Geschlechter- gerechtigkeit und Globaler Handel

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Grafik einer weiblichen Person, die auf drei Weltkugeln schaut, die sich bewegen.
Ersteller: picture alliance / Ikon Images | Stuart Kinlough

In neuen Handelsabkommen sind immer häufiger Kapitel zur Förderung von Geschlechtergleichstellung enthalten. Heißt das also, dass die internationale Handelspolitik Zielen im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit nun gerecht wird?

Die Antwort lautet leider: nein. 

Um herauszufinden, inwiefern sich Regierungen für Geschlechtergleichstellung in der Handelspolitik engagieren, hat die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Studie in Auftrag gegeben, die sich ein ganz konkretes handelspolitisches Ereignis zum Beispiel nimmt: die neuen Handelszölle, die im April 2025 von den USA eingeführt wurden.

Die Studie bündelt Forschungsergebnisse über die Auswirkungen, die die neuen US-Zölle auf weibliche Beschäftigte in Exportsektoren in sechs Ländern haben: Dazu gehören die Textil- und Bekleidungsindustrie in Bangladesch, Indien und Madagaskar, der Zitrussektor in Südafrika sowie verschiedene Branchen in Vietnam und Simbabwe.

Geschlechtsspezifische Auswirkungen, aber genderblinde Antworten

Die Regierungen haben mit ihren Reaktionen auf die US-Zölle gezeigt, dass sie durchweg genderblind agieren, also geschlechtsspezifische Unterschiede und Auswirkungen bei ihren Antworten ignorieren. Die Ergebnisse zeigen zudem ein übereinstimmendes Bild: bereits bestehende strukturelle Ungleichheiten verstärken die Auswirkungen zollbedingter Unsicherheiten auf Frauen zusätzlich.

Die Studie belegt, dass Beschäftigte in den schlechtbezahltesten und prekärsten Arbeitsverhältnissen ihren Arbeitsplatz als Erste verloren haben. Der Einkommensverlust wiederum führte zu einer Zunahme von unbezahlter Arbeit von Frauen und damit zu Sparzwängen bei Ernährung, Gesundheit und Bildung. Das sind zusätzliche negative Auswirkungen, die über die unmittelbaren Folgen des ökonomischen Schocks durch die neuen Handelszölle hinausgehen.

Geschlechtsspezifische und wirtschaftliche Ungleichheiten sind eng miteinander verknüpft

Die Studie zeigt, wie eng geschlechtsspezifische und wirtschaftliche Ungleichheiten in der globalen Arbeitsteilung miteinander verknüpft sind. <Sie stellt in Frage, unter welchen Bedingungen Frauen und exportabhängige Staaten in die Weltwirtschaft eingebunden sind. Zölle verschärfen den Wettbewerb zwischen Staaten, Sektoren und Beschäftigten zusätzlich und untergraben damit das erforderliche gemeinsame Handeln für bessere Bedingungen und strukturelle Gerechtigkeit.

Erkenntnisse zugunsten gendertransformativer Reformen

Die neuen Erkenntnisse der Studie dienen als Grundlage dafür, dass künftige Bemühungen für Geschlechtergerechtigkeit im Handel gendertransformativ gestaltet werden. Insgesamt deuten die Ergebnisse und Empfehlungen der Studie darauf hin, dass schrittweise Maßnahmen nicht ausreichend sind: Geschlechtergerechtigkeit im Handelssektor erfordert mehr als Frauen nur in das bestehende ungerechte Handelssystem zu integrieren. Es ist ein grundsätzliches Umdenken darüber nötig, wie Handelspolitik gestaltet wird, von wem sie gestaltet wird – und wem sie nützt.

Die Studie formuliert eine Reihe von Empfehlungen, die von kurzfristigen Sofortmaßnahmen zum Schutz von Arbeitnehmerinnen bis zu längerfristigen Maßnahmen reichen, die auf die strukturellen Ursachen geschlechtsspezifischer Ungleichheiten abzielen. Dazu gehört vor allem, dass Wirtschafts- und Handelspolitik Investitionen in Care-Arbeit zur Priorität machen.

Studie: Gendered Impacts - Blind Responses

Gendered impacts - blind responses

the 2025 tariff crisis and the case for gender transformative reforms

Dommen, Caroline | Berlin : Friedrich-Ebert-Stiftung, October 2026

Kurzfassung und Fallstudien aus sechs Ländern

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Kurzfassung

Wenig Zeit? Downloaden Sie die Kurzfassung mit den wichtigsten Ergebnissen, über die Auswirkungen von Zöllen, die jeweiligen Reaktionen der Regierungen, übergeordnete strukturelle Fragen und Empfehlungen.

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Der Zitrussektor in Südafrika

Diese Studie untersucht die Auswirkungen der US-Zölle auf den Zitrussektor, in dem Frauen häufig in den schlechtbezahltesten und unsichersten Jobs tätig sind und genderblinde Politik geschlechtsspezifische Ungleichheiten weiter verschärft.

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Der Bekleidungssektor in Indien und Bangladesch

Diese Studie befasst sich mit den geschlechtsspezifischen Auswirkungen der neuen US-Zölle auf Frauen im Bekleidungssektor in Indien und Bangladesch. Auch hier wirken sich die Zölle überdurchschnittlich häufig auf weibliche Beschäftigte aus.

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Der Bekleidungssektor in Madagaskar

Hier wird untersucht, wie US-Zölle und das Auslaufen des AGOA-Abkommens die asymmetrischen Machtverhältnisse im globalen Handel offenlegen. Diese Asymmetrien verschärfen geschlechtsspezifische Ungerechtigkeiten und bestehende Ungleichheiten.

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Der informelle Sektor in Simbabwe

Selbst Staaten, die nur begrenzt Handel mit den USA betreiben, spüren die Auswirkungen der Zölle – wenn auch nur indirekt. Hier wird untersucht, inwiefern Frauen im informellen Sektor besonders stark von makroökonomischen Schocks betroffen sind.

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Die Exportgüterproduktion in Vietnam

Diese Studie analysiert historische Entwicklungen und zeigt wie sich die neue geoökonomische Ordnung auf vietnamesische Frauen auswirkt, die in exportorientierten Produktionssektoren arbeiten, die mit ausländischem Kapital finanziert werden.

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