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Landesbüro Thüringen

16.02.2021

Rückblick: Sozial-Ökologischer Neustart in Thüringen

Mehr Co-Working, mehr Zukunftstechnologien, mehr Digitalisierung und mehr sozial engagierte Unternehmen – so bekommt Thüringen den sozial-ökologischen Neustart in der Wirtschaft hin.

In einer gemeinsamen Veranstaltung luden Friedrich-Ebert-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung und Rosa-Luxemburg-Stiftung ein, über einen sozial-ökologischen Neustart in Thüringen nachzudenken. Die 53 Teilnehmer diskutierten dabei in Online-Workshops Wege für einen Neustart in der frühkindlichen Bildung, in Gesundheit und Pflege sowie in der Wirtschaft.

Im Workshop zur Wirtschaft, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert wurde, trafen die Teilnehmer auf Valentina Kerst, Staatssekretärin im Thüringer Wirtschaftsministerium, Stefan Werner, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Benny Beyer vom Kombinat 01 und Jörg Neigefindt, Geschäftsführer von Hubert Müller & Partner GmbH. Alle Diskutanten waren sich einig, dass das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Moment durch die Corona-Pandemie überlagert würde. Doch die Pandemie gebe auch eine besonders gute Gelegenheit zum Richtungswechsel in Sachen Ökologie, so Stefan Werner, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Thüringen. „Die ökologische Wende muss Hand in Hand mit der sozialen Wende gehen“ sagte Werner. Es dürfe zum Beispiel nicht sein, dass bei den sozial Schwächsten die Mieten unbezahlbar würden, weil der Vermieter das Haus energetisch saniert hat, so Werner weiter.

Valentina Kerst, Staatssekretärin im thüringischen Wirtschaftsministerium, sprach sich dafür aus, dass die Corona-Hilfen für die Unternehmen in Thüringen schnell ausgezahlt werden – für sie der erste Schritt auf dem Weg zu einem sozialen Neustart in der Wirtschaft. Außerdem möchte Kerst noch mehr Unternehmen im Bereich der Zukunftstechnologien, etwa bei der Batterieentwicklung oder der Wasserstofftechnik, nach Thüringen holen. Ein Beispiel dafür ist die neue CATL-Batteriefabrik am Erfurter Kreuz, die leistungsfähige Batterien für Autos herstellt und viele Arbeitsplätze schaffe. „Thüringen soll ein Drehkreuz für Batterieentwicklung werden“, so Kerst. Mit der Wasserstoffstrategie setze das Bundesland zudem auf saubere Energie für die Zukunft.

Benny Beyer, Gründer des Co-Working-Spaces Kombinat 01 in Jena, hält Co-Working für eine Möglichkeit, lange Fahrtwege zur Arbeitsstelle zu vermeiden und so CO2 einzusparen. „Beim Co-Working kommen viele verschiedene Menschen zusammen. Oft sind es Gründer von Startups, die sozial und ökologisch denken“, so Beyer. Beim gemeinsamen Arbeiten und im Austausch etwa in der Kaffeeküche entstünden in Co-Working-Spaces zudem viele neue Ideen. Um Co-Working auch im ländlichen Raum zu ermöglichen, würde es bald ein Budget geben, kündigte Valentina Kerst. Und Stefan Werner ergänzte, auch Bäckerwagen und Rufbusse – etwa um Senioren zum Arzt zu fahren – wären im ländlichen Raum hilfreich. Denn das Ziel müsse lauten, sich auch im ländlichen Raum mit allem Lebensnotwendigen versorgen zu können – und das auch ohne Auto.

Dass nicht nur die Gründer von Startups ökologisch und sozial denken, stellt Jörg Neigefindt klar. Neigefindt ist Geschäftsführer der Hubert Müller & Partner GmbH in Erfurt. Die Firma für Sicherheits- und Kommunikationstechnik produziert zum Beispiel Brandmelde- oder Videoüberwachungssysteme. Er betont, dass seine Firma auch in der Krise die Mitarbeiter nach Tarif bezahle und generell sehr um deren Zufriedenheit bemüht sei. Außerdem fördere seine Firma die Diversität der Mitarbeiter, so Neigefindt. Im Moment hätten fünf Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund, diesen Schnitt wolle man aber noch erhöhen. Seit Kurzem sei auch ein syrischer Geflüchteter mit im Unternehmen. Nachhaltigkeit erzeugt Neigefindt also, indem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei ihm gute Arbeit vorfinden.

Einig waren sich die Referenten darin, dass auch die Digitalisierung eine Grundlage für viele Ideen zur sozialen und ökologischen Transformation bereithält. Das Ziel von Digitalisierung sei es, Arbeitsschritte schneller auszuführen und Arbeitnehmer von lästigen (Dokumentations-)Arbeiten zu entlasten, sagte Valentina Kerst. Im Gesundheitssystem, bei Verwaltungen oder in der Bildung wäre da noch viel Luft nach oben, so Kerst.

Schließlich stellte der Workshop aber auch fest, dass neben allen guten Ideen und Projekten ein grundsätzliches Umdenken in der Wirtschaft stattfinden muss: Weg vom ausschließlichen Fokus auf Wachstum hin zu guten Ideen, schlauen und langlebigen Produkten und nachhaltig denkenden Unternehmen.

Die Rückblicke der weiteren Workshops erhalten Sie hier:

Neustart in der frühkindlichen Bildung:
https://www.boell-thueringen.de/de/2021/02/15/sozial-oekologischer-neustart-thueringen

Neustart bei Gesundheit und Pflege:
https://th.rosalux.de/dokumentation/id/43798/sozial-oekologischer-neustart-in-thueringen-1?cHash=aad0dccb27413481518b436706a0f50d


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