Publikation Die Welt gerecht gestalten | Weltwirtschaft und Unternehmensverantwortung Der geschrumpfte American Dream 16.09.2026 Mirko Herberg Bild: Urheber: FES / pertext Catching the blues Haas, Nathaniel ; Krumm, Reinhard ; Murray, Marlies ; Panknin, Knut ; Tyler, Hannah | Bonn : Friedrich-Ebert-Stiftung, September 2026 blue-collar workers and the fading American dream Zum Download (PDF) Eine neue FES-Studie zeigt, wie wirtschaftliche Unsicherheit das US-amerikanische Aufstiegsversprechen verändert und warum die Frage nach sozialer Sicherheit weit über die USA hinausweist. Eine neue FES-Umfrage unter US-amerikanischen Arbeiter:innen zeigt, wie wirtschaftliche Unsicherheit den American Dream verändert. Dahinter steckt eine Frage, die weit über die USA hinausreicht: Was hält Gesellschaften zusammen, wenn die nächste Generation nicht mehr mit einem besseren Leben rechnen kann? „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ gilt als Sinnbild des US-amerikanischen Aufstiegsversprechens. Doch für viele Befragte ist der American Dream deutlich kleiner geworden: Rechnungen bezahlen, Lebensmittel kaufen, ein Zuhause finanzieren und im Alter wirtschaftlich abgesichert sein. Materielle Sicherheit prägt das Verständnis des American Dream heute besonders deutlich und tritt gegenüber klassischen Vorstellungen von Freiheit, Aufstieg und individuellen Chancen in den Vordergrund. Für die Studie wurden 500 sogenannte „Blue Collar“-Arbeiter:innen befragt, definiert als Menschen ohne College-Abschluss mit einem Haushaltseinkommen von unter 150.000 US-Dollar. Zusätzlich wurde die Gruppe der unter 35-Jährigen mit 100 Befragten überproportional berücksichtigt. Drei Zahlen geben einen Eindruck davon, wie tief die wirtschaftliche Verunsicherung reicht.65 % glauben nicht, genug zu verdienen oder verdient zu haben, um wirtschaftlich voranzukommen.66 % sehen sich finanziell nicht ausreichend für einen sicheren Ruhestand aufgestellt.60 % glauben nicht, dass es der jüngeren Generation einmal besser gehen wird als der Generation ihrer Eltern.Vertrauenskrise Die Umfrageergebnisse legen zudem nahe, dass es sich nicht allein um ein privates Geldproblem oder die Folge einer vorübergehenden wirtschaftlichen Schwäche handelt. Ökonomische Unsicherheit steht in der Befragung neben der Wahrnehmung eines unfairen Systems und ausgeprägtem politischen Misstrauen. Die Autor:innen interpretieren diese Befunde als eng miteinander verbunden. 70 Prozent halten die Vermögensverteilung in den USA für unfair, 63 Prozent fühlen sich von ihren Abgeordneten nicht gut vertreten. Zugleich sind 69 Prozent der Ansicht, dass die US-Regierung verpflichtet ist, gegen Einkommensungleichheit vorzugehen. Über Parteigrenzen hinweg gibt es zudem breite Zustimmung zu staatlicher Verantwortung für eine sichere Altersvorsorge. Eine Frage, die über die USA hinausweist Der „American Dream“ ist ein spezifisch US-amerikanisches Versprechen. Einige seiner Grundmotive finden sich jedoch auch anderswo: die Hoffnung auf wirtschaftliche Sicherheit, sozialen Aufstieg und darauf, dass es der nächsten Generation einmal besser gehen wird. Auch Untersuchungen der FES zu gesellschaftlichen Zukunftsvorstellungen in Deutschland weisen in diese Richtung. Fortschritt muss spürbar werden Die Autor:innen sehen darin einen Anknüpfungspunkt für progressive Politik: Gesellschaftlicher Fortschritt müsse sich im Alltag bemerkbar machen. Arbeit soll ein sicheres Leben ermöglichen, soziale Absicherung verlässlich sein und die nächste Generation wieder auf bessere Chancen hoffen können. Die größere Frage reicht jedoch über die USA und den aktuellen Wahlzyklus hinaus: Wie lässt sich gesellschaftlicher Fortschritt wieder so gestalten, dass er für die Menschen tatsächlich spürbar wird? Kontakt Mirko Herberg +49 30 26935-7458 Mirko.Herberg(at)fes.de Das könnte Sie auch interessieren... Bild: Urheber: CC BY-NC-ND 4.0 Montag, 20.04.2026 Demokratie und Gesellschaft Frieden und Sicherheit Der Autoritäre Stack Wie Tech-Milliardäre ein postdemokratisches Amerika aufbauen — und warum Europa als Nächstes dran ist Bild: Urheber: FES/ Joel Sheakoski Donnerstag, 30.04.2026 Frieden und Sicherheit Internationale Gemeinschaft und Zivilgesellschaft North South Futures Forum: Ein globales Netzwerk für einen progressiven Multilateralismus Das North South Futures Forum bringt internationale Entscheidungsträger:innen und Expert:innen aus dem Globalen Süden und Norden zusammen, um einen progressiven Multilateralismus in Zeiten geopolitischer Fragmentierung voranzutreiben. Newsletter FES International Bleiben Sie international informiert - mit unserem Newsletter!