2014: Fartuun Adan, Direktorin des Elman Peace and Human Rights Center, Mogadischu/Somalia 01.03.2014 Mit der Verleihung des Menschenrechtspreises der Friedrich-Ebert-Stiftung 2014 an Fartuun Adan, Direktorin des Elman Peace and Human Rights Center, möchte die Friedrich-Ebert-Stiftung ihr langjähriges und beharrliches Engagement für Frauenrechte in dem komplexen politischen Kontext einer durch Jahrzehnte des Bürgerkriegs geprägten Gesellschaft ehren. Dabei geht es auch darum, Frauen nicht nur als Opfer von Gewalt und Diskriminierung zu sehen, sondern als gesellschaftspolitische Akteure, die aktiv zu Frieden und sozialem Ausgleich beitragen. Somalia ist von fragiler Staatlichkeit und einem langjährigen innergesellschaftlichen Konflikt gekennzeichnet. Insbesondere lokale zivilgesellschaftliche Akteure spielen eine zentrale Rolle im gesellschaftspolitischen Transformationsprozess. Mittel- und langfristig sind sie der Garant für ein Ende der politischen Systemkrise, für gesellschaftliche Integration und für die Durchsetzung von Menschenrechten. Zur Preisträgerin Fartuun Adan ist die Direktorin des Elman Peace and Human Rights Centers. Im Jahr 1991 gründete sie die Organisation gemeinsam mit ihrem Ehemann Elman Ali Ahmed, der fünf Jahre später ermordetet wurde und dessen Namen das Menschenrechtszentrum heute trägt. Nach seinem Tod emigrierte sie mit ihren Töchtern nach Kanada. Im Jahr 2007 kehrte sie trotz andauernder Konflikte nach Mogadischu zurück, um die gemeinsam begonnene Arbeit für Frieden und Versöhnung fortzuführen. Das Elman Peace and Human Rights Center setzt sich unter schwierigen politischen Bedingungen für die Rechte von Frauen und Kindern ein. Es ist es die erste Nicht-Regierungsorganisation in Somalia, die Überlebenden von geschlechtsspezifischer Gewalt und Frauen in Not rechtliche und psychologische Unterstützung, gesundheitliche Versorgung und Zuflucht bietet. Es setzt sich auch für langfristige gesellschaftliche Versöhnung und Entwicklung ein und unterstützt, u.a. in Kooperation mit OXFAM und der ILO, ehemalige Kindersoldaten bei ihrer gesellschaftlichen Reintegration. Zum politischen Kontext Für Frauenrechte gilt Somalia als eines der schwierigsten Länder der Welt. Insbesondere junge, alleinstehende und politisch engagierte Frauen und Frauen mit Migrationsgeschichte erleben häufig geschlechtsspezifische Gewalt, darunter Zwangsheirat, Genitalverstümmelung und politisch motivierte Vergewaltigung. Fehlende staatliche Strukturen tragen dazu bei, dass die Täter in den seltensten Fällen zur Verantwortung gezogen werden. Stattdessen werden Frauen, die von ihren Gewalterfahrungen sprechen, sozial stigmatisiert und mussten bislang, vor allem in den von den islamistischen Al-Shabaab-Milizen dominierten Teilen des Landes, damit rechnen, der Promiskuität angeklagt und verfolgt zu werden. Auch Aktivistinnen der Zivilgesellschaft leben gefährlich, wenn sie sich für den Schutz der Menschenrechte und für die Anwendung der UN-Resolutionen zu Frauen, Frieden und Sicherheit sowie zu sexueller Gewalt gegen Zivilisten in Konfliktsituationen einsetzen. 2014_flyer.pdf 6 MB