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Von Petra Keller und Sarah Gräf
Gute Absichten – alte Muster? Viele Non-Profit-Organisationen verstehen sich als Orte gelebter Werte. Doch auch hier bleiben Machtungleichgewichte, informelle Hierarchien und Ausschlüsse bestehen. Klassische Ansätze für Gleichstellung und Diversity greifen oft zu kurz, wenn sie sich nur auf Repräsentation beschränken, ohne Strukturen grundlegend zu hinterfragen oder Vielfalt als Gerechtigkeitsfrage zu behandeln. Reine Repräsentation ändert nicht automatisch, wie Entscheidungen fallen, Ressourcen verteilt werden oder welche Perspektiven zählen.
Wie können wir Machtverhältnisse in Organisationen sichtbar machen und gezielt verändern? Wie lassen sich feministische Werte auch strukturell verankern? Dieses Thema im Fokus zeigt, wie feministische Prinzipien helfen können, Organisationen machtkritisch weiterzuentwickeln. Reflexionsfragen unterstützen dabei, Handlungsfelder zu erkennen und erste Schritte zu gehen.
Im Non-Profit-Sektor arbeiten mehrheitlich Frauen* (69% im Jahr 2025), doch in Führungspositionen bleiben sie unterrepräsentiert (45%). Obwohl viele Organisationen Wert auf wertebasiertes Arbeiten und soziale Gerechtigkeit legen, prägen auch hier sichtbare oder verdeckte Hierarchien und starre Strukturen den Alltag. Viele Non-Profit-Organisationen stehen unter Druck: Sie kämpfen mit finanziellen Engpässen, politischem Gegenwind, hoher Arbeitsbelastung, Fluktuation und komplizierten Förderlogiken. Unter diesen Bedingungen fällt es schwer, Veränderungsprozesse konsequent anzustoßen, regelmäßig zu überprüfen und anzupassen.
Nicht nur die Belegschaft, auch der Zugang zu Engagement ist ungleich verteilt. Bildung, Herkunft und Erwerbsstatus spielen hier eine Rolle – und eben auch Geschlecht. Frauen* übernehmen überdurchschnittlich oft sorgende und organisatorische Aufgaben, während Männer* weiterhin die meisten Entscheidungs- und Leitungsfunktionen besetzen. Das Muster der gläsernen Decke zeigt sich im Ehrenamt ebenso wie in der Erwerbsarbeit. Für migrierte und geflüchtete Frauen* kommen weitere Hürden hinzu.
Studien belegen, dass freiwillige Frauen*quoten positive Veränderungen anstoßen können, doch Repräsentation allein genügt nicht. Wer sichtbar führt, verändert nicht automatisch Entscheidungswege oder die Verteilung von Ressourcen. Feministische Organisationsentwicklung setzt deshalb auf mehreren Ebenen an.
Angesichts zahlreicher gesellschaftlicher und nationaler Krisen sowie spezifischer Herausforderungen für Non-Profit-Organisationen ist es wichtig, sich mit den eigenen Strukturen auseinanderzusetzen und erste Schritte in Richtung Veränderung zu gehen. So können transformative Potentiale voll ausgeschöpft werden und die Organisation fällt nicht in einen Krisenmodus, wenn plötzlicher Handlungsdruck entsteht.
Das Gender-Sternchen (*) steht für die Vielfalt der Geschlechter. Es zeigt, dass nicht nur zwei feste Kategorien gemeint sind, sondern alle Menschen, die sich mit der jeweiligen Bezeichnung identifizieren oder ihr zugeordnet fühlen.
"Die Repräsentation von Frauen spielt eine zentrale Rolle für die Umsetzung der Gleichstellung der Geschlechter – in der Gesellschaft und in Organisationen. Steigt die Anzahl von weiblichen Führungskräften, erhöht sich laut Studien auch die Wahrscheinlichkeit, dass geschlechtersensible Entscheidungen getroffen werden. Die reine Repräsentanz von Frauen ist aber noch keine Garantie für strukturellen Wandel hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit.
