Denkanstoß Geschichte Die Friedrich-Ebert-Stiftung trauert um Beatrix Bouvier 23.03.2026 Am 19. März 2026 ist Beatrix Bouvier im Alter von 81 Jahren unerwartet in Bonn verstorben. Die langjährige Mitarbeiterin des Historischen Forschungszentrums war zuletzt Leiterin des Karl-Marx-Hauses in Trier. Die Friedrich-Ebert-Stiftung trauert um eine engagierte Historikerin. Bild: Urheber: Friedrich-Ebert-Stiftung Beatrix Bouvier wurde am 2. Dezember 1944 in Teterow (Mecklenburg) geboren und wuchs in Frankfurt am Main auf. Dort studierte sie an der Johann-Wolfgang Goethe-Universität Geschichte und Politische Wissenschaften. 1969 wurde sie hier mit einer Arbeit über die im Pariser Exil gegründete Deutsche Freiheitspartei und deren Widerstand gegen den Nationalsozialismus promoviert. Im Anschluss arbeitete sie zunächst beim Bundesarchiv in Koblenz, bevor sie 1974 für ein Interviewprojekt an das Forschungsinstitut der FES wechselte. Ab 1977 fungierte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am „Institut für Sozialgeschichte Braunschweig Bonn“ bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, später „Abteilung Sozial- und Zeitgeschichte des Historischen Forschungszentrums“. Während dieser Zeit arbeitete sie zu ganz verschiedenen Themen des 19. und 20. Jahrhunderts in sozialgeschichtlicher und politikhistorischer Perspektive. Es entstanden Monografien zum Einfluss der Französischen Revolution auf die Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert (1982), der Geschichte der SPD zwischen Bad Godesberg und der Großen Koalition (1990), zur politischen Verfolgung von Sozialdemokrat:innen in SBZ/DDR und zur Sozialpolitik der DDR. 1993 habilitierte sie sich an der TU Darmstadt und lehrte dort als außerplanmäßige Professorin. Seit 1995 wirkte sie in der Redaktion des Archivs für Sozialgeschichte mit, zeitweise als Schriftleiterin. Sie blieb dieser geschichtswissenschaftlichen Zeitschrift als Redaktionsmitglied bis 2018 verbunden. 2003 schließlich wurde sie Leiterin des in Trier befindlichen Museums Karl-Marx-Haus und der dortigen Forschungsstelle der Friedrich-Ebert-Stiftung. In dieser Funktion legte sie den Schwerpunkt auf den Umbau der Dauerstellung und der Etablierung des Museums als Lernort mit internationaler Strahlkraft und einer starken Perspektiverweiterung der historisch-wissenschaftlichen Arbeit in Trier. Die Themenvielfalt reichte von fußballhistorischen Fragen über juristisch-historische Bezüge hin zu Fragen der Bearbeitung historischer Themen in Comics. Außerdem gehörte sie zu den Gründer:innen der deutsch-chinesischen Gesellschaft in Trier, der sie lange auch als Vorstandsmitglied verbunden blieb. Daneben wirkte sie im Vorstand der Internationalen Marx-Engels-Stiftung bzw. als Redakteurin des Marx-Engels-Jahrbuchs mit. Neben anderen wissenschaftlichen Beiratstätigkeiten wie z.B. für die Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte engagierte sie sich langjährig im Beirat der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur. Beatrix Bouvier mit Anke Fuchs, Vorsitzende der Friedrich-Ebert-Stiftung, bei der Wiedereröffnung des Karl-Marx-Hauses 2005 Bild: Urheber: Archiv der sozialen Demokratie/Friedrich-Ebert-Stiftung Gemeinsam mit dem SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering Bild: Urheber: Archiv der sozialen Demokratie/Friedrich-Ebert-Stiftung Der Stadt Trier blieb sie nach ihrem Ausscheiden aus der Friedrich-Ebert-Stiftung im Jahr 2009 verbunden: Sie begleitete die verschiedenen großen Landesausstellungen in Trier, zuletzt wirkte sie an der Ausstellung zu Marc Aurel 2025 mit. Ihre Vielseitigkeit zeigte sich neben der Mitwirkung im Freundeskreis der Frithjof-Voss-Stiftung für Geographie auch 2024 in der Kuratierung der Wanderausstellung „Vom Holocaust auf die Weltbühne“ über die Geschichte von Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz, an deren neuester Stationseröffnung sie noch am 27. Januar dieses Jahres mitwirkte. Die Friedrich-Ebert-Stiftung verliert mit ihr eine engagierte Historikerin und Mitstreiterin und wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.