• Demokratie und Gesellschaft |
  • Frieden und Sicherheit

Der Autoritäre Stack

Justin Nogarede

Wie Tech-Milliardäre ein postdemokratisches Amerika aufbauen — und warum Europa als Nächstes dran ist

Ein Netzwerkdiagramm zeigt Verbindungen zwischen Techunternehmern, Regierungsmitarbeitern und Techfirmen.
Urheber: CC BY-NC-ND 4.0

Worum geht es?

In der Studie von Prof. Francesca Bria und ihrem Team, unterstützt von FES Future of Work, wird aufgezeigt, wie Tech-Milliardäre in den USA Stück für Stück durch die Verschmelzungen von Risikokapital, Technologien und Ideologien ein postdemokratisches Amerika aufbauen. Alle Säulen der Demokratie sind davon betroffen - von Daten und Verteidigung über Raumfahrt bis hin zu Energie und Geld. 

Basierend auf einem Open-Source-Datensatz mit 245 Akteur_innen, Tausenden verifizierter Verbindungen und an dokumentierter Finanzströmen in Höhe von 45 Milliarden US-Dollar, zeigt die Studie, wie Unternehmen wie Palantir, Anduril und SpaceX – aufbauend auf dem einflussreichen US-amerikanischen Tech-Right-Netzwerk um Peter Thiel, Marc Andreessen, Alex Karp und Elon Musk– zunehmend selbst zum Betriebssystem des staatlichen Handelns werden. 
Den vollständigen Bericht sowie die Datenbank finden Sie hier: 

The Authoritarian Stack

(Die Website ist auf Englisch, Deutsch, Spanisch sowie Französisch verfügbar)

Warum ist das wichtig?

„Unterschiedliche Vorstellungen vom sozialen und politischen Leben erfordern unterschiedliche Technologien zu ihrer Verwirklichung“

Von Palantirs Verträgen mit dem britischen Gesundheitsdienst NHS und deutschen Polizeibehörden bis hin zur zunehmenden Abhängigkeit der NATO von privaten US-Plattformen, breitet sich diese Entwicklung rasant in ganz Europa aus – mit der Folge, dass die digitale Abhängigkeit zunehmend in eine politische Abhängigkeit übergeht.

Die Verteidigung der demokratischen Souveränität erfordert eine koordinierte europäische Antwort – etwa in Form des EuroStack - basierend auf offenen Standards, demokratischer Governance und Technologien, die im öffentlichen Interesse agieren, sowohl im Arbeitsleben als auch darüber hinaus. Eine vollständige Autonomie ist zwar unrealistisch, doch es ist entscheidend, dass Europa beginnt, mehr ihrer öffentlichen Mitteln und privaten Investitionen in die technologische Infrastrukturen zu lenken, die mit den europäischen Werten und Interessen im Einklang steht und gleichzeitig Wohlstand in Europa schaffen.

Was tun wir?

Angesichts der breiten europäischen Berichterstattung haben wir die Website zum „Autoritären Stack“ in Deutsch, Französisch und Spanisch bereitgestellt. Darüber hinaus hat FES Future of Work im März 2026 mehrere politische Akteur_innen und Ministerien in Berlin besucht, um auf die Gefahr der zunehmenden Abhängigkeit der europäischen technologischen Infrastruktur aufmerksam zu machen, die zunehmend von reaktionären politischen Autokrat_innen mit eigener politischen Agenda betrieben wird. Im Rahmen des Besuchs fand ein Roundtable mit Vertreter_innen der Zivilgesellschaft statt, um neue Allianzen zu schmieden.

Auf europäischer Ebene verfolgen wir aufmerksam die EU-Agenda zu digitaler Souveränität, KI und Datenschutz (den Digital Omnibus). Abonnieren Sie unseren Newsletter Wage Against the Machine, um monatliche Updates zur politischen Ökonomie der Digitalisierung und weiteren Entwicklungen zu erhalten.

Links zu unserer Arbeit – die Arbeitswelt

Mehrere einflussreiche Vordenker_innen, Geldgeber_innen und Gründer_innen aus dem Silicon Valley sind der Ansicht, dass wir eher von CEOs als von demokratisch gewählten Politiker_innen regiert werden sollten. Sollten die „Bürger_innen“ unzufrieden sein, könnten sie schlicht mit den Füßen abstimmen und gehen. Diese Sichtweise spiegelt sich ebenfalls in den autoritären Vorstellungen vom Arbeitsplatz wider: Arbeitnehmer_innen sollen dort keine Mitspracherechte haben und im Zweifel lediglich kündigen, wenn sie unzufrieden sind. 

Mit der fortschreitenden Digitalisierung des Arbeitsmarktes dringen diese autoritären Vorstellungen von Technologie und Arbeit zunehmend in unsere Infrastruktur ein. Entscheidungen über Technologien werden immer undurchsichtiger, nicht rechenschaftspflichtig und grundsätzlich undemokratisch. Bei FES Future of Work setzen wir uns für einen demokratischen Arbeitsplatz ein, indem wir Datenrechte für Arbeitnehmer_innen und mehr Transparenz bei algorithmischen Systemen unterstützen sowie Tarifverhandlungen über Technologien wie KI fördern.

Für einen hervorragenden Überblick über die Zusammenhänge zwischen autoritärem Denken im Silicon Valley und der Arbeitswelt empfehlen wir die Keynote von Prof. Valerio de Stefano bei unserer Veranstaltung zum Thema Die Zukunft hochwertiger Arbeitsplätze und KI am Arbeitsplatz: Regulierung für Innovation.

Kontakt

Autor

Projektverantwortlich

  • Prof. Dr. Francesca Bria

    ist Expertin für Digitalpolitik und eine führende Stimme zu digitaler Souveränität. Sie ist Honorarprofessorin am Institute for Innovation and Public Purpose am University College London, Vorstandsmitglied des Europäischen Innovationsrats und Initiatorin der EuroStack-Initiative.


Das könnte Sie auch interessieren...

nach oben