Mobilität Carsharing auf dem Land: Gemeinsam statt Zweitwagen 30.10.2026 Claudia Euen BARshare im Landkreis Barnim zeigt, wie Carsharing auch abseits der Großstadt funktionieren kann. Kommunen nutzen die Elektroautos dienstlich, Privatpersonen vor allem am Wochenende. Auf dem Marktplatz im brandenburgischen Eberswalde steht ein Teil der Flotte des Carsharing-Anbieters BARshare. Bild: Ersteller: Torsten Stapel „Unser ältester Mitnutzer ist 93 Jahre alt“, berichtet Saskia Schartow von BARshare. Grundsätzlich funktioniere alles ganz einfach, egal ob jemand nur alle paar Wochen ein Fahrzeug brauche oder fast täglich. Seit 2019 bieten die Kreiswerke Barnim in Brandenburg das stationsbasierte Carsharing an, ausschließlich mit Elektrofahrzeugen. Gebucht wird per App oder über den webbasierten Buchungskalender, nach der Fahrt wird das Fahrzeug einfach an seiner Heimatstation wieder an die Ladesäule angeschlossen. Aktuell sind bei BARshare 38 Fahrzeuge im Einsatz, vom kleinen Flitzer bis zum Allrounder mit sieben Sitzplätzen und extra Stauraum. Carsharing verbindet Kommunen und Privatleute Interessant ist das Nutzungsmodell von BARshare, weil die Fahrzeuge nicht ausschließlich von Privatpersonen genutzt werden. Hauptnutzer sind die Gemeinden, Verwaltungen, Institutionen und Unternehmen. Die Städte und Kommunen der Region, wie die Stadt Bernau, die Gemeinde Wandlitz oder auch der Landkreis Barnim selbst, nutzen dieses Carsharing vor allem für dienstliche Fahrten unter der Woche. Gleichzeitig können Privatpersonen die Fahrzeuge ausleihen. „Nach dem Hauptnutzer-Mitnutzer-Prinzip brauchen wir beide Kundengruppen, um die Auslastung der Fahrzeuge zu erhöhen“, erklärt Saskia Schartow. Projektleiterin Saskia Schartow erklärt Interessierten bei einem Workshop die Funktionsweise von BARshare. Bild: Ersteller: Torsten Stapel Verwaltungen und Institutionen wie Vereine benötigen die Autos fast ausschließlich zu ihren Geschäftszeiten. Die Mitnutzer dagegen häufig genau zu anderen Zeiten, vor allem nach Feierabend und am Wochenende. Es gelte grundsätzlich, so Schartow, ein einfaches Prinzip: Wer zuerst reserviert, bekommt das Fahrzeug. Allerdings könnten die Hauptnutzer ihre Fahrten meist langfristiger planen und dürfen dafür entsprechende Zeitkontingente reservieren. Saskia Schartow rechnet vor: „Neben den dienstlichen Fahrten kommen inzwischen etwa 100 private Buchungen pro Woche hinzu, vor allem von Freitag bis Sonntag.“ So ergänzten sich die Ausleihen zeitlich perfekt, sagt Schartow. „Beide Kundengruppen sind sehr wichtig, um dieses Mobilitätsangebot bei uns im ländlichen Raum langfristig erhalten zu können“. Buchung per App oder Telefon Teilnahme-Voraussetzung sind lediglich ein Mindestalter von 18 Jahren und ein gültiger Führerschein. Die typischen BARshare-Kund:innen gebe es nicht, sagt Saskia Schartow. „Familien, berufstätige oder auch ältere Menschen nutzen die Fahrzeuge. Das Angebot richtet sich an all jene, die gelegentlich ein Fahrzeug benötigen und mal auf den Zweitwagen verzichten wollen.