Rundfunk in Europa

Mehrere Motive zum Thema Rundfunk und Medien, wie zum Beispiel eine Satellitenschüssel und ein Sendemast. Im Hintergrund befindet sich eine Europakarte.
Urheber: Till Lukat

Wie steht es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Europa?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) steht in vielen europäischen Ländern zunehmend unter politischem Druck und wird finanziell eingeschränkt. Auch in Deutschland werden immer wieder weitreichende Rechtfertigungen verlangt, während die Erwartungen an die Rundfunkanstalten weiter steigen. Gefordert werden unter anderem eine schnelle Modernisierung der Strukturen, die konsequente Verlagerung linearer Inhalte in digitale Angebote sowie die verlässliche Ansprache einer breiten und vielfältigen Öffentlichkeit.

Zusätzlich verschärft sich die Situation durch die wachsende Bedeutung digitaler Plattformen und Streaminganbieter, die Mediennutzung und öffentliche Debatten nachhaltig verändern. Um den Stellenwert des ÖRR besser einzuordnen und zu zeigen, warum er als demokratische Infrastruktur geschützt werden muss, lohnt der Blick in andere europäische Länder. Die Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht dazu in loser Folge Länderberichte zum Zustand des ÖRR. Dabei wird deutlich, dass sich zentrale Herausforderungen über Ländergrenzen hinweg ähneln. Die Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen fallen jedoch unterschiedlich aus und sollten in Deutschland sowie auf europäischer Ebene weiter diskutiert werden.

Zu den Vergleichsstudien

 

Der deutsche ÖRR in Zeiten von Plattformen und KI

von Magdalena Stratmann

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk konstituiert gemeinsam mit privatwirtschaftlich organisierten Medienanbietern das „duale Rundfunksystem“ in Deutschland. Historisch ist er eng mit der Sicherung demokratische Öffentlichkeit und der Abwehr staatlicher Einflussnahme auf Massenmedien verbunden. Das Impulspapier untersucht, welche Herausforderungen und Chancen für den ÖRR in Deutschland in Zeiten von Plattformen und KI bestehen.


Herausforderungen und Chancen: Der deutsche ÖRR in Zeiten von Plattformen und KI

Stratmann, Magdalena | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., April 2026

Eine Utopie im Widerstand

von Sebastien Poulain

Der französische öffentlich-rechtliche Rundfunk, eine demokratische und kulturelle Säule, steht unter erheblichem wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Druck. Trotz rückläufiger finanzieller Mittel, zunehmender Konkurrenz durch digitale Plattformen und einer alternden Zuschauerschaft bleibt er die vertrauenswürdigste Medienquelle des Landes und verzeichnet weiterhin beachtliche digitale Erfolge. Die Fusionsprojekte zur Schaffung von „France Médias“ haben jedoch Spannungen ausgelöst und Befürchtungen genährt, dass der programmliche und redaktionelle Pluralismus geschwächt werden könnte. Trotz eines dichten institutionellen Regulierungsrahmens bleibt die redaktionelle Unabhängigkeit angesichts politischer Eingriffe fragil. Für die Zukunft muss der ÖRR die Informationsfreiheit sichern, sein Medienökosystem und die Multidistribution schützen sowie Vielfalt, Repräsentativität, Kreativität und Demokratisierung stärken – und zugleich seine utopische Mission als öffentliches Gut bewahren.


Frankreich - eine Utopie im Widerstand

Poulain, Sébastien | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2026

Eine Analyse der Rai zwischen Tradition und Reformbedarf

von Luca Bagnariol

Die Rai ist zentral für Italiens kulturelle und sprachliche Entwicklung, jedoch durch parteipolitische Aufteilung stark politisch beeinflussbar. In Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Italien ist in einem zunehmend konkurrenzgeprägten Markt mit privaten Sendern und Streamingplattformen bedeutend, doch die Reformpläne der Regierung Meloni könnten den politischen Einfluss weiter verstärken. Ihre Zukunft hängt davon ab, nationale Strukturen mit den EU-Vorgaben zur Medienunabhängigkeit in Einklang zu bringen.
 


