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Landesbüro Nordrhein-Westfalen

Donnerstag, 10.02.22 19:00 bis Donnerstag, 10.02.22 21:00

Konsequenzen aus Corona - Wie können (Aus-)Bildungschancen in Nordrhein-Westfalen verbessert werden?


Terminexport im ICS-Format

Bildungs,- Lern und Lebenschancen sind maßgeblich abhängig von frühkindlicher Bildung, der Förderung durch das soziale Umfeld, dem Erlernen von Kompetenzen und einem guten Schulabschluss. Es braucht also verschiedene Akteur_innen und Institutionen, um Kinder und Jugendliche gut auszubilden.

Veranstaltungsrückblick

„Konsequenzen aus Corona - Wie können (Aus-) Bildungschancen in Nordrhein-Westfalen verbessert werden?“


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Bildungs,- Lern und Lebenschancen sind maßgeblich abhängig von frühkindlicher Bildung, der Förderung durch das soziale Umfeld, dem Erlernen von Kompetenzen und einem guten Schulabschluss. Es braucht also verschiedene Akteur_innen und Institutionen, um Kinder und Jugendliche gut auszubilden.

In der Anfang Februar veröffentlichen Studie „Konsequenzen aus Corona – Wie können Bildungschancen in Nordrhein-Westfalen verbessert werden?“ des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung wird das nordrhein-westfälische Bildungssystem analysiert und modelliert, wie sich Investitionen in Bildung mittel- und langfristig auszahlen. Die Studie, erstellt durch das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), macht deutlich, dass es in den vergangenen zehn Jahren in NRW gelungen ist, die Bildungschancen und Perspektiven vieler Jugendlicher zu verbessern. So wurde der KiTa-Ausbau vorangetrieben, der Anteil der Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, wurde verringert und die Zahl der Studienberechtigten ist angestiegen. Gleichzeitig können rund 20 Prozent der 15-Jährigen in NRW nur rudimentär lesen, schreiben und rechnen. Ebenso hat sich die Zahl der Ausbildungsplätze verringert und die Chancen auf einen erfolgreichen Übergang von der Schule in Ausbildung in Beruf haben sich für Jugendliche mit Real- oder Hauptschulabschluss verschlechtert.

Was bedeuten diese Befunde für das System der beruflichen Bildung in NRW? Wie können mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden? Und wie können Jugendliche und Ausbildungsbetriebe besser zusammengebracht werden? Welche Voraussetzungen müssen in KiTa und Schule geschaffen werden, um Jugendliche besser vorzubereiten? Diese und weitere Fragen zur Studie und zu Bildungschancen in NRW wurden in der Online-Veranstaltung des NRW Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung am 10.02.2022 diskutiert.

 

Dazu sprach die Moderatorin des Abends, Katja Leistenschneider zunächst mit dem Studienautor Herrn Dr. Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie. Dass lebenslanges Lernen pfadabhängig ist, also schon im Kindergarten entschieden werde, wie gut die Bildungs- und Erfolgschancen der Kinder in ihrem weiteren Lebenslauf sind, sei keine neue Erkenntnis, dennoch einer der zentralen Dreh- und Angelpunkte der Studie, berichtete Dohmen. Gerade Engpässe in der Betreuung von Kindern in KiTas führe bei den Kindern zu Schwierigkeiten in der Grundschule. Etwas 10% der Kinder eines Jahrgangs in NRW müssten derzeit die zweite Klasse wiederholen. Besonders herausfordernd sei diese Situation für Kinder mit Migrationshintergrund. Der Übergang in die weiterführende Schule sei dann eine der ersten, grundsätzlichen Weichenstellungen für Kinder und Jugendliche. Die zentrale Wegmarke sei allerdings der Einstieg in eine Ausbildung und deren erfolgreicher Abschluss. Dieser Übergang gestalte sich immer mehr zu einem Nadelöhr. Der Anteil der Abiturient_innen in Berufsausbildungen habe sich verdoppelt, damit würden die Chancen für Jugendliche mit anderen Schulabschlüssen geringer. Ein Drittel der Jugendlichen werde noch immer im so genannten Übergangssystem „verwahrt“, so Dohmen. Die Corona-Pandemie habe die Situation genau an dieser wichtigen Schnittstelle deutlich verschärft. 2021 seien ca. 25.000 Ausbildungsverträge weniger unterzeichnet worden als im Jahr zuvor. „Es ist dramatischer und enger geworden“, konstatierte er. Dohmen machte daraufhin deutlich, dass nicht wenige Jugendliche im so genannten „Übergangssystem“ oder in der Arbeitslosigkeit landeten. Dohmen zeigte sich besorgt über die womöglich große Zahl an „nicht in Bildung/Beschäftigung oder Ausbildung befindlichen Jugendlichen“. Abschließend gab er dem Bildungsland NRW eine Schulnote, die „eher in Richtung 3- oder 4+“ ginge. Eine Stellschraube sei aus seiner Sicht die Versorgung mit KiTa-Plätzen, für die es in den nächsten Jahren einen Bedarf von bis zu 200.000 zusätzlichen Plätzen gäbe und dementsprechend auch im Bereich der Praxisausbildungen für Fachkräfte. Auch im Bereich der Schulen müsse es eine Ausbildungsoffensive geben, möglicherweise auch in Form einer dualen Lehrer_innenausbildung, so Dohmen. Als dritten Aspekt, der zu einer Verbesserung der Bildungschancen in NRW angegangen werden müsse sei der Übergang in die Ausbildungen. Dazu könnte über Ausbildungsprämien für Betriebe nachgedacht werden, die zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen. Außerdem müsse die Verbindung von Betrieben zu Jugendlichen verbessert werden, was durch Ausbildungskreateur_innen moderiert und gestaltet werden könne. Zu guter Letzt müsse es neben dualer und schulischer Ausbildung mehr Raum für den qualifizierenden Ausbildungsweg geben.  

