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Portraitfoto Walter Auerbach

Walter Auerbach

Bestand: 56,80 lfd.m.
Laufzeit: 1933 - 1975

Lebensdaten: * 22.7.1905 † 23.3.1975

Walter Auerbach wurde am 22. Juli 1905 in Hamburg geboren. Nach dem Besuch der Oberrealschule studierte er in Hamburg, Freiburg und Köln Germanistik, Geschichte und Soziologie und promovierte 1929 mit einer Arbeit über "Presse und Gruppenbewußtsein" zum Dr. phil. Während des Studiums schloß sich Auerbach, der seit 1926 SPD-Mitglied war, der sozialistischen Studentenbewegung an.
Von 1930 - 1933 arbeitete er beim Hauptvorstand des Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs, seit 1932 als Sekretär des Verbandsvorsitzenden Anton Reissner. Bei der Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten wurde Auerbach am 2. Mai 1933 verhaftet, konnte jedoch entkommen und flüchtete vor einer erneut drohenden Verhaftung noch im gleichen Monat nach Amsterdam (16. Mai 1933). Dort arbeitete er im Generalsekretariat der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF) als Redakteur des ITF-Informationsdienstes "Faschismus". Nach der Verlegung des Hauptsitzes der ITF-Zentrale nach Großbritannien übersiedelte Auerbach mit seiner Familie im Oktober 1939 nach England, wo er in der "Faschismus"-Redaktion zunächst in Kempston (Bedford) und ab 1943 in London tätig war.
Im Exil verfügte Auerbach über vielfältige berufliche und politische Kontakte, von denen insbesondere die Verbindungen zum Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK) und zu Neu Beginnen, internationalen Gewerkschaftsorganisationen, Labour Party, TUC und britischer Administration sowie zur Internationalen Arbeiterorganisation (ILO) zu nennen sind. Zur politischen Linie und praktischen Arbeit der Auslandsvertretung der deutschen Gewerkschaften (AGD) stand Auerbach in scharfem Gegensatz. 1940 gründete er zusammen mit Mitgliedern der vom ISK organisierten Unabhängigen Sozialistischen Gewerkschaften (USG) zur Unterstützung und Koordinierung der illegalen Gewerkschaftsarbeit den "gewerkschaftlichen Freiheitsbund gegen das Hakenkreuz". 1943 veröffentlichte Auerbach mit Hellmut von Rauschenplat (Fritz Eberhard), Otto Kahn-Freund und Kurt Mandelbaum die programmatische Schrift "The Next Germany". Im Rahmen der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in Großbritannien wirkte er an der Formulierung gewerkschaftlicher Programmvorstellungen für die politische und soziale Neuordnung Deutschlands mit ("Die neue deutsche Gewerkschaftsbewegung", 1945). Ferner war er als Berater für deutschsprachige BBC-Sendungen tätig und am Aufbau des Senders "Europäische Revolution" beteiligt. 1945/46 hielt Auerbach Vorträge über sozialpolitiche und gewerkschaftliche Fragen in verschiedenen Kriegsgefangenenlagern. Auerbach galt bereits damals als Experte für sozialpolitische Probleme; seine Vorschläge für die Verwaltung Deutschlands nach dem Krieg fanden Aufnahme in eine Empfehlung der ILO an die Vereinten Nationen.
Nachdem Auerbach bereits im Frühjahr 1946 im Auftrag der ITF die Westzonen und Berlin bereist und Kontakte zur deutschen Gewerkschaftsbewegung aufgenommen hatte, konnte er am 17. Oktober 1946 endgültig nach Deutschland zurückkehren . Er übernahm das Amt des Vizepräsidenten des "Zentralamtes für Arbeit" in Lemgo. Diese Behörde war anfänglich für die Sozial-, Arbeits- und Gesundheitsverwaltung in der britischen Zone zuständig und der "Manpower"-Abteilung der Militärregierung unterstellt.
Nach der Auflösung des Zentralamtes im Herbst 1948 ging Auerbach als Staatssekretär in das niedersächsische Arbeits- und Sozialministerium. Er übte diese Funktion, die nur von Juni 1955 bis November 1957 während der Regierung Hellwege unterbrochen wurde, über zwei Jahrzehnte hinweg aus. Unter den Ministern Alfred Kubel, Heinrich Albertz, Georg Diederichs und Kurt Partzsch nahm Auerbach an wichtigen sozialpolitischen Entscheidungen auf Landesebene und - als ständiger Ländervertreter im Bundesrat - auch auf Bundesebene teil.
Den Abschluß der beruflichen Laufbahn Auerbachs bildete im Oktober 1969 die Berufung als Staatssekretär in das Bundesarbeitsministerium, an dessen Spitze damals Walter Arendt stand. Mit Erreichung der Altersgrenze schied Auerbach im April 1972 aus dem Amt.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Staatssekretär gehörte Auerbach nach Kriegsende zahlreichen Beratergremien, Kommissionen und Vereinen an, u.a. der Sozialen Studienkommission des DGB-Bundesvorstandes (1953 - 1967) und dem sozialpolitischen Beraterkreis des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften (1968 - 1974). 1953 wurde Auerbach in den Beirat des Bundesarbeitsministeriums für die Neuordnung der sozialen Leistungen (Ausschuß für Grundsatzfragen) berufen, dem er bis 1958 angehörte. 1972 - 1975 war Auerbach Vorsitzender der Sachverständigenkommission des Bundesarbeitsministeriums für die Erstellung eines Sozialgesetzbuches.
Als Mitglied des Sozialpolitischen Ausschusses beim SPD-Parteivorstand (1947 - 1972) und als Leiter der Arbeitsgruppe zur Erstellung eines "Sozialplanes für Deutschland" beeinflußten Auerbachs sozialpolitische Vorstellungen auch Programm und Entscheidungen der SPD.
Von Auerbachs Veröffentlichungen zu sozialpolitischen Fragen in der Nachkriegszeit sind v.a. zu erwähnen: "Sozialpolitik in der Sackgasse" (1951), "Mut zur sozialen Sicherheit" (1955), "Kommunale Verantwortung im sozialen Bereich" (1961), "Vorausschauende Sozialpolitik - Sozial enquête und sozialpolitische Entscheidung" (1964), "Zusammenhänge. Illusion und Wirklichkeit der sozialen Sicherheit" (1968) und "Beiträge zur Sozialpolitik" (1971).
Walter Auerbach starb am 23. März 1975 in Bonn.

