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Die Digitalisierung der Arbeit ist eine Demokratiefrage

Mirko Herberg

Digitale Technologien werden weltweit rasant in Betrieben und Verwaltungen eingeführt. Eine neue FES-Publikationsreihe zeigt, welche Rechte Beschäftigte nutzen können, um Arbeitsbedingungen in der digitalisierten Arbeitswelt mitzugestalten und zu verhandeln.

Zwei aus der Vogelperspektive aufgenommene Fabrikroboter arbeiten an einem Lagerregal
Urheber: picture alliance / Cover Images | Agility Robotics/Cover Images

Wenn Arbeitgeber im öffentlichen wie im privaten Sektor digitale Technologien einführen, verfolgen sie meist das Ziel, Produktivität und Effizienz zu steigern. Doch diese Technologien können weitreichende Folgen für Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmer_innenrechte haben, häufig zum Nachteil der Beschäftigten. Arbeitsplätze werden automatisiert, Beschäftigte werden vermessen und quantifiziert, Daten über ihre Leistung und ihr Verhalten werden analysiert und von algorithmischen Systemen genutzt.

Viele Betriebsrät_innen, Vertrauensleute sowie Arbeits- und Gesundheitsschutzbeauftragte sprechen die Nutzung digitaler Technologien gegenüber dem Management bislang kaum an. Häufig liegt das an fehlendem Wissen, mangelnden Kapazitäten und einem begrenzten Bewusstsein für bestehende Rechte. In der Folge verhandeln die meisten Gewerkschaften bislang kaum Tarif- oder Betriebsvereinbarungen, die die Digitalisierung der Arbeit gezielt adressieren.

Eine gefährliche Demokratielücke

Wenn Technologie ohne Beteiligung der Beschäftigten eingeführt wird, setzt sie Arbeitnehmer_innen nicht nur neuen Formen der Kontrolle aus. Sie verschiebt auch das Kräfteverhältnis am Arbeitsplatz zugunsten der Arbeitgeber. Beschäftigte können sich dadurch zunehmend entfremdet und objektiviert fühlen.

Eine ungeschützte und entmachtete Belegschaft ist nicht nur weniger produktiv. Sie kann auch das Vertrauen in jene Versprechen und Institutionen verlieren, die gute Arbeit und ein gutes Leben sichern sollen. Die Fähigkeit von Beschäftigten zu stärken, ihre Rechte einzufordern und Arbeitsbedingungen in digitalisierten Arbeitsumgebungen mitzugestalten, ist daher auch ein Beitrag zu Demokratie und Gerechtigkeit.

Kenne deine Rechte!

In vielen Ländern haben Beschäftigte Rechte und Arbeitgeber Pflichten, wenn digitale Systeme am Arbeitsplatz eingeführt werden. Die Länderstudien der Reihe „Negotiating Digitalised Workplaces“ zeigen, über welche Formen institutioneller Macht Beschäftigte verfügen – darunter Rechte, Gesetze und arbeitsmarktpolitische Vereinbarungen – und wie Beschäftigte und Gewerkschaften diese nutzen können.

Mit praxisnahen Checklisten und Vorschlägen für Tarifverhandlungen, die helfen, rechtliche Lücken zu schließen, unterstützen die Studien eine gründlichere und strategischere Antwort von Beschäftigten und ihren Interessensvertretungen in den untersuchten Ländern.

Die Länderstudien zu Albanien, Brasilien, Kenia, Indien, Irland, Südkorea und Uruguay zeigen unterschiedliche Reifegrade der jeweiligen Governance-Rahmen für digitale Arbeit. Zugleich machen sie deutliche Schutzlücken bei Arbeitnehmer_innenrechten und guter Arbeit sichtbar. Die Verhandlungsagenda für Gewerkschaften ist daher breit. Wiederkehrende Themen sind frühzeitige Information und Konsultation, Transparenz, menschliche Kontrolle, Überwachung sowie Gesundheitsrisiken.

Länderstudien und Synthesebericht

Eine knappe Gesamtanalyse der Ergebnisse findet sich im Synthesebericht.

Für ein vertieftes Verständnis der jeweiligen Rechte und Verhandlungsagenden empfehlen wir die einzelnen Länderstudien.


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