Die anschließende Diskussion mit Vertreter_innen aus Politik, Praxis und dem Bereich der Gewerkschaften griff einige Aspekte der Studie noch einmal auf und versuchte eine Übersetzung des Gehörten in die Praxis des politischen und gesellschaftlichen Alltags. Jochen Ott MdL, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW zeigte sich besorgt darüber, dass das Abitur noch immer als Garant für eine erfolgreiche berufliche Karriere gelte. Er sieht den Handlungsbedarf vor allen Dingen in den allgemeinbildenden Schulen und stellt kritisch die Frage: „Wenn 20% der 15-jährigen nicht richtig lesen, rechnen und schreiben können, dann kann ja was nicht stimmen. Wo müssen wir da ran?“ Einen Schlüssel sieht er im Bereich der Berufsorientierung, die in der Sekundarstufe I stärker miteinbezogen werden solle. Dazu müsse es eine stärkere Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften geben, um zu besprechen, wie die Bildungsinhalte der Zukunft aussehen können.

Simone Marhenke, Geschäftsführerin Bildung, Handwerkskammer zu Köln betonte, dass das Handwerk offen sei für alle und dass es viele Berufe gäbe, für jede und jeden etwas Passendes zu finden sei. Das Label „Abitur“ entwickele sich aus ihrer Perspektive immer mehr zu einer leeren Hülle, „die nicht immer hält, was sie verspricht“. Um eigene Fähigkeiten und Interessen frühzeitig zu entdecken und darin gefördert zu werden, forderte sie einen stärkeren Praxisbezug in den Schulen. Die Passgenauigkeit von Anforderungen an Jugendliche und dem was unser Schulsystem biete müsse dringend überarbeitet werden. Sie wünschte sich, dass jedes Kind, dass die Schule verlasse mal etwas mit dem Handwerk zu tun gehabt haben soll und die Möglichkeit erhalten habe, seine Fähigkeiten und Talente auszuprobieren.

Ähnlich sah dies auch Uta Alborn, Geschäftsführerin August Alborn GmbH. Sie versteht ein Zeugnis als nur einen Baustein dessen, was jemand mitbringt. Deshalb lade sie auch immer alle Bewerber_innen ein, um sie persönlich kennenzulernen, auch, wenn das eine Menge Zeit koste. Wichtige Eigenschaften, die ein_e Bewerber_in mitbringen müsse seien Beständigkeit, ein strukturierter Tagesablauf, Kommunikation und ein Interesse am Lernen und Wissen. Frau Alborn wünschte sich, dass die Schulen die Kinder und Jugendlichen wieder mehr auf das Leben vorbereiten und dass ihnen wieder mehr zugehört wird. Es müssten dringend mehr Verbindungen zwischen Wirtschaft, Schule und den Arbeitsagenturen geschaffen werden.

Norbert Wichmann, Abteilungsleiter Ausbildung und Bildung DGB NRW stellte klar, dass Chancengleichheit nicht allein durch das Vertrauen auf Marktmechanismen hergestellt werden könne. Es brauche eine öffentliche Verantwortung gerade auch für die Jugendlichen, die durch alle Raster fallen, so Wichmann. Die Studie lege seines Erachtens den Finger in die Wunde und benenne die Probleme, die der DGB schon seit Jahren immer wieder anspreche: Zehntausende von Jugendlichen hingen in den Übergangssystemen fest und viele von ihnen seien völlig perspektivlos. „Wir können uns das nicht erlauben, wir haben einen massiven Fachkräftemangel“, betonte er. Aus seiner Sicht brauche es mit Blick auf das „Matching“ zischen Ausbildungsbetrieben und Jugendlichen ein verbindliches Angebot, gekoppelt mit einem pädagogischen Konzept. „Wie brauchen eine Ausbildungsgarantie“, so Wichmann.

Die angeregte Diskussion zwischen den Gästen und den Teilnehmenden zu Hause vor den Monitoren bezog sich aus Sicht von Dr. Dohmen noch viel zu sehr auf altbekannte Konzepte und Ideen. Aus seiner Sicht sei es die wichtigste Aufgabe, sich der Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen anzunehmen und zu lernen in ihren Bildern zu denken. Nur so sei ein Zusammenkommen möglich. Aus seiner Sicht braucht es neue Strukturen, multiprofessionelle Teams in Schulen. Er sprach sich für ein „Jahrzehnt der Bildungsreformen“ aus, das finanziell unterfüttert werden müsse. „Diese Investitionen zahlen sich sehr schnell wieder aus“, beteuerte er. Die Ergebnisse der Studie und der Diskussion der Online-Veranstaltung brachten einige wichtige Themen zurück oder neu auf die Agenda. Es wurde deutlich, dass Veränderung notwendig ist, um die (Aus-)Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfahlen zu verbessern, dass es aber bereits viele Ideen und Ansätze gibt, die weiter diskutiert werden können und müssen.

Hier gibt es mehr Informationen zu Studie.

 

 

 

 

 

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