Digitale Resilienz ist eine gesellschaftliche Schlüsselkompetenz 06.03.2026 von Stephan Weichert Journalist:innen stehen heute unter Dauerfeuer: Krisen, digitale Beschleunigung, ständige Erreichbarkeit, Angriffe im Netz und die Unsicherheit rund um KI verändern den Berufsalltag grundlegend. Dr. Stephan Weichert, Direktor des VOCER Instituts für Digitale Resilienz, hat fünf Tipps für mehr Resilienz im Journalismus. 1. Den eigenen Modus drosseln Der journalistische Alltag läuft im Hochtempo – und digitale Medien, Krisen und KI pushen das noch weiter. Resilienz heißt, bewusst Gegenakzente zu setzen: Pausen einbauen, Benachrichtigungen reduzieren, Auszeiten klar abstecken. Wer den „Always on“-Modus regelmäßig abstellt, schafft Raum für Fokus und Erholung. 2. Digitale Souveränität trainieren Resilient arbeitet, wer versteht, wie die digitale Welt funktioniert. Das heißt: Tools kritisch prüfen, KI als Unterstützung begreifen und digitale Selbstwirksamkeit aufbauen. Nur wer die Mechanismen hinter Plattformen, Algorithmen und Newsfeeds kennt, kann souverän und sicher damit umgehen. 3. Psychische Belastungen ernst nehmen Burn-out ist im Journalismus ein reales Branchenproblem. Krisen, technischer Wandel, wirtschaftlicher Druck und Angriffe auf Medienschaffende verstärken das. Resilienz braucht Strukturen: Supervision, Ressourcenplanung, klare Verantwortung und Führung, die mentale Gesundheit nicht als Randthema behandelt. 4. Kollegialität aktiv leben Nichts stärkt Journalist:innen so sehr wie ein funktionierendes Netzwerk. Kollegiale Fallberatung, gemeinsames Lernen und offene Gespräche über Belastungen schaffen Halt. Resilienz ist keine Soloshow – Teams funktionieren besser, wenn sie Wissen teilen und sich gegenseitig stützen. 5. Haltung zeigen – gerade im digitalen Raum Digitale Resilienz ist immer auch demokratische Resilienz. Journalist:innen, die Desinformation erkennen, Hass kontextualisieren und Orientierung schaffen, stärken das öffentliche Gespräch. Dafür brauchen sie Zeit, Weiterbildung und gesellschaftlichen Rückhalt. Guter Journalismus ist systemrelevant – und Resilienz sein Fundament. Der Autor: Dr. Stephan Weichert ist Medienwissenschaftler, Coach und Strategieberater für KI-Resilienz und Publizist. Seit 2020 leitet er das unabhängige VOCER-Institut für Digitale Resilienz, einen gemeinnützigen Think & Do Tank, der sich für den souveränen Umgang mit digitaler Technologie einsetzt. Weichert arbeitet seit über 25 Jahren als Lehrbeauftragter und Professor (u.a. TU Dortmund, City University of New York, Hamburg Media School, FH Graz). Der Medienexperte engagiert sich in zahlreichen Verbänden und Jurys, u.a. ist er im Beirat des Forums für gemeinnützigen Journalismus. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem „Medienethik Award“. Aktuell lehrt und forscht er zum Thema „KI-Resilienz in der digitalen Welt".