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Wer gestaltet die (neue) Weltordnung?

Merle Rutz | FES New York

Mittelmächte könnten entscheidend dazu beitragen, die internationale Zusammenarbeit neu zu beleben. Was unterscheidet ihren Ansatz vom alten Blockdenken? Unsere politische Einordnung des vielbeachteten Artikels von Stewart Patrick liefert Impulse für das North South Futures Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Symbolbild: Menschen gehen an den sehr farbenfrohen Flaggen verschiedener Nationen vorbei.
Urheber: picture alliance / empics | Nick Ansell

Die wachsende Rolle der Mittelmächte

Im Vorfeld des nächsten North South Futures Forum (NSFF) der Friedrich-Ebert-Stiftung in Brasilien – und spätestens seit der Davos-Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney – rückt eine Frage zunehmend in den Mittelpunkt internationaler Debatten: Welche Rolle können sogenannte „Middle Powers“ in einer zunehmend fragmentierten Weltordnung spielen?

Während geopolitische Rivalitäten zunehmen und multilaterale Institutionen vielerorts an Handlungsfähigkeit verlieren, wachsen zugleich die Erwartungen an Staaten wie Brasilien, Südafrika, Indien oder auch Deutschland. Sie sollen vermitteln, stabilisieren, neue Allianzen schmieden und Impulse für eine Reform internationaler Zusammenarbeit setzen. Doch wie realistisch ist diese Erwartung – und unter welchen Bedingungen können Mittelmächte tatsächlich politischen Einfluss entfalten?

„The Middle Power Moment“

Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch Stewart Patrick in seinem vielbeachteten Beitrag „The Middle Power Moment“ (Januar 2026), den wir als Teil unserer NSFF-Artikelserie hervorheben wollen: The Middle Power Moment | Carnegie Endowment for International Peace.  Stewart Patrick ist Senior Fellow und Direktor des Global Order and Institutions Program beim Carnegie Endowment for International Peace in Washington, D.C. und Mitglied des NSFF-Netzwerks. Darüber hinaus leitet er eine neue Kooperation zwischen Carnegie und FES New York zur Rolle von Mittelmächten in der internationalen Ordnung. Ziel ist es, die Debatte stärker mit konkreten politischen Handlungsoptionen zu verbinden und neue Impulse für progressive multilaterale Kooperation zu entwickeln.

In seinem Artikel argumentiert Stewart Patrick, dass Mittelmächte in einer multipolaren Welt zunehmend an Bedeutung gewinnen könnten – nicht als dominante Akteure, sondern als flexible Koalitionspartner, Vermittler und politische Agenda-Setter. Besonders in Politikfeldern wie Klima, Verschuldung, Handel oder globaler Sicherheit könnten sie neue Formen internationaler Zusammenarbeit vorantreiben. Gleichzeitig verweist die Debatte aber auch auf die Grenzen solcher Allianzen: unterschiedliche Interessenlagen, mangelnde Koordination und die Gefahr wachsender geopolitischer Fragmentierung.

Das NSFF in Brasilien: Progressive Koalitionen für eine (neue) Weltordnung

Gerade deshalb stellt das NSFF die Frage, ob Mittelmächte künftig mehr als nur vermittelnd zwischen konkurrierenden Machtblöcken agieren können. Im Mittelpunkt steht vor allem die Frage, welche globale Ordnung sie mitgestalten wollen – und wie Akteure des Globalen Südens und Nordens gemeinsam Impulse für einen gerechteren und progressiveren Multilateralismus setzen können, statt lediglich bestehende Machtstrukturen leicht anzupassen. Das NSFF verbindet geopolitische Verschiebungen mit Fragen sozialer Gerechtigkeit, globaler Wirtschaftsordnung und geteilter Führung („shared leadership“). Diskutiert wird dabei auch, welche Rolle Europa in einer engeren politischen Zusammenarbeit mit Mittelmächten des Globalen Südens spielen könnte.

Diese Debatten werden beim kommenden Treffen des NSFF im Juni 2026 in Brasilien eine zentrale Rolle spielen. Unter dem Titel „Middle Powers Rising? From Tactical Balancing to Strategic Leadership“ diskutieren Teilnehmende aus Politik, Wissenschaft und internationalen Organisationen unter anderem:

  • Unter welchen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen können Mittelmächte globale Entwicklungen tatsächlich mitgestalten – und wo stoßen sie an ihre Grenzen?
  • Welche Rolle spielen Mittelmächte in einer Welt wachsender Einflusszonen und geopolitischer Rivalitäten zwischen Großmächten?
  • In welchen Politikfeldern – etwa Klima, Schulden, Handel oder Sicherheit – besteht besonderes Potenzial für neue Koalitionen?
  • Können Mittelmächte über flexible Ad-hoc-Allianzen hinaus gemeinsame Prinzipien und strategische Koordination entwickeln?
  • Welche Rolle könnte Europa in einer engeren Zusammenarbeit mit Mittelmächten des Globalen Südens spielen?
  • Und schließlich: Verteidigen Mittelmächte vor allem die bestehende Ordnung – oder treiben sie bereits eine neue voran?

Gerade in einer Zeit, in der die bestehende multilaterale Ordnung zunehmend unter Druck gerät, wird die Frage nach neuen politischen Allianzen und Formen geteilter Führung immer relevanter. Das North South Futures Forum versteht sich dabei als Raum, um progressive Antworten auf diese Veränderungen gemeinsam zu entwickeln.

Das North South Futures Forum

Dieser Beitrag entstand im Zusammenhang mit dem North South Futures Forum (NSFF). Das NSFF wird unter der Federführung unseres Büros in New York organisiert und bringt internationale Entscheidungsträger:innen und Expert:innen aus dem Globalen Norden und Süden zusammen, um einen progressiven Multilateralismus in Zeiten geopolitischer Fragmentierung voranzutreiben. Das Ziel sind gerechtere globale Regeln, starke Institutionen und neue Allianzen. Das nächste Treffen des Forums findet im Juni 2026 in Brasilien statt.

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