Aus der Traum? - Vier Szenarien für die Zukunft Europas -

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat über den Sommer 2014 Experten für die EU und ihre östliche Nachbarschaft eingeladen, gemeinsam Szenarien für die Zukunft Europas im Jahr 2030 zu entwickeln.

„Das Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas ist zu Ende gegangen“, erklärten 34 Staats- und Regierungschefs aus Europa und Nordamerika am 21. November 1990 in der „Charta von Paris“. Der symbolische Schlussstrich unter den Kalten Krieg rückte das Ziel eines gemeinsamen Europäischen Hauses in greifbare Nähe. Der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow hatte diesen Begriff geprägt.

25 Jahre später tobt in der Südostukraine ein Krieg. Russland hat die Krim annektiert. Damit wurde nicht nur eine faktische, sondern auch eine völkerrechtliche Grenze verschoben. Steht ein neuer Kalter, oder gar ein großer „Heißer“ Krieg bevor? Jedenfalls wirkt die Pariser Erklärung wie ein ferner Traum. Oder auch – wie eine verfehlte Prognose.

Wenn die Geschichte eins lehrt, dann dass die Zukunft notorisch unvorhersehbar bleibt, und Prognosen fast immer falsch sind. Dennoch müssen heutige Entscheidungen in der Politik auf Annahmen über die Zukunft basieren. Die Alternative zu der einen Prognose heißt: Szenarien. Szenarien sind keine Vorhersagen. Sie treffen Aussagen darüber, wie die Zukunft sein könnte – nicht darüber, wie sie sein wird. Sie zeigen damit das Feld der Möglichkeiten auf. Und sie geben der Politik einen Eindruck davon, welche Konsequenzen heutige Entscheidungen in der Zukunft haben könnten.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat über den Sommer 2014 Experten für die EU und ihre östliche Nachbarschaft eingeladen, gemeinsam Szenarien für die Zukunft Europas im Jahr 2030 zu entwickeln. Die Teilnehmer kamen aus 12 Ländern, von Großbritannien im Westen bis Kasachstan im Osten, auch aus Russland und der Ukraine. Nach drei Treffen in Berlin, Moskau und Brüssel einigten sich alle 20 Fachleute – Wissenschaftler und Praktiker aus Ministerien und Parlamenten – auf die hier kurz zusammengefassten Szenarien.

Als Leitbild wurde das Europäische Haus gewählt: Wie könnte es 2030 aussehen? Und welche Entwicklung könnte dahin führen? Die Szenarien sollen Anregungen geben für eine Debatte über die Optionen deutscher und europäischer Ostpolitik – 40 Jahre nach der KSZE-Schlussakte von Helsinki und 25 Jahre nach der Charta von Paris, die einen Grundstein für das Europäische Haus legen sollte.



Es folgt eine Kurzvorstellung der Szenarien. Für eine ausführliche Fassung der Szenarien siehe:

Scenario Group EU+East 2030: The EU and the East in 2030. Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung 2014.  www.fes.de/lnk/eueast2030

Die Broschüre (38 S.) kann unter osteuropa(at)fes.de bezogen werden.

Kurzvorstellung: Vier Szenarien für die Zukunft Europas

Szenario 1: Mietskaserne

Alle Europäer leben in einem Haus – nicht aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit

Die Beziehungen zwischen der EU und ihren östlichen Nachbarn sind pragmatisch: Alle Staaten sind Mitglied einer Freihandelszone. Die einst zwischen Russland und der EU umstrittenen Länder sind nicht länger gezwungen, sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden.

Szenario 2: Einfamilienhaus

Das gemeinsame Europäische Haus ist Realität

2030 tritt die sechs Jahre zuvor demokratisch gewählte Präsidentin Russlands ihre zweite Amtszeit an. Sie vereinbart visafreien Reiseverkehr mit der EU und den Staaten der „Östlichen Partnerschaft“.

 

Szenario 3: Ruine

Das Europäische Haus liegt in Trümmern 

Europa ist geteilt: Die Länder der „Östlichen Partnerschaft“ sind zum Objekt einer anhaltenden Konfrontation zwischen der EU und Russland geworden. Entlang einer Trennlinie von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer ist eine Zone der Instabilität entstanden.

Szenario 4: Reihenhaus

Europäer leben Tür an Tür, aber getrennt

Die EU und Russland sind wirtschaftlich aufeinander angewiesen, aber das Misstrauen wächst. Die Staaten der „Östlichen Partnerschaft“ sind der Integrationskonkurrenz zwischen EU und Eurasischer Union ausgesetzt. Darunter leiden alle: Europa fällt weit hinter die neuen globalen Machtzentren in Asien und Amerika zurück.

 

 

 

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