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Landesbüro Nordrhein-Westfalen

Samstag, 13.11.21 10:00 bis Samstag, 13.11.21 15:00 - +++ ONLINE +++

Nachbericht | Barcamp Gender NRW 2021 - Vielfalt, Zusammenhalt, Offenheit


Terminexport im ICS-Format

Welche Visionen haben wir für eine Zeit nach Corona? Was bleibt und was muss sich ändern?
Welche Perspektiven werden berücksichtigt und welche nicht? Wie sieht feministische Politik für alle aus und wo ist der feministische Aktivismus? Welche Rolle spielt Intersektionalität? Diese und viele weitere Fragen wurden beim dritten „Barcamp Gender“ der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kooperation mit dem Gender-Netzwerk NRW am 13.11.2021 in digitaler Runde diskutiert.

Das Barcamp stellt dabei eine besonders offene Debattenplattform dar, die alle Teilnehmenden dazu anregen soll, sich einzubringen, Fragen zu stellen, Antworten zu diskutieren, Initiativen zu starten und die politische Debatte in Gang zu bringen. In Workshops gab es zudem den Raum für vertiefte Auseinandersetzung und den Austausch in kleineren Gruppen. 

 

// Keynote

Der „Un-Konferenztag“ startete mit einem Input von Francis Seeck, Geschlechterforscher*in, Antidiskriminierungstrainer*in und Autor*in. Francis beleuchtete darin den Zusammenhang von Anti-Klassismus und geschlechtlicher Vielfalt. Dabei ging es darum, dass lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle, intersexuelle, asexuelle und andere queere Menschen häufiger Klassismus erleben, als andere. Sie werden also häufiger systematisch von Ressourcen wie Geld, Bildung, Anerkennung und Teilhabe abgeschnitten, und entlang ihrer Klassenherkunft (z.B. Arbeiter_innenkinder) oder ihrer Klassenposition (z.B. erwerbslose, arme, wohnungslose Menschen) diskriminiert. Francis betonte die dadurch erlebten intersektionalen Diskriminierungserfahrungen der betroffenen Personen und machte deutlich, dass es sich bei Klassismus um einen bisher weniger bekannten und beachteten Bereich handele, den es stärker ins Auge zu fassen gelte.

 

// Workshop-Sessions am Vormittag

In einer ersten Workshop-Runde gab es unter anderem die Möglichkeit, den Input zu Anti-Klassismus und geschlechtlicher Vielfalt zu vertiefen und mit Francis weiter ins Gespräch zu kommen. Dabei wurde deutlich, dass es in öffentlichen Einrichtungen und auf politischer Ebene mehr Wahrnehmung für geschlechtliche Vielfalt und Unterstützungsangebote für von intersektionaler Diskriminierung betroffene Personen geben muss. Die Teilnehmer_innen des Workshops nahmen sich vor, die Machtverhältnisse im eigenen (Berufs-)Umfeld genauer unter die Lupe zu nehmen und zu überlegen, wie sie sich solidarisch zeigen können. Politischen Gegenwind wollen sie als Motivation sehen, sich klar zu positionieren.

In einer anderen Session ging es um Vielfalt und Politik, um Empowerment für Menschen, die auf kommunalpolitischer Ebene oder auch im Bundestag aktiv sind. Sessiongeberin war Ye-One Rhie, die gerade frisch in den Bundestag gewählt wurde. Sie berichtete von den Herausforderungen und Chancen eines nunmehr jüngeren und diverseren Bundestages, wie beispielsweise der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aspekte wie kostenfreie Kinderbetreuung, digitale oder hybride Sitzungen und mehr Offenheit für die Belange von Frauen* und queeren Personen wurden als mögliche Lösungsvorschläge im Workshop erarbeitet. Besonders hervorgehoben wurde von den Teilnehmer_innen die Bedeutung der gegenseitigen Unterstützung und Solidarität und der Einbindung der eigenen Männer/Partner_innen.

