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Archiv der sozialen Demokratie


Eliten und Elitenkritik vom 19. bis zum 21. Jahrhundert

Autorentagung des Archivs für Sozialgeschichte für Band 61 (2021)

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Eliten ein gutes Image. Ihnen wurden hohe Qualifikationen, besondere Fähigkeiten zur Führung und ein hohes Leistungsvermögen zugeschrieben. In der westlichen Welt setzte sich sogar die Überzeugung durch, Eliten seien in Demokratien unverzichtbar und mit den ausgleichenden Tendenzen des modernen Sozialstaats in Einklang zu bringen. Im Zeitalter der Globalisierung sind die Eliten allerdings mehr und mehr in Verruf geraten. In der aktuellen Debatte werden politische Eliten von rechten Populisten im Namen des »wahren« Volkes als abgehobene Akteure präsentiert, die nur egoistische Interessen verfolgten. Linke Antikapitalisten machen in den Eliten, die ökonomisch von der Globalisierung profitieren, ebenso wie in den »Superreichen« jene Kräfte aus, die der Verwirklichung ihrer Gerechtigkeitsideale entgegenstünden.

In der politisch-sozialen Sprache verbinden sich mit dem Begriff der Elite also Fragen nach der Organisation von Herrschaft und weitreichende Vorstellungen über soziale Ordnungen und politische Zukunftsentwürfe. Insofern stellen Eliten auch für die Geschichtswissenschaft ein vielversprechendes Forschungsfeld dar. In diesem Zusammenhang wird der Begriff der Elite – ähnlich wie in der Soziologie – als analytische oder beschreibende Kategorie verwendet. Demnach wären Eliten als Gruppen von meist der Oberschicht angehörenden Menschen zu verstehen, die – auf unterschiedlichen Ebenen von Staat, Gesellschaft, Politik oder Kultur – Leitungsfunktionen übernehmen und bestimmend in Entscheidungsprozesse eingreifen. Eine Sozialgeschichte der Eliten verspricht insofern Erkenntnisse über die grundlegenden sozialen Strukturen der Gesellschaft, die Verteilung und Legitimation von Macht und die politischen Partizipationschancen in den Prozessen des gesellschaftlichen Wandels seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert.

Auf der jährlichen Tagung des Archivs für Sozialgeschichte (AfS), die aufgrund der aktuellen Umstände der Corona-Pandemie in diesem Jahr als Online-Format veranstaltet wird, werden zahlreiche Beitragsideen in 15-minütigen Präsentationen vorgestellt, um Fragen und Forschungsperspektiven für das Rahmenthema von AfS 61 (2021) zu entwickeln. Teilnahme im Einzelfall und nur nach Anmeldung möglich.

 

Tagungsprogramm

09:30 - 10:30

Donnerstag, 29.10.2020

Begrüßung, Vorstellungsrunde und Moderation

Philipp Kufferath, Bonn

Einführung: Eliten und Elitenkritik als Forschungsfeld

Thomas Kroll, Jena

Eliteverständnisse. Eine historisch-soziologische Kritik des Elitenbegriffs

Peter Imbusch, Wuppertal

11:00 - 12:30

Moderation: Ute Planert, Köln

„Verwässerte“ Elite? Prosopographische Untersuchung der neuen Aristokraten in Ungarn

Tamás Szemethy, Budapest

Italian Elites under Napoleonic Rule: A Turning Point

Valentina Dal Cin, Venedig

Europa in der Toskana. Soziale und kulturelle Praktiken transkultureller Eliten im Gabinetto Vieusseux in Florenz (1820–1861)

Annika Haß, Paris/Frankfurt am Main

13:30 - 15:00

Moderation: Anja Kruke, Bonn

Die Gesandten der Deutschen Bundesversammlung (1815–1866). Eine zwischenstaatliche Funktionselite zwischen Kritik und Integration

Marko Kreutzmann, Jena

Privilegierte Außenseiter? Polnische Mitarbeiter und Delegierte bei der International Labour Organisation (ILO), 1919–1950

Natali Stegmann, Regensburg

Elitenherrschaft im Zeitalter der „Massendemokratie“. Der Civil Service und die politische Kultur Großbritanniens im 20. Jahrhundert

Nikolai Wehrs, Konstanz

15:30 - 16:30

Moderation: Kirsten Heinsohn, Hamburg

„Eine neue Ordnung der Führungskräfte“ Über Legitimationsstrategien technischer Eliten im Umfeld des faschistischen Parti populaire français (1936–1942)

Jakob Fesenbeckh, Paris/Heidelberg

›Unverführbare‹ Verführer. Rhetorik als Elitenkompetenz in der frühen BRD

Lukas Rathjen, Zürich

09:00 - 10:30

Freitag, 30.10.2020

Moderation: Friedrich Lenger, Gießen

Getting Rid of their Ties. The Long-term Evolution of Elite Networks and Profiles in the Three Largest Swiss Cities, 1890–2020

Michael A. Strebel/Baptiste Antoniazza/André Mach, Lausanne

Recruitment of University Professors. The Top of the Hungarian Elite of Knowledge during the Interwar Period

Zsuzsanna Kiss, Budapest

Ehreliten? Ehrenbürger, Ehrendoktoren und Honorarkonsuln in Berlin von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart

Olga Sparschuh, München

11:00 - 12:30

Moderation: Dietmar Süß, Augsburg

Elitenwechsel auf dem Lande. Strukturelle Brüche und subkutane Kontinuitäten in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR, 1945–1990

Arnd Bauerkämper, Berlin

Elitenbildung zwischen Neukonstruktion und Professionalisierung. Diplomaten der DDR 1949–1990

Björn Hofmeister, Berlin

Elitenwechsel und Demokratisierungsprozess. Probleme der vergleichenden Elitenforschung Ostmitteleuropas

Helmut Fehr, Bubenreuth

13:30 - 15:00

Moderation: Meik Woyke, Hamburg

Unternehmensberater. Aufstieg und Fall einer ökonomischen und sozialen Elite, 1970er- bis 2000er-Jahre

Alina Marktanner, Köln

Die Besteuerung von Eliten in Demokratie und Diktatur

Marc Buggeln, Augsburg

Szene-Eliten. Selbststilisierung, soziale Praxis und postmoderne Ästhetisierung am Beispiel des Norwegian Black Metal (1984–1994)

Marco Swiniartzki, Jena

15:00 - 15:30

Abschlussdiskussion und nächste Schritte

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In der Reihe Einzelveröffentlichungen aus dem Archiv für Sozialgeschichte werden Aufsätze aus den Rahmenthemen publiziert.

Beihefte

In der ReiheBeihefte zum Archiv für Sozialgeschichte erscheinen vorwiegend Quelleneditionen mit Dokumenten zur Geschichte der Arbeiterschaft und Arbeiterbewegung sowie zur Zeitgeschichte.


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