Publikation Medien und Netzpolitik Wege zu einer gemeinwohlorientierten digitalen Medienordnung 11.02.2026 Johannes Crückeberg Bild: Urheber: picture alliance / Westend61 | Iryna Auhustsinovich Der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Public Open Space im Reformstaatsvertrag Digitale Plattformen prägen heute die Infrastruktur öffentlicher Kommunikation. Sie entscheiden über Sichtbarkeit, Reichweite und Auffindbarkeit von Informationen und beeinflussen damit maßgeblich demokratische Meinungsbildungsprozesse. Diese Machtkonzentration geht mit strukturellen Risiken einher: algorithmische Selektion, ökonomische Anreizlogiken und monopolartige Marktstrukturen verengen Vielfalt, begünstigen Desinformation und verschieben öffentliche Diskurse in private, kommerzielle Räume. Vor diesem Hintergrund steht die demokratische Öffentlichkeit vor einer grundlegenden ordnungspolitischen Herausforderung. Während europäische Regulierungsansätze wie Digital Services Act und Digital Markets Act wichtige Schutzmechanismen etablieren, bleiben sie überwiegend reaktiv. Sie adressieren Symptome der Plattformdominanz, nicht jedoch deren strukturelle Ursachen. Eine zukunftsfähige Medienordnung muss daher über Markt- und Missbrauchsaufsicht hinausgehen und digitale Kommunikationsräume aktiv als öffentliche Güter gestalten. Mit dem Reformstaatsvertrag eröffnet sich erstmals ein neuer medienpolitischer Pfad. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird nicht länger nur als Inhalteanbieter, sondern als Akteur digitaler Infrastruktur begriffen. Ziel ist der Aufbau eines gemeinwohlorientierten „Public Open Space“: eines offenen, interoperablen und partizipativen digitalen Raums, der journalistische Qualität, kulturelle Vielfalt und demokratische Teilhabe jenseits kommerzieller Plattformlogiken ermöglicht. Damit verbindet sich ein erweiterter Auftrag, der Innovation, Interaktion und technologische Souveränität systematisch zusammendenkt. Der Impuls versteht sich als Beitrag zu einer breiteren Debatte über die Zukunft demokratischer Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter. Er zeigt, dass es nicht allein um Reformen bestehender Programme geht, sondern um einen Infrastrukturauftrag neuen Typs. Entscheidend wird sein, ob Politik und Rundfunkanstalten die rechtlichen Öffnungen nutzen, um kooperative, europäisch anschlussfähige und gemeinwohlorientierte digitale Räume tatsächlich umzusetzen. Über den Autor Prof. Dr. Jan Christopher Kalbhenn, LL.M. ist Professor für öffentliches Recht in Münster (HSB). Zuvor war er Geschäftsführer des Instituts für Medienrecht (ITM) und Syndikusrechtsanwalt bei der Deutschen Welle in Berlin. Er ist Mitherausgeber des Handbuchs Kulturpolitik. Wege zu einer gemeinwohlorientierten digitalen Medienordnung der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Public Open Space im Reformstaatsvertrag Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., Februar 2026 Kalbhenn, Jan Christopher Zum Download (PDF) Kontakt Referat Politische Beratung und Impulse Dr. Johannes Crückeberg 030 26935-8332 Johannes.Crueckeberg(at)fes.de Verwandte Artikel Bild: Urheber: picture alliance/dpa | Sebastian Willnow Donnerstag, 19.12.2024 Publikation Demokratie Medien und Netzpolitik FES impuls | Resilienz des deutschen Mediensystems stärken Ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Pfeiler unserer Demokratie. Bild: Urheber: picture alliance / empics | Yui Mok Mittwoch, 11.12.2024 Publikation Digitalisierung Demokratie Medien und Netzpolitik FES impuls | The Hunger Games Digitale Plattformen und Social Media haben unseren Zugang zu Informationen revolutioniert. Sie versprechen mehr Freiheit und Partizipation – doch diese Entwicklung bringt auch erhebliche Herausforderungen mit sich. Bild: Urheber: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Chris Walker / Chicago Tribune Mittwoch, 31.01.2024 Geschichte, Kultur, Medien, Netzpolitik Medien und Netzpolitik FES impuls | KI im journalistischen Newsroom Grenzen überwinden, Chancen gestalten – KI und Automatisierung werden den Nachrichtenjournalismus verändern. Damit die positiven Entwicklungen überwiegen, müssen Politik und Redaktionen einige Dinge beachten.