Der erste Teil des Nachlasses, der insbesondere den Zeitraum 1933 - 1946 umfaßte (aber auch zahlreiche Unterlagen aus späterer Zeit enthielt), gelangte noch zu Lebzeiten Auerbachs in das Archiv der sozialen Demokratie (1970). Der zweite Teil wurde dem AdsD nach dem Tod des Nachlassers im Jahre 1975 von der Witwe, Frau Käte Auerbach, übergeben. Der umfangreiche Gesamtbestand bot sowohl unter biographischen und strukturellen als auch arbeitstechnischen Aspekten eine Aufteilung in zwei Teile an. Als zeitliche Grenze wurde der Oktober 1946, der Monat der Rückkehr Auerbachs nach Deutschland, gewählt.
Beide Nachlaßteile, insbesondere aber Teil I, befanden sich ursprünglich in einem geradezu chaotischen Zustand. Eine Registraturordnung war offensichtlich vom Nachlasser nicht vorgenommen worden. Das gesamte Schriftgut lag in vermischter Form vor. Broschüren, Korrespondenzen, Zeitungsausschnitte, Vermerke etc. waren nicht voneinander getrennt. Briefe, Manuskripte und andere Schriftstücke waren z.T, auseinandergerissen und mußten erst in mühsamer Kleinarbeit wieder zusammengefügt werden. Eine auch nur entfernt noch erkennbare Gliederung des Nachlasses war also nicht vorgegeben. Zunächst wurde mit der Ordnung und Verzeichnung von Teil II (1946 - 1975) durch Werner Simon begonnen. Das von Simon für diesen Bestand konzipierte Ordnungs- und Verzeichnungsschema (nach dem Pertinenzprinzip) wurde bei der Übernahme der bis dahin schon fortgeschrittenen Ordnundgs- und Verzeichnungsarbeiten durch die Unterzeichnete (Herbst 1978) beibehalten.
Nach Beendigung der Arbeiten am Nachlaßteil II setzten 1979 die Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten an Teil I an.

