Faire Handelsbeziehungen

Die EU ist Lateinamerikas drittgrößter Handelspartner. Doch die Handelsstruktur folgt überwiegend traditionellen Strukturen: Industrieerzeugnisse werden aus der EU importiert, während die lateinamerikanischen Länder Rohstoffe und Agrarerzeugnisse in die EU exportieren.

Geregelt werden die Handelsbeziehungen zwischen der EU und Lateinamerika vor allem bilateral: Seit 2008 gibt es ein EU-Abkommen mit den Staaten der Karibik und seit 2012 mit den Ländern Zentralamerikas. Seit 2013 existiert ein Freihandelsvertrag mit den Andenländern Kolumbien und Peru, dem sich Ecuador im Jahr 2017 anschloss. Die älteren Abkommen mit Chile und Mexiko werden derzeit neu verhandelt. Die EU-Verhandlungen mit den MERCOSUR-Staaten laufen seit über 20 Jahren - nachdem es kurzzeitig nach einem Durchbruch aussah, regt sich nun bei einigen EU-Staaten Widerstand.

Die Kritik an den Handelsbeziehungen zwischen Lateinamerika und der EU ist vielfältig. Zum einen ist bislang kaum ein wirtschaftlicher Vorteil für die lateinamerikanischen Länder belegt, zum anderen kritisiert die Zivilgesellschaft die fehlende Nachhaltigkeit der Handelsbeziehungen. Menschen- und Umweltrechte sowie soziale Rechte von Arbeitnehmer_innen werden immer wieder verletzt; die Freihandelsverträge mit der EU haben diese Lage kaum verbessert, da ihnen ein Sanktionsmechanismus fehlt und die Beteiligung der Zivilgesellschaft beschränkt ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass multinationale Konzerne in den Handel mit Rohstoffen oder Agrargütern involviert sind, was zu Machtasymmetrien führt. Auch lassen sich Verantwortlichkeiten entlang der Lieferketten schwer nachverfolgen. Es fehlen international einklagbare Regeln zur Unternehmensverantwortung wie ein UN-Abkommen für Wirtschaft und Menschenrechte.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) arbeitet in Lateinamerika gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partnern und Gewerkschaften an der Gestaltung einer nachhaltigen Handelspolitik. Ein Projekt beschäftigt sich speziell mit den Handelsabkommen der EU. Wichtige Bestandteile dieses Projektes sind Studien zu den Auswirkungen der Abkommen und die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Partner in Lateinamerika sowie die Politikberatung. Zudem hat die FES seit 2018 einen Sitz in der zivilgesellschaftlichen Beratungsgruppe der EU zum Freihandelsabkommen mit Kolumbien, Peru und Ecuador.

Zum Thema Faire Handelsbeziehungen gibt es hier über Lateinamerika und die Karibik hinaus weitere FES-Informationen.

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    Referat Lateinamerika und Karibik

    Susanne Stollreiter

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    +49 30 26935-7488

    Susanne.Stollreiter(at)fes.de

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