Publikation Frieden und Sicherheit Der „vierte Weg“ 10.04.2026 Merle Rutz | FES New York Zwischen USA, China und Fragmentierung sucht Europa seine alternative Rolle in einer multipolaren Welt. In unserer neuen Publikation analysieren Moeed Yusuf und Ejaz Haider, warum Europa mit Mittelmächten einen „vierten Weg“ gestalten sollte. Bild: Urheber: picture alliance / Hans Lucas | POOL UNION EUROPEENNE / AGENCE HANS LUCAS Is a stable middle power order possible? Yusuf, Moeed ; Haider, Ejaz | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2026 Europe's role in an alternative futures Zum Download (PDF) Europa und der „vierte Weg“ der Weltordnung Die internationale Ordnung steht an einem Wendepunkt. Zwischen US-geführter Ordnung, chinesischer Dominanz und wachsender Fragmentierung zeichnet sich ein alternatives Szenario ab: eine Weltordnung, getragen von Europa und einer Koalition von Mittelmächten. Die neue Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung New York argumentiert, dass dieser „vierte Weg“ nicht nur möglich, sondern politisch sinnvoll ist, um globale Stabilität zu sichern. Was sind eigentlich „Mittelmächte“? Eine einheitliche Definition von „Mittelmächten“ gibt es nicht. In diesem Kontext sind damit weniger klassische Kriterien wie Größe oder Wirtschaftskraft gemeint, sondern vielmehr die politische Rolle von Staaten im internationalen System. Mittelmächte sind Länder, die in der Lage sind, in bestimmten Politikfeldern – etwa Klima, Geschlechtergerechtigkeit oder Industriepolitik – aktiv Allianzen zu bilden, Agenden zu setzen und Kooperationen voranzutreiben. Entscheidend ist dabei ihre Fähigkeit, über Koalitionen Einfluss zu nehmen und Gestaltungsspielräume zu nutzen – auch jenseits der großen Machtzentren. Mehr als Großmachtpolitik Im Zentrum der Publikation steht die Idee einer kooperativen Multipolarität: Statt Blockdenken oder Rivalität setzen Europa und Staaten wie Brasilien, Indien oder Südafrika auf flexible, themenbezogene Kooperation. Diese „Netzwerklogik“ könnte helfen, globale Herausforderungen auch ohne Einigung der Großmächte anzugehen – etwa bei Klimaschutz, Schuldenfragen oder Konfliktmediation. Gleichzeitig macht die Analyse deutlich: Europa kann diese Rolle nur spielen, wenn es seine Partnerschaften mit dem Globalen Süden neu denkt – weniger belehrend, stärker auf Augenhöhe. Was sich konkret ändern muss Damit dieser Ansatz trägt, braucht es politische und strukturelle Veränderungen:Neue Partnerschaften: Europa muss stärker mit Mittelmächten kooperieren – auch jenseits traditioneller Allianzen.Faire Wirtschaftsbeziehungen: Schuldenpolitik, Handel und Technologietransfer müssen inklusiver gestaltet werden.Mehr Verantwortung im Sicherheitsbereich: Regionale Akteure sollten Konflikte stärker selbst adressieren – mit europäischer Unterstützung.Glaubwürdigkeit stärken: Europas selektive Anwendung von Normen untergräbt seine Rolle als globaler Akteur.Das Wichtigste auf einen BlickDie Welt bewegt sich weg von klaren Machtblöcken hin zu einer komplexeren Ordnung.Mittelmächte gewinnen an Einfluss – und müssen mehr Verantwortung übernehmen.Europa kann als verbindender Akteur wirken, wenn es strategisch kohärenter auftritt.Ein „vierter Weg“ ist keine Utopie – aber auch kein Selbstläufer.Read the English summary here. Über die Autoren der Analyse Moeed Yusuf ist Geopolitik-Experte und ehemaliger nationaler Sicherheitsberater Pakistans. Er ist Mitglied im Netzwerk North South Futures Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ejaz Haider ist Analyst und Kommentator zu Sicherheits- und Außenpolitik. Beide Autoren beschäftigen sich intensiv mit Fragen globaler Ordnung und Multipolarität. Kontakt Matthias Jobelius Leitung Friedrich-Ebert-Stiftung New York matthias.jobelius(at)fes.de Merle Rutz wissenschaftliche Mitarbeiterin Friedrich-Ebert-Stiftung New York merle.rutz(at)fes.de Das könnte Sie auch interessieren... Bild: Urheber: picture alliance / NurPhoto | Maxym Marusenko Dienstag, 31.03.2026 Publikation Frieden und Sicherheit Verteidigen, aber wie? Angesichts einer unberechenbaren USA stellt sich immer häufiger die Frage, ob Europa die amerikanischen Fähigkeiten kompensieren kann. Dabei ist es an der Zeit, zu diskutieren, wie wir Verteidigung anders denken können. Bild: Urheber: picture alliance / Science Photo Library | FANATIC STUDIO Donnerstag, 05.06.2025 Weltwirtschaft und Unternehmensverantwortung Die EU auf Partnersuche: Neuordnung von Welthandel und globalen Lieferketten Sind Deutschland und die EU attraktiv für belastbare internationale Partnerschaften? Gemeinsam mit dem DGB geben wir in einer neuen Studie Antworten. Newsletter FES International Bleiben Sie international informiert - mit unserem Newsletter!
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