Archiv der sozialen Demokratie


Tagungsbericht: »Hoch die internationale…«? – Praktiken und Ideen der Solidarität am 17./18. Oktober 2019 in Bonn

Bastian Högg / Kornelia Rung, Neuere und Neueste Geschichte, Universität Augsburg

Solidarität hat Konjunktur. Heinz Bude nennt sie eine „große Idee“[1], eine Idee, die die Zukunft unserer Gesellschaft maßgeblich mitbestimmen könnte. Frank Bösch sieht in ihr einen „Leitbegriff der neuesten Geschichte“[2] und Rahel Jaeggi entdeckt in ihrem Windschatten „Prozesse der Ermächtigung“[3], die unsere kollektive Handlungsfähigkeit erweiterten. Solidarität stand im Zentrum der Arbeiterbewegung, des Katholizismus, der Neuen Sozialen Bewegungen und am Ausgangspunkt vieler Analysen der modernen Soziologie. In der Geschichtswissenschaft wird der Begriff, trotz Keller voller Bücher zur Geschichte der Arbeiterbewegung, bislang allerdings selten reflektiert. [4]

Das mag nicht zuletzt auch daran liegen, dass „Solidarität“ stets in einem Spannungsverhältnis zwischen dem Quellenbegriff und der analytischen Kategorie steht – ein Spannungsverhältnis, das kaum aufzulösen sei. Das jedenfalls hoben PHILIPP KUFFERATH (Bonn) und DIETMAR SÜß (Augsburg) in ihrer Einführung der Autorentagung des Archivs für Sozialgeschichte hervor. Unter dem Titel „‚Hoch die Internationale…‘? Praktiken und Ideen der Solidarität“ spürte die Tagung diesen Ambivalenzen nach. Drei Themenfelder standen im Mittelpunkt: die Begriffsgeschichte, verschiedene Aneignungen und Praktiken sowie der Umgang mit Solidarität als einer analytischen Kategorie.

 

Das Problem der Überlagerung von Solidarität als analytisches Konzept durch zeitgenössische Debatten stand im Zentrum des ersten Panels, das HERMANN JOSEF GROßE KRACHT (Darmstadt) eröffnete. Große Kracht betonte, dass der Solidaritätsbegriff gerade mit Blick auf seine Ursprünge in den Sozialwissenschaften nicht auf einen rein moralischen Grundwert verkürzt werden dürfe. Dies bedeute den Verlust seiner sozialanalytischen Kraft. Stattdessen plädierte er dafür, Solidarität im Sinne der französischen Solidaritätssoziologie und des republikanischen Solidarismus des 19. Jahrhunderts wieder stärker als einen empirischen Begriff zu schärfen, der Gesellschaften beschreiben kann. Das könne dem „schillernden Sehnsuchtswort der Gegenwart“ auch wieder echte politische Bedeutung verleihen. Der „Genese und Gegenwart“ der auch von Große Kracht angedeuteten „Kontingenzformel ‚Solidarität‘“ spürte MARC DROBOT (Dresden) nach. Drobot betonte, dass der Begriff keineswegs zufällig im Frankreich des 19. Jahrhunderts populär wurde. Denn durch Solidarité konnten neue Beobachtungen, aber auch Sehnsüchte in einem lebensweltlich radikal gewandelten Umfeld beschrieben werden. Damit sei dem Begriff in Frankreich eine ordnende Diskursfunktion zugekommen. Andernorts, wie in Großbritannien, habe die Ökonomie die Rolle eines neuen Deskriptors zur Beschreibung lebensweltlicher Umwälzungsprozesse übernommen. Deshalb könne der Begriff auch nicht einfach auf die Gegenwart übertragen werden. Beide Beiträge zeigten, dass „Solidarität“ dazu dienen konnte, neue internationale, soziale und ökonomische Beziehungen zu beschreiben und alte Erfahrungsräume zu durchbrechen. Sie sensibilisierten für die vielfältigen Probleme, die mit einer moralischen Aufladung des Solidaritätsbegriffs einhergehen und warnten vor einem unreflektierten Umgang mit dem Begriff.

