• Denkanstoß Geschichte

Die Friedrich-Ebert-Stiftung trauert um Inge Wettig-Danielmeier

Am 20. Mai 2026 verstarb Inge Wettig-Danielmeier. Über Jahrzehnte gestaltete sie als Parlamentarierin in Niedersachsen und auf Bundesebene sozialdemokratische Politik. Der SPD diente sie viele Jahre als Schatzmeisterin und Mitglied des Parteivorstands.

Inge Wettig-Danielmeier wurde am 1. Oktober 1936 in Heilbronn geboren und wuchs im niedersächsischen Einbeck auf. Die ausgebildete Auslandskorrespondentin und Dolmetscherin für Englisch und Spanisch legte 1960 das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg ab. Anschließend studierte sie Sozialwissenschaften in Wilhelmshaven, Ohio und Göttingen.

In die SPD war Inge Wettig-Danielmeier bereits 1959 eingetreten. Zunächst in sozialdemokratischen Studierendengruppen, bei den Jusos und im Ortsverein aktiv, sammelte sie erste parlamentarische Erfahrungen als Kreistagsabgeordnete in Göttingen. 1972 zog sie als eine von zwei weiblichen SPD-Abgeordneten in den Niedersächsischen Landtag ein, wo sie sich als hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion profilierte. Zur Landtagswahl 1986 holte sie Gerhard Schröder in sein Schattenkabinett.

Parallel zu ihrem politischen Engagement in Niedersachsen wurde sie in einer Zeit, in der Frauen selten politische Führungspositionen ausübten, auch schnell innerhalb der Partei bundesweit tätig. Von 1981 bis 1992 war sie Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), von 1982 bis 1992 zudem Vorsitzende der Kommission für Bildungspolitik beim SPD-Parteivorstand. Ab 1982 war sie Mitglied des SPD-Parteivorstands, ab 1988 auch des SPD-Präsidiums. Am Zustandekommen des Parteitagsbeschlusses von 1988, wonach Frauen bei innerparteilichen Ämtern und öffentlichen Mandaten zu mindestens 40 Prozent beteiligt werden müssen, war sie maßgeblich beteiligt. Als stellvertretende Vorsitzende der Programmkommission gestaltete sie die Ausarbeitung des Berliner Programms von 1989 entscheidend mit.

Zur ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl im Dezember 1990 zog Inge Wettig-Danielmeier für den Wahlkreis Göttingen in den Bundestag ein, dem sie bis zum Jahr 2005 angehörte. Wie schon zuvor setzte sie sich auch im Bundestag vehement für die Gleichstellung, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen ein. So hatte Inge Wettig-Danielmeier etwa an der Reformierung des Paragrafen 218 zum Schwangerschaftsabbruch entscheidenden Anteil. Noch in den letzten Jahren engagierte sie sich für die Rechte von Frauen, etwa als Mitglied und zeitweise auch Vorsitzende des Kuratoriums des Marie-Schlei-Vereins.

1991 wurde sie als erste Frau zur Schatzmeisterin der SPD gewählt. In ihre Amtszeit fielen zahlreiche zukunftsweisende Aufgaben, unter anderem die Modernisierung der Parteiorganisation, die Restitution von Immobilien der ehemaligen DDR und nicht zuletzt der Bau der neuen Parteizentrale in Berlin. Sie füllte dieses Amt mit Umsicht bis zum Jahr 2007 aus.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung trauert um eine herausragende Persönlichkeit, deren Leben geprägt war von unermüdlichem Engagement für soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Fortschritt. Ihr Nachlass befindet sich im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Wir werden ihr ein würdiges Andenken bewahren.

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