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Soziale Ungleichheit ist ein Dauerproblem der lateinamerikanischen Gesellschaften. Die enorme Kluft zwischen Arm und Reich stellt weiterhin ein Entwicklungsproblem der Region dar. Die politischen Rahmenbedingungen für Gewerkschaften haben sich zudem verschlechtert; sie stehen vor der Herausforderung, sich intern zu erneuern, gleichzeitig bisherige Errungenschaften und Rechte zu verteidigen. Die Prekarisierung der Arbeit schreitet derweil weiter voran. Nach Einschätzung des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB) ist Lateinamerika zwar eine gut organisierte, jedoch auch gefährliche Weltregion für die Ausübung von Gewerkschaftsaktivitäten.
Nach dem Ende der Militärdiktaturen stand insbesondere Südamerika lange im Zeichen eines progressiven Aufbruchs – eine günstige Ausgangslage für Gewerkschaften, Interessen von Arbeitnehmer_innen durchzusetzen. Der Fall der Weltmarktpreise für Rohstoffe jedoch hatte negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft der Länder, deren Entwicklungsmodelle maßgeblich vom Primärgüter-Export abhängig sind. Die Zunahme von Arbeitslosigkeit, die Ausweitung des informellen Sektors und die verstärkte Prekarisierung der Arbeit sind Folgen dieser Entwicklungen. Aber auch die politischen Vorzeichen ändern sich: Gewerkschaften werden durch rechtskonservative Regierungen zunehmend unter Druck gesetzt. Sie stehen vor der Herausforderung, bisherige Errungenschaften und Rechte zu verteidigen sowie neue regulatorische Rahmen zu erkämpfen.
Die Handlungsfelder der Gewerkschaften werden immer mehr von regionalen Entwicklungen und globalen Trends bestimmt, wie vom zunehmenden Einfluss transnationaler Unternehmen oder der rasanten Digitalisierung der Arbeitswelt. Zusätzlich stehen sie vor existenziellen Herausforderungen: Die Lohnentwicklung bleibt weit hinter der Steigerung der Arbeitsproduktivität zurück; der informelle Sektor wächst, prekäre Arbeitsverhältnisse nehmen zu. In zahlreichen Ländern sind Gewerkschaften massiven Repressionen ausgesetzt. Hinzu kommen Probleme wie geschlechtsspezifische und ethnische Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt sowie hohe Jugendarbeitslosigkeit.
Die lateinamerikanische Gewerkschaftsbewegung verfügt über starke und unabhängige Regionalorganisationen, von denen wichtige sozial- und gewerkschaftspolitische Impulse ausgehen, die in die Länder zurückstrahlen. Zentrale Akteure sind die 2008 als Regionalorganisation des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB) gegründete Confederación Sindical de Trabajadores/as de las Américas (CSA), ein Zusammenschluss von 48 Gewerkschaftsdachverbänden aus 21 Ländern mit ca. 55 Millionen Mitgliedern sowie die regionalen Vertretungen der globalen Gewerkschaften. Der Großteil der mitgliederstarken Organisationen konzentriert sich im südlichen Lateinamerika; in Zentralamerika, der Karibik und der Andenregion ist der Organisationsgrad weiterhin sehr niedrig, und Gewerkschafter_innen werden immer wieder Opfer von Gewalt und Verfolgung.
Mit ihrer Projektarbeit in den verschiedenen Ländern Lateinamerikas und der Karibik unterstützt die FES ihre Partner in ihrem Einsatz für gerechte Sozial- und Arbeitsmarktpolitik und bietet Foren des regionalen Erfahrungsaustauschs. Die FES will die Förderung von demokratischen Arbeitsbeziehungen ausbauen, die es Arbeitnehmer_innen und ihren Organisationen erlauben, ihre Interessen national, regional und global angemessen zu vertreten. Das regionale Gewerkschaftsprojekt der FES mit Sitz in Montevideo stärkt neben der nationalen auch die regionale und internationale Arbeit der Gewerkschaften und arbeitet mit den Regionalorganisationen der globalen Branchengewerkschaften sowie zur CSA zusammen. Die FES fördert den Austausch zwischen lateinamerikanischen Gewerkschaftsbewegungen und anderen politischen Akteuren zu programmatischen Themen wie Zukunft der Arbeit (Digitalisierung, Data Governance), Gendergerechtigkeit, sozial-ökologische Transformation, Steuergerechtigkeit und sozialer Inklusion sowie zu Themen gemeinsamer globaler Verantwortung wie Klima-, Handels- und Energiepolitik.
Diese Themen werden zusammen mit dem globalen FES-Gewerkschaftsprojekt behandelt, ebenso wie die Umsetzung von internationalen Arbeits- und Sozialstandards entlang der Lieferketten. Schwerpunkt ist hierbei die Vernetzung von regionaler und nationaler Gewerkschaftsarbeit mit den globalen Branchengewerkschaften (Global Union Federations).
Ulrich Storck
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+49 30 269 35-7488
Ulrich.Storck(at)fes.de
Friedrich-Ebert-Stiftung
Dörte Wollrad
Casilla 10578 11 100 Montevideo, Uruguay
+598 2 90 229 38/39/40+598 2 90 229 41
fesur(at)fesur.org.uy
Das Referat Lateinamerika und Karibik arbeitet in folgenden Themenfeldern:
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