“ Wer nur einmal pro Woche zum Einkaufen oder gelegentlich zum Arzt müsse, könne prima auf die Carsharing-Autos zurückgreifen. Hauptsächlich wird BARshare von Verwaltungen und Unternehmen genutzt. Doch auch Privatpersonen sind eine wichtige Kundengruppe, sie fahren mit den Autos vor allem von Freitag bis Sonntag. Bild: Ersteller: Torsten Stapel Neben der Buchung über die App bestehe auch die Möglichkeit der telefonischen Reservierung. Private Mitnutzer zahlen je nach Fahrzeugmodell einen Stundenpreis ab 6,90 Euro und einen Tagespreis ab 72 Euro. Hinzu kommt eine Kilometerpauschale von 15 Cent. Hauptnutzer hingegen zahlen für dienstliche Fahrten eine monatliche Nutzungspauschale von 249 Euro. Dafür können sie das Fahrzeug 30 Stunden pro Woche flexibel nutzen, müssen aber ebenfalls die Kilometerpauschale zahlen. Carsharing statt Zweitwagen BARshare ist als ergänzendes Mobilitätsangebot im ländlichen Raum konzipiert. „Es ist eine Ergänzung zum eigenen PKW, kein Ersatz“, betont Saskia Schartow. Auch die Mobilitätsforscherin Dr. Julia Jarass erklärt im VORAN-Interview, dass auf dem Land andere Gesetze gelten als in der Großstadt und deshalb das Auto nicht einfach abgemeldet wird. „Um dort überhaupt in vernünftiger Zeit ans Ziel zu kommen, nutzen die Menschen das Auto.“ Da müsse das Carsharing schon sehr attraktiv sein, damit das eigene oder immerhin eins von mehreren Autos abgeschafft werde, so die Mitarbeiterin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Initiativen für Alternativen zum eigenen Auto gibt es bundesweit mittlerweile einige. In Schleswig-Holstein setzen beispielsweise 53 „Dörpsmobil“-Vereine auf gemeinschaftliches Carsharing. Die Elektroautos sollen dort Mobilität ermöglichen, wo der öffentliche Nahverkehr an Grenzen stößt (siehe dazu den VORAN-Bericht Wie Dörfer Mobilität selbst organisieren). Carsharing-Fahrzeuge eignen sich auf dem Land als Zweitwagen oder Ersatzauto – neben dem festen eigenen Fahrzeug für den Alltag. Bild: Ersteller: Torsten Stapel Gerade in Zeiten gestiegener Kosten stellten sich immer mehr Menschen die Frage, ob sie wirklich zwei oder sogar drei Autos benötigen. Ein eigenes Fahrzeug kann für den täglichen Arbeitsweg notwendig sein. Der Zweitwagen steht dagegen oft nachmittags ungenutzt vor dem Haus oder wird nur für Einkäufe, Arzttermine oder gelegentliche längere Fahrten gebraucht. Schartow: „Genau da setzen wir an: Neben dem festen Fahrzeug für den Alltag sind wir der Zweitwagen oder gar das Ersatzauto.“ Finanziert wurde der Aufbau von BARshare mit Bundesmitteln und mit einer Förderquote von 40 Prozent. Für die unterschiedlichen Fahrzeugklassen bedeutete das eine Zuwendung zwischen 3.300 und 6.300 Euro pro Fahrzeug. Auch die Ladeinfrastruktur wurde pauschal mit 900 Euro bezuschusst. Zusätzlich beteiligten sich noch einzelne Standortpartner an den Kosten für Stellplätze. So startete BARshare 2019 mit 22 Elektroautos und drei Lastenrädern an diversen Standorten. Heute sind es 38 Autos und ein Erfolg in der Region nördlich von Berlin. Weitere Beiträge zu diesem Thema Bild: Ersteller: Dörpsmobil SH Freitag, 30.10.2026 Mobilität Wie Dörfer Mobilität selbst organisieren In Schleswig-Holstein setzen 53 Dörpsmobil-Vereine auf gemeinschaftliches Carsharing. Die Elektroautos sollen dort Mobilität ermöglichen, wo der öffentliche Nahverkehr an Grenzen stößt. Bild: Ersteller: Julia Jarass Freitag, 30.10.2026 Mobilität „Autonomes Carsharing muss keine Science-Fiction bleiben“ Die Mobilitätsforscherin Julia Jarass erläutert im VORAN-Interview, welche Alternativen zum eigenen Auto es gerade auch im ländlichen Raum gibt.