Undoing Gender

Was bedeutet Undoing Gender?

Die Theorie von Undoing Gender schraubt die allgegenwärtige Wahrnehmung von Geschlecht zurück. Das Geschlecht der anderen Person wird zwar registriert, in vielen Situationen spielt es aber in der Interaktion nur eine geringe Rolle, so die von dem Soziologen Stefan Hirschauer entwickelte Theorie. Undoing Gender eröffnet mehr Gestaltungsmöglichkeiten für das Individuum.

 

Hirschauers Theorie baut auf dem Doing Gender Ansatz auf. Danach haben Menschen kein Geschlecht, sie stellen Weiblichkeit oder Männlichkeit erst aktiv her. Dies geschieht bewusst oder unbewusst. Mit der Doing Gender-Theorie ist die von Judith Butler aufgestellte These der Performativität des Geschlechts verbunden. Sie gilt als (De-)konstruktivistischer Ansatz.

 

Undoing Gender wird eine Beobachtung des USamerikanischen Soziologen Harold Garfinkel zugrunde gelegt, der 1984 beschrieb, wie sich die in Kalifornien lebende trans Frau Agnes weibliche Handlungsmuster zulegt, um als Frau gesehen zu werden. Daraus wurde geschlussfolgert: Da die primären Geschlechtsteile in der Regel nicht zu sehen sind, wird das Geschlecht anhand der Kleidung, an der Körperhaltung, an der Art der Kommunikation und an weiteren kulturell bedingten Verhaltensweisen festgestellt.

 


Quellen

  • Die soziale Fortpflanzung der Zweigeschlechtlichkeit
    Stefan Hirschauer, In: Kölner Zeitschrift für Sozialpsychologie 46:4 (1994).
  • Das Vergessen des Geschlechts: Zur Praxeologie einer Kategorie sozialer Ordnung
    Stefan Hirschauer, In: Geschlechtersoziologie, 2001.
  • Studies in ethnomethodology (Social and political theory)
    Harold Garfinkel, 1967.
  • Undoing Gender
    Judith Butler, 2004.


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