000-2007 war sie u.a. Leiterin des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Angola sowie Beraterin für Organisationsentwicklung und Reintegrationspolitik der giz (damals GTZ, 2004-2006). Von 2007 bis 2010 leitete Fandrych das FES-Büro in Äthiopien und bei der Afrikanischen Union, ab 2010 wechselte sie in die Inlandsarbeit der FES als Leiterin des Büros in Baden-Württemberg. Von 2017-2021 leitete sie die Abteilung Politische Akademie der FES in Bonn. Seit Juli 2021 ist sie Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der FES.

Jana Faus ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf Politologie und politischer Soziologie und Gründerin sowie Geschäftsführerin von pollytix strategic research gmbh. Sie ist Vorsitzende von Artikel 1, Speakerin und Autorin, u. a. der Studie „Arbeitsbedingungen und Gewalterfahrungen von Lokalpolitiker/innen in Deutschland“.

Dr. Christoph Hebbecker ist Staatsanwalt bei der in Köln angesiedelten Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW). Er studierte Rechtswissenschaften in Trier und Athen, promovierte zu einer strafprozessualen Thematik und war anschließend als Strafverteidiger tätig. Seit 2015 ist er Staatsanwalt und bei der ZAC NRW für den Bereich der digitalen Hasskriminalität zuständig. Hier verantwortet er das Pilotprojekt „Verfolgen statt nur Löschen“. Dabei kooperiert die ZAC NRW mit der Landesanstalt für Medien NRW, dem LKA NRW und verschiedenen Medienpartnern um strafbare Hassrede zu identifizieren, die Verfasser:innen zu ermitteln und strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen.

Volkmar Kah setzt sich seit 2017 als Geschäftsführer des Landesverbandes NRW im Deutschen Journalisten-Verband (DJV-NRW) für die Interessen von freien und festangestellten Medienschaffenden ein. Zuvor arbeitete der Journalist in verantwortlichen Positionen bei verschiedenen Tageszeitungsverlagen sowie in der Aus- und Weiterbildung für Journalist:innen. Aktuell arbeitet er als stellvertretendes Mitglied in der Medienkommission der Landesanstalt für Medien (NRW) mit.
Zum Thema Bedrohung hat der DJV-NRW u.a. zwei Kooperationsprojekte mit dem nordrhein-westfälischen Innenministerium angestoßen, aus der Handreichungen zur Prävention für Journalist:innen  und Empfehlungen zum Verhalten bei journalistischer Berichterstattung in Einsatzlagen für Polizist:innen und Berichterstattende entstanden sind. Der Verband hat auch eine Notfallnummer für Kolleg:innen geschaltet, die im Einsatz bedroht werden und bietet diverse Seminare zum Thema an.

Manja Kasten ist Diplom-Politologin, angehende systemische Beraterin und seit über 15 Jahren als Beraterin und Trainerin unterwegs. Seit 2012 berät und schult sie bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) Einzelpersonen, unterschiedlichste Verbände und Initiativen, Parteien und Verwaltung im Umgang mit Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Rassismus und Antisemitismus.

Hasnain Kazim wurde in Oldenburg geboren und ist Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer. Er wuchs in Hollern-Twielenfleth im Alten Land, vor den Toren Hamburgs, und in Karatschi in Pakistan auf, studierte Politikwissenschaften und schlug eine Laufbahn als Marineoffizier ein. Das journalistische Handwerk lernte er bei der „Heilbronner Stimme“, schrieb unter anderem für das dpa-Südasienbüro in Delhi und von 2004 bis 2019 für den SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE, die meiste Zeit davon als Auslandskorrespondent in Islamabad, Istanbul und Wien. Für seine Arbeit wurde er mit diversen Preisen ausgezeichnet, darunter dem „CNN Journalist Award“. Er lebt als freier Autor nach wie vor in der österreichischen Hauptstadt und schreibt unter anderem für ZEIT ONLINE und den Deutschlandfunk. Sein Buch „Post von Karlheinz“, das seine Dialoge mit wütenden Lesern versammelt, stand viele Wochen auf der Bestsellerliste. „Auf sie mit Gebrüll!“, eine Anleitung zum richtigen Streiten, wurde ebenfalls direkt nach Erscheinen ein Bestseller. Im September 2021 erschien sein erstes fiktionales Buch, die politische Satire „Mein Kalifat“, im Oktober 2022 "Mein Kalifats-Kochbuch". Derzeit schreibt er an einem Roman.

