Flucht und Migration

Migrations- und Fluchtbewegungen sind seit jeher Alltag auf dem Afrikanischen Kontinent und stellen seit vielen Jahren eine große Herausforderung dar. Afrika ist der am meisten von Migration und Vertreibung betroffene Kontinent. Dies umso mehr, da aufgrund des starken Bevölkerungswachstums zukünftig eher von mehr als weniger Migration auszugehen ist. Um diese Herausforderung anzugehen, haben die Afrikanische Union (AU) und ihre Mitgliedsstaaten progressive Rahmenabkommen wie bspw. den ,,Migration Policy Framework for Africa" (MPFA) beschlossen. Die Umsetzung dieser Abkommen bleibt jedoch ausbaufähig, selbst wenn Staaten willens sind die Beschlüsse zu implementieren. Es ist offensichtlich, dass der Dialog zwischen afrikanischen Staaten, regionalen Wirtschaftsgemeinschaften und der AU unzureichend ist. Es bleibt häufig unklar, wie mit Migrant_innen und Geflüchteten verfahren werden soll und wie Beschlüsse implementiert werden können.

Migration stellt ein hochkomplexes Phänomen dar, das sich geographisch und thematisch nicht begrenzt diskutieren lasst. Zu den treibenden Kräften von Flucht- und Migrationsbewegungen zählen schlechte Regierungsführung, Korruption, fehlende sozio-ökonomische Partizipation, Ressourcenknappheit, die Folgen des Klimawandels sowie gewaltsame Konflikte und Krisen. Dies erfordert einen Diskurs, der Migration als multidimensionale Herausforderung versteht, der mit umfassenden und langfristigen Ansätzen begegnet werden muss. Da es kaum lokale wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt, dominieren eindimensionale und verkürzte Erklärungsmuster die öffentliche Debatte. Neue Ansätze müssen lokale Erhebungen einbeziehen, damit nachvollzogen werden kann, warum Menschen migrieren oder fliehen.

Hier setzt die FES mit ihren Partnerorganisationen an: Durch die Erhebung derartiger Daten vor Ort werden die relevanten Akteure in die Lage versetzt, faktenbasierter zu diskutieren und darauf aufbauend migrationspolitische Ansätze und Politikempfehlungen zu formulieren. Das 2019 gegründete Flight and Migration Competence Centre (FMCC) der FES bemüht sich, den migrationspolitischen Dialog Afrika-weit sowie mit Europa zu versachlichen und zu verstetigen. Dies dient der Verbesserung bestehender Politiken, die die beteiligten Akteure von Migration profitieren lassen. Ein derartiger Ansatz darf aber nicht die Eindämmung von Migration zum Ziel haben, sei es nach Europa oder zwischen afrikanischen Ländern. Vielmehr sollte die bestehende technische Unterstützung durch einen politischen Dialog komplementiert werden, der nicht nur nationale Vorbehalte adressiert und Misstrauen abbaut, sondern auch die positiven Aspekte von Migration für die Gesellschaften herausstellt. Dies setzt auch voraus, dass afrikanische Bedenken und Interessen von europäischer Seite ernst genommen werden.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung ist dank ihres dichten Büronetzwerkes und ihrer langjährigen, vertrauensvollen Kontakte in der Region für die Realisierung dieser Kontinent-weiten migrationspolitischen Dialoge besonders geeignet, zumal am Standort Addis Abeba, Äthiopien: Neben dem Hauptsitz der Afrikanischen Union zeichnet das zweit-bevölkerungsreichste Land Afrikas aus, dass es ein wichtiges Herkunfts-, Transit- und Zielland für Menschen am Horn von Afrika ist.

Publikationen zum Thema

Ague, Afouda Vincent; Gamai, Léonce

Voix des migrants beninois

Cotonou, 2020

Publikation herunterladen (24 MB, PDF-File)


Sossou, Koffi Benoît

Travailleurs migrants au Bénin

Contexte et defis
Cotonou, 2019

Publikation herunterladen (4 MB, PDF-File)


Abdalla, Amr

African voices from the ground

Motives, benefits and managing risk of migration towards Europe
AddisAbaba, 2019

Publikation herunterladen (40 MB, PDF-File)


Idrissa, Rahmane

Un dialogue sur fond de divergence

L'impact de la politique migratoire européenne sur l'integration Ouest-Africaine : les cas du Nigeria, du Mali et du Niger
Berlin, 2019

Publikation herunterladen (8 MB, PDF-File)


Idrissa, Rahmane

Dialog im Widerstreit

Folgewirkungen der EU-Migrationspolitik auf die westafrikanische Integration. Dargestellt anhand der Fallbeispiele Nigeria, Mali und Niger
Berlin, 2019

Publikation herunterladen (11 MB, PDF-File)


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