Eine tatsächliche Berücksichtigung der Interessen und Bedarfe von allen Frauen und marginalisierten Menschen entsteht durch einen aktiven und andauernden Einsatz für mehr Geschlechtergerechtigkeit auf jeder Hierarchiestufe. Dazu gehören der Abbau von strukturellen Barrieren (etwa durch veränderte Bewerbungsverfahren und Führung in Teilzeit oder im Tandem), die konsequente Einnahme einer intersektionalen Perspektive (etwa durch kontinuierliche Aufklärung und Reflexion zu und von unbewussten Vorurteilen und gesellschaftlichen Diskriminierungsformen) und die gerechte Teilhabe aller Geschlechter an allen Abläufen und Entscheidungsprozessen.
Feministische Führungskultur geht daher weit über eine deskriptive Repräsentanz von Frauen hinaus und hat als Ziel, Strukturen und Abläufe in Organisationen zu verankern, die einen Wandel hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit befördern."
Sarah Clasen, Bundesstiftung Gleichstellung
Organisationen, die feministische Prinzipien umsetzen wollen, können an vielen Ebenen ansetzen. Im ersten Schritt können kleinere Ziele gesetzt und erste machbare Schritte identifiziert werden.
Feministische Organisationsentwicklung wird dort wirksam, wo Organisationen Feminismus, Intersektionalität und Machtkritik nicht als Randthemen behandeln, sondern als festen Bestandteil ihres Auftrags nach innen und außen verstehen. Sie verankern diese Prinzipien in Leitlinien und positionieren sich klar gegen patriarchale, rassistische, ableistische, queerfeindliche und generell diskriminierende Strukturen. Gleichzeitig schaffen sie ein gemeinsames Fundament von Werten wie Solidarität, Transparenz und Partizipation. Die internationale Hilfsorganisation ActionAid hat dazu 10 Prinzipien feministischer Führung formuliert.
Leitlinien und Satzungen können so gestaltet werden, dass sie feministische Prinzipien verbindlich machen, etwa durch intersektionale Kriterien bei der Besetzung von Gremien. Entscheidend ist, dass Werte nicht abstrakt bleiben, sondern sich in Strukturen und Prozessen widerspiegeln. Ziel ist nicht nur mehr Sichtbarkeit einzelner Gruppen, sondern eine grundlegende Veränderung der Bedingungen, unter denen Organisationen arbeiten und Entscheidungen treffen.
Im Alltag zeigt sich diese Haltung in einer offenen Fehlerkultur, im konstruktiven Umgang mit Konflikten und in der Anerkennung von Emotionen als Teil professionellen Handelns. Diskriminierungssensible Kommunikation, regelmäßige Reflexionsräume und Supervision sowie eine Praxis kollektiver Fürsorge gehören zu den zentralen Elementen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Sichtbarmachung von Care-Arbeit am Arbeitsplatz. In vielen Organisationen bleibt diese unsichtbar und wird ungleich verteilt. Aufgaben wie Protokollführung, Einarbeitung neuer Kolleg*innen oder emotionale Unterstützung übernehmen oft Personen mit geringerem formalen Status. Feministische Organisationsentwicklung macht diese Ungleichheiten sichtbar und versteht Fürsorge als gemeinschaftliche Verantwortung.
Eine Organisationskultur verändert sich nicht allein durch Leitbilder und Regeln, sondern durch verbindliche Alltagspraktiken. Wenn Redelisten quotiert, Care-Arbeit transparent verteilt oder Aufgaben rotierend übernommen werden, verschieben sich langfristig Routinen und Zuständigkeiten.
Reflexionsfragen:
Feministische Führungskultur ist ein macht- und herrschaftskritisches Konzept, das auf einen Wandel in Führung und Organisationsentwicklung setzt. Es fordert, Macht zu teilen, inklusive Entscheidungen zu treffen und die Stimmen unterrepräsentierter Gruppen in Organisationen zu stärken. Intersektionalität, gemeinsames Entscheiden und die Wertschätzung von Fürsorge als Teil beruflichen Handelns prägen die Prinzipien feministischer Führung.
Seinen Ursprung hat das Konzept in den feministischen Bewegungen der 1970er- und 1980er-Jahre im Globalen Süden. Feministische Theoretikerinnen* wie Srilatha Batliwala betonen, dass es nicht genügt, mehr Frauen* in Führungspositionen zu bringen. Entscheidend ist, Führungsrollen so zu leben, dass sie Strukturen hinterfragen und soziale Gerechtigkeit fördern.