Das zweite Panel eröffnete AGNIESZKA ZAGAŃCZYK-NEUFELD (Bochum), die am Beispiel der russisch-urchristlich orientierten Sekte der Molokanen verschiedenen Dimensionen „gelebter Solidarität“ nachging. Die nach 1764 in neurussische Gebiete umgesiedelte Sekte hätte sich durch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl ausgezeichnet. Besonders stark ausgeprägt sei das Solidaritätsband unter denjenigen Sektenmitgliedern gewesen, die jeweils eine gemeinsame Kolonie bildeten und die mit zahlreichen und renitenten Apellen nach kollektiver Umsiedlung auch das russische Innenministerium zum Handeln bewegten. Abgesehen von einer besonderen Sympathie gegenüber Angehörigen jüdischen Glaubens verweigerten sie gegenüber Dritten und insbesondere Aussteigern ihre Solidarität jedoch strikt. MARIJA PODZOROVA (Paris) zeigte am Beispiel der 1921 gegründeten Künstlerhilfe für die Hungernden in Russland, wie sich Kommunisten und Künstlerinnen wie Käthe Kollwitz gezielt um die Unterstützung bürgerlicher Kreise für „das Proletariat“ in Russland bemühten und zu diesem Zweck Kunstwerke feilboten. In ihrer „sozialen Kunst“ habe sich der Gedanke von Humanität mit der Idee der Arbeitersolidarität vermengt; der Idee, dass das deutsche und russische Proletariat durch ein gemeinsames Schicksal miteinander verbunden seien. Dabei hätten sich Praktiken der internationalen Solidarität und der Unterstützung des bolschewistischen Russlands überschnitten. An die Künstlerhilfe angegliederte Projekte jedoch, die umgekehrt auf die Aktivierung russischer Künstlerinnen und Künstler für die Deutschen abzielten, seien weitgehend gescheitert. Inwiefern Solidarität auch das moderne Staatswesen mitprägen konnte, zeigte DOMINIK RIGOLL (Potsdam) anhand des französischen Kommunisten Pierre Kaldor. Über seine Karriere und am Beispiel der antikapitalistischen, antiimperialistischen und antifaschistischen Solidaritätspolitik seiner Partei skizzierte Rigoll den Wandel von einer „verparteilichten Solidarität“ über eine „teilweise verstaatlichte Solidarität“ hin zu einer „teilweise vergesellschaftlichten Solidarität“. So habe sich Kaldor beispielsweise beim Internationalen Verein Demokratischer Juristen engagiert, der unter anderem die Unabhängigkeitsbewegung in Algerien unterstützte. Die Praxis des Rechtsschutzes, zunächst auf die Solidarität unter kommunistischen Parteigängern ausgerichtet, sei in den 1960er-Jahren durch die Neue Linke übernommen und schließlich als antiimperialistisches Instrument in der gesamten Gesellschaft angeeignet worden. Die Beiträge zeigten unterschiedliche Facetten gruppenorientierter Solidarität, die zwar weitgehend auf ihren religiösen, klassenspezifischen und politischen Bezugsrahmen beschränkt blieben, jedoch auch über diesen hinaus wirksam werden konnten.

