„Another world is possible.“ Ein Nachruf auf Jochen Steinhilber

Viel zu früh haben wir am vergangenen Samstag unseren langjährigen Kollegen Jochen Steinhilber nach schwerer Krankheit verloren. Jochen leitete 12 Jahre lang das Referat Globale Politik und Entwicklung, heute Referat Globale und Europäische Politik. Fast zwei Jahrzehnte prägte Jochen maßgeblich die internationale Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung. „Another world is possible.“ war sein Leitmotiv.

Portrait von Jochen Steinhilber bei einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Urheber: FES/ Saskia Uppenkamp

Als Referent im Globalisierungsprojekt des damaligen Referats Entwicklungspolitik hat Jochen Steinhilber ab Januar 2003 mit viel politischer Energie und visionärem Weitblick zur Profilschärfung der entwicklungspolitischen Arbeit der Stiftung beigetragen. Mit der außenpolitischen Schriftenreihe der Stiftung „Kompass 2020 - Deutschland in den internationalen Beziehungen“, die Jochen Steinhilber maßgeblich gemeinsam mit einigen Kolleg:innen verantwortet hat, leistete die Friedrich-Ebert-Stiftung einen grundlegenden Analyse- und Diskussionsbeitrag zur außenpolitischen Rolle Deutschlands, dessen Impulse und Empfehlungen bis heute tragen und die außenpolitische Programmatik der Sozialdemokratie stark geprägt haben.

Als Büroleiter in Brasilien unterstützte er von 2007 bis 2010 die progressive Bewegung Brasiliens und festigte die politischen und gewerkschaftlichen Netzwerke der Stiftung im Land und in der Region.

Während seiner zwölfjährigen Zeit als Referatsleiter entwickelte er gemeinsam mit den Kolleg:innen neue und wegweisende Formate der politischen Bildung und Beratung, bei denen immer die globalen Verflechtungen Deutschlands in der Weltwirtschaft und in der internationalen Gemeinschaft im Vordergrund standen. Von politischem Feminismus und progressiver Handelspolitik über die sozial-ökologische Transformation bis hin zur zivilen Konfliktbearbeitung: Jochen Steinhilber entwickelte mit seinem Team progressive Konzepte, noch bevor sie von einem breiten politischen Spektrum als Mainstream anerkannt und ins politische Standardrepertoire der sozialdemokratischen Bewegung aufgenommen wurden. Mit der Gerechtigkeitswoche und der Tiergartenkonferenz schuf Jochen zwei Leuchtturm-Formate, die Aushängeschilder der politischen Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung waren und bis heute sind.

Mit seinen scharfsinnigen Analysen, seiner Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auf den Punkt zu bringen, und seinem Feingefühl für Sprache und Text hat er die internationale Arbeit der Stiftung und die Vernetzung der internationalen progressiven Familie nachhaltig geprägt. Aber auch die Zusammenarbeit mit ihm ganz persönlich zeichnete sich stets durch gegenseitiges Vertrauen, Respekt, Humor und große Verbindlichkeit aus.

Viele von uns hielten auch nach seinem Wechsel ins Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Kontakt mit ihm, wo er als Leiter der Abteilung Grundsätze seinen politischen Kernthemen treu blieb. 

Dass wir Jochen nun viel zu früh verlieren, erfüllt uns mit Trauer und Schmerz. Wir danken ihm für seinen wertvollen Beitrag während seiner Tätigkeit für die Friedrich-Ebert-Stiftung und werden ihn in respektvoller Erinnerung behalten. In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken vor allem bei seiner Familie, seinen Freund:innen und politischen Weggefährt:innen. 

Wir werden Jochen Steinhilber als Kollegen, klugen Denker, Gewerkschaftsstrategen und sozialdemokratischen Entwicklungspolitiker und vor allem als Freund in Erinnerung behalten.

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