Im Zentrum steht nicht, wer führt, sondern wie Menschen Macht kooperativ, partizipativ und kritisch organisieren und neu verteilen. Macht bedeutet hier nicht nur Kontrolle, sondern auch, Verantwortung zu teilen, Räume zu öffnen und gemeinsam Veränderungen zu gestalten. Daraus entstehen kooperative und partizipative Führungsformen. Srilatha Batliwala unterscheidet verschiedene Formen von Macht:
Tipp: Die Bundesstiftung Gleichstellung stellt zum Thema Feministische Führungskultur eine digitale Selbstlernreise zur Verfügung.
Wer tut was? Wer bekommt was? Wer setzt die Agenda? Wer entscheidet was? (Nach Batliwala 2020)
Können Frauen* und Menschen mit Care-Verantwortung alle Lebensbereiche miteinander vereinbaren?
Personalentscheidungen sind zentrale Hebel. Sie können bestehende Ungleichheiten fortschreiben oder gezielt abbauen.
Gender- und diskriminierungssensible Stellenausschreibungen und Auswahlverfahren helfen, Zugänge zu öffnen und implizite Ausschlüsse zu verringern. Dazu gehört, Anforderungen kritisch zu prüfen und Kompetenzen in Diversität und Anti-Diskriminierung ausdrücklich zu benennen, besonders bei Führungspositionen. Auch Bewerbungs- und Auswahlprozesse müssen so gestaltet sein, dass Menschen mit unterschiedlichen Biografien tatsächlich eine Chance haben.
Eine Organisation kann nach außen vielfältig wirken und trotzdem deutliche Repräsentationslücken haben. Das zeigt sich etwa dann, wenn Frauen* oder marginalisierte Gruppen zwar in Teams mit niedrigerem Einkommen oder hohem Care-Anteil vertreten sind, aber nicht in strategischen, finanziellen oder machtvollen Bereichen wie Geschäftsführung, Finanzen oder Gremienarbeit. Die feministische Organisationsentwicklung fragt deshalb auch, wie Einfluss, Ressourcen und Sichtbarkeit in der gesamten Organisation verteilt sind, und macht Ungleichgewichte transparent.
Auch Vergütung ist ein Machtinstrument. Transparente und faire Gehaltsstrukturen machen Ungleichheiten sichtbar und damit bearbeitbar. Ein erster Schritt kann sein, die interne Gehaltsspreizung zu analysieren, also die Differenz zwischen den höchsten und den niedrigsten Gehältern. So lassen sich strukturelle Unterschiede erkennen und gezielt verringern. In der Gemeinwohl-Ökonomie gilt eine Gehaltsspreizung von 1 zu 5 als angemessen. Gesetzliche Rahmen wie die EU-Entgelttransparenzrichtlinie oder tarifliche Regelungen bieten Anknüpfungspunkte, um transparente und faire Gehaltsstrukturen zu schaffen.
Gender- und diskriminierungssensible Personalentwicklung schafft strukturelle Voraussetzungen. Sie ermöglicht Teilzeitbeschäftigten und Beschäftigten mit Care-Arbeit eine gleichberechtigte Teilhabe an Weiterbildungsmaßnahmen und eröffnet Aufstiegsmöglichkeiten, etwa durch Führen in Teilzeit oder geteilte Führung.
Feministische Organisationsentwicklung richtet den Blick auch auf die Verschränkung von Erwerbsarbeit und Sorgearbeit. Vereinbarkeit ist keine individuelle Aufgabe, sondern eine Frage der Arbeitsorganisation, Unternehmenskultur und Machtstrukturen.
Eine Organisation, die feministische Prinzipien verfolgt, sieht Sorgearbeit als gemeinsame Verantwortung aller Mitarbeitenden und unterstützt unterschiedliche Lebensrealitäten. Dazu gehört, traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen. Elternschaft, Pflege und Sorgearbeit sind vielfältig, politisch geprägt und ungleich verteilt. Eine intersektionale, lebensphasenorientierte Personalpolitik erkennt diese Unterschiede an und untersucht, wie sie Zugang, Teilhabe und Arbeitsbedingungen beeinflussen.
Lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle können helfen, verschiedene Bedürfnisse sichtbar zu machen und Handlungsspielräume zu schaffen. Dazu zählen gehören sorgesensible Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten, Teilzeitoptionen auf allen Ebenen und ein transparenter Zugang zu Informationen über Elternzeit, Mutterschutz oder die Pflege von Angehörigen. Auch Maßnahmen wie Eltern-Kind-Räume oder Regelungen für Stillzeiten gehören dazu.
Gesundheit hängt eng mit Arbeitsbedingungen und organisationalen Erwartungen zusammen. Gender- und diskriminierungssensible Gesundheitsmaßnahmen lenken den Blick auf oft marginalisierte Themen wie Menstruation, Wechseljahre, Pflegeverantwortung, Diskriminierungserfahrungen oder psychische Belastungen. Instrumente wie psychische Gefährdungsbeurteilungen oder Mitarbeitendenbefragungen können helfen, strukturelle Belastungen aufzudecken.
Wer nimmt Elternzeit und wie verteilen sich die Zeiten nach Geschlecht und Position? Ermutigen wir Männer* Sorgeverantwortung zu übernehmen?
Wie gestalten wir den (Wieder-)Einstieg nach der Elternzeit?
Welche Belastungen gelten als normal und bleiben deshalb unhinterfragt?
Wie gehen wir mit Erschöpfung, Überlastung und Rückzug um?
Wie bewerten wir Abwesenheiten, und welche unausgesprochenen Erwartungen prägen unser Verhalten?
Wie gehen wir mit chronischen Krankheiten, hormonellen Veränderungen oder Behinderungen um?
Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt, Diskriminierung und Machtmissbrauch sind eine zentrale Voraussetzung für Teilhabe und gerechte Arbeitsbedingungen. Risiken für Diskriminierung, Grenzverletzungen und Gewalt lassen sich nicht vollständig beseitigen. Organisationen können aber Strukturen schaffen, um früh zu reagieren, Betroffene zu schützen und Verantwortlichkeiten klar zu regeln.
Beschwerde- und Schutzstrukturen müssen niedrigschwellig zugänglich, vertraulich und fest verankert sein. Fehlen solche Strukturen, bearbeiten Organisationen Konflikte oft informell. Dann landen sie bei einzelnen Personen, die ohnehin schon häufig einen großen Teil unsichtbarer Care-Arbeit leisten. Das verstärkt bestehende Ungleichheiten. Oft führt es auch dazu, dass Vorfälle nicht konsequent aufgearbeitet werden.
Antidiskriminierungs- und Fürsorgekonzepte, klar definierte Abläufe bei Vorfällen von sexualisierter Gewalt oder Diskriminierung sowie Instrumente wie Verhaltenskodizes und Fürsorgekonzepte geben Orientierung. Sie entlasten Einzelpersonen und machen deutlich, dass Schutz keine Privatsache ist, sondern eine strukturelle Aufgabe und die Fürsorgepflicht der Organisation (63% der Erwerbstätigen in Deutschland haben bspw. bereits Sexismus am Arbeitsplatz erlebt). Dazu gehört auch, Mitarbeitenden vor externen, digitalen sowie physischen Angriffen zu schützen, etwa durch die Entwicklung eines Sicherheitskonzepts.
Mit formalen Instrumenten und Gremien lassen sich feministische Prinzipien verbindlich in Organisationen verankern. Betriebsvereinbarungen, Interessenvertretungen wie Betriebsräte, Gleichstellungsbeauftragte oder Diversity-Gremien sowie regelmäßige Mitarbeitendenbefragungen schaffen die Grundlage dafür. So lassen sich gender- und diskriminierungssensible Steuerung und Beteiligung sichern, Rechte durchsetzen und strukturelle Veränderungen anstoßen.
Wichtig ist dabei, dass solche formalen Strukturen nicht nur existieren, sondern auch klare Zuständigkeiten haben, über Ressourcen verfügen und tatsächlich Einfluss nehmen können. Gleichzeitig braucht es Transparenz darüber, welche Instrumente und Strukturen es gibt und wie sie sich nutzen lassen.
Budgetentscheidungen zeigen, welche Prioritäten eine Organisation setzt. Eine an Gerechtigkeitszielen orientierte Budgetierung ermöglicht es, Themen wie Awareness, Übersetzung oder Barrierefreiheit verbindlich einzuplanen. Gleichzeitig sollten auch Förderlogiken kritisch überprüft und Intersektionalität als eigenes Kriterium in Anträgen und Projekten verankert werden.
