• Publikation
  • Finanzen

Vom Ehegattensplitting zur Kinderförderung

René Bormann
Kleines Kind auf einem Spielplatz
Urheber: picture alliance / Westend61 | Anastasiia Sienotova

Vom Ehegattensplitting zur Kinderförderung

Bormann, René ; Jirmann, Julia ; Vollmer, Franziska | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung, Juni 2026

mit der Individualbesteuerung Spielräume für Familien schaffen

Mit der Individualbesteuerung Spielräume für Familien schaffen

Die Debatte um die Reform des Ehegattensplittings hat an Dynamik gewonnen. Mit dem von mehreren Ökonomen vorgeschlagenen fiktiven Realsplitting liegt erstmals seit Langem ein konkreter Reformansatz auf dem Tisch. Zugleich prüft auch das Bundesministerium der Finanzen Reformoptionen für die Ehebesteuerung und diskutiert Modelle, die sich am Realsplitting orientieren. Damit ist die Frage, wie Ehe, Familie und Unterhaltspflichten künftig steuerlich berücksichtigt werden sollen, wieder auf die politische Agenda gerückt.

Die Publikation greift diese aktuelle Debatte auf und ordnet die verschiedenen Reformvorschläge ein. Sie zeigt, warum das heutige Ehegattensplitting weder Kinder gezielt fördert noch zu den gesellschaftlichen Realitäten passt und weshalb das diskutierte fiktive Realsplitting zwar ein sinnvoller erster Schritt, aber keine ausreichende Lösung ist. Langfristiges Ziel sollte eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag sein, die Unterhaltspflichten berücksichtigt, Gleichstellung stärkt und finanzielle Spielräume für eine gezielte Förderung von Kindern schafft.

Zentrale Erkenntnisse

1. Das Ehegattensplitting fördert Ehe – nicht Kinder

Das Ehegattensplitting knüpft an die Ehe an, nicht an Kinder. Es begünstigt vor allem hohe und ungleich verteilte Einkommen, während Alleinerziehende, unverheiratete Eltern und viele Familien mit mittleren Einkommen kaum profitieren. Familienpolitik sollte Kinder unabhängig vom Familienstand unterstützen.

2. Realsplitting begrenzt den Vorteil, löst das Problem aber nicht

Das aktuell diskutierte fiktive Realsplitting begrenzt den Splittingvorteil und kann den Einstieg in eine Reform erleichtern. Es lässt jedoch zentrale Probleme bestehen: Hohe Einkommen werden weiterhin bevorzugt, Kinder nicht gezielt gefördert und Erwerbsanreize für Zweitverdienende nur begrenzt verbessert.

3. Individualbesteuerung schafft mehr Gerechtigkeit und Spielraum für Familienförderung

Eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag berücksichtigt Unterhaltspflichten verfassungskonform, ohne hohe Einverdienst-Ehen zusätzlich zu privilegieren. Die dadurch freiwerdenden Mittel sollten gezielt in Kindergeld, Betreuung und Bildung investiert werden. Das stärkt Familien, fördert Gleichstellung und verbessert die Erwerbsanreize.

Über die Autor:innen

René Bormann ist Referent für Wirtschafts- und Finanzpolitik in der Abteilung Analyse, Planung und Beratung der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Julia Jirmann betreut beim Netzwerk Steuergerechtigkeit e.V. die Bereiche Erbschaft- & Vermögen- sowie Einkommensteuer.

Franziska Vollmer ist freie Sozial- und Steuerrechtsexpertin und arbeitet für das Netzwerk Steuergerechtigkeit.


Kontakt

Referat Politische Beratung und Impulse

Das könnte Sie auch interessieren

Screenshot der Erbschaftsteueruhr der FES
Urheber: FES

Die Erbschaftsteueruhr – weil Erben verpflichtet!

Jedes Jahr gehen in Deutschland 8,8 Milliarden Euro an Steuereinnahmen verloren, weil Überreiche bei Erbschaften und Schenkungen massiv begünstigt werden. Wie kann die Steuer gerechter gestaltet werden, damit alle profitieren?

nach oben