Die FUMA NRW und der Volkshochschulverband NRW diskutierten in einem dritten Workshop gemeinsam über Vielfalt und Offenheit in den eigenen Organisationen. Es wurde sehr deutlich, dass Strukturveränderungen nur schwierig messbar seien und die Veränderungsprozesse einen langen Atem brauchten. Wichtig war es den Teilnehmer_innen des Workshops, offene Formate und den Dialog zu forcieren und schon vorhandene Konzepte konsequent umzusetzen. Es müssten Räume geschaffen werden, in denen Zeit ist für Dialog und Reflexion.

Eine weitere Session bot die Möglichkeit, „Wahltraut“, einen feministischen Wahl-O-Mat kennenzulernen, der Themen wie Geschlechterberechtigung in den Wahlprogrammen der Parteien für die Bundestagswahl genauer unter die Lupe nimmt. Sally Lisa Starken von der Initiative #stattblumen berichtete von den Erfahrungen des Projektes zur Bundestagswahl 2021. Sie machte dabei deutlich, dass viele Frauen* Parteien wählten, die sich nicht für feministische Belange stark machen, da sie zu wenige Informationen über deren Werte und Weltbilder erhielten. „Wahltraut“ soll genau diesen Personen dabei helfen, eine informierte Wahlentscheidung zu treffen.

Über die Möglichkeiten, Digitalisierungprozesse geschlechtergerecht zu gestalten, konnte in einem letzten Workshop mit Victoria Schnier, Claudia Thierfelder und Britte Tigges von der G.I.B. NRW gesprochen werden. Dabei standen Fragen danach, wie Digitalisierung Arbeit und auch Geschlechtergerechtigkeit verändert und welche Diskriminierungsformen durch digitale Systeme verstärkt werden, im Vordergrund. Es wurde deutlich, dass an der digitalen Transformation mitgestaltet werden kann und muss, um die positiven Effekte nutzbar zu machen. Eine Vernetzung mit Gewerkschaften und Betriebsräten stellten die Teilnehmer_innen des Workshops als besonders wichtige Aufgabe heraus.

Nach der kleinen Mittagspause gab es eine bewegende Anregung mit dem Titel "Kopf aus - Bauch an", mit Sandra von den "Bauchfrauen“. Gemeinsam lernte die Gruppe eine kleine Tanzchoreographie, die von Sandra mit empowernden Worten begleitet und unterstrichen wurde. Damit konnte gestärkt und aufgeweckt in die zweite Session-Runde gestartet werden.

 

// Workshop-Sessions am Nachmittag

In der zweiten Workshoprunde am Nachmittag gab es die Möglichkeit mit Nathalie Dedreux über das Down-Syndrom ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Möglichkeiten zu besprechen, wie der Zugang zu Politik für Menschen mit Behinderungen erleichtert werden kann. Um Inklusion gemeinsam zu fördern und zu leben müssten Menschen mit Behinderung im Alltag und im Beruf sichtbarer sein. Außerdem sei ein stärkeres Praktizieren von einfacher Sprache in alltäglichen Situationen notwendig, um Hürden abzubauen.

In einem anderen Workshop mit Victoria Schnier (G.I.B.), Bettina Vaupel (Competentia) und Diane Tigges-Brünger (ver.di) konnten die Teilnehmer_innen sich über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf verschiedene Beschäftigtengruppen und den Arbeitsmarkt in NRW austauschen. Dabei wurde darüber diskutiert, dass nicht in jedem Beruf die Möglichkeit des Homeoffice besteht, dass Frauen überproportional oft in Berufen arbeiten, die stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind (Einzelhandel, Pflege etc.) und dass jetzt der politische Druck erhöht werden müsste, um eine Veränderung herbeizuführen. Gerade Gewerkschaften müssten das Möglichkeitsfenster nutzen, dass die Pandemie eröffnet hat.  