Machtkritische Fortbildungen und Sensibilisierung sind wichtige Bausteine, sie müssen jedoch in den Arbeitsalltag integriert und mit strukturellen Veränderungen verbunden werden. Räume für gemeinsames Lernen, Austausch und Empowerment sowie der freie Zugang zu Wissen für alle Mitarbeiter*innen schaffen die Grundlage dafür, dass sich organisationale Praktiken tatsächlich verändern.
Prozesse, die Machtverhältnisse hinterfragen, verlaufen selten ohne. Widerstände und Unsicherheiten gehören dazu und sind kein Zeichen des Scheiterns.
"Aus einer feministischen Perspektive deuten wir Erschöpfung nicht als individuelles Problem. Sondern als eine Form von Widerstand und als Hinweis darauf, dass gesellschaftliche Machtdynamiken in Organisationen hineinwirken: dass Leistungslogiken Menschen belasten, ausschließen oder überfordern. Dass Förderstrukturen Unsicherheit statt Sicherheit erzeugen. Dass Care-Arbeit ins Private gedrängt wird.
Unsicherheiten und Widerstände sehen wir als Signale zu prüfen: „Was trägt in unserer Organisation dazu bei, dass Menschen sich überfordert oder ohnmächtig fühlen?“
Ein möglicher Umgang mit Rückschritten – etwa durch politische Kürzungen – kann sein: gemeinsam zu klären, was priorisiert, geschützt und solidarisch getragen wird, wer welche Verantwortung übernimmt, und welche Strategien und Strukturen jetzt helfen können."
feminist consulting collective
Feministische Organisationsentwicklung ist ein langfristiger Lern- und Veränderungsprozess. Damit er wirkt, braucht es Strukturen für ständige Reflexion und Weiterentwicklung, sowie regelmäßig erhobene und ausgewertete Daten. Monitoring und Evaluation aus intersektionaler Perspektive machen Fortschritte sichtbar und decken Lücken auf. Welche Veränderungen haben tatsächlich zu einer Verschiebung von Macht geführt?
Auch die Außenwirkung – Programme, Projekte und Kommunikation – ist nie neutral, sondern vermittelt Bilder von Geschlecht, Macht und gesellschaftlicher Ordnung. Eine intersektionale Perspektive berücksichtigt unterschiedliche Lebensrealitäten und vermeidet Stereotype bewusst. Das betrifft sowohl die Themenwahl und inhaltliche Ausrichtung als auch (Bild-)Sprache und den Einbezug unterschiedlicher Perspektiven. Kooperationen und Allianzen mit feministischen, antirassistischen, queeren und diskriminierungskritischen Initiativen erweitern den Blick und schaffen neue Ansätze.
Wie können Arbeitgeber Einstellungsverfahren diskriminierungsfrei gestalten? Welche rechtlichen Vorgaben gibt es, aber auch welche Chancen für mehr Vielfalt im Betrieb? Und wie können sich Betroffene gegen Diskriminierung bei der Jobsuche wehren? Der Leitfaden „Fair in den Job! Leitfaden für diskriminierungsfreie Einstellungsverfahren“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundesrichtet sich vor allem an Arbeitgeber, Personalverantwortliche sowie Personal- und Betriebsräte. Er klärt die rechtlichen Schutzmöglichkeiten für Beschäftigte, zeigt ein Bild des Ausmaßes von Diskriminierung im Einstellungsverfahren auf und gibt Unterstützung bei konkreten praktischen Fragen.
Arbeitswelten und Arbeitsorganisation sind nicht geschlechtsneutral. Deshalb braucht es Wissen über Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit, gerade beim Thema Führung und Organisationskultur. Das Konzept der feministischen Führungskultur bietet eine Möglichkeit, um sich mit geschlechtergerechter Organisationsentwicklung auseinanderzusetzen.
Die Bundesstiftung Gleichstellung stellt in der Selbstlernreise feministische Führungskultur die theoretischen Grundlagen des machtkritischen Modells vor. Zusätzlich gibt es ein begleitendes Workbook mit Wissensfragen zu feministischer Führung und eine deutsche Übersetzung des Textes „Clearing the Conceptual Cloud“ der feministischen Theoretikerin Srilatha Batliwala: “Feministische Führung für sozialen Wandel. Licht ins konzeptionelle Dickicht bringen”
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes stellt für Beschäftigte, Arbeitgebende und Betriebsräte den Leitfaden “Was tun bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?” zur Verfügung.
