Medien und Netzpolitik

Influencer als digitale Meinungsführer

Spätestens seit dem viralen Rezo-Video „Die Zerstörung der CDU“ sind Influencer und YouTuber aus dem öffentlichen politischen Diskurs nicht mehr wegzudenken. Aber was sind überhaupt Influencer? Wie unterscheiden sie sich von Journalist_innen? Und wie tritt man mit ihnen in Dialog? Diese und weitere Fragen wurden beim jüngsten denkraum_medien der FES diskutiert.


Influencer als digitale Meinungsführer

Wie digitale Meinungsführer die politische Bühne aufmischen

„Am 18.05.2019 ging ein Ruck durch die Republik.“ – mit diesen Worten begann Prof. Dr. Amelie Duckwitz, die an der TH Köln u.a. zum Thema Influencer-Marketing forscht, ihren Impulsvortrag beim denkraum_medien „Influencer, YouTube und politische Kommunikation“. Der YouTuber Rezo positionierte sich mit seinem Video im Vorfeld der  Europawahl und bekam dafür 2 Millionen Klicks auf YouTube – eine traumhafte Reichweite. Seitdem stellen sich Profis aus Politik, Wissenschaft  und Journalismus die Fragen, wie das passieren konnte und wie man damit umgeht.

Das Phänomen des Influencers gibt es nicht erst seit 2019, sondern schon länger als es das Internet gibt, erklärt Professorin Duckwitz. Influencer sind „Meinungsführer“, die in ihrem direkten sozialen Umfeld Gleichgesinnte über ein bestimmtes Thema informieren. Vertrauen gewinnen sie durch Expertise, aber auch durch Authentizität. Durch soziale Netzwerke entfalten sie eine völlig neue Dynamik, haben plötzlich nicht nur ein paar, sondern Millionen Follower.

Neben Professorin Duckwitz und dem sehr aktiven Publikum waren die Journalistin Nina Lindlahr als Moderatorin, der stellvertretende medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Helge Lindh und der Journalist und Produzent des YouTube-Kanals „Mister Wissen2Go“ Mirko Drotschmann beteiligt. Der große Saal im Mediapark in Köln war mit rund 120 Teilnehmer_innen gefüllt und auf den Impulsvortrag folgte eine Fishbowl mit reger Diskussion. Für Interessierte standen zwei freie Stühle auf dem Podium, die ständig besetzt waren.

Wie tritt man mit Influencern in Dialog?

Auf die Frage aus dem Publikum, ob er ein Influencer sei, antwortet Drotschmann:„Auf mich trifft die Definition von Frau Duckwitz auch zu, ich finde es aber schwierig, darauf reduziert zu werden. Ich will ja niemanden beeinflussen, sondern den Leuten die Möglichkeit geben, sich selbst eine Meinung zu bilden.“ (Zur Definition) Seiner Überzeugung nach können Journalist_innen und Influencer viel voneinander lernen: einerseits den Dialog auf Augenhöhe mit Leserschaft, Publikum oder Followern. Ein Aspekt, der gerade in der Kommunikation mit Jüngeren zentral ist. Andererseits  die journalistischen Kodizes, die auf Quellensicherheit, Wahrhaftigkeit und Verantwortung für Inhalte ausgerichtet sind.

Auch Helge Lindh erkennt die Chancen durch Influencer auf YouTube und zieht die Konsequenz,  dass wir stärker in Politik- und Medienbildung investieren sollten: „Wir haben ein Defizit in der Darstellung, wie politische Entscheidungen zustande kommen.“ Das erläuternde Gespräch auf Augenhöhe, vor oder hinter der Kamera, hält er für enorm wichtig. Wenn man in der Politik mehr in Social Media investieren wolle, müsse man darauf achten, alle Bürger_innen mitzunehmen und soziale Ungleichheit durch den unterschiedlichen Zugang zu digitalen Medien nicht noch zu verstärken.

Der Ruf nach Medienkompetenz erschallt nach jeder neuen Internet-Entwicklung, bleibt aber dennoch für das Podium eine notwendige Forderung. Ebenso einig waren sich die Beteiligten, dass Influencer und YouTuber frischen Wind in die politische Kommunikation bringen, Journalist_innen aber nicht ersetzen können. Mirko Drotschmann plädierte für eine freiwillige Selbstkontrolle – ähnlich dem Pressekodex –, der für YouTuber eingeführt werden könnte.


Autorin: Jana Esken ist Online-Redakteurin im Studium an der TH Köln

Länder / Regionen: Europa

Arbeitseinheit: Medienpolitik

Duckwitz, Amelie

Influencer als digitale Meinungsführer

Wie Influencer in sozialen Medien den politischen Diskurs beeinflussen - und welche Folgen das für die demokratische Öffentlichkeit hat
Bonn, 2019

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