Herz der Finsternis? Wie man vorurteilsfrei aus ärmeren Weltregionen berichtet 27.02.2026 von Bartholomäus Grill Reportagen über den Globalen Süden sind oft oberflächlich, fehlerhaft und voller Klischees. Was sollten freie Journalist:innen und angehende Korrespondent:innen mitbringen, um informativ, unvoreingenommen und fair über sogenannte Entwicklungs- und Schwellenländer zu berichten? Bild: Urheber: Stefan Kleinowitz Zu den Voraussetzungen gehören Basiskenntnisse über die Geschichte, Politik, Wirtschaft, Kultur, Religion und die entwicklungspolitischen Beziehungen des jeweiligen Landes. Genauso wichtig wie die intellektuelle Vorbildung ist die Überprüfung der eigenen Haltung, die Selbstreflexion, denn häufig prägen eurozentrische Narrative unsere Wahrnehmung von Kriegen, Krisen und Armut. Deshalb sollte man auch die Grundthesen des postkolonialen Diskurses und der Rassismus-Forschung kennen. Zum unverzichtbaren Rüstzeug zählt die interkulturelle Kompetenz, also das Verständnis der Alltagskultur, der Respekt für Gesprächspartner:innen, das Hineindenken in deren Mentalität, die Begegnung auf Augenhöhe. Journalist:innen aus Europa, die in der Regel nur die klassischen Kolonialsprachen beherrschen, sind auf ortskundige Übersetzer und Fixer angewiesen, um Sprachbarrieren zu überwinden. Überdies sind lokale Netzwerke hilfreich, Kontakte zu Expert:innen, Institutionen, Hilfsorganisationen, einheimischen Politiker:innen, zivilgesellschaftlichen Akteur:innen und Kolleg:innen. Besonders bei investigativen Projekten sind strukturelle Herausforderungen zu beachten: der Umgang mit Autoritäten (Polizei, Militär, Geheimdienste), Quellenschutz, die Sicherung von sensiblen Informationen, Stromversorgung, Kommunikation, Fortbewegung, gesundheitliche Faustregeln. Und die persönliche Sicherheit in Krisengebieten: Wie verhält man sich in lebensgefährlichen Situationen? Ist ein Hostile Environment and First Aid Training (HEFAT) ratsam? Wie lassen sich Risiken einschränken? Der Autor: Bartholomäus Grill, Journalist und Autor, Minden/Kapstadt. Er berichtete über drei Jahrzehnte als Korrespondent aus Afrika, erst für DIE ZEIT, später für den SPIEGEL. Er ist ehemaliger Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung.