Wirtschaft Forum II – Transformation & Wiederaufbau 31.05.2022 Qualifikationsdefizite in der Just Transition: Ein Nullsummenspiel? Diese Stichworte wurden von FES-Stipendiat_innen zur Übersicht aus den parallelen Foren für alle Teilnehmenden erstellt. Der Übergang zu einer Netto-Null-Wirtschaft muss nicht nur besonders schnell erfolgen, sondern auch besonders gut gesteuert werden. Dafür ist die Gewährleistung grüner und insgesamt qualitativ hochwertiger Arbeitsplätze ebenso notwendig wie die Generierung von Möglichkeiten für die von den schrittweisen Einstellungen am meisten betroffenen Bereiche. U. a. folgenden Fragen wollen wir in diesem Panel nachgehen: Wie können die für den Übergang benötigten Arbeitskräfte mobilisiert, ausgerüstet und vor allem qualifiziert werden? Wie ist mit einem möglichen Arbeitskräftemangel umzugehen? Was bedeutet das auch im Hinblick auf Fachkräftemigration? Wichtigste Diskussionsstränge/ Argumentationslinien Demografischer Wandel und enormer personeller Bedarf bei regional erheblichen Schwankungen: Staat aktuell nicht besonders lenkend, Last auf Arbeitgeber. Staat soll unterstützen. Perspektive für Ausbildungsberufe (Berufsorientierung) im Vergleich zur Option des Studiums erhöhen. Wechsel der Berufsbilder im Laufe der Zeit: es bedarf der Weiterbildung Ausländische Fachkräfte: Aufwand bzgl. Suche der jeweiligen Fachkräfte: Anerkennungserfordernisse, Spracherfordernisse, Integration der ausländischen Fachkräfte (GF) Viele Herausforderungen: ökologische, digitale und soziale Transformation Es bedarf eines funktionierenden und starken Sozialsystems zur Förderung der Gesamtwirtschaft, in diesem Kontext auch gerade für den Gesundheits- und Sozialbereich - auch mit Digitalisierung Zuwanderung kann nur ergänzen, löst allein aber das Problem des Fachkräftemangels nicht (SH) Fachkräftebedarf vs. Personalabbau: Gesundheit und Handwerk: Leute werden gesucht, Autobranche: weniger Arbeitnehmer*innen nötig Stellenausschreibung bedeutet nicht 1:1 Fachkräftemangel: auch Arbeitsbedingungen führen zu unbesetzten Stelle aktuell lukrative Branchen, die später so nicht mehr bestehen werden (Verbrenner), haben Probleme jetzt die Transformation einzuleiten. (SJ) Betriebe selbst kennen ihre Anforderungen am besten, aber dennoch über Einzelbetriebe hinausdenken: bedarfsgerechte und angepasste Weiterbildung, die Perspektiven eröffnet -> früh den Bedarf erkennen und anpacken Volle Auftragsbücher vs. Knappheit an Rohstoffen/Arbeitnehmer*innen verhindern Transformation Geringqualifizierte tragen auch erhebliches Potential, hier muss Motivation geweckt werden (SM) Geschlechterspezifische Dimension des Arbeitsmarktes: Frauen häufiger in schlechter bezahlten, sozialen Berufen. (SH) Weiterbildung (zu MINT)- auch innerbetrieblich - muss für Frauen zugänglicher sein Zugewanderte in den Arbeitsmarkt zu integrieren: ausländische Beschäftigte zu akquirieren ist schwerer als innere Weiterbildung Integration in Betrieb, Sprache und Gesellschaft fördern und dies als Prämisse für guten Einstieg in Betriebe Willkommenskultur als Motor zur Integration eröffnen (SM) Ist die Perspektive ein längerfristiger Aufenthalt in Deutschland? Erst dann werden Erwerbstätigkeit und Integration wichtiger Arbeitgeber müssen flexibler als bloß formelle Anerkennung der Berufsqualifikation (GF) Anerkennung nur in gewissen Berufsfeldern tatsächlich nötig, sonst ist Erwerbstätigkeit auch ohne diese möglich (SJ) Flexibilität und Absicherung dafür, dass Weiterbildung möglich (GF) Betriebe dürfen ihre Vergütung und Arbeitsbedingung nicht gegenüber und nicht durch ausländische Fachkräfte nach unten korrigieren. (SJ) Welche dringlichsten Maßnahmen und Handlungsempfehlungen ergeben sich aus der Diskussion? inländische Lösung für den Fachkräftemangel: Modalitäten des Betriebs, neue Arbeitskultur und -bedingungen entwickeln "Ausbildungsplatzgarantie" Förderung der Weiterbildung: Beratung über Angebote der Bundesagentur für Arbeit bezüglich Weiterbildung - auch selbstbestimmte und vom Arbeitgeber losgelöste Weiterbildung ermöglichen (GF) kein Ausspielen verschiedener Problemfelder auch nicht optimale Lebensläufe zur Weiterbildung motivieren Halten der Fachkräfte im Gesundheits- und Sozialbereich: bessere Arbeitsbedingungen, Lohn, Wertschätzung, Arbeitsvolumen Werben für den Fachbereich (SH) Beschäftigte von heute, Fachkräfte von morgen? Brücken in die Zukunft bauen, Minimierung von Risiken durch Weiterbildung Übergänge zwischen und innerhalb von Branchen ermöglichen Besseren Ausstieg aus nicht lukrativen Berufen fördern Transformationskurzarbeitergeld (SJ) Weiterbildungsnetzwerke fördern Bessere Bedarfsanalysen, hier Betrieben unter die Arme greifen Flexibilisierung und Entbürokratisierung der Angebote zur Weiterbildung Geringqualifizierte fördern (SM) Geschlechterspezifische Dimension des Arbeitsmarktes: Stereotypen aufbrechen, Vorbilder schaffen (SH) Berufsorientierung und Weiterbildung von Stereotypen lösen Vertrauensleute in den Betrieben zu Weiterbildungsmentoren zu besetzen (SJ) Qualifikationsniveau der Zugewanderten aus u.a. der Ukraine festzustellen. Betreuung und Beschulung für Kinder sicherstellen, um Beschäftigung zu ermöglichen (SM) Führung in Unternehmen muss dynamischer sein, Kompetenzmanagement (SM) Förderung nach Arbeitsbeginn statt nur vor Arbeitsbeginn: Vertrauensvorschuss für Mitarbeiter (GF) Rotation von Fachkräften unter gleichbleibenden und guten Arbeitsbedingungen zwischen Betrieben Regional gute Arbeit schaffen (SJ) Teilnehmer_innen Gunilla Fincke, Abteilungsleiterin Qualifizierung, Aus- und Weiterbildung und Fachkräftesicherung im BMAS Sandra Hofmann, Forschungsfeldleiterin Internationale Sozialpolitik, WifOR Stefanie Janczyk, Leiterin des Ressorts Allgemeine Sozial- und Arbeitsmarktpolitik/AGA beim Vorstand der IG Metall Susanne Müller, Stellvertretende Abteilungsleiterin Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Dienstag, 31.05.2022 Wirtschaft Forum I – Investitionen & Finanzierung Zukunftsfähige Finanzpolitik aus junger Perspektive: Generationenübergreifende Verteilungseffekte von Schulden und Investitionen Diese Stichworte wurden von FES-Stipendiat_innen zur Übersicht aus den parallelen Foren für alle Teilnehmenden...