Publikation Medien und Netzpolitik Netzwerke der Meinungsbildung 07.10.2026 Catrina Schläger Digitale Medien verändern politische Debatten grundlegend. Die Studie zeigt an drei Fällen, wie sie demokratische Beteiligung fördern – zugleich aber Polarisierung, Ausgrenzung und extremistischen Narrativen neue Reichweite verschaffen. Bild: Urheber: picture alliance / Ikon Images | Lee Woodgate Netzwerke der Meinungsbildung Kakavand, Azade ; Kessling, Philipp ; Schmidt, Jan-Hinrik | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., Oktober 2026 Kommunikationsdynamiken im Umfeld der Bundestagswahl 2025 Zum Download (PDF) Kommunikationsdynamiken im Umfeld der Bundestagswahl 2025 Die Studie analysiert, wie digitale Medien politische Debatten prägen. Betrachtet werden drei Fälle im Zeitraum November 2024 bis Oktober 2025: die Wahl neuer Richter:innen für das Bundesverfassungsgericht, die Messerattacke in Aschaffenburg und die Diskussion um das Bürgergeld. Um die Diskursdynamiken nach zu zeichnen, werden Daten aus publizistischen Medien- (Print, TV, Talkshows) und Social-Media-Plattformen (Telegram, TikTok) untersucht. Die Studie unterscheidet zwischen Diskursarenen des Zentrums und der Peripherie und zeigt, wie diese miteinander verwoben sind und sich gegenseitig beeinflussen.Beim Diskurs um die Wahl neuer Richter:innen dominiert zunächst Telegram, danach übernehmen die Zentrum-Medien die Debatte; wobei die Kritik an Frauke Brosius-Gersdorf breit geführt wird, die Kritik an Ann-Katrin Kaufhold jedoch nur auf Telegram zu finden ist. Die Messerattacke in Aschaffenburg wird gleichzeitig auf Telegram und in den Medien diskutiert, wobei Telegram-Beiträge etwas früher erscheinen und Medienberichte mehr Informationen enthalten; der Diskurs ist in ein größeres Netzwerk migrations- und sicherheitspolitischer Themen eingebettet. Die Debatte über das Bürgergeld ist im Vergleich weniger ereignisgetrieben und wird hauptsächlich in den Zentrum-Medien geführt, während nur vereinzelte Diskursstränge auf Telegram auftauchen, meist in Verbindung mit migrationspolitischen Aspekten.Die Ergebnisse bestätigen frühere Befunde: Rechtspopulistische Akteur:innen am Rand nutzen „Issue Ownership“, um Themen wie Migration in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen und ihren Narrativen Wirkmacht zu verleihen. Durch die hybride Öffentlichkeitsstruktur – Kombination von journalistischen Medien und Social Media – werden Debatten dynamischer, unübersichtlicher und offener. Akteur:innen am Rand können leichter Sichtbarkeit erlangen, wobei ihre Argumente häufig in zentrale Diskurse überlaufen und politische Entscheidungen beeinflussen. Handlungsempfehlungen Um den Herausforderungen, die diese neue hybride Öffentlichkeitsstruktur schafft, gewachsen zu sein, formulieren die Autor:innen folgende Empfehlungen:Medien- und Journalist:innen sollten etablierte Sorgfaltspflichten ausbauen, indem sie systematisch alle relevanten Diskursarenen überwachen, die Herkunft von Informationen prüfen und potenziell manipulative Narrative frühzeitig identifizieren und fact-checken.Politik und Regulierungsbehörden müssen den Datenzugang für unabhängige Forschungs- und Analysezwecke stärken, etwa durch konsequente Umsetzung des Digital-Services-Acts, um wissenschaftliche Studien über hybride Öffentlichkeiten und Desinformationsrisiken zu ermöglichen.Demokratische Akteur:innen sollten gezielt Strategien entwickeln, um periphere Narrative in den zentralen öffentlichen Diskurs zu integrieren, ohne deren radikale Inhalte zu übernehmen – etwa durch offene Dialogplattformen, transparente Kommunikation und die Förderung von Qualitätsjournalismus, um die Resilienz der Meinungsbildung gegenüber populistischen und extremistischen Kräften zu erhöhen. Über die Autor:innen Dr. Azade Kakavand ist Postdoc für computerbasierte Methoden im Social Media Observatory des „Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ und Teil des Media Research Method Labs am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut in Hamburg. Philipp Kessling arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Media Research Methods Lab am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut und leitet dort das Projekt Systematische Observation von neuen auditiven Risiken (SONAR). PD Dr. Jan-Hinrik Schmidt leitet den Programmbereich „Gesellschaftliche Funktionen von Kommunikation und Medien“ am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut in Hamburg. Zudem ist er wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Standorts im „Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt“, das seit 2020 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird. Kontakt Projektverantwortliche Catrina Schläger 030 26935-7738 Catrina.Schlaeger(at)fes.de Verwandte Artikel Bild: Urheber: picture alliance / Ikon Images | Stuart Kinlough (bearbeitet) Dienstag, 24.03.2026 Publikation Medien und Netzpolitik Resiliente Informationsräume Falschinformationen zerstören die demokratische Öffentlichkeit. Die EU reagiert mit Maßnahmen, doch Umsetzung bleibt national. Die Analyse untersucht, wie wir ein transparentes, vielfältiges digitales Gemeinwesen fördern können. Bild: Urheber: picture alliance / Westend61 | Iryna Auhustsinovich Mittwoch, 11.02.2026 Publikation Medien und Netzpolitik Wege zu einer gemeinwohlorientierten digitalen Medienordnung Digitale Plattformen prägen heute die Infrastruktur öffentlicher Kommunikation. Sie entscheiden über Sichtbarkeit, Reichweite und Auffindbarkeit von Informationen und beeinflussen damit maßgeblich demokratische Meinungsbildungsprozesse. Dr. Jan... 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