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27.01.1922 - Luise Zietz gestorben

Luise Zietz (geb. Körner) starb am 27. Januar 1922 mit 56 Jahren. Einen Tag zuvor hatte sie an einer Debatte über Reparationszahlungen im Reichstag teilgenommen und einen Herzinfarkt erlitten.

Luise Körner war am 25. März 1865 als Tochter einer armen Weberfamilie im holsteinischen Dorf Bargteheide, etwa 30 Kilometer von Hamburg gelegen, zur Welt gekommen. Um die bald schon sechsköpfige Familie ernähren zu können musste Luise als Älteste unter ihren Geschwistern bereits mit neun Jahren spinnen und Wolle ausliefern. Harte Arbeit und Hunger waren prägende Momente ihrer Kindheit. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete sie als Dienstmädchen, als Helferin in Tabak und Kaffee verarbeitenden Fabriken und ließ sich in Hamburg zur Kindergärtnerin ausbilden. In ihrer spärlichen Freizeit las sie viel und eignete sich so über die Jahre eine rhetorische und schriftliche Ausdrucksfähigkeit an, die bald von Bedeutung werden sollte.

In Hamburg kam sie durch die Bekanntschaft ihres späteren Ehemanns Karl Zietz in Kontakt mit der Arbeiterbewegung. Im Alter von 27 Jahren begann sie sich aktiv in der Hamburger SPD und im Fabrikarbeiterverband zu engagieren. Ab 1897 trat sie in engen Kontakt zu Clara Zetkin und Ottilie Baader mit denen sie an der sozialdemokratischen Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“ arbeitete. Während des Hamburger Hafenarbeiterstreiks, in dem mehrere Tausend Arbeiter gegen überlange Arbeitszeiten und für bessere Löhne kämpften, begann Luise Zietz erstmals als Rednerin um die Unterstützung der Arbeiterfrauen zu werben. Mit ihrer klaren Sprache und der Kraft ihrer Stimme gelang es ihr großen Eindruck in der Zuhörerschaft zu hinterlassen.

Nachdem die gesetzlichen Grundlagen in Preußen politische Arbeit für Frauen zuließen wurde Luise Zietz 1908 als erste Frau in den SPD-Parteivorstand gewählt. Ihr Hauptanliegen war es mehr Frauen für den Sozialismus zu begeistern. Neben ihrer Parteiarbeit und ihren Reden verfasste Zietz kleinere Broschüren in denen sie detailreich und wortgewandt die rechtliche Gleichstellung der Frau propagierte. „Her mit dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht für Mann und Frau!“ war ihre Parole (Siehe: „Die Frauen und der politische Kampf“ von 1911).

Doch nicht nur die Rechte der Frau lagen Zietz am Herzen. Auch die Emanzipation der Kinder war ihr ein wichtiges Anliegen – hatte sie doch am eigenen Leib so früh die Mühsal der Arbeit erfahren müssen. Das Recht des Kindes seinem natürlichen Tätigkeitsdrang zu folgen und seine Phantasie ausleben zu dürfen war eine überaus moderne und noch heute gültige Forderung (Siehe: „Kinderarbeit, Kinderschutz und die Kinderschutzkommissionen“ von 1912).

Von 1912–1916 war Zietz Frauensekretärin beim SPD-Parteivorstand. Nach den parteiinternen Auseinandersetzungen um die Burgfriedenspolitik 1917 schlug sie sich auf die Seite der neugegründeten USPD. Für diese saß sie ab 1920 im Reichstag, dem insgesamt 37 Frauen angehörten, was einen Anteil von 8% aller Abgeordneten ausmachte. Mehr als die Hälfte der weiblichen Abgeordneten war USPD oder (Mehrheits-)SPD angehörig. Die Vereinigung von USPD und (Mehrheits-)SPD im September 1922 erlebte Zietz, die stets großen Wert auf die gemeinsame Tradition der Parteien gelegt hatte, nicht mehr.

Im Gegensatz zu den sozialistischen Frauenrechtlerinnen Marie Juchacz, Emma Ihrer und Clara Zetkin, deren Abbilder in der Bundesrepublik beziehungsweise in der DDR Briefmarken zierten, erfuhr Luise Zietz nach ihrem Tod vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Das verwundert, war sie doch Zeit ihres Lebens eine glühende und erfolgreiche Verfechterin der Rechte von Frauen, Kindern und Arbeitern.

"Alle, die ihr schafft und euch mühet im Dienste anderer, seid einig" (Luise Zietz).

Weitere Informationen zu Luise Zietz finden Sie direkt hier, unter Frauengeschichte, zum Frauenwahlrecht direkt hier im Historsichen Stichwort.

Publikationen:

Gisela Notz „Her mit dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht für Mann und Frau!“

Gisela Notz, Biographische Skizze, in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, 2, 2003.