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Otto Wels

Kurzinfo

Das Archiv der sozialen Demokratie wird 50. Wir feiern das, indem wir Ihnen ein Jahr lang jede Woche ein neues unserer Lieblingsstücke und die Geschichten dahinter vorstellen. Nichts verpassen? Einfach #AdsD50 auf twitter und instagram folgen!


Rosa Luxemburg die Malerin

„Schaut her, mein Kragen – ich hab das Sagen!“ Diese Aussage, mit welcher 2016 in einem Wirtschaftsblatt das markante Kleidungsstück des Modeschöpfers Karl Lagerfeld interpretiert wurde, mag uns in den Sinn kommen, wenn wir das Gemälde betrachten. Schließlich trug der Modezar einen solchen Kragen, wie wir ihn auf dem Bild sehen.

Dieser hochgeschlossene Umlegekragen war 1911, als das Kunstwerk entstand, ein weit verbreitetes Modeobjekt und dessen zeitgenössische Extravaganz ist rückblickend sicher anders zu bewerten als die des berühmten Designers. Dennoch verstärkt das Kleidungsstück die gerade Haltung des Dargestellten und suggeriert einen selbstbewussten Wesenszug des   Mannes auf dem Ölgemälde.

Doch wen genau sehen wir denn hier eigentlich?

Zur überlieferten Korrespondenz von Rosa Luxemburg siehe auch: Luxemburg, Rosa: Das Menschliche entscheidet. Briefe an Freunde. Paul List Verlag, München, in der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Es ist das Portrait des Arztes Dr. Hans Diefenbach im Alter von 27 Jahren. Seine Haare sind mittig gescheitelt und kurz geschnitten, Kinn und Wangen sorgfältig rasiert und der Oberlippenbart ist akkurat getrimmt. Die rechte Schulter nach hinten genommen, präsentiert er sich uns in einer Dreiviertelansicht und schaut uns direkt an.

Die Perspektive ist dabei so gewählt, dass er von leicht erhöhter Position heraus auf uns herab blickt. Sein Blick wirkt dadurch stolz, ja ein wenig gelangweilt und vielleicht sogar arrogant.

Wir dürfen vermuten, dass diese Gestaltung dem Abgebildeten gefallen hat. Denn das Werk stammt aus der Hand einer guten Freundin und engen Vertrauten Diefenbachs: Rosa Luxemburg.

Im Königreich Polen 1871 geboren und in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen, ist uns Rosa Luxemburg in erster Linie als Politikerin bekannt, als führendes Mitglied des linken Flügels der SPD, Wortführerin des Spartakusbundes und Mitbegründerin der KPD. Am 15. Januar 1919 wurde sie aufgrund ihrer politischen Haltung von Freikorps-Soldaten ermordet.

Weniger bekannt ist ihre künstlerische Arbeit. Durch ihr familiäres Umfeld begünstigt, erwarb sie eine humanistische Ausbildung. Wie wir aus ihren Briefen wissen, besaß sie ein großes Interesse an der Kunstgeschichte, insbesondere der Malerei. Ihr künstlerisches Schaffen brachte sie sich autodidaktisch bei, indem sie unter anderem Werke bekannter Maler kopierte.

Ihr gestalterischer Blick auf die Bildende Kunst entsprach weitgehend der akademischen Kunstauffassung ihrer Zeit: Von den bildgewaltigen Renaissancewerken Tizians bis hin zu Repins sozialistischen Realismus bevorzugte sie die realistische Gestaltung in der Kunst. Jegliche Abstraktion sowie die Sezessionsbewegung des Jugendstils lehnte sie ab.

Wie Rosa Luxemburg in ihrer Korrespondenz mit Freunden gesteht, hätte sie gerne viel mehr Zeit mit der Malerei verbracht. Insbesondere mit der Freilichtmalerei, deren Farb- und Perspektivwiedergabe sie besonders herausforderte.

Zwischen 1906 und 1913 schuf sie dann eine Reihe von Portraits sowie zwei Selbstbildnisse. Das Portrait von Hans Diefenbach empfand sie dabei als das gelungenste, da hier der Kopf am besten getroffen sei, wie sie noch 1915 in einem Brief hervorhebt.

Rosa Luxemburg lernte Hans Diefenbach bei gemeinsamen Freunden kennen und war mit ihm bis zu seinem Tode an der Front 1917 in enger Freundschaft verbunden. In einem Kondolenzbrief an Diefenbachs Schwester bezeichnete Luxemburg ihn als „teuersten Freund“ und führt aus: „In der Musik, in der Malerei wie in der Literatur, die ihm, wie mir, Lebensluft waren, hatten wir dieselben Götter und machten gemeinsame Entdeckungen.“

Nach dem Tode Rosa Luxemburgs hat das Gemälde in verschiedenen Besitzverhältnissen die Zeit überdauert und ist schließlich dem Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung übergeben worden.

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