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Georg Eckert: Feldpostbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg

Dieter Dowe

Im Archiv der sozialen Demokratie lagern Feldpostbriefe des Pädagogen Georg Eckert, die er während der deutschen Besatzung Griechenlands an seine Frau Magda schickte. Eine Auswahl haben Dieter Dowe und Heike Christina Mätzing publiziert.

Eine wichtige Quelle: Feldpostbriefe

Jeder Soldat verfügte über eine eigene Feldpostnummer, unter der er über eine Feldpostzentrale, in diesem Falle Belgrad, mit der Heimat korrespondieren konnte. Auf diese Art und Weise konnte er seinen Lieben seine persönlichen Gedanken und Erfahrungen mitteilen. Da diese Briefe aber kontrolliert werden konnten und auch in der Tat kontrolliert wurden, verbot es sich, politisch sensible Äußerungen zu Papier zu bringen. Das betraf auch Amtsinhaber wie den Wehrmachtsbeamten Georg Eckert, der deshalb problematische Gegebenheiten oft hinter harmlos klingenden Formulierungen versteckte. Umso wichtiger als historische Quelle sind die zahlreichen eindrucksvollen Hinweise Eckerts auf das schwierige Leben, ja, die Not der griechischen Bevölkerung unter der deutschen Besatzung. Leider sind – wie so oft – die Antwortbriefe Magdas nicht erhalten.

Georg Eckert und seine Frau Magda

Georg Eckert (1912–1974) hatte nach dem Abitur in Berlin und später in Bonn Germanistik, Geschichte, Geographie und Völkerkunde studiert und war zu Beginn des Kriegs in einem Kurzlehrgang zum Meteorologen ausgebildet worden. Als solcher wurde er als Wehrmachtsbeamter 1941 an die Marinewetterwarte Thessaloniki beordert, die er kurz darauf leitete. In seiner Funktion hatte er nicht nur Vortragsrecht bei hohen militärischen Stellen, sondern kam auch in engen Kontakt zu Griechen, die – abgesehen von den griechischen Mitarbeitenden – im Umland Wetterstationen zur Wetterbeobachtung und Wetterprognose betrieben.

Magda Eckert arbeitete als Bibliothekarin und als Eckerts engste wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie recherchierte Literatur für ihn und redigierte die Texte, die er von Griechenland aus zur Veröffentlichung nach Deutschland schickte.

Eckerts Tätigkeit an der Wetterwarte

Täglich ließ er Wetterballons steigen, um die Entwicklung des Wetters vorhersagen zu können. Das war sehr wichtig für die Kriegsmarine angesichts der stürmischen Wetterlagen in der Ägäis. 

In seiner Freizeit arbeitete er an seiner Bonner Habilitation über Alt-Amerika, an seinen Forschungen über die Volkskultur in Mazedonien, die nach der türkisch-griechischen Zwangsumsiedlung in Folge des Vertrags von Lausanne 1923 im Niedergang begriffen war. Zusammen mit seinem griechischen Freund, dem Direktor der Universitätsbibliothek Thessaloniki, P. Formozis, publizierte er darüber während des Krieges ein Dutzend Hefte in zwei Schriftenreihen, um die Volkskultur vor dem Vergessen zu bewahren. Auch davon berichtete Eckert ausführlich in seinen Briefen.

Eckert beobachtete sehr kritisch die Not der griechischen Bevölkerung unter deutscher (und bulgarischer) Besatzung und versuchte zu helfen, wo es ihm irgend möglich war. Die jüdische Gemeinde Thessalonikis versuchte er vor den kurz bevorstehenden deutschen Deportationen zu warnen, der Oberrabbiner glaubte aber auch ihm nicht. Kaum 2.000 von den 43.000 deportierten Juden aus Thessaloniki überlebten die Konzentrationslager.

Eckert und der griechische Widerstand

Bei seinen Besuchen in den Wetterstationen und seinen volkskundlichen Befragungen Hunderter Personen kam Eckert in engen Kontakt auch zu der linken griechischen Volksfrontbewegung EAM/ELAS. Als die deutsche Wehrmacht im September 1944 Griechenland räumte, lief er endgültig zum Widerstand über. 

Es gelang ihm, einen friedlichen Abzug der deutschen Soldaten zu erreichen und „verbrannte Erde“, also die Zerstörung wichtiger Infrastruktur-Einrichtungen Thessalonikis, zu verhindern.  

Um nicht in den sich abzeichnenden griechischen Bürgerkrieg zu geraten, ergab er sich freiwillig dem von Süden nachrückenden britischen Militär und wurde schließlich, da man in ihm einen aufrechten Demokraten erkannte, auf dem Wege über Italien in Richtung England verbracht, denn man wollte ihn zum Wiederaufbau der Demokratie im Nachkriegsdeutschland einsetzen. Unterwegs erkrankte er lebensgefährlich und wurde schließlich in das britische Lazarett in Goslar/Harz transportiert. Dort „entdeckte“ ihn der braunschweigische Ministerpräsident Alfred Kubel, der ihn als Dozent für Geschichte an die Pädagogische Hochschule in Braunschweig vermittelte.

Eckert nach 1945

In Braunschweig gründete Eckert 1950 das Internationale Schulbuchinstitut, organisierte fast 100 internationale Schulbuchkonferenzen zur Verständigung zwischen Deutschland und den ehemaligen Feindländern, wurde unter anderem Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, gehörte der Historischen Kommission der Friedrich-Ebert-Stiftung an und begründete für die FES die geschichtswissenschaftliche Fachzeitschrift Archiv für Sozialgeschichte. Sein politischer Nachlass, aus dem die hier präsentierten Feldpostbriefe stammen, wird im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung aufbewahrt.

Dieter Dowe leitete von 1990 bis 2008 das Historische Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Literatur

Dowe, Dieter; Mätzing, Heike Christina (Hrsg.): Feldpost aus Thessaloniki – Briefe Georg Eckerts an seine Frau (1941-1945). Mit einer Einleitung von Heike Christina Mätzing sowie einem Nachwort von Stratos N. Dordanas und Vaios Kalogrias, Berlin 2025. Verlag Frank & Timme

Mätzing, Heike Christina: Georg Eckert 1912–1974. Von Anpassung, Widerstand und Völkerverständigung, Bonn 2018.

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