News Internationale Gemeinschaft und Zivilgesellschaft | Gender Weltweit Geschlechtergerechte Machtverhältnisse, Land und Pflege neu denken 14.01.2026 Jéssica Salomão Chitlhango Sozial gerechte Wohn-, Land- und Eigentumsrechte sind keine utopischen Ideale, sondern das Fundament einer feministischen Zukunft. Die heutige Landpolitik in Afrika reproduziert oft alte Formen der Ausbeutung. Weltweit bleibt der Kampf um Land und wirtschaftliche Gerechtigkeit dringend und unvermeidlich. Bewaffnete Konflikte, die Klimakrise und wirtschaftliche Umbrüche vertreiben weiterhin Millionen von Menschen – sowohl innerhalb als auch außerhalb von Staatsgrenzen – und verstärken geschlechtsspezifische, rassistische und klassenbasierte Ungleichheiten. Die heutige Landpolitik in Afrika reproduziert oft alte Formen der Ausbeutung. Sie führen zu einer materiellen Enteignung, weil sie Land und Leben privatisieren, Pflegearbeit schwächen, Gemeinschaften Mitbestimmung und Entscheidungsbefugnisse nehmen und so Ungleichheit zwischen Geschlechtern, sozialen Schichten und ethnischen Gruppen befördern. Auseinandersetzungen um Land sind dabei eng verknüpft mit den Themen Schulden, Pflege, Arbeit, Regierungsführung und ökologischem wie ökonomischem Überleben. Die Friedrich‑Ebert‑Stiftung engagiert sich durch die African Feminist Reflection and Action Group für die Förderung feministischen Wissens und praktikabler Alternativen, basierend auf gelebten Realitäten und politischem Handeln. Dialog und Austausch bilden den Ausgangspunkt, denn feministische Veränderungen erfordern grenz‑ und sektorübergreifende Initiativen, die Landgerechtigkeit, Arbeitsrechte, Care‑Ökonomien und Klimagerechtigkeit miteinander verbinden. In Subsahara‑Afrika sind Bemühungen zur Transformation der Landverhältnisse seit Langem umstritten und werden nach wie vor räuberischen Rohstoffabbau, die starke Ausbreitung informeller Siedlungen in städtischen Gebieten und den anhaltenden Mangel an verlässlichen Nachweisen für Eigentum untergraben. Davon sind besonders Frauen und marginalisierte Gruppen betroffen. Landenteignung ist dabei kein Zufall, es handelt sich oft um bewusste und politische Strategien, mit der bestimmten Gruppen wie Frauen Selbstbestimmungsrechte entzogen werden sollen. Um diese Dynamiken zu durchbrechen, braucht es mehr als bloße Reformen. Es braucht feministische Handlungsanleitungen und den Aufbau feministischer Allianzen, die Land, Arbeit, Pflege und Regierungsführung miteinander verbinden und gemeinsam adressieren. Feminist Lab Im Rahmen des Feminist Lab kamen im November 2025 zahlreiche feministische Aktivist_innen und Forschende aus verschiedenen afrikanischen Ländern zusammen, um kritisch zu untersuchen, wie afrikanische Gesellschaften mit Ressourcen umgehen, wie sie Landfragen behandeln und welche Herausforderungen sowie Lösungsansätze es für mehr sozio-ökonomische Gleichheit und Gerechtigkeit geben kann. In den Debatten wurden feministische Perspektiven genutzt, um Machtverhältnisse, Landverwaltung und Versorgungssysteme neu zu denken. Dabei wurden vor allem dominierende Narrative hinterfragt, die den Zugang zu Land ausschließlich über Privatisierung und Entwicklung definieren und dabei die Enteignung schutzbedürftiger Gruppen ohne die gleichzeitige Schaffung von Alternativen für den Lebensunterhalt ignorieren. Beim Feminist Lab wurden als Lösungsvorschläge besonders transformative feministische Ansätze diskutiert, die zum einen die Sicherung von Landbesitz und Landrechten für Frauen sowie einen fairen Zugang zu Land und eine Verbesserung der Transparenz bei Landgeschäften beinhalteten. Diese sollen sicherstellen, dass Gemeinschaften aktiv in politische Entscheidungsprozesse in diesem Bereich eingebunden sind. Feministische wirtschaftliche Gerechtigkeit, kollektives Wohlergehen und demokratischer Wandel sind eng miteinander verbunden und unumgänglich für eine geschlechter- und sozial gerechte und solidarische Welt, zwischen Globalem Süden und Norden. Diese Solidarität erfordert langfristigen, generationenübergreifenden Austausch sowie gemeinsames und entschlossenes politisches Handeln. Kontakt Bild: Urheber: FES / Bundesfoto / Zöhre Kurc Manuela Mattheß +49 30 26935-7408 Manuela.Matthess(at)fes.de