Hannah Schieferle ist als langjähriges Mitglied bei Amnesty International und als Trainerin und Multiplikatorin des Projekts „Profil zeigen – für eine starke Demokratie“ der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und des Netzwerks Politische Bildung Bayern für die Verteidigung der Menschenwürde und der Menschenrechte aktiv. Zusammen mit der FES Bayern hat sie den Ratgeber „Stellung beziehen gegen Stammtischparolen – Tipps für den Alltag“ veröffentlicht und bietet Workshops zum Thema an. Ihre Erfahrungen als Referentin für Fortbildung am Goethe-Institut e.V. sowie als Systemische Moderatorin fließen in ihre Trainings und Veröffentlichungen mit ein.

Aydoğan Makascı moderiert beim ARD/ZDF Ereignis- und Dokumentationskanal phoenix. Als Reporter hat er in den vergangenen Jahren unter anderem aus dem hr-Landesstudio in Wiesbaden und für den ARD-Hörfunk aus Istanbul berichtet. Dabei hat er selbst Erfahrungen damit machen müssen, wie es ist, als Journalist Hass und Hetze ausgesetzt zu sein. Er sieht das als eine Bedrohung für die Meinungsfreiheit nicht nur in Deutschland. 

 

Daniela Schneckenburger ist seit Juni 2022 Beigeordnete für Bildung, Integration, Kultur, Sport und Gleichstellung des Deutschen Städtetages. Die ausgebildete Lehrerin verfügt über ausgeprägte Erfahrungen im Bereich Kommunalpolitik und Verwaltung: nach mehreren Jahren im Schuldienst des Landes NRW, Mitgliedschaft im Landtag NRW und kommunalpolitischer Tätigkeit war sie sieben Jahre Beigeordnete in Dortmund für Schule, Familie und Jugend.

Ulrike Schnellbach ist Journalistin, Trainerin, Schreibcoach und Moderatorin. Seit zehn Jahren beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit Rechtsextremismus und Rechtspopulismus und der Frage, wie Medien und Zivilgesellschaft auf diese Phänomene angemessen reagieren. Für die FES entwickelte sie eine Seminarreihe zum journalistischen Umgang mit Rechtsextremismus, die seit 2012 läuft. Daneben gibt sie Interview- und Argumentationstrainings zum Umgang mit rechten Parolen. Ulrike Schnellbach studierte Politikwissenschaft, Linguistik und Psychologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und war Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung. Anschließend volontierte sie bei der Badischen Zeitung und arbeitete als Redakteurin bei Tages- und Wochenzeitungen sowie in der Öffentlichkeitsarbeit. Seit 2002 arbeitet sie als freie Autorin, Trainerin/Dozentin, Moderatorin und Schreibcoach bundesweit, in der Schweiz und in Österreich für Akademien,Journalistenschulen, Redaktionen, Stiftungen und Verbände. Homepage: www.schreib-gut.de

Omar Shehata ist seit März 2021 Stadtverordneter in Frankfurt am Main. Er ist darüber hinaus wissenschaftlicher Mitarbeiter und promoviert zum Thema Cloud Working. Als Stadtverordneter setzt er sich im Ausschuss für Diversität, Zusammenhalt und Europa dafür ein, dass Geflüchtete in Frankfurt einen sicheren Hafen finden, Diskriminierungen in Behörden und in der Wirtschaft bekämpft werden, im Ausschuss für Bildung und Schulbau jedes Kind –unabhängig vom familiären Hintergrund – die bestmögliche Bildung bekommt und im Ausschuss für Wirtschaft, Recht und Frauen für gute Arbeit und faire Löhne sowie Gleichberechtigung aller Geschlechter. 

Stanley Vitte ist seit rund 20 Jahren in der Medienbranche aktiv, u. a. als freier Reporter, Redakteur, Social Media-Manager, Digitalberater und Projektmanager. Besondere Expertise in der Online-Moderation sammelte er als langjähriger Community-Manager bei der Funke Mediengruppe sowie in der Digitalberatung für unterschiedliche Unternehmen. Bei der Landesanstalt für Medien NRW entwickelte er den modular aufgebauten Workshop "Hasskommentare moderieren lernen". Stanley lebt in Düsseldorf und arbeitet mittlerweile vor allem als freier Autor, Trainer und Coach. In der journalistischen Aus- und Weiterbildung liegt sein Fokus auf digitalen Themen, journalistischen Trends und in der nutzerzentrierten Formatentwicklung.

Anna Wegscheider, Juristin HateAid gGmbH. Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien und der Tätigkeit als Rechtsberaterin und -vertreterin für Geflüchtete in Österreich, unterstützt Anna Wegscheider seit September 2020 HateAid als interne Juristin. Im Rahmen von Workshops und Schulungen erklärt sie unter anderem regelmäßig die gesellschaftliche Bedeutung rechtlicher Schritte gegen digitale Gewalt, welche Straftatbestände in diesem Themenkomplex besonders relevant sind und wie man effektiv gegen digitale Gewalt vorgehen kann.