Italien - eine Analyse der Rai zwischen Tradition und Reformbedarf

Bagnariol, Luca | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung, Februar 2026

Herausforderungen, Wandel und Perspektiven

von Maren Beaufort

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich ist historisch stark verankert und erfüllt trotz politischer Einflussversuche, struktureller Reformbedarfe und wachsender Konkurrenz durch private und globale Plattformen weiterhin eine zentrale demokratische Funktion. Seine besonderen Stärken liegen in der vergleichsweise hohen Vertrauenswürdigkeit, der regionalen Verankerung, der journalistischen Unabhängigkeit sowie in einem breiten Informationsangebot über alle Ausspielkanäle hinweg. Zugleich steht der ORF vor großen Herausforderungen: politisch geprägte Gremienstrukturen, finanzielle Einschränkungen durch die neue Haushaltsabgabe, ein deutliches Altersstrukturproblem im Publikum und ein Auftrag, der stärker auf digitale, partizipative und pluralistische Öffentlichkeiten ausgerichtet werden muss, um auch künftig demokratische Meinungsbildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern.

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Polen - politische Vereinnahmung, strukturelle Schwächen und die Herausforderungen einer echten Reform

Horonziak, Sonia | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., Januar 2026

Politische Vereinnahmung, strukturelle Schwächen und die Herausforderungen einer echten Reform

von Sonia Horonziak

Die neue von der Bürgerlichen Koalition geführte Regierung in Polen versuchte unmittelbar nach ihrem Amtsantritt 2023, die Kontrolle über die öffentlichen Medien zurückzuerlangen – allerdings mit rechtlich umstrittenen Mitteln, darunter der Austausch von Führungspersonal und die Einleitung der Liquidation von TVP und Polskie Radio. Eine umfassende Reform, etwa die Abschaffung des Nationalen Medienrats und eine stabile, entpolitisierte Finanzierung, ist angekündigt, bleibt jedoch politisch unsicher. Insgesamt zeigt der Befund, dass ohne tiefgreifende strukturelle Änderungen die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Polen weiterhin gefährdet bleibt.

Wie steht es um die öffentlich-rechtlichen Medien?

von Anne Kaun und Michele Madeleine Biendara

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Schweden (SR, SVT, UR) ist ein gesellschaftlich gut verankertes und breit genutztes System mit hohen Vertrauenswerten. Gleichzeitig wachsen politischer Druck und regulatorische Einschränkungen bei real sinkenden Budgets. Weitere Digitalisierung und KI bieten neue Chancen, bringen aber auch Risiken für Reichweite und Glaubwürdigkeit mit sich. Besonders umstritten sind geplante Finanzkürzungen sowie Debatten über Unparteilichkeit und die Rolle der Sender in Krisenzeiten.


Schweden - wie steht es um die öffentlich-rechtlichen Medien?

Kaun, Anne ; Biendara, Michele Madeleine | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., Januar 2026

Öffentliche Medien am Abgrund

von Tom Chivers

Der Impuls untersucht den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Vereinigten Königreich. Die BBC und andere öffentliche Sender haben massiv an Relevanz verloren, während kommerzielle Streaming-Dienste dominieren und das System immer fragiler wird. Als Ursache sieht der Autor jahrzehntelange Finanzierungskürzungen, politische Einmischung und fehlende demokratische Kontrolle. Er plädiert für eine grundlegende Neugestaltung mit echter öffentlicher Mitsprache, um die öffentlichen Medien zu retten.


Vereinigtes Königreich - öffentliche Medien am Abgrund

Chivers, Tom | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., Januar 2026


Vergleichsstudien

Während die Länderberichte detailliert auf Herausforderungen und Lösungsansätze für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im jeweiligen Land eingehen, stellen die vier Vergleichsstudien direkt die Unterschiede in den sieben untersuchten Ländern gegenüber: Wie gestalten sich die finanziellen Rahmenbedingungen der Public Service Media (PSM), wie steht es um die Resilienz gegenüber möglicher politischer Einflussnahme, und wie gut sind die PSM im Wettbewerb mit anderen digitalen Medienplattformen aufstellt?

