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09.02.2017

Mama in den USA, Kinder in El Salvador

Cyber-Mama. Ein Kurzfilm über das Schicksal von drei Kindern, die bei ihrer Großmutter leben, weil ihre Eltern zum Arbeiten in die USA gegangen sind.

Weltweit wachsen Millionen von Kindern ohne ihre Eltern auf, weil diese zum Arbeiten in andere Länder gezogen sind. Häufig sind es die Großeltern, die sich um das Wohl ihrer Enkel kümmern.

So auch im Fall der Geschwister Kevin, Paola und Benjamín aus El Salvador, einem der sieben zentralamerikanischen Länder zwischen Mexiko und Kolumbien. Ihre Mutter Ana hat nicht das Geld, um die Miete für einen Stand auf dem Markt zu bezahlen. Außerdem wird sie noch von kriminellen Banden in ihrem Viertel bedroht. Daher sieht sie sich gezwungen, gemeinsam mit ihrem Mann in die USA auszuwandern und dort Arbeit zu suchen. Sie lässt ihre Kinder in El Salvador zurück, so dass die Familie nun getrennt lebt.

Die Geschwister wachsen bei ihrer Großmutter, der 60jährigen Dona Moreña, auf. Sie sind täglich mit ihrer Mutter in den USA über Skype oder Facetime in Kontakt. Diese versucht, ihren Kindern regelmäßig Geschenke zu kommen zu lassen und verspricht ihnen, sie bald in die USA nachzuholen, sobald sie eine sichere Arbeitsstelle gefunden hat. Doch vorerst bleibt sie eine Cyber-Mama. So ist Kevins größter Wunsch: "Zu meiner Mutter gehen".

Im Kurzfilm "Cyber-Mama. Ein Familienschicksal zwischen El Salvador und den USA" berichten die Kinder und die Großmutter über ihre Lebensumstände und das Schicksal der Familientrennung.

 

Hintergrund für Auswanderung aus El Salvador: Der Gewalt, Armut und Aussichtslosigkeit entkommen

Viele Menschen verlassen El Salvador, da sie dort keine Perspektiven für ein Leben in Wohlstand und Frieden sehen. El Salvador kam im Jahr 2015 auf 103 Morde je 100.000 Einwohner, das sind durchschnittlich 18 Morde pro Tag. Dafür verantwortlich sind u.a. die Jugendbanden, die zum Teil mehrere Tausend Mitglieder haben und über zusammenhängende Nachbarschaften und ganze Territorien herrschen, in denen sie das Gewaltmonopol innehaben. Dort verteidigen sie ihre Macht gegen jeden Herausforderer – den Staat ebenso wie andere Banden. Sie finanzieren sich durch Erpressungen, in dem sie Wegezoll fordern, durch den Drogenhandel und andere kriminelle Aktivitäten.

Die ausufernde Gewalt, Armut und die aussichtslose Lage auf dem Arbeitsmarkt veranlassen viele Menschen von dort auszuwandern. Im Jahr 2015 verließen im Schnitt 200 Menschen pro Tag das Land, die meisten von ihnen machten sich auf den Weg quer durch Mexiko in die USA. Häufig sind es die jungen Männer und Frauen im erwerbstätigen Alter, die fortgehen und ihre Kinder in der Obhut der Großeltern zurück lassen.

Kontakt: Joachim Schlütter, Büroleiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in El Salvador

 

Weiterführende Literatur zur Auswanderung zentralamerikanischer Migrant_innen in die USA

Grenzen ziehen und Wohlstandsperspektiven schaffen! US-amerikanische Strategien in der Flüchtlingskrise unbegleiteter Minderjähriger aus Zentralamerika“, Eric Olson, FES Reihe „Migration in (Latein-)Amerika", September 2016.

Immigrant_innen aus Lateinamerika in den USA: Jobmotor und Jungbrunnen?“, Michael Czogalla, FES Reihe „Migration in (Latein-)Amerika", Oktober 2016.

Freiwillige Migration oder Vertreibung? Emigration aus Honduras als Überlebensstrategie“, Ana Ortega, FES Reihe „Migration in (Latein-)Amerika", Oktober 2016.

Im Schatten der Mauer: Die Auswirkungen des US-amerikanischen Ausbaus von Grenzschutz und verstärkter Zuwanderungskontrolle“ Daniel E. Martinez, FES Reihe „Migration in (Latein-)Amerika", November 2016.

 

Kurzfilmreihe: "Menschen in Bewegung" - Warum verlassen Menschen ihre Heimat? Welche Wege gehen sie?

Antworten auf diese Fragen bietet eine Reihe von Kurzfilmen, die FES-Auslandsbüros in Zusammenarbeit mit lokalen Firmen produziert haben. Die Filme erscheinen auf unserem Themenportal "Flucht, Migration, Integration". Gerne können Sie diese für eigene Veranstaltungen nutzen.

Bisher erschienen:

Der Weg war nie das Ziel. "Wir sind zu Migranten geworden...aber eines Tages werden wir ankommen." Kurzfilm über eine Familie aus Kuba auf der Flucht.

Zurück. Lana Mayer flüchtete in den 90er Jahren aus Kroatien nach Deutschland. Sie kehrte zurück nach Vukovar. Dieser Film erzählt ihre Geschichte.

Das Regenbogen-Center in Gaziantep. „Im Exil besteht die Chance, die Schatten der Gewalt zu überwinden“. Kurzfilm über syrische Dissidenten, die sich um traumatisierte Kinder kümmern.

Zwischen den Stühlen. "Ich möchte nicht, dass meine Kinder in Angst leben, so wie ich es tat”. Ein Kurzfilm über äthiopische Geflüchtete im Sudan.

Zwischen den Stühlen, Teil 2. Elsas Mann Yosef ist in Schweden angekommen. Seine Familie konnte er bislang nicht aus dem Sudan nachholen. Teil 2 des Kurzfilms "Zwischen den Stühlen".

Asfur – syrische Flüchtlinge in der Türkei. „Asfur“ gibt Einblick in die Lebenssituation von Syrer_innen, die Hals über Kopf aus dem Kriegsgebiet Syrien fliehen mussten und nun im türkischen Hatay leben.

Jaminton und Yannia gehen weg - Vertreibung im eigenen Land. Ein Kurzfilm über eine Familie in Kolumbien, die wegen Bürgerkrieg und Gewalt im eigenen Land zu Vertriebenen wird.

Move. Drei Menschen verlassen ihre Heimat. Alle leben in Namibia. Im Kurzfilm 'Move' reflektieren sie über Migration, europäische Doppelmoral und ungleiche Machtverhältnisse.

Die Zurückgelassenen – Wenn die Männer weggehen. Ein Kurzfilm über die Herausforderungen von Frauen und Familien in Indien, deren Männer auf der Suche nach Arbeit migriert sind.

Nowhere Man – Pakistanische Geflüchtete in Südkorea kämpfen um Anerkennung.Familie A. ist aus Pakistan ins 6.000 km entfernte Südkorea geflohen – eine Geschichte auch über die südkoreanische Asylpolitik.

Hinter dem Meer. Der Film zeigt die Geschichte von vier Algerier_innen, die aus verschiedenen Gründen ihre Heimat verließen und nach einiger Zeit wieder nach Algerien zurückgekehrten.

Redaktion
Susan Javad
fmi(at)fes.de

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