Die Pandemie spielte auch im Workshop „Roll-Back durch Corona?! Welche gleichstellungspolitischen Lehren wir aus der Pandemie ziehen“ mit Maresa Feldmann (LAG NRW) eine entscheidende Rolle. Die Teilnehmer_innen beobachten, dass viele Strukturen zur Gleichstellung noch nicht gut umgesetzt sind, was durch die Pandemie besonders deutlich geworden sei. Menschen mit Migrationserfahrungen, wohnungslose Menschen, Menschen mit Behinderungen und Frauen* sind häufig von unzureichenden Betreuungsmögichkeiten, schlechter Bezahlung und häuslicher Gewalt betroffen. Um langfristig aus der Pandemie zu lernen sie es notwendig, technische Errungenschaften positiv zu nutzen, online-Beratungen und digitale Arbeitstreffen aufrechtzuerhalten, für bessere Bezahlung für Care-Arbeit zu kämpfen und Teilzeitarbeit auch für Männer stärker zu bewerben.

Der Workshop mit Jona Förser (FUMA #BIT*) zum 1x1 Inter* und Trans* beschäftigte sich mit Mythen rund um das Thema Inter*- und Trans*sexualität. Jona erklärte zu Beginn, dass Inter*Menschen und ihre Bedürfnisse häufig nicht ernst genommen würden und sie wie auch Trans*Menschen von der Gesellschaft meist als psychisch krank wahrgenommen werden. Der Workshop machte deutlich, dass es verschiedene Definitionen von Inter* und Trans* gibt, mit denen sich auseinandergesetzt werden muss. Als Lösungsansätze gegen die gesellschaftliche Unwissenheit sammelten die Teilnehmer*innen inklusive Sprache im Alltag, Wissensnetzwerke, Peer-Kontakte und Inklusion von Angeboten von queeren Menschen in den eigenen Organisationen.

Im Workshop „Gendern, aber wie?!“ mit Christine Olderdissen (genderleicht.de) diskutierten die Teilnehmer_innen über die Schwierigkeiten der gendergerechten Sprache. Christine erläuterte, dass die deutsche Sprache auch abseits der Gender-Zeichen viele Möglichkeiten habe, um sich gendergerecht auszudrücken. Geschlechtsneutral zu schreiben, wie beispielsweise durch Abstraktionen (z.B. Abteilungsleitung anstelle von Abteilungsleiter_in), Umschreibungen oder Partizipien (z.B. Teilnehmende) sei eine Möglichkeit, den „nervigen“ Genderzeichen zu entkommen. Wichtig sei es aber immer die Menschen zu fragen, wie sie gerne angesprochen werden möchten.

Ein letzter Workshop beschäftigte sich unter der Leitung von Yvonne Tertilte-Rübo, (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kleve) und Andrea Rupp (FrauenRat NRW) mit den UN- Nachhaltigkeitszielen. Es wurde deutlich, dass die Ziele aus feministischer Sicht sowohl weltweit als auch regional nachgeschärft werden müssten. Die Teilnehmer_innen diskutierten über den Equal Pay Gap, bezahlbaren Wohnraum für Frauen* und die Möglichkeiten, die Nachhaltigkeitsziele in die eigene Arbeit einzubinden und die Chancen dieser als Instrumente für einen Wandel zu nutzen.

Die gesamte Veranstaltung wurde durch Live-Zeichnung von Dagmar Gosejacob begleitet, die das Diskutierte und Besprochene zu Papier brachte und somit dokumentierte. So bleiben sowohl die Fragen und Anregungen als auch die Pläne und Visionen für die Zukunft für alle Teilnehmer_innen weiterhin sichtbar.

Detailliertere Zusammenfassungen aus den Workshops gibt es hier:  https://conceptboard.fes.de/board/0hii-yx2u-2n4c-zf8n-pk08#.

 

Bericht: Theresa Wagner

Bild: FES LB NRW Barcamp von FES

 

 

 

 

 

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