Dass Solidarität Gruppenschranken durchaus überschreiten und Hilfe wesentlich mitstrukturieren konnte, zeigten die Beiträge im dritten Panel. CHRISTOPH PLATH (Berlin) beschäftigte sich damit, wie Solidarität in den internationalen Beziehungen verrechtlicht wurde. Gerade für die Debatte um eine New International Economic Order habe zwischenstaatliche Solidarität eine maßgebliche Bedeutung besessen. Dabei lehnten die ‚Entwicklungsländer‘ in ihrer Forderung nach stärkerer Einbindung in Wirtschaftsbeziehungen reine Solidaritätsbekenntnisse der Industrieländer ab – und erreichten, dass 1977 das Menschenrecht auf Entwicklung durch die Vereinten Nationen als rechtlicher Anspruch festgeschrieben wurde. Auch CHRISTOPHER SEIBERLICH (Tübingen) zeigte, wie der Solidaritätsbegriff analytisch für die Beschreibung internationaler Beziehungen genutzt werden kann. Dazu verglich er die „Solidaritätsrhetorik in der bundesdeutschen und schwedischen Außenpolitik“ in den 1970er-Jahren. Anhand der Bundesrepublik werde deutlich, dass diese vor allem auf eine Solidarität unter gleichgestellten Partnern abzielte, die „Bündnissolidarität“ innerhalb der NATO, die sich auch gegen die OPEC-Staaten richtete. In Schweden dagegen sei Solidaritätsrhetorik deutlich präsenter gewesen, wenn es um die Nord-Süd-Beziehungen ging. Das betraf sowohl die Selbstverpflichtung gegenüber der ‚Dritten Welt‘ als auch (konstruierte) Gemeinsamkeiten von antikolonialer Befreiung und Arbeiterbewegung. Am Beispiel schwedischer Importzölle für Lederprodukte aus ‚Entwicklungsländern‘ verdeutlichte Seiberlich, dass dieses Bekenntnis allerdings nicht uneingeschränkt galt. Für die Graubereiche in der Abgrenzung zu klassischen Kategorien der Humanitarismusforschung und für die Ambivalenzen solidarischen Handelns sensibilisierte SOPHIA DAFINGER (Augsburg). Am Ausgangspunkt ihrer Analyse stand die Beobachtung, dass der Begriff Solidarität weitgehend männlich, der der Pflege hingegen weiblich konnotiert sei. Deswegen sei „weibliche“ Solidarität bislang kaum als solche betrachtet worden. Dass „Care-Arbeit“ aber keineswegs unpolitisch sein musste, zeigte die Referentin am Wirken der französischen Sektion der jüdischen Kinderhilfsorganisation Oeuvre de Secours aux Enfants (OSE) in den 1930er- und 1940er-Jahren. Denn im OSE seien viele „frühe Sozialarbeiterinnen“ aktiv gewesen, die den Rahmen der Organisation auch über die Hilfsarbeit hinaus genutzt hätten, um aus vorgegebenen Rollenmustern auszubrechen und an der Verwirklichung politischer Ziele zu arbeiten. Die Frauen seien international vernetzt und durchaus machtbewusst gewesen. Viele hätten sich auf eine internationalistisch-linke Identität berufen, im Spanischen Bürgerkrieg mitgekämpft oder in der französischen Résistance mitgearbeitet. Solidaritätsideal und Solidaritätsarbeit hätten sich somit gegenseitig bedingt, wobei die „traditionell“ private Care-Arbeit ins Öffentlich-Politische diffundierte. Die Beiträge zeigten mitunter, dass Solidarität neue Perspektiven auf die internationale Geschichte eröffnen kann.