Ordnungs- und Verzeichnungskriterien (Teil I)

Um dem Benutze den Zugang möglichst einfach zu gestalten, wurde für den Teil I die gesamte Korrespondenz mit Anlagen zu einem eigenen Block zusammengefaßt und chronologisch geordnet. Damit stellt die Gruppe "Allgemeine und persönliche Korrespondenz" einen zentralen Bestandteil des Nachlasses Teil I dar, in dem sich nahezu alle wichtigen Aktivitäten des Nachlassers in ihrem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang spiegeln, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß nicht die gesamte von Auerbach geführte Korrespondenz im Nachlaß erhalten ist. Besonders die Zeit des niederländischen Exils ist verhältnismäßig schwach belegt [ Unterlagen aus der Zeit vor 1933 sind nur sehr vereinzelt vorhanden.] Das gilt sowohl für die eingehende Post als auch für die ausgehenden Schreiben, von denen erst in späteren Jahren Durchschläge erhalten sind. Eine teilweise Erschließung wäre für den Benutzer durch Entschlüsselung der stenografischen Briefentwürfe möglich, die auf Stenoblöcken für die Jahre 1933 - 1943 erhalten sind. Sie wurden der Korrespondenz als Anlage beigefügt.
Zu einer eigenen Gruppe wurden Veröffentlichungen und Manuskripte des Nachlasses zusammengefaßt. [ Eine Ausnahme bildet das Gemeinschaftswerk "Die neue deutsche Gewerkschaftsbewegung". Hier wurden die Manuskripte und Entwürfe der Autoren einschließlich der Beiträge Auerbachs der Gruppe "Gewerkschaftsarbeit allgemein" zugeordnet, um den Zusammenhang mit gewerkschaftlichen Konzeptionen vor und nach Abschluß dieses Projekts nicht zu zerstören.] . Die Zuordnung der oft undatiert und unsigniert vorliegenden maschinenschriftlichen Manuskripte brachte gerade für den Zeitraum bis 1946 nicht selten große Schwierigkeiten mit sich. Es konnte nicht in allen Fällen eindeutig geklärt werden, welche Manuskripte dem Nachlasser zuzurechnen sind. Handschriftliche Korrekturen oder Vermerke boten in Anbetracht der Redaktionstätigkeit und des engen gegenseitigen schriftlichen Gedankenaustausches Auerbachs mit befreundeten Emigranten sowie der dabei üblichen gegenseitigen Korrektur von Manuskripten nicht immer sichere Anhaltspunkte für die Zuordnung.
Die Sachakten wurden den wichtigsten Tätigkeitsbereichen des Nachlassers zugeordnet. Soweit dies bei dem völlig zerstörten Überlieferungszusammenhang überhaupt möglich war, wurden die Unterlagen, die aus der Arbeit Auerbachs für die ITF und die "Faschismus"-Redaktion stammten, in einer Gruppe zusammengefaßt. [ Weitere Unterlagen zur ITF-Tätigkeit Auerbachs finden sich im ITF-Bestand im AdsD.] Die Gruppe "Gewerkschaftsarbeit allgemein" enthält dagegen im wesentlichen Material zu gewerkschaftlichen Aktivitäten außerhalb der ITF-Tätigkeit, Unterlagen zum "Gewerkschaftlichen Freiheitsbund" und zur Landesgruppe deutscher Gewerkschafter. Die folgenden Abschnitte decken gleichfalls wichtige Tätigkeiten des Nachlassers ab.
Neben diesen Unterlagen, die zum größten Teil unmittelbar auf Funktionen Auerbachs zurückgehen, zum Teil auch durch sachlich dazugehörende Akten angereichert wurden, treten verschiedene Aktengruppen, die unter der Überschrift "Sonstige Arbeitsunterlagen und Sammlungen" zusammengefaßt wurden. Hier wurden jene Materialien eingeordnet, die von Auerbach mehr oder weniger systematisch für die berufliche oder politische Tätigkeit gesammelt wurden, ebenso Unterlagen, die in keinem direkten Bezug zu den Tätigkeitsbereichen des Nachlassers stehen. Der größte Teil dieser Unterlagen wurde in der Hauptgruppe "Druckschriften, Berichte, Manuskripte ..." zusammengefaßt. Soweit umfangreichere Materialien in einem inhaltlichen oder formalen Zusammenhang standen, wurden sie zu eigenen Gruppen zusammengefaßt (z.B. "Materialien zur deutschen Arbeiterbewegung und zur sozialen Lage in Deutschland 1945/46", "Flugblätter" etc.).
Bei der Verzeichnung der Korrespondenz wurden jeweils die wichtigsten Korrespondzpartner und die wichtigsten "Betreffe" hervorgehoben. Bei den Sachakten beschreibt der "Enthält"-Vermerk rein formal die in einer Mappe enthaltenen Materialien, die Betreffangaben fassen die wichtigsten Inhalte zusammen. Alle bei der Verzeichnung erwähnten Korrespondenzpartner und die im Texte erwähnten Personennamen können über das Personenregister erschlossen werden.

