Blog Denkanstoß Geschichte Ergänzung des Nachlasses von Carlo Schmid (1896-1979) 19.01.2026 Das Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) der Friedrich-Ebert-Stiftung konnte eine bedeutende Nachlieferung zum Nachlass Carlo Schmid (1896-1979) übernehmen. Sie stellt eine wertvolle Ergänzung des bereits umfangreichen Nachlasses dar. Mit Willy Brandt, 1954. Bild: Urheber: Telegraf/AdsD Carlo Schmid gilt als einer der wichtigsten Politiker der jungen Bundesrepublik, der u.a. als Mitglied des Parlamentarischen Rates, langjähriger Bundestagsabgeordneter, Bundestagsvizepräsident, Bundesminister und nicht zuletzt als Koordinator für die deutsch-französischen Beziehungen die politische Kultur in Deutschland entscheidend mitgeprägt hat. Dabei hatte der habilitierte Staatsrechtler seine politische Karriere unter dem Eindruck des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs erst nach 1945 im Alter von knapp 50 Jahren begonnen. Zuvor war Schmid als Richter und Privatdozent, aber auch als Übersetzer und Autor tätig gewesen. Innerhalb der SPD blieb der umfassend akademisch gebildete, kunstliebende, durch und durch bürgerliche intellektuelle Kosmopolit zeitlebens eine untypische Erscheinung. Der Nachlass Carlo Schmid im AdsD Sein Nachlass, der bereits seit dem Jahr 1980 im AdsD verwahrt wird, ist eine zentrale Quelle zur Geschichte der Bundesrepublik, der SPD und zur deutschen Verfassungsgeschichte. Die insgesamt 117 laufenden Meter Archivgut bilden hauptsächlich die verschiedenen Funktionen und Tätigkeiten Carlo Schmids von 1945 bis zu seinem Tod ab. Besonders dicht dokumentiert sind Schmids politisches Engagement innerhalb der SPD, im Parlamentarischen Rat und im Deutschen Bundestag, seine Mitgliedschaften in verschiedenen Institutionen, Gesellschaften und Vereinen sowie seine schriftstellerischen Tätigkeiten. Wertvolle Ergänzung des Nachlasses Die nun übernommenen Unterlagen ergänzen den bereits im AdsD befindlichen Nachlass vor allem für die Zeit vor 1945. Sie befanden sich in Familienbesitz und wurden dem AdsD übergeben, um sie der Forschung dauerhaft zugänglich zu machen. Besonders erwähnenswert ist die umfangreiche Korrespondenz Carlo Schmids mit seinen Eltern während der Zeit des Kaiserreichs, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, darunter insbesondere zahlreiche Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg. Der Schriftverkehr mit seiner Mutter ist in französischer Sprache verfasst. In seinen 1979 erschienenen „Erinnerungen“ berichtet Carlo Schmid, dass seine französische Mutter ihm bei Kriegsbeginn mitgeteilt habe: „Künftig werden wir nur noch französisch miteinander sprechen, auch wenn du Uniform trägst.“ Als Soldat im Ersten Weltkrieg, 1917. Bild: Urheber: AdsD Darüber hinaus befinden sich in dieser Nachlieferung zum Bestand auch Teile der eingehenden Korrespondenz aus den Jahren 1928 bis 1945, darunter Schreiben von Viktor Bruns, dem Gründer des Kaiser‑Wilhelm‑Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Berlin, an dem Schmid 1927/28 tätig war, und Ernst Schmitz, dem späteren Stellvertreter von Bruns. Zudem konnten die Tagebücher aus den Jahren 1935 bis 1938, zahlreiche Fotografien sowie eine Vielzahl von Carlo Schmid verfasster Gedichte übernommen werden. Diese Unterlagen werden nun archivwissenschaftlich erschlossen und schnellstmöglich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bild: Urheber: AdsD Bild: Urheber: AdsD Bild: Urheber: AdsD Der bereits verzeichnete Nachlass Carlo Schmid kann nach vorheriger Anmeldung von Interessierten im Lesesaal vor Ort in Bonn eingesehen werden. Außerdem lässt sich das Wirken von Carlo Schmid an Hand des Bibliotheksbestands im AdsD nachvollziehen. Die in unserem Katalog nachgewiesenen Veröffentlichungen von Carlo Schmid können Sie hier abrufen, die Publikationen über Carlo Schmid unter diesem Link. Fragen zum Archiv- und Bibliotheksbestand und deren Benutzbarkeit können gerne an archiv.bibliothek(at)fes.de gerichtet werden.