Ehegattensplitting

Was bedeutet Ehegattensplitting?

Das Ehegattensplitting ist ein Verfahren der Steuerberechnung, das Ehepaaren wie auch eingetragenen Lebenspartnerschaften zu Gute kommt. Dabei werden die Einkommen der beiden zusammengezählt und anschließend durch zwei geteilt. Auf das so errechnete Einkommen wird die Steuer erhoben. Das Verfahren stammt von 1958, als in der Bundesrepublik Deutschland das Modell der Hausfrauenehe das Ideal war.

 

Das Ehegattensplitting ist von Vorteil, wenn es große Verdienstunterschiede gibt: wenn, wie auch heute noch oft, der Mann der Hauptverdiener ist und die Frau „nur“ dazu verdient hat, weil sie in Teilzeit arbeitet oder einen Minijob hat. Je größer der Einkommensunterschied ist, desto größer ist die Steuerersparnis. Die negative Auswirkung ist, dass es für verheiratete Frauen weniger Anreize gibt, selbst voll erwerbstätig zu sein. Erst wenn beide nahezu gleich viel verdienen, wirkt sich das Splitting nicht als Steuerersparnis aus.

 

Seit Jahren wird eine Reform des Ehegattensplittings gefordert, weil es die stereotype Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen zementiert. Die Aufteilung der Erwerbsarbeit bei Paaren — er Vollzeit, sie Teilzeit — ist ursächlich für viele geschlechtsspezifische Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt. Sie wirken sich beim Gender Pay Gap aus, der Verdienstlücke zwischen Mann und Frau, und konsequent dann auch bei der Rentenlücke, dem Gender Pension Gap.

 

Da das Ehegattensplitting auch bei gleichgeschlechtlichen Ehepaaren zur Anwendung kommt, steht die Frage im Raum, wieweit die hier kritisierten Effekte auch sie betreffen.

 


Quellen



Weitere Beiträge zum Thema Gender und Geschlechtergerechtigkeit:

Eine leere Wiege steht vorm deutschen Bundestag.

Baustelle Familienpolitik: Warum der gestaffelte Mutterschutz nur ein guter Anfang sein darf

01.06.2025 Publikation, Podcast, Gender, Soziales
 
Illustration: Eine Familie mit drei Kindern, Frau und Mann unterhalten sich

Time to care – Sorgearbeit im Fokus

Infografik, Gender
 
Eine grafische Silouette eines Frauenkopfes in dem symbolisch Frauen unterschiedlichster Berufe im Sitzen platziert sind.

30 Jahre Pekinger Erklärung und Aktionsplattform in Asien: Ein Meilensteinen der Gleichstellung

Gender Weltweit
 
Porträt von Patricia Cammarata auf dunkelgrünem Hintergrund

Podcast mit Patricia Cammarata

07.03.2025 Podcast, Gender
 
Eine Frau schreibt "Betet euren Gott an" auf Arabisch, während eine Gruppe junger Freiwilliger ein Wandbild mit dem Symbol des Friedens an eine Mauer am Stadtrand von Damaskus malt.

Internationaler Frauentag: Nicht nur mitreden, sondern vorangehen

06.03.2025 Flucht, Migration, Integration, Migrationspolitik, Gender Weltweit
 
Boda-Boda-Fahrerin in Kampala, Uganda

Frauen überwinden Grenzen

17.02.2025 News, Gender Weltweit
 
Teilnehmer_innen des Feminist Forum on Migration & Displacement 2024 bearbeiten ein Wandposter.

Teure Fürsorgearbeit: Das Elend migrantischer Hausarbeiter_innen

23.01.2025 Flucht, Migration, Integration, Migrationspolitik, Gender Weltweit
 
Jargal Avirmed, eine mongolische Hirtin trägt einen traditionellen „Saalitai Enger"-Mantel und posiert in der Steppe vor einer Herde Yaks in die Kamera

Saalitai Enger: Der Mantel der mongolischen Hirtin

19.12.2024 Gender Weltweit
 
Symbolhafte Figuren in der Seitenansicht in bunten Farben. Männer und Frauen gemischt in verschiedenen Berufskleidungen

Für mehr Geschlechtergerechtigkeit: Gewerkschaften als treibende Kräfte des Wandels stärken

18.12.2024 Gender Weltweit, Gewerkschaften international
 
Cigdem Teke, Christiane Paul und Edgar Eckert bei der Fotoprobe zum Theaterstück 'Prozess' im Maxim Gorki Theater. Berlin, 19.09.2024

FES impuls | Gute Arbeitsbedingungen am Theater – auch für Familien?

12.12.2024 Gender | Kulturpolitik Publikation, Gender, Kulturpolitik
 
nach oben