Ordnungs- und Verzeichnungskriterien (Teil II)

Während Teil I des Nachlasses neben umfangreichen Materialien und Aufzeichnungen zu sozialpolitischen Fragen in erster Linie Gewerkschaftsunterlagen und Material zu verschiedenen politischen Gruppen enthält, treten in dem nach 1946 entstandenen Nachlaßgut Gewerkschaftsmaterialien und Unterlagen mit allgemeinem politischen Bezug quantitativ eindeutig zurück hinter die umfangreichen Akten zu Fragen der Sozial- und Gesundheitspolitik und zu Problemen des Arbeits- und Sozialrechts. Ein erheblicher Teil des Nachlaßgutes besteht aus Korrespondenz, Aktenvermerken, Druckschriften etc. aus den Ministerialbehörden, in denen Auerbach tätig war.
Von W. Simon wurde für diesen Bestand eine Gliederung geschaffen, die auf der Einteilung der Materialien nach Sachgruppen beruht; lediglich das Schriftgut aus den wichtigeren nebenamtlichen Funktionen Auerbachs wurde zu eigenen Gruppen zusammengefaßt. In den nach Sachkriterien gebildeten Haupt- und Untergruppen wurden die Materialien chronologisch gereiht. Die Einzelsachvorgänge enthalten meist verschiedene Schriftgutarten (Korrespondenz, Denkschriften, Vermerke etc.). Bei größeren Untergruppen wurde z.T. die Korrespondenz vom übrigen Schriftgut getrennt und alphabetisch geordnet. In jeder Hauptgruppe wurden jene Materialien (einschließlich Korrespondenz), die in Zusammenhang mit Publikationen oder Vorträgen Auerbachs stehen, zu eigenen Gruppen zusammengefaßt. Die sehr detaillierte Verzeichnung des Schriftgutes orientiert sich in der Regel an einzelnen Materialien oder Einzelsachvorgängen und verzichtet auf eine selektive oder zusammenfassende Beschreibung.

  • Persönliche Unterlagen
  • Allgemeine und persönliche Korrespondenz
  • Veröffentlichungen und Manuskripte
  • Internationale Transportarbeiterföderation (ITF) Redaktion „Faschismus"
    Unterlagen, Vermerke, Berichte, Protokolle
    Berichte von Reisenden und Kontaktpersonen
    Abschriften und Textseiten aus „Faschismus"
    Textbearbeitungen
    Exzerpte, Abschriften, Notizen
  • Gewerkschaftsarbeit im Exil (allgemein)
  • Internationaler Gewerkschaftsbund
  • Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
  • German Educational Reconstruction (GER
  • Anti-NS-Rundfunkarbeit
    Unterlagen, Vermerke, Berichte
    Sendetexte
  • Politische Bildungsarbeit in Kriegsgefangenenlagern
  • SOPADE und „Union deutscher sozialistischer Organsiationen in Großbritannien"
  • Denkschriften, Berichte, Aufrufe, Manuskripte von verschiedenen Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen
  • NS-Materialien
  • Materialien zur französischen Résistance und zur Entwicklung in Frankreich
  • Materialien zur deutschen Arbeiterbewegung und zur sozialen Lage in Deutschland
  • Personalia
  • Zeitungsausschnitte
  • Flugblätter und Flugschriften
  • Broschüren
  • Einzelzeitungen und Einzelzeitschriften, Pressedienste etc.

Walter Auerbach im Online-KatalogBibliothek der FES