Zu den Themen Finanzierung, institutionelle Grundlagen, politische Unabhängigkeit und Wettbewerb hat die Autorin Magdalena Stratmann jeweils den Vergleich gezogen.

von Magdalena Stratmann

Diese Studie betrachtet die Finanzierungsmodelle von PSM in Österreich, Frankreich, Italien, Polen, Schweden, dem Vereinigten Königreich sowie Deutschland und untersucht, welchen Herausforderungen die PSM im Hinblick auf ihre Finanzierung gegenüberstehen. Der vergleichende Blick auf sieben Mediensysteme soll finanzierungsbezogene Faktoren identifizieren, die sowohl für die Sicherung der Unabhängigkeit als auch für eine zukunftsfähige Ausgestaltung von Bedeutung sind und damit mögliche Überlegungen zu Reformen europäischer PSM informieren können.
 


Finanzierungsmodelle und ökonomische Herausforderungen

Stratmann, Magdalena | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., April 2026

von Magdalena Stratmann

Diese Untersuchung vergleicht die aktuellen grundlegenden institutionellen und strukturellen Rahmenbedingungen europäischer PSM den Ländern Österreich, Frankreich, Italien, Polen, Schweden, dem Vereinigten Königreich und Deutschland. Betrachtet werden die Organisationsformen von PSM, ihr rechtlicher Rahmen, insbesondere der rechtlich festgelegte Auftrag, ihre internen Governance-Mechanismen sowie Formen externer Kontrolle. Ziel ist eine vergleichende Bestandsaufnahme, die ein grundlegendes Verständnis der aktuellen institutionellen und strukturellen Ausgestaltung von PSM in den untersuchten Ländern ermöglicht und darauf aufbauend Überlegungen zu deren Zukunftsfähigkeit sowie zu möglichen Reformansätzen eröffnet.
 


Institutionelle Grundlagen

Stratmann, Magdalena | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., April 2026

von Magdalena Stratmann

Europaweit sehen sich Public Service Media zunehmend Angriffen auf ihre politische Unabhängigkeit sowie wachsenden Debatten über ihre Legitimität und Existenzberechtigung ausgesetzt. Die Studie vergleicht institutionelle Verflechtungen von PSM und staatlichen bzw. politischen Akteuren, Versuche und Formen politischer Einflussnahme, institutionelle Schutzmechanismen sowie gesellschaftliche und medienpolitische Reaktionen. Durch den Blick auf sieben unterschiedliche europäische Länder werden Faktoren identifiziert, die für die zukünftige Sicherung der Unabhängigkeit von PSM potenziell von Bedeutung sind.
 


Politische Unabhängigkeit: Einflussmechanismen und Gegenkräfte

Stratmann, Magdalena | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., April 2026

von Magdalena Stratmann

Die digitalen Umbrüche der Medienmärkte stellen Public Service Media in Europa vor tiefgreifende Herausforderungen. Die vorliegende Vergleichsstudie untersucht, wie PSM in Europa mit diesen Herausforderungen umgehen. Im Mittelpunkt stehen dabei ihre Marktpositionen im Wettbewerb mit (neuen) Konkurrenten, Reichweitenentwicklungen sowie das Vertrauen der Bevölkerung und Strategien im digitalen Transformationsprozess wie etwa die Entwicklung neuer Formate. Ziel ist es, auf Basis des Ländervergleichs Faktoren zu identifizieren, die (Reform-)Überlegungen zur Stärkung der Stabilität, Legitimation und Innovationsfähigkeit öffentlich-rechtlicher Medien im digitalen Zeitalter informieren können.
 


Wettbewerb und digitale Transformation

Stratmann, Magdalena | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., April 2026

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