Die Friedrich-Ebert-Stiftung trauert um Helmut Berding (1930-2019)

Bild: Helmut Berding / FES

Helmut Berding gehörte zu den profiliertesten deutschen Historikern. Er war davon überzeugt, dass sich aus der Beschäftigung mit der Geschichte ein kritischer Blick auf die Gegenwart und Zukunft gewinnen lässt, und legte diese Erkenntnis seiner wissenschaftlichen Arbeit zugrunde.

Geboren in Quakenbrück, absolvierte Berding zunächst eine kaufmännische Ausbildung und war bis 1957 in seinem Beruf tätig. Anschließend beschritt er den Zweiten Bildungsweg, holte sein Abitur nach und nahm ein Studium der Geschichte, Philosophie und Romanistik auf; später kam noch Pädagogik hinzu. Im Jahr 1967 erfolgte seine Promotion an der Universität zu Köln mit einer Arbeit über die Geschichtsauffassung und politische Theorie bei Georges Sorel.

Berding wurde Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei seinem akademischen Lehrer Theodor Schieder und schloss 1972 seine Habilitation zur napoleonischen Herrschafts- und Gesellschaftspolitik im Königreich Westfalen (1807-1813) ab. Bereits im selben Jahr wurde er auf die Professur für Neuere Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen berufen, wo er – unterbrochen 1985/86 durch eine Gastprofessur an der "École des Hautes Études en Sciences Sociales" in Paris – bis zu seiner Emeritierung 1998 lehrte.

Einer der profiliertesten deutschen Historiker

Seine Forschungsschwerpunkte umfassten die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts; Rationalismus, Mythos, kollektives Bewusstsein; Deutschland und Frankreich zur Zeit der Französischen Revolution; Napoleon und das Zeitalter der Reformen; den Modernen Antisemitismus sowie die Entstehung und Geschichte des Bundeslandes Hessen.

Von 1972 bis 2011 gab Berding die renommierte Buchreihe "Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft" mit heraus, von 1975 bis 1998 gehörte er dem Herausgeberkreis von "Geschichte und Gesellschaft. Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft" an. Darüber hinaus genoss er in der wissenschaftlichen Gemeinschaft hohes Ansehen und war ein gefragter Ratgeber in zahlreichen Fachverbänden und Kommissionen.

Der Stiftung eng verbunden

Der Friedrich-Ebert-Stiftung war Helmut Berding auf vielfältige Weise eng verbunden, zunächst als Stipendiat während seines eigenen Studiums und dann später insbesondere als Mitglied (ab 1984) und Vorsitzender des Auswahlausschusses der Abteilung Studienförderung von 1998 bis 2004, dessen Ehrenvorsitz er anschließend übernahm.

Da es für Berding selbst als junger Mensch keine Selbstverständlichkeit gewesen war, in den Genuss einer Universitätsausbildung zu kommen, galt sein Engagement in besonderem Maße der materiellen und ideellen Förderung von begabten Studierenden, die sich eine akademische Ausbildung ansonsten nur schwerlich hätten leisten können. Mitarbeiter_innen der Studienförderung, Stipendienbewerber_innen wie Stipendiat_innen schätzten seine unumstrittene Fachkompetenz, Konzilianz, sein Gespür für soziale Gerechtigkeit und seine Mitmenschlichkeit, die er auch für die Begabtenförderung der FES in zahllosen ehrenamtlichen Stunden im Sinne der Sozialen Demokratie unter Beweis stellte.

Zudem gehörte Berding dem Kuratorium und dem Verein der Friedrich-Ebert-Stiftung an. Sie wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

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