Das vierte Panel warf ein Schlaglicht auf drei klassische Gegenstände der Solidaritätsforschung in der Bundesrepublik: Den Sozialstaat, die Kirchen und Gewerkschaften. STEFANIE BÖRNER (Magdeburg) identifizierte die „exklusive Solidarität“ der Arbeiterunterstützungskassen im 19. Jahrhundert als „mechanische“ Vorläufer der staatlich organisierten Solidarität des Sozialversicherungswesens – im Zentrum stand der Übergang von der „Solidarität unter Freunden“ zu der „Solidarität unter Fremden“. Habe das Hilfskassenwesen noch einen Ort des Sozialen dargestellt, der auch zur Identitätsbildung beitrug, so sei schrittweise das Äquivalenz- und Bedarfsprinzip an die Stelle der Zusammengehörigkeit getreten. Damit, so Börner, habe sich Solidarität im modernen Krankenkassenwesen „von unmittelbarer zu allgemeiner universaler gesellschaftlicher Solidarität“ verschoben. BENEDIKT BRUNNER (Mainz) und GABRIEL ROLFES (Chemnitz) gingen dem Begriff der Solidarität bei den linkskatholischen und linksprotestantischen Intellektuellen Walter Dirks und Helmut Gollwitzer nach. Beide hätten sich als überzeugte Sozialisten verstanden, deren Denken durch den Appell zur Solidarität tiefgreifend geprägt gewesen sei. Für den Karl-Barth-Schüler Gollwitzer habe die Idee der Solidarität insbesondere nach seiner Hinwendung zu den Neuen Sozialen Bewegungen eine zentrale Bezugsgröße dargestellt. In diesem Umfeld habe er im Evangelium einen Gegenentwurf zur „kapitalistischen Verwertungslogik“ erkannt. Solidarität habe auch das Denken von Dirks maßgeblich mitstrukturiert, der nicht nur zahlreiche Parallelen zwischen Jesus Christus und Marx gezogen, sondern auch in der Bergpredigt ein zentrales Modell „menschlich-solidarischen Handelns“ gesehen habe. STEFAN WANNENWETSCH (Tübingen) untersuchte in seinem Beitrag die Sprachpolitik des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) seit 1949. Bei seinem Ziel, Arbeiter und Angestellte unter dem Begriff der Arbeitnehmer zu vereinen, habe Solidarität dem DGB als „Konvergenzkatalysator“ gedient, um die Differenzen zwischen beiden Gruppen auszugleichen. Allerdings sei der DGB vor allem bei den Angestellten auf Widerstand gegen eine solche Vereinnahmung gestoßen – und der Arbeitnehmerbegriff habe allein den Arbeiterbegriff verdrängt.

Anschließend zeigten die Referenten des fünften Panels, dass der Begriff der Solidarität auch helfen kann, neue Gegenstände zu erschließen. PAUL SPRUTE (Berlin) stellte die 1990 gegründete Hilfsorganisation Solidaritätsdienst International (SODI) vor, die als Solidaritätskomittee der DDR ihre Ursprünge in der sozialistischen Diktatur hatte. Der Rekurs auf den Begriff der Solidarität diente nach Sprute dabei auch dazu, mit ideologischer Unsicherheit im „neuen“ marktwirtschaftlichen System umzugehen. Dementsprechend habe die Hilfsorganisation auch eine „antiimperialistische“ und „antiglobalistische“ Schlagrichtung verfolgt, durch die sie sich selbst als Opfer darstellen und Beziehungen mit „anderen Unterdrückten“ imaginieren konnte. Aus einer anderen Perspektive schloss auch SEBASTIAN GARBE (Gießen) an den Komplex der internationalen Solidarität und Dekolonisation an. Dazu wählte der Referent einen ethnographischen und mikrosoziologischen Zugang, der die Handlungsmacht lateinamerikanischer Akteure herausarbeiten und indigene Konzepte, Solidaritätsnetzwerke und die konkrete Organisation von Solidarität sichtbar machen sollte. Garbe arbeitete heraus, dass Autonomie in den Solidaritätskonzeptionen der Zapatistas und Mapuche eine zentrale Rolle spielte und Solidarität von der indigenen Bevölkerung auch als eine Beziehung von Gabe und Gegengabe verstanden wurde, die Horizontalität herstellte. Einen besonderen Schwerpunkt hätten die untersuchten Gruppen auch auf soziale Intimität gelegt, die gleichsam als Basis politischer Solidarität – in diesen Deutungen stets auch soziale Solidarität – gelte. CYRIL CORDOBA (Fribourg) beleuchtete am Beispiel des „Network of ‚Friendship with China‘“ wie soziale Beziehungen im Kalten Krieg instrumentalisiert werden konnten. Am Beispiel der Schweiz zeigte er, inwiefern die Volksrepublik China das Privileg ihrer symbolischen Freundschaft einsetzte, um über sogenannte Freundschaftsverbände, offiziell keine politischen Organisationen, kulturpolitische Propagandaarbeit in der westlichen Einflusssphäre zu betreiben. Das Besondere dieser asymmetrischen Beziehung war nach Cordoba nicht zuletzt die Freiwilligkeit der Schweizer Gruppen, die im Austausch für ihr Bekenntnis und ihre Loyalität zur Volksrepublik „materielle und symbolische Ressourcen“ erhielten.