Die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V. stellen in dieser Publikation ihren Handlungsansatz vor: Diversitätsorientierte Organisationsentwicklung geht von mehrschichtigen Dimensionen aus, die miteinander verbunden sind, sich gegenseitig beeinflussen (Intersektionalität) und einer unterschiedlichen Gewichtung innerhalb der Gesellschaft unterliegen. Das Ziel der Diversitätsorientierten Organisationsentwicklung ist eine ganzheitlich-präventive Strategie zu entwickeln, um Diskriminierungen in allen Bereichen schon im Ansatz zu begegnen und Chancengleichheit in staatlichen Einrichtungen wie auch in Nichtregierungsorganisationen zu ermöglichen.
Queeres Leben ist in der Gesellschaft vor allem durch den Kampf der queeren Community für mehr Akzeptanz und Anerkennung ihrer Rechte immer sichtbarer geworden. Trotz gesetzlicher Regelungen und besserer Sichtbarkeit gibt es immer noch vielfältige Diskriminierungen von LSBTIQ*-Personen, so auch im Arbeitsleben. Viele Unternehmen versuchen mittlerweile die Situation von queeren Mitarbeitenden zu verbessern und haben dafür entsprechende Strukturen geschaffen und Ansätze entwickelt. Die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung „Queeres Leben in der Arbeitswelt: eine qualitative Studie mit Handlungsempfehlungen für queer-freundliche Unternehmen“ untersucht diese Ansätze und Strukturen anhand zweier Unternehmen und gibt basierend darauf Handlungsempfehlungen für queer-freundliche Unternehmen.
Feministische Organisationsentwicklung zielt nicht nur auf Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch auf Intersektionalität, Machtkritik, Solidarität, Transparenz und Partizipation. Organisationen, die diesem Ansatz folgen, orientieren sich an diesen Prinzipien – unabhängig von ihrem Thema oder Auftrag.
Repräsentation von Frauen* in Führungspositionen ist wichtig. Entscheidend ist jedoch, wie Führungsrollen gestaltet sind und ob bestehende Strukturen tatsächlich hinterfragt werden.
Care-Arbeit ist in vielen Organisationen unsichtbar und ungleich verteilt. Feministische Organisationsentwicklung macht sie sichtbar, benennt, wer sie übernimmt, und versteht Fürsorge als gemeinschaftliche Verantwortung.
Auch Vereinbarkeit ist keine individuelle Aufgabe. Feministische Organisationsentwicklung richtet den Fokus darauf, wie Arbeitszeiten, Aufstiegswege und der Zugang zu Ressourcen in Organisationen gestaltet sein müssen, so dass Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten darin Platz finden.
Alles, was nicht formal verankert ist, ist an Einzelpersonen gebunden und verschwindet oft mit dem nächsten Personalwechsel. Veränderungen müssen sich in Leitlinien, Gremien, Budgetentscheidungen und Strukturen wiederfinden.
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2025 | Innovatives Arbeiten und Flexibilität sind gerade dann wichtig, wenn Organisationen auf gesellschaftliche Umbrüche oder Krisen reagieren müssen. Wie lassen sich kleine Veränderungen umsetzen, um innovatives Arbeiten zu ermöglichen?
ActionAid’s Ten Principles of Feminist Leadership – ActionAid
Diskriminierungserfahrungen von fürsorgenden Erwerbstätigen im Kontext von Schwangerschaft, Elternzeit und Pflege von Angehörigen – Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Feministische Zivilgesellschaft fördern heißt Demokratie stärken. - betterplace LAB
Feministische Führung für sozialen Wandel (von Srilatha Batliwala) – Bundesstiftung Gleichstellung
Wechseljahre am Arbeitsplatz – Jennifer Chan de Avila / Sabine Nitsche
FAIR SHARE Monitor 2025 – FAIR SHARE.org
Toolkit für gendertransformative Kommunikation – Friedrich-Ebert-Stiftung
Gender Glossar – Friedrich-Ebert-Stiftung
Wie sich unsichtbare Machtstrukturen in Luft auflösen – Neue Narrative
Feminismus und Gleichstellung im Fokus – MAECENATA