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Honduras unter Xiomara Castro | Das Scheitern eines progressiven Projekts?

Ex-Präsidentin Xiomara Castro scheiterte Ende 2025 mit ihrem Projekt, ihren Weg eines demokratischen Sozialismus in Honduras fortzusetzen. Was hat sie dennoch erreicht? Ein Interview mit Daniel Mann, Projektleiter in Zentralamerika.

Das Bild zeigt ein Portrait von Daniel Mann, FES-Projektleiter in Zentralamerika
Urheber: FES / Robert Crumbach

Interview mit Daniel Mann, Projektleiter in Zentralamerika

Mit ihrer Wahlniederlage Ende 2025 scheiterte Ex-Präsidentin Xiomara Castro mit der Fortsetzung ihrer progressiven Reformagenda. Was hat sie dennoch erreicht? Wohin steuert Honduras unter der neuen ultra-rechten Regierung Nasry Asfuras? 

Nach jahrelangen rechten und korrupten Regierungen, die von Kriminalität und Gewalt geprägt waren, trat Anfang 2022 Xiomara Castro der Partei LIBRE als erste Regierung mit dezidiert linker Agenda mit ehrgeizigen Zielen an. Welche Erfolge hat die Regierung Castros vorzuzeigen? 

Zu den wichtigsten Erfolgen der Regierung LIBRE gehört die Stärkung der Arbeitsrechte durch die Abschaffung der Stundenverträge, der Ausbau der Infrastruktur, vor allem im Bereich des Straßenbaus und der Stromversorgung sowie wichtige Investitionen in die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.

In Honduras wurde Ende November 2025 die Mitte-Links Regierung Xiomara Castro nach nur einer Amtszeit klar abgewählt. Wieso konnten Castro und ihre Partei LIBRE die Menschen nicht überzeugen? Was ist schief gelaufen?

In der Tat konnte die Partei viele der hohen Erwartungen ihrer Wähler_innenschaft nicht erfüllen: Das Gesetz zur Steuergerechtigkeit und viele weitergehende Reformen, zum Beispiel der Ausbau der Sozialversicherung, blieben aufgrund der fehlenden parlamentarischen Mehrheit in der Entwurfsphase stecken. Auch in der öffentlichen Sicherheit und dem Kampf gegen die organisierte Kriminalität konnten nur wenige Erfolge erzielt werden. Letztlich konnte man den ständigen Angriffen der rechten Oppositionsparteien und der Medien, die sich zum großen Teil im Besitz der wirtschaftlichen und politischen Elite sowie multinationaler Unternehmen befinden, nur wenige eigene Erfolgsgeschichten entgegenstellen.

Die Wahlen fanden fast zeitgleich mit der Vorstellung der neuen Sicherheitsstrategie der USA statt, in denen die Regierung Trumps seinen Anspruch auf eine Vormachtstellung in Lateinamerika unterstrichen hatte. Verliefen Wahlkampf und Wahlen frei und fair? Gab es Besonderheiten?

Der Wahlkampf war sehr rhetorisch aufgeheizt. Besonders die USA mischten sich immer wieder zugunsten der konservativen Kräfte in den Wahlkampf ein. Nicht zuletzt wurden in der letzten Woche vor den Wahlen, in der eigentlich eine gesetzliche Ruhephase im Wahlkampf herrscht, Massen-SMS direkt an Honduraner_innen mit Familie in den USA geschickt, die mit der Abschiebung ihrer Angehörigen im Falle eines Wahlsieges von LIBRE drohten. Ein großer Teil der Menschen in Honduras ist auf Transferzahlungen aus dem Norden angewiesen, sodass solche Drohungen große Auswirkungen haben. Es wurde auch von Einschüchterungen direkt in den Wahllokalen durch organisierte Drogenbanden berichtet, welche die Partido Nacional (PN) unterstützten. 

Wie ist die neue Regierung unter dem ultra-rechten Präsidenten Nasry Asfura von der Partido Nacional einzuschätzen? Welche Gefahren siehst du?

Honduras scheint sich unter der neuen Regierung erneut als Drehscheibe der globalen Rechten zu positionieren. LIBRE kämpfte vier Jahre lang gegen als ZEDE bezeichnete Freihandelszonen, die in der letzten Regierungszeit der Partido Nacional ein wichtiges Investitionsobjekt von Financiers der Ultrarechten wurden. Die im sogenannten Hondurasgate veröffentlichten Audiomitschnitte hoher PN Funktionäre, wie etwa dem von Donald Trump begnadigten Ex-Präsidenten Juan Orlando Hernandez, sollen darauf hindeuten, dass sich die neue Regierung bis in die höchsten Kreise dieser globalen Rechten als Dienstleister anbieten will. Nicht zuletzt sehen wir schon jetzt im Parlament und in der Justiz eine politische Verfolgung zentraler Figuren der Partei LIBRE, die die Vermutung zulassen, dass die Rechtsstaatlichkeit in Honduras nur noch auf dem Papier existiert. Im Parlament hat sich die Partido Nacional mit der Partido Liberal, der anderen Partei des etablierten Zweiparteiensystems, arrangiert, sodass LIBRE praktisch die einzige Opposition darstellt.

Wo siehst du Honduras in vier Jahren?

Es wird dabei darauf ankommen, inwiefern internationale Gemeinschaft und honduranische Institutionen gemeinsam Druck gegen den rapiden Abbau der Rechtsstaatlichkeit entwickeln können. Regiert Asfura mit der Hilfe der etablierten Partido Nacional und Partido Liberal durch, stehen vier Jahre des Demokratie- und Sozialabbaus bevor. Bisher zeigt vor allem Europa kaum Interesse an den politischen Entwicklungen im Land und aus den USA ist unter der aktuellen Regierung sicherlich kein Eintreten für demokratische Grundregeln zu erwarten. Es wird also die Aufgabe der Zivilgesellschaft vor Ort, und nicht zuletzt der großen Parteibasis von LIBRE sein, der neuen Regierung und ihrer Agenda durch eine größere Mobilisierung die Grenzen aufzuzeigen. Die zwölf Jahre zwischen dem Staatstreich 2009 und dem Amtsantritt Xiomara Castros 2021 haben gezeigt, dass dies auch unter schwierigen und demokratiefeindlichen Bedingungen möglich ist. Und nicht zuletzt wird es auch darauf ankommen, ob die Führung der Partei in der Lage ist, eben diese Gruppen in den Neuaufbau nach der Wahlniederlage einzubinden. Nur so wird LIBRE ihr eigenes Überleben in der Opposition gewährleisten können.

Daniel, vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Mareike Le Pelley, 18.06.2026. 

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