Auch im letzten Panel standen die Ambivalenzen und Grenzen von Solidarität im Zentrum. STEFAN WEISPFENNIG (Trier) untersuchte die „Semantiken von Solidarität beim politischen Konsum seit den späten 1980er-Jahren“. Zwar sei Solidarität in den Debatten um den politischen Konsum bereits länger beobachtet und untersucht worden. Bislang gelte sie jedoch vor allem als ein rhetorischer Anknüpfungspunkt. Aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive widmete sich ANDREAS BUSEN (Hamburg) dem Solidaritätsbegriff. Der Referent konstatierte, dass Praktiken der Solidarität trotz der bestehenden Konzepte bislang weder konzeptionell noch theoretisch ausreichend erfasst werden könnten. Deshalb arbeitete Busen das Konzept einer „externen Solidarität“ aus, die sich als Appell selbst nicht Betroffener an Dritte richte, beispielsweise im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Kontroversen um gleichgeschlechtliche Ehe oder ein drittes Geschlecht. Handlungen, die durch diesen Steuerungsmodus motiviert seien, würden sich durch eine besondere Sensibilität für die Situation Betroffener auszeichnen. Durch diese Art der gruppenübergreifenden Solidarität könnten Wertordnungen, Normen und Konzepte in modernen Gesellschaften neu ausverhandelt und die gesamtgesellschaftliche Wahrnehmung bestimmter Gruppen verändert werden. Abschließend verwies JOACHIM C. HÄBERLEIN (Warwick) auf die Grenzen des Solidaritätsbegriffs. Aufbauend auf einer Kritik des linken syrischen Intellektuellen Yassin al-Haj Saleh am Refugee Support Movement betonte er, dass Solidarität oftmals auch vertikal strukturierte Machtbeziehungen verdecke: ungleiche, hierarchische Beziehungen zwischen „Hilfeleistenden“ und „Hilfsempfängern“. Die Bedürfnisse Geflüchteter würden kaum mehr berücksichtigt.

Insgesamt veranschaulichte die Tagung die Bandbreite von Ideen und Praktiken, die sich mit dem Begriff der Solidarität verbinden können. Dabei wurden die Geschichte der Solidarität und ihre zentrale Rolle in der Entstehungsgeschichte der modernen Soziologie genauso beleuchtet wie ihre Bedeutung als Gestaltungs- und Ordnungsprinzip. Zugleich veranschaulichten die Beiträge aber auch die hohe Anschlussfähigkeit des Begriffs: Solidarität war stets auch Gegenstand von Selbstbeschreibungen, die normativen Aufladungen unterlagen und damit auch politisch instrumentalisiert werden konnten. Gerade die analytischen Zugänge zeigten, wie Solidarität neue Perspektiven zu altbekannten Gegenständen eröffnen kann. Der Begriff erschließt das Politische im vermeintlich Unpolitischen, verweist auf soziale Assoziationen und konkretes Handeln. Schließlich – auch das zeigte die Tagung – sensibilisiert er für die Kontexte, in denen von Solidarität gesprochen, aber nicht danach gehandelt wird – und umgekehrt.

