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Forum IV– Investitionen & Finanzierung

Ressourcen für eine nachhaltige Wirtschaft: Verheißungen und Fallstricke von „Sustainable Finance“ Diese Stichworte wurden von FES-Stipendiat_innen zur Übersicht aus den parallelen Foren für alle Teilnehmenden erstellt.

Urheber: FES

Für den Übergang zu einer ökologisch und sozial nachhaltigen Wirtschaft müssen sowohl private als auch öffentliche Investitionen in Projekte und Geschäftsmodelle gelenkt werden, die einen Beitrag zu Klimaneutralität und Ressourceneffizienz leisten. “Sustainable Finance” – oder auch Nachhaltige Finanzierung – ist ein wichtiger Eckpfeiler des European Green Deal. Deutschland soll zu einem führenden Finanzplatz für grüne Anlagen werden. Wir diskutieren in diesem Forum, die Sustainable-Finance-Taxonomie der EU den in sie gesetzten Erwartungen gerecht werden kann. Bietet sie ausreichende Investitionsanreize? Können und sollten soziale Kriterien aufgenommen werden? Welche anderen Instrumente sind geeignet, um Kapital in nachhaltige Investitionsprojekte zu lenken? Und wie kann Green-Washing verhindert werden?

Wichtige Diskussionsstränge/ Argumentationslinien

Themenblock 1: Welche Auswirkung hat der Ukraine Krieg auf nachhaltige Finanzen?

Steinberg:

  • Erneuerbare Energien sind geostrategisches Interesse und damit mittel und langfristig wird die Transformation und nachhaltige Finanzanlage durch den Krieg befördert.
  • Es muss neben öffentliches auch privates Kapital für die Transformation
  • Verlangsamung der Nachhaltigkeitsprozess im Gesamten durch längere Laufleistung von Kohlekraftwerken

Reinhart:

  • Setzen Sustainabilty Strategie trotz Krieg weiter
  • Investitionen des Konzerns müssen in Sustainability Ziele einspielen
  • Verbraucher müssen auch bereit sein, für Nachhaltigkeit zu zahlen
  • EU-Taxonomie hat die Zuliefer-Industrie vergessen, ist wichtig, diese zu integrieren zum Erhalt von Arbeitsplätzen

Saich:

  • Angst vor „Bürokratie-Monster“: EU-Taxonomie ist nur ein Teil des Programms, wie können Lieferketten in die Regulierung miteinbezogen werden, es geht um eine „common language“: 1. Green, 2. Not green, aber schadet auch nicht
  • Viele Wirtschaftsbereiche wie Gesundheit und Impfstoffproduktionen sollten noch integriert werden, da sie auch relevant sind für Klima-Ziele.

Leuchters:

  • Grüne Transformation ist im Urinteresse der Arbeitnehmer*innen
  • Sustainable Finance Strategie und Taxonomie richtet sich primär an Kapitalmärkte, wichtig: Mitbestimmungsrechte von Arbeitnehmer*innen bei Sustainability im Unternehmen
  • Arbeitnehmer*innen haben die spezifische Expertise zu den einzelnen Themen der grünen Transformation
  • Nachhaltigkeit bedeutet auch soziale und Governance Nachhaltigkeit
  • Soziale Dimension soll in neuer Version der Taxonomie mit aufgenommen werden inklusive soziale Mindeststandards.

Reinhart:

  • Betonung auf Sozialpartnerschaft: Zukunft gemeinsam gestalten

Steinberg:

  • Nur 2 der 6 Taxonomien sind verabschiedet, die letzten 4 geben noch Möglichkeit zur Verbesserung.
  • Ziel Deutschlands zum führenden sustainable finance Standort Deutschlands zu werden

Reinhart:

  • Vorschlag: Absenkung der Mehrwertsteuer für nachhaltige Produkte, Green Free Trade Zones in der EU.

Saich:

  • Es geht nicht nur um Klimaneutralität, sondern auch Resilienz.
  • Es muss nicht alles „grün“ sein, sondern die Investitionen müssen in die Paris Ziele einspielen.
  • Pensionsfonds sollten klimagerecht sein, da dies ein artikulierte Interesse junger Menschen ist

Leuchters:

  • Klimagerechte Pensionsfonds spielen auch bei betrieblicher Altersvorsorge eine Rolle.
  • Governance Struktur innerhalb von Unternehmen und Teil davon, dass Arbeitnehmer*innen miteinbezogen werden, sollten auch ein Fokus sein.

Saich:

  • Es gibt Bereiche der Gesellschaft (Gesundheit, Verteidigung etc.), die nicht intrinsisch grün sind. Diese können nachhaltig gestaltet werden, sind aber nicht Hauptakteure der grünen Transformation.

Steinberg:

  • Standardisierung soll „Green Washing“ verhindern

Welche dringlichsten Maßnahmen und Handlungsempfehlungen ergeben sich aus der Diskussion?

  • Miteinbeziehung der sozialen Mindeststandards bei der EU-Taxonomie
  • Idee einer geringeren Mehrwertsteuer für nachhaltige Produkte von Seiten von Reinhart
  • Weiterentwicklung der EU-Taxonomie auch über die Einbeziehung sozialer Mindeststandards hinaus
  • Pensionsfonds sollten grüne Produkte integrieren, da es ein Interesse der jungen Menschen ist

Teilnehmer_innen

  • Philipp Steinberg, Leiter der Abteilung I (Wirtschaftspolitik) im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
  • Maxi Leuchters, Referatsleiterin für Unternehmensrecht und Corporate Governance am Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung
  • Ariane Reinhart, Vorständin Personal und Nachhaltigkeit, Arbeitsdirektorin, Continental AG
  • Nancy Saich, Klimaexpertin der Europäischen Investitionsbank (EIB)

Moderation: Thomas Wendel, Tagesspiegel Background Sustainable Finance

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