Konferenzübersicht:

Einführung
Philipp Kufferath (Bonn), Dietmar Süß (Augsburg)

1. Panel
Moderation: Kirsten Heinsohn (Hamburg)

Hermann Josef Große Kracht (Darmstadt): Ein fait social moderner Gesellschaften – oder: warum Solidarität kein ‚Grundwert‘ ist

Marc Drobot (Dresden): Genese und Gegenwart der Kontingenzformel „Solidarität“

2. Panel
Moderation: Thomas Kroll (Jena)

Agnieszka Zagańczyk-Neufeld (Bochum): Vorteile und Nachteile gelebter Solidarität. Russische Sekten der Molokane am Anfang des 19. Jahrhunderts

Marija Podzorova (Paris): „Künstlerhilfe“ as an Example of the Alternative Way of the International Solidarity

Dominik Rigoll (Potsdam): Solidarischer Stalinismus? Pierre Kaldor und die internationalen Solidaritätskampagnen der Kommunistischen Partei Frankreichs, 1933-1995

3. Panel
Moderation: Ute Planert (Köln)

Sophia Dafinger (Augsburg): Welches Geschlecht hat Solidarität? Der „Oeuvre de Secours aux Enfants“ und die Hilfe für Minderjährige auf der Flucht vor dem NS

Christoph Plath (Berlin): Über die Verrechtlichung von Solidarität. Die NIEO und die Entstehung einer neuen Menschenrechtsgeneration

Christopher Seiberlich (Tübingen): „Ausgleich zuhause und draußen.“ Die Solidaritätsrhetorik in der bundesdeutschen und schwedischen Außenpolitik der 1970er Jahre

Abendvortrag
Moderation: Dietmar Süß (Augsburg)

Daniel Maul (Oslo): Globale Solidarität? Eine Geschichte der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)

4. Panel
Moderation: Meik Woyke (Hamburg)

Stefanie Börner (Magdeburg): Dynamische Solidarität. Praktiken der Solidarität in der Gesetzlichen Krankenversicherung und ihren Vorläuferorganisationen

Benedikt Brunner (Mainz)/Gabriel Rolfes (Chemnitz): Von Jesus zu Marx und zurück. Solidarität im Denken und gesellschaftlichen Wirken von Helmut Gollwitzer und Walter Dirks

5. Panel
Moderation: Friedrich Lenger (Gießen)

Cyril Cordoba (Fribourg): Solidarity across the Bamboo Curtain: The Networks of „Friendship with China“ during the Cold War

Paul Sprute (Berlin): The Afterlives of Solidarity: The „Solidaritätsdienst International“ and its Re-Interpretation of the German Democratic Republic’s Programs of Global Development in Re-Unified Germany

Sebastian Garbe (Gießen): Internationale Solidarität und dekolonialer Widerstand im 21. Jahrhundert

6. Panel
Moderation: Anja Kruke (Bonn)

Stefan Weispfennig (Trier): Wandel der Solidarität. Semantiken von Solidarität beim politischen Konsum seit den späten 1980er-Jahren

Andreas Busen (Hamburg): ‚Externe‘ Solidarität als kritische Praxis

Joachim C. Häberlen (Warwick): Pitfalls of Solidarity: A Critical Perspective on the Refugee Support Movement

Abschlussdiskussion

Anmerkungen:
[1] Heinz Bude, Solidarität. Die Zukunft einer großen Idee, München 2019.
[2] Frank Bösch, Internationale Solidarität im geteilten Deutschland. Konzepte und Praktiken, in: ders./Caroline Moine/Stefanie Senger (Hrsg.), Internationale Solidarität. Globales Engagement in der Bundesrepublik und der DDR, Göttingen 2018, S. 7-34, hier: S. 8.
[3] Rahel Jaeggi/Robin Celikates, Sozialphilosophie. Eine Einführung, München 2017, S. 40.
[4] Im Rahmen des interdisziplinären Projekts „Praktiken der Solidarität“ beschäftigen sich die Historiker und Historikerinnen Dietmar Süß, Sophia Dafinger, Bastian Högg und Kornelia Rung in Augsburg mit den Strukturen und Dynamiken sowie den Grenzen und Ambivalenzen solidarischen Handelns (https://praktiken-solidaritaet.de/).

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